Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 23 (24.9.1868)
- Date
- 1868-09-24
- Page
- Seite 249 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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249 Schwierigkeiten nicht abschrecken lassen und rüstig ans Werk gehen, finden mit der Zeit den Lohn ihrer Bemühungen und unter günstigen Umständen, da nichteiner fteien Bewegung oder der Wahl eine- Berufes im Wege steht, gelingt es Manchem, sein lang geträumte- Lustschloß verwirklicht zu sehen. Ueber solche Glückskinder wird dann viel in die Welt hinanposaunt; aber über die Schwierigkeiten, die sieanznkämpfcn hatten, so wie von den Tausenden, welche neben ihnen für datägliche Brod sich abmühcn müssen und die Leben-bühne verlassen, ohne eine ihrer sehnlichsten Wünsche erfüllt gesehen zu haben, wird kaum gesprochen, und bilden selten die-seit- oder jenseits de- OceanS den Gegenstand eine- Zeitungsberichtes. Ich finde eS für nothwendig diese Bemerkungen vorauSzuschicken, da nur zu viele Ursache vorhanden ist zu der Befürchtung, daß glänzende Berichte über die glücklichen Erfolge einzelner PersönUchkeiten, Biele veranlassen dürften, eine bessere Stellung und glänzendere Aussichten in Amerika zu erwarten, welche weder die Energie noch das Talent besitzen, gegen neue Schwierigkeiten und Hindernisse anzukämpfen, noch sich von licbgewonnencn Gewohnheiten und Ansichten loszusagen. Glicht jeder Lehrer, der in Böhmen in einem kleinen Orte eine Stelle bekleidet, muß eS nothwendiger Weise hier zum vorzüglichen Rabbiner bringen, weil vr. P. M. Wise, der hier unter dm Reformrabbincrn die t>crvorragcndste Stelle einnimmt, im nördlichen Böhmen Lehrer war, und nicht jeder Kaufmann au- Kolin wird hier ein orthodoxer Rabbiner, weil Herr Illowy von dort in Eincmnati eine solche Stellung einnimmt. Dasselbe gilt auch von allen anderen Beruf-Zweigen. Wohl hat die Bevölkerung der vereinigten Staaten ^durch unsere Glaubensgenossen aus allen Theilen der alten Welt einen solchen Zuwachs erhalten, daß Juden gegenwärtig in jeder großen Stadt einen bedeutenden Thcil derselben ausmachen, und sich allenthalben Gemeinden bilden. Es konnte da nicht fehlen, daß wo keine Beschränkung irgend einer Art, weder BolkSurtheil noch hindernde Gesetze zu überwinden waren, die Juden mit ihrer anerkannten Ausdauer, Fleiß und Betriebsamkeit, vorwärts kamen und gegenwärtig eine sehr geachtete Stellung eiunehmcn. Der Erfolg Einzelner ist wirklich staunenerrcgend und Biele haben sich eine angenehme und unabhängig«; Stellung errungen, so daß die Mehrzahl der älteren Einwanderer, aber wohlgemerkt, nach jahrelangem Ringen, zu der wohlhabenderen Klasse der hiesigen Bürger gehören. Wäre nicht eine gewisse Spannung zwischen den einzelnen Nationalitäten, welche die Einwanderer auden alten Baterländern mitbrachtcn, könnten sic alle angestammten und angcerbten Borurtheile ablegen, würden auch nicht hin und wieder eingewurzelte Nebel, welche der hundertjährige Druck erzeugte, Hervordringen; so würden die Erfolge der Gcsammtheit da- Großartigste sein, welches Israel seit ihrem Zusammenleben mit anderen Rationen je errungen. Aber wir wollen mit dem göttlichen Beistände auf die Heranwachsenden Generationen hoffen, welche nicht in der dumpfen Luft de, europäischen Ghettos (welche Dank dem Allmächtigen aufgehört haben zu rxistiren,) den Druck und die Verfolgung kennen lernten und dadurch von vielen BerufSzwcigcn ausgeschlossen blieben. Die hier geborene Jugend, mit der Sprache, den Institutionen und Gewohnheiten vertrauter als ihre Väter, haben eine große Zukunft vor sich. Die Juden als Gesammtheit d. h. ohne Unterschied der Nationalität oder religiöser Färbung haben in den B. St. mehre Hospitäler und Waisenhäuser errichtet. New Aork besitzt ein solche- Hospital, wo Kranke ohne Unterschied der Religion ausgenommen werden, vr. S. Teller aus Prag ist der Hospitalarzt uud wird von den vorzüglichsten deutschen Aerzten hier (ohne Unterschied der Religion) assistirt. Trotzdem eS in seinem Bau und seiner Einrichtung aller Anforderuug eines solchen entspricht, so ist feit deffen Gründung die Umgebung doch eine unangemessene und eS daher nothwendig geworden, an eine Verlegung zu denken, welcheS hoffentlich bald zu Stande kommen wird. Die StaatSge setzgebung hat bereits der Ltadtcorporatiou die Erlaubniß ertheilt den paffenden Grund hierzu zu schenken. Die heb räische WohlthätigkcitS Gesellschaft, welche circa r*t»!)t> Mit glicdcr zählt, unterhält ein prachtvolles und zweckmäßige- Waisenhaus, wo Waisen verpflegt und erzogen werden. Sie stehen unter dem Aufseher Herrn Schnabel aus Wien und werden außer den gewöhnlichen Lchulgegenständen. auch in Musik, Turnen u. s. w. unterrichtet und von mildthätigen Damen und Herren sehr oft mit «beschenken, kleinen Festen u. dgl. bedacht. Diese «Gesellschaft verthcilt durch die Win tcrmonatc bedeutende traben an Hausarmcn. S. Locales. ' V «ibung der Prager Eultns Gemeinde-Repräsentanz am t. Oktober lXGs. Beginn ',12 Uhr Vormittags. Anwesend die Herren: Georg Feig!, S. Jl. Frankel, Fisib-l. Dr. Git schin, Äoppelmaiin rieben. V. A. Oierö, v. Portheim, Dr. Pribram, Dr. Raudnih, ts?. Singer, Schwab, l)r. IfNtfco, Pros. Dr. Wessely, Dr. Wiener, M. .1. Wähle. <8* waren iemit abwesend d. H.: G. Schitz, Ignatz Schub. D. Läppert. Nachdem das Protokoll vom 21. August I 368 verlesen und genehmigl wird, bringt der Vorsitzende zur .«kennt»iß. daß der GokicSdicnst in der Rothsynagoge am Jom-Kipur in sehr seierlicher W'ise vor sich ging, und die Herstellungskosten 3k st. betrugen- Ferner, daß die Verko stigung des Militärs, der Sträflinge und Eorrigrnden 272 st. 15 kr. in Anspruch nahm. Wegen Umbau der Snnagoge in der Enlinsgemeinde Rabv sei von der k. k. Statthnlterei eine Sammlung zu Gunsten deilelben aus die Dauer ein'S Ja'oreS bewilligt worden. Eine wichtige Angelegenheit betrifft den Skat'hane'.eiertaß. vom 2i)^ Juli l«t*S, der dahin lautet, daß als BeitragSpstichl eines jeden, der aus einer ijr. TnllnSgeineinde seine politische Zuständigkeit in eine andere überträgt mit dem Zcilpunktc aus der ersteren erliicht, als er die ordnungsmäßige Ausnahme in de» neue» ZknltnS.'rrdaud mit dem E.iiiche» ilm ans dem alten zu lö'che», angewiesen bat, welcher Erlist dnr.h das hünsige Wechseln der Wohnorte und durch dr» Umgand i-egrnndei. daß osl Einzelne, mehr EultnSgcmeind.' Beiträge leisten mlüssen. Zur Borberalhung dieser Angilegrnhe.l wird eine Kommission ans:« Mitgliedern be- .Jehend gewählt. — Referent Here Franket sindel nach Einsicht in die Spitalürrchnnng und Bergleichimg-mit den Büchern, daß die verausgabten Posten wenig von den prälliiiinirtcn abwrichcn. und sich am Ende des Jahres 67 ein Vermögen von 54II« st. 57, kr. ergibt. Herr Schwab, der über die Eultusgemeindr Rechnung pro 07 referirt, erklärt die Führung der Bücher als eine aufü Beste, in asten Theilen durchgeführl, (Das Gcmeindcvermvgen beträgt -»5812 sl.!«'/, kr.) und beantragt, dieRechnnng;» genehmigen. Dr. Wiener, dem die Statuten der Klaus- und Meiselsvnagoge als Referat übergeben wurden, meint da« diese Statuten nur provliorische Geltung habe» sollen, und dies insolange als das Gemeindestaint nicht in Wirksamkeit tritt. Betreffs des Statutes der jtlaiiSshnagoge sindet Referent für wünschen», werlh, eine Aendemng dcS 8 I welche lautet: Tie KlauSsviiagoge, eine seit Jahrhunderten bcstehende'Körperichast, von der Gemeinde gebaut und gegründet etc. etc. vorzunr'imm, »ähmlich den ganzen Titel zu streichen, da dieser vielleicht Einfluß auf andere Verhältnisse bade» konnte, und beantragt ferner den Passus, daß die Shnagoge als iiitegrireiider Vestandtheil der Gemeinde ihre Jah»e»rechniiiig vorznlegrn bade, ins Statut einznskhen. Wad bas Statut der Meisrlfrnagoge betrifft, sind-' Referent in Bezug aus 8 5 »nd $ 21 eine stilistische Mangelhakt'g'est, welche er zu beheben ersucht. In einem weitere» Pniikte heißt es, daß die Wahl des Rabbiner« von einer Kommission bestehend a»s 12 Vertrauensmännern verstärkt durch den Svnagogenrath vorgenommen wird. Run ist aber bei der Wahl eine« Borbeters oder SnnagogrndienerS die Generalversammlung zusammen zu bernsen laut betreffenden 8 des Statutes. Ls wäre somit, meint Redner, der Svnagogendiciicr «ju&si höher gestellt als der Rabbiner. Vorsitzender'. Ich denke,. daß die Heeren glanben, daß über einen Prediger zu nrtbeilcu, nicht jeder berufen ist, während über einen "1 ein jeder ein llrtbei l hat. Dr. Raud » itz strllk den Antrag, die Vorsteher beider Synagogen zu rriuchen. die betreffenden Aenderungen daran vorznnehmen. (angenommen). Ein weiterer Punkt der Tagesordnung ist der ltommisfi onsbericht des Herrn Fischet betrrss» der Rechnung des ArmcnlnstituteS pro 1867. Es stellt sich am Ende des vergangenen Zah.e» rin Kaffarest v.22S fl. SS kr. heraus. Resereut findet aste Ausgaben gehörigjdelegt, ln. beantragt die Rechnung zu aprobiren.. Dr. Raudnitz all Referent für die Rechnung der Thalmudthorafchulr: Die Kommission hat die Rechnung vorgelegt und ich finde zunächst, daß in di« Rubrik ^Einnahmen" die Post 146 fl. 78 kr. nicht eingestellt ist» da doch dasjenige» was am dl. Dezember als Kaffabaarfchafl stch ergibt, im AuSmeisr unter di» «Kiu» nahmen gestellt »erde» mutz. Referent »rrllest nun daß RrLItmt»«