Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 23 (24.9.1868)
- Date
- 1868-09-24
- Page
- Seite 248 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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248 DertilgungSkriegr, wclchkn jede weise Regierung gegen die Unwissen.- heit, jene alte Perbündcte deS FanatisinnS und der Barbarei zu fübrcn die PÜicht hat. zu stellen verspricht. «asif.Pascha l^e»eral.<^vuvcrncur van Palästina. Hostaun, 1 ">. Oktober (0.- K.) Seitdem Here l)r. Melis »ns verlassen, bildet unsere Gcnicindc, so zu sagen, eine Republik; d. h. wir sind seit dieser Zeit — seht etwa 11.. Jahre — ohne Rabbiner. Fast sollte man glauben, eine so große Gemeinde wie die unsrrigc ließe sich ohne rabbinischcd Oberhaupt gar nicht verwalten; ich kann aber zur allgemeinen Befriedigung und zur Ehre unserer Gcmcindcglicdcr evnstatircn, daß unsere Ge mciiidcordnnng nicht gestört und der Gottesdienst nicht im Geringsten beeinträchtigt wird. — Unter Vcitmtfl unseres eifrigen Cnlrnsvolstandcs Herrn A. Vichtenstern aus Buschtichrad geht alles, bis auf den Iugcndunterricht, dessen Zustand einer baldigen Erlösung harret, naturgemäß und ungezwungen seinen Vaiif. — Borbctcr haben, wie bisher, auch Heuer in musterhafter Wcüc fungirt die Herren: B. Reimann, V. Fische!, V. Taußig, V. Vichtenstern und unser verehrte Herr Eultnsvorstchcr, von denen Herr Reimann be! sonders anerkennend hcrvorgchobrn zu werden verdient. Wie > gesagt, es fehlt unserem Gcnicindcwcscn nichts, als eine gut! organisirte Schule und ein wohlbercdtcr Prediger. Nicht aber! etwa einer, der unser Gotteshaus zu theatralisircn und int j serc Gebetbücher iibcr Bord zu werfen meinte. Denn, wenn wir auch dem Fortschritte huldigen, so brechen sich' derartige Neuerungen und Rcforincu doch sehr schwer Bahn bei uns, und wir liefen Gefahr ein solcher „Neuerer" stelle die Grundsätze ans: Abraham unser Stammvater hat weder „Tallis" noch „Tephilin" getragen, er^o brauchen wir sie auch nicki zu tragen; und weil Jakob, der doch auch unser Slnminvater ist und uns mit nachahinungswürdigcn Beispielen voranging, sich einen Stein unter de» .stopf legte, ergo . können oder müssen wir unsere Kopfpolstcr mit einem j „Stein" vcrlanschcn, oder besser, wir können einen Stein zu unserem >i o p s p o l st c r machen; und hat unser Stamm vatcr Isak sein l^bct nn frrrrn verrichtet, ergofirnncnwir das nuserigc auch im Freien verrichten, wir brauchen daher lciire Tempel und (Gotteshäuser und wo lein Gotteshaus, da braucht man, wie ich schließe, auch tcincn Rabbi! ncr. Dieser Gang scheint sehr logisch und halten wir nnö j bloß a» der Schlußfolgerung, brauchen wir derartige > lächerliche Grundsätze nicht zu aeccptircn. - - „Grundsätze" j ist die Mehrzahl von „Grund " „Satz." Sowohl Grund | als S a tz pflegt man bei uns auf dem Vande auf den Acker > zu führen, um dadurch das Gedeihen der Feldkultur zu für-! dcrn. — Wozu aber ein solcher „Grund" (n.) „Satz" bei j Ihnen in Prag verwendet wird und was dadurch gefördert! werde»' soll, das lässt sich von. einem Berichterstatter ans! dem Lande nicht beurtheilcn, nnd muß vielmehr einem in den prager Genieindeverhältnissen Eingeweihtcrn überlassen werden. I. 15. . m. Böhm. Lcipa lx. Oktober (0.- K.) Da sich Ihr viel nnd gerne gclHcncs Blatt zur Aufgabe stellt auch die Zustände der Israeliten- Gemeinden auf dem Lande in den Kreis seiner Betrachtung zu ziehen, so dürfte Ihnen eine kurz gefasste Schildcrnng unserer Gemeinde nicht nnwillkommen sein und bitte Sic derselben in Ihrem Organe einen kleinen Raum zu gönnen. Unsere Gemeinde ist bestrebt hinter den Anforderungen der Zeit und der Rührigkeit anderer Gemeinden nicht zurückzubleiben wie cS auch kommt, daß die Früchte ihrer Bestrebungen nicht ausbleiben. Mr besitzen hier einen sehr geschmackvollen und der Gemeindegliederanzahl an Größe entsprechenden Tempel, in welchem der Gottesdienst an Fest- und Feiertagen unter Mitwirkung des hiesigen israelitischen MännergcsangSvereineS stctS in solenner Weise vor sich geht. Chor und Orgel sind von dem hiesigen Kapellmeister Herrn Jacobs in meisterhafter Weise geleitet und der hiesige Rabbiner nnd Prediger Herr Müller tragt da- Seinige dazu bei, den Gottesdienst, so wie die Schule, in der der Oberlehrer H. Hahn den größten Antheil an dem Fortschritte und den Leistungen der Schüler hat, zu überwachen. Dem wackern Vorsteher Herrn Altschul hat die Gemeinde ihren progressiven Aufschwung zu verdanken und ist zu wünschen, daß cvnoch lange zum Gedeihe!? derselben wirke. Schließlich habe ich noch Erwähnung zu thun, daß Herr Eantor Heinrich Duschcncs aus Prag am Roschhaschanoh, Iomkipur, und den Sukothfestta-, gen die vakant gewordene Borbeterstelle in wahrhaft würdiger Weise auSgesüllt und durch seine gediegene Vortragsweise, als feine sonore und wohlgeschulte Stimme, die die praktische als theoretische Gesangebildung verräth, dazu bei- „ getragen hat, die an diesen Tagen ohnehin gehobene Stimmung noch mehr zu heben. Unterzcttno 20 Oktober <0.- K.) Nachdem man hier das tranSoceanische Iudenthum dem religiösen IndiffercntiömuS preiSgegcbcn glaubte, mußte jedem 7&W "3 der noch Herz und Sinn für seine Religion besitzt, die Sabbatfeicr in Ncw-Hork (s. Gegenwart Nr. 22.) angcnchu! überraschen: Um so schmerzlicher berührt cs aber, wenn man hier zu Lande täglich neue Beweise vom Gegensätze zu verzeichnen hat; — denn während in New-^)ork Geschäftsleute ihre Eollegen, und hoffentlich mit Erfolg, zur strengen Sabbatfeicr auffordcrn, versteht man cs hier, den Sabbat ja sogar den Gottesdienst an demselben derart anSzubrutcn, daß man bei dieser Gelegenheit desto bequemer ein gutes Geschäft zu machen, strebt. So z. B. entblöoctc sich nicht der jüdische R c i s ende des j tt d ischen HanscS Löbl & Löw am letzten Sabbat mit seiner von Schnapsflaschen gefüllten Reisetasche während des Gottesdienstes vor der Tempel Thürc stundenlang hcruinzuschlcichcn, nni den aus der Umgebung hier zürn Gottesdienst vcrsammcltcrn jüdischen Kanflcnten gleich beim HeranStrctcn ans dem Tempel seinen Schnaps anfzudrängcn.Diesen würdigen Sohn I sr a c l s möchte ich nur fragen, ob er denn auch die Verwegenheit besitzt, sich an einem Sonntage vor die Kirchenpfortc zu postiren, um in ähnlicher Weise den christlichen Kaufleutcn zu begegnen. Mit dem Vorstehenden wird keineswegs die Absicht verbunden Jemanden zu rnoralisircn, vielmehr, wird hicmit erklärt, daß die Kauflcutc dieser Gemeinde, wenigstens einen halben Tag in der Woche von ähnlichen GefchüftSagentcn unbehelligt zu bleiben wünschen, besonders aber,.daß cS Niemanden gestattet wird, den hierortigen Gottesdienst für das Geschäft zu benützen. D. Kahn, Knlt'.isvorstchcr. Ncw-Aork September 1808. (0.- K.) Bon allen Einfuhrartikeln, welche aus dem alten Va tcrlandc nach Amerika verschifft werden, sind keine so zahlreich als die Hoffnungen, welche drc Einwanderer in ihrem Herzen bergen. Welch hochfliegcnde Erwartungen werden nicht in die ueue Heimath mitgebracht, welche Luftschlösser nicht vor der Abreise und während der langen' Fahrt auf dem weiten Ocean gebaut! Aber je höher diese Erwartungen gespannt werde«, je schöner und künstlicher diese Luftschlösser gebaut waren, desto mehr fühlt sich der Einwanderer von der höchst prosaischen Wirklichkeit getäuscht. DaS alte Sprüchwort: „Aller Anfang ist schwer* findet sich auch in der neuen Welt bewahrheitet und nur solche, welche sich von den ersten