Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 24 (22.10.1868)
- Date
- 1868-10-22
- Page
- Seite 253 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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HMjähriges Ado»« ltntnt für Prag unb lit Provinz inklusive Aostrllung ins Haus »der Postversrnduog ö. W. - . 1 fl. 40 kr. fitr'S Ausland ILdlr. Inserate werden l»illigst berechnet. Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Judentums. Erpedition für den gesäumten Buckhiuidel Oökar Seiner in Leipzig Btr!>lgSbiichhand!iliig. Redaktion and Atz» millisttatiou Rittergaffe Rro. 408 - k wohin alle Briese n. Meltzstudnugra zu richten sind. Tie „Gegenwart" er« scheint am I. und 1eines jeden Monates. Nro. 24. Prag 15. ‘ttooember 1868.1. Jahrg. Inhalt: Leitartikel: Die Zahlungspflicht in .den CultuSgemcinden. -^Eine mo drrne Iudensteuer. —Da« Verhältnis; der positiven Ret gion zur Phi losophie. — Journal istik. Correuionoeozru: Prag, Reichenau. Locales. — Auswärtiges. Feuilleton. — Inserate. Die Zahlungspflicht in den Cultusgemeinden. Wenn wir uns mit Folgendem nicht sofort den Dank des Pndlikumö, speziell des uns zunächst umgebenden, erwerben; so tröstet uns der Gedanke, daß der Journalist nicht immer das Echo, sondern viel öfter d'.r Bildner der öffentlichen Mcinnng zu sein die Pflichi hat; daß er nicht wie viele andere die Grundsätze des Liberalismus bloß als hochtönende Phrasen im Munde tragen, sondern auf deren genaue praktische Aus- und Durchführung achten soll, und daß oft viel ehrenhafter als ein wöhlfeil erlangtes Wohlwollen das Bewusstsein ist, ein Bürger der Zeiten zu sein, die da kommen sollen. Rach einem Erlasse deSH. Staatsministeriums, vom Jahre 1861 ist jeder Israelit, der seine heimatliche Kultusgemciudc verlässt, dennoch zur Steuer an dieselbe in so lange verpflichtet, als er nicht die Ausnahme ln eine andere als seine frühere politische Gemeinde nachgewicscn hat. Durch diese Maßregel wurden wohl die alten KultuSgcmcinden gegen die großen Rachtheile, welche die Freizügigkeit plötzlich ihren Einkommen bringen konnte, geschützt; aber viele Israeliten, die cntw.dcr die Zuständigkeit Feuilleton. Auö dem Harem. ^Fortsetzung.) Die bczeichnctc Stelle wurde von Arsicl sogleich gewählt und gekauft. Der Bau begann und die Arbeiter wetteiferten an Schnclligkcit, weil Arsicl ihren Eifer reichlich belohnte. Das Gebäude stand, die Einrichtung war eben so prächtig als geschmackvoll, denn Arsiel wendete allen seinen Scharfsinn an, um unter diesen vier Mauern der Behaglichkeit Altäre zu bauen. An jedem dritten Tage saß er vor seinem Magazin und wartete. Zcinab ging vorüber und ein Seitenblick voll ihr bemerkte das Zeichen, welches Arsicl gab, das so unmerklich war, daß selbst dem schärfsten Beobachter das Einverständniß dieser beiden Menschen hätte entgehen muffen. Als e» dunkeltc, kam sie wieder. Nachdem sic einen scheuen Blick ringsum geworfen, um sich zu überzeugen, ob sie von Ricmand bemerkt werde, trat sic in den Laden und richtete ihren Auftrag aus. „Finde Dich morgen um die Mittagsstunde außerhalb des ZuilathorcS ein, dort findest Du meine Herrin. Hüte Dich, daß Dich kein menschliche- Auge lehr. Allah mit Dirl" Sagte eS und verschwand. Arfiel fand fich zur bestimmten Stunde beim Stelldichein, er zu einer neuen politischen Gemeinde nicht erlangen wollten, oder noch öfter nicht erlangen ionnten, waren faktisch in der Lage, für ein rein moralisches -Objekt, für die Glanbenstreuc. I an zwei Orten, also zweifach besteuert zu werden. Rach all > gemein giltigcn Grundsätzen ist jedes Individuum nur da i steuerpflichtig wo cs Besitz oder Erwerbsrechte ansübt, oder | an Genüssen theilnimnn; vergebens aber weist der Jsrac-! lit sich auS, daß er vielleicht durch Entfernungen von 20 und mehr Meilen von seiner heimatlichen ztullusgemeinde ents'rnt von deren Jilsli.utioncn nichts genießen kann, ver-; gedcnS, daß er der .^ullussteuerpflicht, da wo r» mit den Seinen existiert, ordentlich nachgekommcn; thut nichts, der Jude — wird zwar nicht verbrannt, aber ans Begehren seiner eigenen GlaubcnSbrüdcr rxcqnirt. Djc h. Statthaltcrci hat nun in einem Erlasse an die löblich: prazer Maltas und die lobt. Repräsentanz der böhmischen LandcSjudcnschast unter Bezugnahme auf Artikel 14. der Grundrechte der österreichischen Staatsbürger die bisherige Gepflogenheit als ferner unstatthaft bezeichnet und einen neuen liberaleren Grundsatz für die Besteuerung vorschlagcnd die Gutachten der genannten Korporationen abvcr« langt. Wie wir vernehme», soll die Präger Repräsentanz sich nicht ganz in liberalem Sinne zu äußern willens sein; und eS nimmt nnS nicht Wunder, da wir schon bei der Debatte des Schulgesetzes im Landtage erfahren haben, wie manchen 'Mitgliedern unserer Repräsentanz an ein Bischen gesetzlicher Ansnahmc für die Juden nicht viel gelegen ist. Und bei dem gegenwärtigen Vorfälle wäre sic doch damit in etwas zu entschuldigen, daß cs sich um den Berlust jener Beiträge handelt, die etwa nach Wien übcrsiedcltc Angehörige der — wartete nicht lange, als er das weiße MIcib seiner unbekannten Freundin gewahrte, die, von ihrer Dienerin begleitet, raschen SchrittcS auf ihn zukam. Die Drei verfolgten den Fnßsteg, der sich unter üppigen Palmen nnd EactuS längs des Euphrat hinzicht und erreichten den Pavillon. Zcinab hielt sich ehrerbietig an der Schwelle und verrichtete sorgsam ihr Wächtcramt. Als Aziza in das Gemach trat, konnte sie üch eines Ausrufs des Entzückens über die Pracht der Ausstattung nicht erwehren. Ihre Zufriedenheit ivar der schönste Lohn für Arsicl. den» ein zitternder Händedruck sagte. waS in dem Herzen des schönen Weibes vorging. Aziza trat hinter den seidenen Vorhang, der in schwere» Falten vor dem Fenster hing, und im Gemach ein wohlthuend kahles Dnnkel bewirkte. Voll freudiger Rührung schweifte ihr thrancnfcuchtes Auge über die Gegend hin und blieb scelentrnnken auf den majestätischen Fluß hafte», in dessen Wellen sich das goldene Abcndroth badete. „Frei, endlich frei I" lispelte» ihre Lippen und bewegten sich lautlos wie im Gebete, in das sic eine Zeit lang mit gefalteten Händen versunken schien. Arsicl trat an sie heran, sic wendete sich zu ihm und faßte mit einem Ausdruck voll Liebe seine Hand. „Dank, Dank! mein Freund, Du gabst mich der Freiheit und dein Leben wieder, Dein gehöre Beide». AlS ich Dich zum ersten Male sah, schlug mein Herz in Liebe für Dich, ich fand Dich gut und würdig, großmüthig in der Armuth, ausdauernd in der Arbeit und hingehend in der Liebe, Ich weiß, wa» Du für mich empstn.