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Die Gegenwart · 1868-10-22 · 24 (22.10.1868) · p. Seite 257

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
24 (22.10.1868)
Date
1868-10-22
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
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257 4diese von vorne herein die Vorstellung der Religion vom Wesen GotteS negirten und als bloße Illusion erklärten. ES erübrigt nun noch das in weiten Kreisen herrschende System HcrbatS einer nähern' Erörterung zu unterwerfen, um zu ermittrln, ob nach HerbatS Prinzipien-die religiösen Begriffe von der Philosophie principiell negirt werden müssen. Nach Herbat wendet sich die Philosophie der Empirie zu, welche in den gegebenen Begriffen ihr den Stoff ihrer Thätigkeit darbietet. Diese gegebenen Begriffe sind solche, welche die Erfahrung uns rwfdrinqt. DaS unmittelbar Gegebene sind zwar nur die Empfindungen. Allein auch die Formen dieses Gegebenen, Raum und Zeit, Verknüpfung der Merkmale zur Einheit eines Dinges u. s. w. müssen ebenfalls als gegeben betrachtet werden. Die Philosophie weiset cS den andern Wissenschaften zu, das Gegebene zu constatirrn, sie entsteht erst mit der Reflexion auf die gegebenen Begriffe, und Herbat dcfinirt sie als die Bearbeitung der gegebene» Begriffe durch daS auf sie rcfleklirende Denken. (Lehrbuch z. Einleitung in die Philosophie S. 1—21) Die Hanptthcile seines SystemeS ergeben sich ihm weiter aus den Hauptarten der Bearbeitung der gegebenen Begriffe. Die Logik, der eiste Theil der Philosophie behandelt die Deutlichkeit der Begriffe. Die Weltanschauung liefert unS aber auch Begriffe, welche die Philosophie zu verändern hat, wie eS die Beschaffenheit eines jeden nothwendig macht. Die zweite Art der Bearbeitung ist die Metaphisik oder die Wissenschaft von der Ergänzung der Begriffe. Neben der allgemrinc» Methaphisik entsteht noch eine angewandte, welche in die drei DiSciplinen der Psychologie, Naturphilosophie und natürliche Theologie zerfällt. (Lrhrb. zur Einl. S. 23) Die natürliche Theologie erhält also eine Stellung im System als Theil der Methaphisik, und Herbat behauptete implicite, daß auch der Gottesbegriff zu den geg'bcncn gehört, den die Theologie so zu bearbeiten hat, wie eS durch die besondere Beschaffenheit desselben nothwendig ist. Wird nun der gegebene GottcSbegrisf von der Philosophie verändert, so muß noch nicht der Inhalt der natürlichen Theologie von dem der positiven Religion ganz verschieden werden, es ist vielmehr die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die Religion den Gott» Slwg» iss der Philosophie als den ihrigen ane>kennt. Die Metaphisik negirt mithin nicht die Religion. Trotzdem hat Herbat die natürliche Theologie nicht bearbeitet, und erst sein Schüler Drobisch hat diese Lücke in seinen Grimdirhren der ReligionSphilosophic ausgefüllt. Drobisch betrachtet den Begriff der Religion den Hcrbatischen Prinzipien gemäß als das Gegebene und zwar als ein solches, das znar gleich de'n geometrischen Axiomen den Eharakter des Nichtaufzuhebcudcn an sich trage, aber dabei noch mancherlei Anwandlungtn nicht nur vertrage, sondern selbst fordere. (Grdlg. d. Rlg. S. 24) Er beginnt mit der BegriffSbestimninng der Religion, indem er die subjektive und objektive S itc derselben unterscheidet. Subjektiv ist die Religion die Sehnsucht nach einem Hähern und Mächtiger«. Diese wurzelt tief im Grmürhc und zwar in den religiösen Gcfüh. len deeselben. Diese darf man aber nicht zn demjenigen rechnen, die »ach Herbat, an der - Beschaffenheit des Gefühlten haften, sondern zn denjenigen, welche von der Gemüihslage abhängcn, d. h. sic sind Gefühle der Lust und Unlust, die durch begünstigtes oder gehemmtes Streben, durch Fördcrniffe oder Hindernisse unserer Begehrungen oder Verabscheuungen ihr Dasein erhallen. Diese Sehnsucht wird unmittelbar bc;ricb:flt, durch den Glauben. Der Glaube, der jene Span: ung löset, ist eine freiwillige Anerkennung. Annahme wozu Wünsche und Sehnen zwar die Beweggründe abgeben können, nicht aber bewirkende Ursachen sind. Ucberhaupt ist der Glaube nie die Folge einer Nölhigüng, der Glanbe ist stets nur das auf blos subjektive Gründe nähmlich auf ein Bedttrfniß. rin S-reden g> stützte freiwillige für wahrhaltcn dessen, was an sich nur möglich, höchstens wahrscheinlich, immer aber zweifelhaft ist. Diese als Bedürfniß in der menschlichen Natur begründete subjektive Religion wird auch Vorstellungen und VorstellungSreihen ausbilden; aber nur al» ein Gewebe von mehr oder weniger gut begründeten Meinungen. (Gr. d. Rel. S. 24) Die Religion in objektiver Bedeutung findet in der natürlichen Religion den kräftigen Stamm, anf den sie ihre Reiser Propst, und dies ist die historisch überlieferte Religion. Vergleicht man die Begründung der subjektiven Religion bei Schleiermacher und Drobisch, so findet man die SchleiermacherS weit tiesxr und haltbarer. Schleiermacher hat das Abhängigkeitsgefühl als Thatsache des Selbstbewusstseins constatirt, und geistreich dargethan, daß der Grund dieses Gefühles nur das absolute sein könne. Wenn aber die subjektive Religion nach Drobisch nur auf einem Sehnen beruhen und daraus der Glaube oder die Annahme eines höhern und mächtiger» hervargehen soll, so beruht sie ja ausschließlich anf subjektive Meinungen und verliert mithin fast jedes Recht von objektiver Wahrheit. Anderseits lassen wieder beide die objektive Religion audem Haupte der Minerva hcransspringen, ohne einen Nachweis der inner» Verknüpfung beider zn liefern. Wenn die subjektive Religion aus sich selbst VorstellungSreihen bestimmte Lehren über daS Wesen GotteS ausbildet, wodurch das religiöse Sehnen gestillt wird, so ist ja durch die subjektive der ganze Effect hervorgebracht, die Religion nur vermag, und jede Offenbarung ist dann überflüssig. Läßt man die Offenbarung als Quelle der objektiven Religion gelten, so begreift man durchaus den innigen Eannx zwlsch'n objektiver und subjektiver Religion nicht. Die objektive R ligion propft ihre Reiser auf den Stamm der natürlichen R ligion, aber woher fragt eS sich, vermag sie ihre Berechtigung abznleiten'? In der That antwortet nnS Drobisch. habe die Pnlosophic wie überhaupt, so auch in Bezug anf die R ligion keine andere Aufgabe, als das Gegebene zn begreifen. Die angebliche Quelle der geoffenbarten Religion in Gott selbst, von dem sie ihre Lehren unmittelbar empfangen habe, könne die Philosophie nicht verwerfen, weil eS anmaßend wäre, sie zu bekämpfen, solange die P y.hologic über viele räthselhafte Er«, schcinungen der Begeisterung. Entzückung u. s. w. keine nä- Herr Aufschlüsse geben kann, als sic bis j tzt.v rinag. Gegenüber der objektiven Religion müsse sich die Philosophie nun alS religiöser Kritizismus verhalten. Wenn sie in der geoffcnbartcn Religion Widerspruch' findet, das sich logisch unmöglich denken lasse, diese müsse sie verwerfen, dasjenige worin die philosophische R'lig'onSlehre mit der positiven übercinstimnit. für wissenschaftlich begründet halten, und dasjenige, waS-die Philosophie nicht;n_begründen vermag. waS aber auch nicht als unmöglich verworfen werden dürfe, müsse dem objekliocn «Glauben überlassen werden. Wir gelangen also zu dem R snltate, daß nur in SchleiermacherS und H rbaiS Systemen die PH losophic nicht von vorne herein die objektive Existenz der positiven Religion „cgire. Journalistik. Die „Reform und die Kegenwirt." Nr. 47, der „Reform, v. 5. Nov. 18ßS bringt folgendes: An die Redaktion der „Kegenwart" Organ für jüd. Interessen in Prag. Sie haben mir die Rümmer Ihres Blattes gesendet, in welchcr eine gegen mich gerichtete „Erklärung" enthalte» ist. In derselben machen Sie mir den Borwurf, daß ich den schon seit Ha- ,r.a»s Zeiten herrschenden Mißbrauch geübt hätte, „für alles wa» im öffentlichen Leben durch einzelne Inden geschieht, die Judenheit insgesammt solidarisch verantwortlich zu machen." Darauf mnß ich Ihne» sagen, daß Sic 'meine Aeichernngcn entweder lvirklich nicht verstehen, oder dieselben mit. Pewnßtscin und Absicht entstellen. Nicht ich mache für das, was im öffentl. Leben von einzelnen Inden geschieht, die ganze Indenhcit verantwortlich, sondern ich habe wiederholt die Pcsorgniß ausgesprochen, das» die Masten dcS Polkcs das thun und die von einzelnen Inden erfahrene Unbilden an den Juden übcrbaupt rächen könnte», »vo es ja schon oft geschehen ist, AuS der Deutung, ivrlchc Sic meiner zitirten Stelle der Reforin geben, muß ich schließen, daß Eie meinen Acußrrungen wirtlich init

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