Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 23 (24.9.1868)
- Date
- 1868-09-24
- Page
- Seite 247 (sequence 5)
- Language
- German
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247 lettif und Dogmatik, suchte Schleiermacher gegenüber Hegel auch da- Gcmüth. und Gefühl, als Quelle der Religion und Faktoren desittlichen Bewusstseins zur Geltung;u bringen, freilich ist cs etwas schwierig zu begreifen, wie das Gefühl, jenes Absolute, das doch bloß »tranScendentaler Grund" und .unvollziehbarer Gedanke" fein soll, erfassen könne, während «S sich dem Wissen in ein tiefes Dunkel der Unbegreiflich keit hüllt. Man könnte vielleicht den Versuch Schlcierm. neben der Dialektik die Dogmatik hinzustellen, oder Religion und Philos. in gegenseitige Beziehung;n bringen als miß' lungen erklären, indem man ihm entgegnen wollte, wenn das Dasein Gottes philosophisch unbeweisbar, das Wesen des Absoluten wissenschaftlich unerkennbar dargethan ist, so. ist eben nur eine strenge Scheidung zwischen Glauben und Wissen, Religion und Philos. ausgesprochen, keineswegs aber die Stellung der Religion der Pbilos. gegenüber gesichert. Allein Schlcierm. hat eben das Verdienst, die Religion nicht in Philos. auflöscn zu lassen. Er vindicirt der Religion ihre Berechtigung dadurch, daß er ihr t^ine eigene Basis der Entstehung, das Abhängigkeitsgefühl nämlich, verschafft, indem er gleichfalls wie die absolut rationalistischen Systeme vom menschlichen Denken unS darthut, daß aus diesem unmöglich der Inhalt der Religion dialektisch entwickelt werden kann, weil das Absolute nur die negative Voraussetzung unseres Wissens und WollenS sein kann. Wir müssen mithin auch vom Standpunkte der Philos. zuzeben, daß der von ihm geltend gemachte Factor das Gefühl, ein constitntivcS Element im Wesen der Religion bilde, und diele religiöse Idee Gottes die positive Fassung des Absoluten durch daö religiöse Selbstbewusstsein, eine Ergänzung der philos. Idee Gottes, der transcendentalen Causa dieses Ab« hängigkeitSgfühlcS sei. Von der Philos. wird ein Absolutes alS TranScendentaleS anerkannt, ohne weitere positive Bestimmung daS schlechtsinnige Abhängigkeitsgefühl als Organ der Religion aber, ist so ein Beweis für daS Dasein,.GotteS, daß die Religion, so fern sie auf diesem Gefühle beruht, keiner weiteren Rachweise bedarf. — Will man aber gegen Schlcierm. den Borwurf erheben, daß der ganze Ban seiner Dogmatik zniammenstürzc, sobald man daS Dasein, dieses schlcchlsinnig.'n Abhängigkeitsgefühles leugnet, so trifft ihn -dieser nach seiner Definition der Phi- —lvsophi^ anr rrllrrwcaiigstci^ Sagt mair—nämlich, daß der Glaube an Gott deshalb nicht auf Anerkennung Anspruch machen könne, weil er als ein objektive Wahrheit auch auf objektiven Gründen ruhen musste, während ihn Schlcierm. hingegen bloß als ein thatsächlich gegebenes Moment der menschlichen Natur, als ein im menschlichen Innern subjektiv begründetes Phänomen hinstellt und ein bloßes psychologisches Phänomen nicht ans objektive Giltigkeit Anspruch maclM^könnc, so müssen wir ans Schleicrm. Definition der Philos. zurückgehen. Jedes Wissen, ist nur dann ein Wissen, wenn jeder, der es weiß, den andern nüthigcn kann, über denselben Ggcnftand dasselbe zu de iken, und die Philos. hat eben demnach die Ausgabe, die Identität der Uebcrzcugitng aller Wissenden herznsteilen, od-r sie ist nach Schlcierm. die Kunjtlehre die Differenzen des Denkens bis zur lieber -einstimmnng anSzngleichcn. Demnach soll auch die in der Dialektik entwickelte Idee des Absoluten der reinen unter schiedloscn Einheit objektiv b -gründet werden, damit, daß auch die Vernnnftthätigkeit im Irea'en alS absolute Einheit, aber unter zwei entgegengesetzten Formen deS Seins, dem Id alen und Realen gedacht werden müsse. Der Dialektik tritt ergänzenzur Seile die Ooznrik. welche das Verhältniß Gottes zur Welt, wie es im Abhängigkeitsgefühle erscheint, darstellen soll. Dieses Gefühl charakrerisirt Shleicrm. als eine bestimnite Form des SelostbcwusstseinS; denn man hätte zwei Formen des Selbst'oew ifstscins wohl zu unterscheiden: DaS vermi t te l te u «d daS unvermittelte Selbstbewusstsein. Ja der ersten Form beziehe sich d-r Geist auf sich selbst nur durch eine Trennung seiner von si h selbst, dljkch-eine vermittelnde Thäügkeit. I» der zweiten Form dagegen beziehe er sich unmittelbar ohne alle vorauSgchende Thätigkeil auf sich selbst. Rur diese zweite Form de- SelbstbcwusstseinS sei das Gefühl überhaupt. Die Frömmigkeit, da sic im Gefühle gegründet ist. müsse dann wieder eine bestimmte Form dieser zweiten Form des Selbstbewusst seinssein. (Dogmatik § .')) Dic>e Form fi rdet er in dem AbhängigkeitSgcfühte. Es ist ihm al'o Tiarah: de-' Selbst bcwnsstseins. daß ein solches «Gefühl der Abhängigkeit in uns ehcistirc. Ein Gefühl der Abhängigkeit von der Natur sei aber nicht möglich, da wir ja ans einzelne Thcile, mithin auch auf das Ganze der Welt bestimmend einwirken können, das Avhängigkcitogcfüht kana ab:r als seinen Grund, nur einen solchen (Gegenstand haben, der allein bestimmende Macht ist, und jede auf ihn rückw'rkende Thätigkeil ausschlicßt. Diese allein best» mm ende und niemals bestimmte Macht sei aber nur Gott. (Schluß folgt.» Ein Pascha unserer Zeit über Volksbildung. Die Alliance israelite universelle i > Pari« har in Jerusalem eine Schule für didortig: irdische Flg.nd gegründet. Der türkische General >^o.,o-rnenr von Pllä't-na Nasif-Pascha, bewies der nen-n Anstalt seine besondere Theilnahine und Unterstützung. so daß der Prä'ident d'r Allianz Herr Adolf Cremienr sich bewogen fühlte, ihm in einem Schreiben oen Dank der Vereine!il>;a>orechen. Hier ans erfolgte e.n Reskelpt des P lshisin nan:i i-h-r c.'rache, das einen merkwürdigen Kontrast zn der g.'iäl'g-n D.-mon strationen gegen die Fiden b.ldet die Yen zieage wieder in manchen Ländern stansinden, — ein Kontrast, der noch greller ist. wenn wir dieses Rei'kript mit den die Faden betreffenden gleichzeitigen Rstrivin o-r rn-näni'chen M nift r ^Bratiano und Gen'ss-n vergleich':«. Dar Tchreiben Na sis Pascha? lautet in deutsch er II oersrvn >g Jerusalem den I iMftK An Herrn Adolf Crrnnenr Pr.i-ädenl der lä en-ro. ä.'»ite der Alliance israelite universelle Herr Prändenl! -IchUzal^ da? L^h»^eroeg, wa nn Li.-uuch l>e-drle.i itrt—dem Gefühle der lebhaflesten Crkennllil-keil in ü.no'ang geliom.ueu und gelesen. Tie drücken mir in demselben den Tank an) für meine geringen Bemahiingeu »in die Forderung einer Aunali. ivet.be die Alliance israelite universelle w dem .ln'.cke. ihre «^tnibenSgenossen im Oeient der Bildung nimüi'aren. m Feru-alem errichtet »nl. (Ls war für mich eine beilige P'äick»: em IaNiNil m b.i'ch.ützeu, dao sich das edle Biel gesetzt bat. eine der nn>eh-,I>..b-'ten Bestandthcile der ottomaiiifdicii Beoölkernug durch den Unterricht \u rege« »eriren. Aber an'ier den Timivatbie». die jeder Gebildete nir eine fo »miassende und bo.bb.-rzige oder, wie die in welche Iie erfüllt, empsinden m»^ bietet sie in m-inen Angen ein noch wen boherc» Interesse, weil Tuzum rb.nl die l.'o>»nz der »ne uno nnerkannten wichtigsten Problem) enib.ilt. n.i n.ib der Be-breiinng der Bildung in der Türkei. An dir Brrw.r'tich.ing diele) -pro \\.-..u u> knnpsl sich die .inkunft unsere) Bneelandeo. Tiber kann jede -privat - Unternehm.lng, die uannttelbar od r innieibar iorr Be n.ilnmgcn daraus richtet, unserer Mitwelt im Bora») ge'icher: irm. lro in cm cdleö nnd der Anerkennung würdiges Beii.'iel, dar oorr '-Seiellichi't gibt, i» Ieriisalein dem Bereinigung>vnakle der drei w.chligncn Religioneu der Welt, deren Bekenner dir odmamibe Ration mit 3tolz zu den iiirigcn zählti"ln'Te»McheiMüi"FMcäIen"^MM'."'Airs'''wktchkM" sich dee )t o r a n. die Bibel n»d du Evangelium begegneu und sich brüderlich die Hi lde ich:», ein iS-utrtui der Bitdang zn gründen,, dessen wohlr'- it.gee lriusin^ sich jetzt schon durch Tbatsachen bem.-rkbac micht, die ' urais.che R.-gicrung kann rin Unternehmen, dar Tie {-' g!> ck.ich'i,trm eigenen Boehabc» überall im ganzen Reiche zur Ürri b'» i 'Bolkrschnlen den Anstob zu geben, uitcestatzt, nur billigen, mit aÜ;r Macht fördern. Ihr Schutz ist also hier wie überall dem, W^ke gesichert, da» die israelitische Allianz verfolgt, und daS un» eine, (ostbarr Streitmacht in de»