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Die Gegenwart · 1868-10-22 · 24 (22.10.1868) · p. Seite 254

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
24 (22.10.1868)
Date
1868-10-22
Page
Seite 254 (sequence 2)
Language
German
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254 hiesigen Gemeinde an diese entrichten. Die löbliche Repräsentanz der b. L. I. aber machen wir darauf aufmerksam: 1. daß sie keineswegs bloß eine Vertretung sei der größeren, längst bestehenden Jsraelitcngemeindcn, welchen die jetzige Gepflogenheit zu Gute kommt, daß sie vielmehr die Gesammtintcrrsscn der böhm. Juden ohne parteiische Berücksichtigung von Tonderintercssen zu vertreten hat; 2. daß die Pflicht in die Heiinatgcmcindc zu ftcitetn ohne die Möglichkeit von deren Instituten Nutzen;u haben, die Bildung neuer Geincinden, da wo Israeliten in größerer Anzahl sich wohnhaft gemacht haben, wegen der sodann entstehenden Dopprlpflicht vielfach behindert, daß also durch den unstatthaften jetzigen Vorgang da? Einporkommrn jüd. Lebens und jüd. Bewusstseins unter einer großen Anzahl von Juden unmöglich wird; .‘J. daß so groß auch die Opfcrwilligkeit der Juden stets gewesen und noch sein möge, eS gewiß unrecht und unklug wäre, die Stcuerpflicht der Juden noch heutigen TagcS nach anderen als den allgemein giltigen Normen zu regeln, 4. daß das all zu scharf schartig und das allzu straffeÄnspannen den Bogen brechen macht, daß nämlich auS Artikel 14. der Grundrechte östcrr. Staatsbürger noch manches deducirt werden könne, was die Stenerpflicht selbst der einfach Besteuerten wesentlich, jcdcSfallS nur auf streng nachweisliche Kultus - mit Ausschluß aller BohlthätigkeitS und anderer Zwecke zu beschränken geeignet scheint. Interckum sapienti sat! Eine moderne Iudensteuer. Als vor mehr als zwei Dceennien die Judenstener durch einen Gnadcnakt Sr. Muj. Ferdinand des Gütigen aufgehoben wurde, da war Jubel in Israel und die jüdischen Herzen jauchzten ob der Hiiiwegräumniig einer mit dem finstern Borurthci c enge verknüpften Sonderstellung, welche dieser mittelalterliche Tribut geschaffen. Damals dachte gewiß niemand daran, daß dieser denkwürdige Moni nt durch Lasten wird verewigt werden, die man mit dem modernru Namen „CultuSstener" zu benennen wizßt'e. Bevor wir anf die Genesis derselben eingehen, wollen wir vor Allem einen Rückblick auf jene Zeit werfen, in der die Präger Ji'raeliten-Ge» meinde mit diesem allrrneuesten Danaer Geschenke beglückt wurde und in einer komnna! historisch. Entwicklung einen Vergleich zwi- * schm dem damals und jetzt anstellen, um so den Beweis zu liefern, daß in der prager isracl. Gemeindevertretung eine an Thatcnlosigkeit grenzendeunpraktische Methode eingerissen, ein System jenem scheinbar verdorbenen den Platz geräumt, welches den unter dem Scheinlibcralismnö versteckten vom Zopfthnme getragenen Geist in sich begreift. Zn jener Zeit, die noch in die Metternich'iche V riode fällt, hatte die prager Jsraelitcn-Gcmcinde rin Vorsteheramt. das nicht nur einen kultucllen, sondern auch einen politischen Charakter hatte und cS dürfte bekannt sein, daß dieses Amt gewißcrmaßen eine Behörde bildete, die mit den wirklich politischen Behörden im steten Contacte war. Dieses Amt wurde von einem jüdischen Vorsteher mit zwei christlichen Beamten zur Seite, geleitet, die inSgesammt die Aufgabe hatten, die damals so schwierige Administration, der heutigen Josefstidt (Jndcnstadt) zu führen, da die isr. Gemeinde die Grss.msäuberungS-, BeleuchtungS- und BauaüSlagen dieses Viertels, die Besoldung deS BczirkSarzteS, des Hmrptschul- Lehrerper- - sonalS der Joscfstädter Normal- und Hauptschule sc. de. biS zur Ncalisirung des Anschlusses dcrJsscfstidt an die präg. Hauptgemeinde, in eigener Regie hatte. So wie jedes Si't'in, fei cs durch OrtS-, fei es durch Zütoerhästnisse sein G ab findet und oft durch ein neues, von dessen unpraktischem Berthe man spät erst die Neberzeugung erlangt, ersetzt wird, so geschah cS auch mit jenem Vorstchcramte, das bereits seit nahe an zwanzig Jahren nichts als die bloße Erinnerung nnd höchstens jenen Eindruck znrücklicß. den heute die Geincindcmitgliedcr unter großen Opfern empsindcn m issen. Es trat uin jene Zeit eine Reaktion in der Gemeinde ein, nnd da ihr das weiland Borsteheramt nicht mehr behagen konnte, und sie dasselbe für einen Augiasstall angesehen, der um allen Preis gereinigt werden mußte, so bildete sich eine Partei, die sich Stur; des „alten R'ginic" nnd eine neue Organisation zur Ausgabe machte. Wir müssen offen erklären, daß wir jene Partei ob ihrer Energie oft bewunderten, keineswegs ihr aber für da(- deff nnd^rrwiedere Derne Neigmrgnritder ganzen Glntch nremes" Geschlecht-. Lab Dich hier anf daS Kissen »eben wich nieder nnd höre wer ich bin. - Mein Vater war einer der angesehensten Inden Smyrnas, man nannte ihn vollständig glücklich. denn er galt für den wohlhabendsten nnd rinstnstreichsten seiner Glaubcnsgenossen nnd ick. sein einziges Kind, war der Mittelpunkt seines Glückes. Da suchte der Pesthauch des Fanatismus unsere -Stadt heim, die Moslems sielen mlt blöder Wnth über uns und unsere Glanbensbrüd'cr her. zerfleischten die Wehrlosen und vernichteten, was sic nicht mit sich sortschlrppen konnten. Kurz war der Kampf, — endlos da» Elend I Mein armer Vater gab Alles hin. nur bat er um Schonung für mick; aber die Räuber wusiten, was ihm das Liebste war, .sie schleppte» mich als Vente fort. Mein dkbschiedrblick sah ihn znsammensinken in (Kram nnd Verzweistnng! Die Entführer verkauften mich an de» Harem des Kalifen von Bagdad, von hier kann mich die Hand meines Vaters nicht zurückführen so wenig wie ans dem Grab. Kurze» Schweigen unterbrach die Erzählung' AzizaS, dann fuhr sie fort; „Das Wiucf begünstigt mich in meiner Gefangenschaft ick bin die Favorite des Kalifen. Fm Harem spricht man meinen Namen mit Liebe und Fiisch). denn Malnnnn ist rin Despot und ich beherrsche ihn mit meinen Launen. Ick verlangte nach Freiheit nnd der Kalif bewilligte mir sechs Tage freien Schaltens in jedem Monat. Diese sechs Tage gehören Dir, mein Arsiel, bis eS Dir gelingen wird unser Vermögen in eine entfernte Gegend zu retten, damit wir weit von Bagdad in ein Land stieben könne», wo n»S Mabnnm's Arm nicht erreicht. Dort wollen wir ganz einander angehö. ren I Du kennst da- Lebe» einer Favoritin; ivir herrsche» über schreckliche Gebieter, aber da- Unglück wendet sich manchmal' gegen .. ..... **""" mir wohl da? Scksiveigen meiner DreNer crkanfts aber'iuKnc chchcrstc Stühe ist die Trenc nnd die Hingebung meiner guten Zcinab." Die Sklavin fiel bei dieser Rede anf ihre Knie nnd bedeckte ihr Gesicht mit den Händen Aziza's. Arsiel verschlang jedes ihrer Worte nnd presitc glühende Küsse auf ihre Lippen. Wer war glücklicher als Arsiel I — Arsiel s Glück sollte nicht von langen Dauer sein. Zeinab eilte eines Abends vor dem Laden des Kaufmanns vorüber. Dies war daS verabredete Zeichen, da» der Kalif morgen seiner Favoritin einen rag der Freiheit bewillige- und die Einladung znm Stelldichein. Arsiel begab sich zur bestimmten Stunde nach dem Pavillon, Aziza kam nicht. Er wartete bis lange nach Sonnenuntergang aber vergebens. Die Unruhe peinigte ihn, trieb ihn fort vom Orte sei- »cs Glückes und fand ihn noch am vollen Morgen mit den Ovalen der Ungewistheit kämpfend, ermattet auf seinem Lager, SUA. Tagüber verliest er nicht die Schwelle seines Kaustadens und beobachtete jede» Vorübergehenden. Ja jedem glaubte er Zcinab zu erkennen, doch Zeinab kam nicht. Der Abend brach Hera» und der Bazar war beeits menschenleer. Bei der nun cintretenden Dunkelheit bemerkte Arsiel kanm, dast sich eine schwarze Gestalt mit der Behändigkeit einer Katze an ihn heranschlich. Die Gestalt flüsterte ihm zu: „Du wcistt wer mich schickt. Drei Frauen deS Kalifen sind zum Tode vernrthcilt. weil sic sich in den Augen unseres Herrn der Untreue schuldig geinacht. Unter ihnen befindet sich Aziza. Morgen Abend nach Sonnennntergang werden die Drei in der Nähe dcs Schlosies Abbus in den Tigris geworfen. Diejenige die Dich liebt, hat sonst keine Hoffnung, als auf Dich. Versuche sie zu retten I Wage Alles für sic. wenn D» ein Mann von Herz bist l" Der Sklave sprach - und eilte davon. (Fortsetzung folgt.)

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