Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 23 (24.9.1868)
- Date
- 1868-09-24
- Page
- Seite 251 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4890378-5433912-5433941--149-4890510- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
251 Beilage zur „Gegenwatt" Nro. 23. den Juden kein Ätittel zur Erreichung ihrer Zwecke, keine Verletzung göttlichen und menschlichen Rechte-, zu schlecht sei. Wie oft hat der Name Goldmarks als Beweis für diese Behauptung gelten müssen I Nun, der Mann ist zurückgekehrt, hat sich freiwillig dem Gerichte gestellt, zurückgekehrt auS einem Lande und einer gesicherten Stellung, wohin der Arm diese- Gerichtes unmöglich reichen konnte, zurückgekehrt getreu seinem Bersprechm, daer beim Abgänge nach Amerika veröffentlicht, sobald er glaubte, auf gerechte Richter mit Sicherheit rechnen zu dürfen. Und gar gewichtige und glaubwürdige Zeugen haben bei Gerichte auögesagt und die Aussagen der Zeugen der Unduldsamkeit, de- UebelwollenS oder gar der Machination. — wer weiß eS und kann eS heute noch wissen? — völlig zu Schanden gemacht. Und die Frage, ob Reaktionäre oder ob die Juden göttliche und menschliche Satzung mi-achtet, mit Menschenleben gespielt und nicht ganz lautere Mittel gebraucht haben, ist wenigstennicht zur Unehre der Juden entschieden worden. Auswärtiges. Aalladei. Am 10. d. M. fand hier die Einweihung der israelitischen Schule in dem vom Herrn Simon Levy und Söhne in Jungbunzlau gespendeten Hause in feierlicher Weise statt. Der hiesige Lehrer Herr Mose- Pick hielt eine der Feier entsprechende Rede. Kremsier. Das Mitglied des Piaristcn-Coüegium- D. war vor einiger Zeit zum ProtestantrSmuS übergegangen. Allein auch diese- Bckcnntniß scheint den Mann nicht zu befriedigen, denn er hat sich dem Vernehmen nach entschlossen, zum Judenthume übcrzutreten. (Frcmdbl.) Trebitsch. In kurzer Zeit wird hier bei der BezirkS- Hauptmannschaft die erste Civilehe geschloffen werden. Der Rabbiner verweigert nähmlich der Witwe Fanny Wolfenstein die Trauung, weil sie an einem der Brüder ihres verstorbenen Mannes die sogenannte Cbaliza (SchuhanSziehungS-Ceremonie) nicht vollzogen hat. Die an der AmtStafel der BezirkShanptmanuschaft angeschlagene Kundmachung lau, tet: „Eheaufgebot! ES wird hiemit zur allgemeinen Kcnntniß gebracht, daß Herr Abraham Polnauer, geboren zu Hr^ zovi, Reserve - Bormeistcr deS k. k. 12. Festung-- Artillerie- Bataillons, wohnhaft zu SvatoSlau, im Haufe ohne Knskr. Rro. gegenüber dem Brantweinhause, ledigen Standes, und Frau Fanny Wolfcnstein, geboren zu BoSkowitz, wohnhaft zu SvatoSlau, im Hause ohne Konskr.-Nro., gegenüber dem Brantweinhause, Witwe nach Joachim Wolfenstcin, eine Ehe unter sich zu schließen beabsichtigen. Jedermann, dem rin gesetzliche- Hinderniß dieser Ehe bekannt ist, wird ans gefordert, dasselbe innerhalb deS dreiwöchentlichen Aufgebots- Termins entweder unmittelbar bei der k. k. BczirkShauptmannfchaft Trebitsch, welche zur Eheschließung berufen ist, oder mittelst deS Gemeindeamtes in SvatoSlau anzuzcigen. Wien. In der Mittelschnlen-Deputation deS GcmcinderatheS wurde ein Antrag cingebracht des Inhalt-: „Am Leopoldstädtcr Realgymnastnin wäre von Seiten der Kommune Wien ein israelitischer ReligionSlehrcr anzustellen, da zwei Fünftheile von den dortigen Schülern dem mosaischen Glaubensbekenntnisse anzchören." Die Mittelschulen - Deputation hat jedoch diesen Antrag mit dem Motiv abgelehnt, daß ebenso gut auch der Antrag auf Anstellung eines evangelischen oder griechischen Religion-lehrerS eingebracht werden könnte, weil nahezu der fünfte Thcil von der Schülerzahl ebenfalls anderen GlaudcnSbekenntniffen als dem katholischen angehöre. sie». Dem »Pefthcr Lloyd" wird auS Wien geschrie» Frage der Gleichberechtigung melden zu können, der von In-' teresse sein dürfte. Ich berichte die Thatsache. wie sie mir von lauterer Quelle zukommt. Ein Grundbesitzer mosaischen Glaubens kaufte vor einiger Zeit vom Grafen Julius Andraffy eine Herrschaft; selbstverständlich wurden in den Kaufcontrmt Paragraph« ausgenommen, nach welchen der Käufer alle Rechte und Pflichten deS vormaligen Gutsbesitzers, also auch die eine- Kirchenpatrons übernimmt. Auf einem Gute der erwähnten Herrschaft ist nun die Pfarre vacant °. da dem mosaischen HcrrschaftSbcsitzer das BesednngS- und Vorschlag-recht bezüglich der Stelle znsteht, io gedenkt er auch davon den vollsten Gebrauch zu machen. Dagegen protestirt jedoch, dem Vernehmen nach, der Bischof von Neutra; privatim ist der Kirchenfürst.wohl erbötig, dem jeweiligen Gutbesitzcr da- Vorschlag-recht rinzurüumen, mehr nicht. Selbst verständlich (?) wird diesenicht acceptirt, und so erscheint eS nahezu wahrscheinlich, daß die Pfarre gegen den Willen deS Herrn Bischofs ehestens besetzt wird, und dieum so schneller, als sich um den Posten eine größere Zahl Eapläne bewerben. Da dievoraussichtlich zu einem Eonflict zwischen dem Gutsbesitzer und dem Bischof von Neutra führen muß. so ist eS leicht möglich, daß die Angelegenheit von der ungarischen ReichSvertrctung ansgetragen wird. Lemberg. Am st. Oktober wurde in dem hiesigen israelitischen Tempel anläßlich der gestern gefasten Beschlüsse über die Gleichberechtigung der Israeliten eine feierliche Dankandachl abgchaltcn. Mehr als 2000 Menschen füllten denTem pel. Noch gestern hat man die Abg. Smolka, Wcnzyk GoluchowSki und GniewoSz zur Theilnahme an die fcr Feier eingcladcn, und sind wirklich auch die Hrn. Smolka und Wenzyk erschienen, dagegen waren die Herren GoluchowSki und GniewoSz durch Arbeiten in Kommissionen am Erscheinen verhindert. Nach der Andacht erhob sich der hiesige Rabbiner Herr Löwen sie in. um in einer ergreifenden Rede den Abg. Wcnzyk und Smolka für ihren Muth und ihre Ausdauer, mit der sie für die Rechte der Israeliten eingestanden, zu danken. Herr Löwenstcin hebt besonder-hervor, daß der Landtag durch seinen gestrigen Beschluß bewiesen habe, daß unser Land für das konstitutionelle Leben reif sei, da es die angeborenen Rechte seiner Mitmenschen zu achten weiß. In andachtsvollem Tone, mit gehobener Stimme segnet Herr Löwenstein die Thaten des Landtages. Die Rede wirkte auf alle Anwesenden von denen einige bis zu Tbräncn gerührt waren, mächtig ein; am Schlüsse forder-e der Redner die Anwesenden auf in unserer Nationaliprache de« galizischen Landtage ein Hoch zuzurufen. „Niech z.ije“ ertönte cs dreimal nachimander im Tempel worauf die Feier geschloffen war. Dr. Smolka und Wenzyk wurden unter fortwährenden Hochrufen nach ihren Wohnungen geleitet. — Wie ich höre wurde Smolka durch israelitische Nolabilitäten auch ein kostbares Silbcrscrvice zum Geschenke gebracht.' Paris. Herr Eugen Manuel wurde zum Professor der Rcthorik am College Rollin ernannt. London. Auch in dem freien England hat das Nischus noch nicht aufgchört. Wie wir bereits mitgeiheilt, ist unser Glaubensgenosse, Herr Worms, bei den ge ge »wärt i g bevorstehenden Wahlen in England als confervativer Candidat ausgetreten. Die liberale Partei kämpft mit aller Macht gegen ihn, aber auch mit Waffen religiöser Intoleranz. Ihr Streben ist, die Wähler von der Wahl eine- Inden adzuhalten. Dageschieht in dem freien England von der liberalen Partei im Jahre 1668. Newfjoil Bei dem riesigen Verkehr und wachsenden Wohlstand m dieser Stadt ist cs nicht zu verwundern, wenn die geschicktesten Handelsleute Prachtbauten aufftthren lassen, we"n die Juden einen neuen Tempel errichten, und sofort ans den Kosten freistellen. Der Bau deS neuen TempelS „Kmanu El* in der 43. Straße (5. Avenue) kostete etwas über 650.000 Dollars. Vergangene Woche fand die Versteigerung der Sitze statt. Die ersten 20 Sitze brachten 140000