Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 24 (22.10.1868)
- Date
- 1868-10-22
- Page
- Seite 256 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I — 556 — tischkr Schablone, Amtsdiener ihre Sinekuren' halten und Tagschreibcr sich auf Beamten spielen die füglich ein Kassier, ein Schreiber und ein Diener subsistuircn könnten; doch da man um Alles in der Welt feinem Ehrenamte einen Nim- , bus verleihen wollte, lo mußte die ganze Geschäftsführung einen amtlichen Eharakter erhalten, und diesen amtlichen Charakter muß, die Gemeinde mit schwerem Gelde bezahlen. Fasst man nun ms Auge, daß bei einer Umlage von 13000 fl. die Administration über 6000 fl. absorbirt, so wird man über die Geschäftsführung sich eines Lächelns nicht erwehren können; wir sagen Geschäftsführung und legen dcßhalb darauf de» Ton, weil die jüdische Gemeindevertretung, wie schon einmal bemerkt, keine politischen sondern kulruellc Interesse» zu vertreten hat, und in der That muß cS vom rein praktischen Standpunkte aus betrachtet, recht naiv erscheinen, wen» der Inhaber eines kleinen Geschäftes, der die Aussicht hat, jährlich 13000 fl. zu lösen ein Personal mit 6000 fl. houorircn möchte, nachdem eS faktisch sicher gestellt ist, daß große Kaufleute, deren EinnahmS Canto hundert Tausende anSwrist, nicht einmal R'gie vou 5!X)0 st. haben; wobei wohl weislich zu bedenken ist, daß der Kaufmann sich glücklich fühlen möchte, wenn ihm znm Bchuse der Cin.treibnng seiner Außenstände eine solche Exekutive geboten wäre, wie der Repräsentanz. Wir geben nun den Herren der -Repräsentanz, deren interessante Ealkulatiou zu bedenken und rathen ihnen die Hand ans Her; zu legen und sich folgende Fragen aufzuwerfen : WaS hat die Repräsentanz seit mehr alS 18 Jahren geboten? Hat sie außer den schon unter dem alten Borstehcrrcgime bestandenen Instituten andere errichtet, oder die schon bestandenen v rbrssert und gehoben? was hat sie geschaffen? was verbessert? was für'S Humanitäre, für den Unterricht, für die Armen geleistet? —Wir befürchten, diese Herren in Berlegenheit zu bringen, aber glauben immerhin denselben nur nützlich zu sein; sollten sic jedoch zaudern, so mögen sie überlegen, daß die uralte jüdische Gemeinde Prags noch immer ein beschränktes Spital besitzt, daß sie in dem Viertel, wo oft die obscöüsten Bilder zum Vorscheine kommen, ein KnabenwaisenhanS aufznweifcn sich rühmen kann, in welchem der Erzieher, dem diePflege von verwaisten Kindern anvcrtraut ist. mit 300 fl. bezahlt wird, die heute ein Tagwerker zurückwcist. daß sic wohl eine Talmud Thora- Schule als das einzige l.orpU8 delicti der Leistungen der R'präsentanz, erhalten muß. in der nichts gelernt und nur jungen von sreinden Pioviuzen herbeigreilten Jünglingen Borschub geleistet wird, sieb „phisiscb" zu erholen, damit sie „moralisch" in die Höhe tonnnen und sich „mausen", daß i das Armenwesen ein unentwirrbares EhaoS, kurz daß Alles! im verwahrlosten Zustande ist, der der Prager Israeliten - Gemeinde wenig Ehre macht. Was haben nicht andere ja kleinere Gemeinden geschaffen und dieß Alles nur durch die I wahre Jntcressenwahrnug und rastlose Thütigkeit ihrer Bcrj tretungen! WaS in Prag ausgezeichnet und mit Stolz her-j vorgehvbcn werden kann, das habe» die Gemeindcmitgliedcr j mit großen Opfern errichtct.wülncnd die Repräsentanz müßig! die Hände im Schooße ruhen ließ; dieß gilt aber nicht nur! vou den vielen Wohlthätigkeilsanstalten und Humanitären Bereinen, sondern auch von den Synagogen, in welchen der! Gottesdienst geregelt wurde. Prediger und Eantoren austän-! big besoldet werden und so eine Organisation cingcireten s ist, an der nur die Gemeindemitglicdcr aber keineswegs die! Rep»äsentanz ein Verdienst haben. Aus Dankbarkeit für die! edeln, guten, selbst geschaffenen Werke der Gemeinde, wird dieselbe rücksichtslos besteuert und eine Kanzlei von der Steuer j errichtet, die mehr als die Hälfte derselben in Anspruch nimmt, j wir glauben, daß diese Herren, denen wir diese Fragen ans- ( geworfen haben, selbst schon ziemlich cmig sein dürslcu über . die Leistungen der Repräsentanz und über deu Zweck der , Sitzungen derselben, die vielen der Herren gradezu eine Last sind, der sie sich oft zu entledigen suchen, weil sie den Werth so recht zu würdige» wissen. Man muß aber die Herren ebenso damit entschuldigen, daß sie die Sachlage nicht gut > begreifen, als man die Gemeindemitglieder entschuldigen muß, daß sie anderweitig zu sehr occupirt und von Sorgen gedrückt sind, um sich um die gewissenhafte Wahrung der Gemeindeintercsscn von Seite der Vertretung zu kümmern. Es gibt sich somit Niemand der Uebertreibung hin, wenn er behauptet, die Wirksamkeit der 18 Repräsentanten sei noch weniger rühmenSwerth als jene eines Vorstehers unter besten Leitung die damalige Gemeindesteuer eine wenigstens erträgliche zu nennen war. Die unzähligen Beschwerden über die hohe Besteuerung, die uns mündlich und schriftlich gemacht wurden, veranlassen unS den Beschwerdeführern zu erklären, daß wir keine Instanz bilden, die über Steuerherabsetzung zu entscheiden hat; wir überlasten es dem hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern die Regelung der Beitragspflicht zu den isr. Kultusgemeinden, so wie eS von diesen beiden Ministerien im Prinzipe bcschloffen wurde, und hoffen auch ans den besten Erfolg. Der Repräsentanz aber empfehlen wir nachdrücklichst, so wie wir cs schon einmal betont, eine konstante Regelung der Gehalte, die unter Umständen rcdnzirt werden sollen, Einstellung von überflüssigen Pensionen nnd Remunerationen, Auslastung der unter dein Namen außerordentliche Ausgaben vcrzcichneten Posten, Beschränkung der Lokalitäten im Rathha ise und Verwendung derselben zu praktischen Zwecken, (z. B. die jüdische Gemeindebibliothek,) Beseitigung der Idee nnd der Verwirklichung eines FondeS, und schließlich ein znm Nützen und Frommen der G-meinde unter M thilfe von Gemeindemitgliedern ansgearbeitetes Gem.'indestatut. Dieß Alles berücksichtigt, wird auch einen andern Stenercensus zur Folge haben, und die CnltuSstener wird zu einer erträglichen und zu keiner Juden st euer werden. Das Verhaltnisi -er positiven Religion zur Philosophie nach Dchleiermachers und Serbats Prinzipien, im Gegensätze zu den absolut-rationalistischen Systemen Eine philosophische Untersuchung von vr. Albert Naber, Rabbiner nnd Prediger. (Schluß.) Nach dieser Charakteristik des Abhängigkeits-Gefühles, wonach es Thatsache des Selbstbewusstseins sei, kann aber dasselbe unmöglich geleugnet werden, weil cs die einzig nnd allein mögliche Beziehung des Scl.'stbewusstsciiiö auf Gott ist. Denn in jeder anderen Beziehung, in der Gott nicht wie im Abhängigkeitsgefühle als die allein bcstimmciide und durch Nichts bestimmbare Macht gesetzt wird, werde auch der Begriff Gottes in die Kategorie der weltlichen Dinge eingcrciht. Gott kann also nur als die absolute Eiusalität durch das Abhängigkeitsgefühl gefasst werden. In der Dialektik wird demnach die Philosoph. Idee GottcS, als die Idee der absoluten Einheit, in der Dogmrtik soll diese philosophische Idee Gottes ergänzt werden durch die religiöse Idee desselben. Die Fassung des Absoluten ist der Religion und der Philosophie gemeinsam, nnd wird von der Philosophie die Gottheit stets nur, als die reale Negation aller Gegensätze nnd Einheit ohne Vielheit bezeichnet, von dem religiösen Bewusstsein hingegen wird sie als absolute Causalität als tranScendentaler Grund gefaßt. So besteht die Dogmatik bei Schleiermachcr neben der Dialektik, und die Religion ist wenigstens in ein haltbares B.rhälcniß zur Philosophie gebracht. .Schlcicrmachcr gebührt die Anerkennung, daß seine Bcgriffsbestiinmnng der Philosophie gleichfalls wie alle idealistischen Systeme >nur von Wissen ausgehend, nicht wie I