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Die Gegenwart · 1868-10-08 · 22 (8.10.1868) · p. Seite 239

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
22 (8.10.1868)
Date
1868-10-08
Page
Seite 239 (sequence 7)
Language
German
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239 quier» Heymann und Bernhardt, im Sinne de« or» chodoxen Iudenthum« erbauen wollen und auch werden. Die Zahl der Plätze, welche die Synagoge fasten soll, ist auf 3150 proponirt. Die Sache ist für unsere Zeit und speciell für unsere Gemeinde ein ק יד ו ס ד.שם; fie liefert den Beweis, daß hier in Berlin gottlob noch Männer sind, die ein warmes Interesse für das wahre Judenthum haben. Das Grundstück, aus welchem die Synagoge stehen wird, ist durch die Herren (C. R. Lehmann und Bernhardt von Ihrer Durchlaucht der Fürstin Radziwill unter den allergünstigsten Zahlungsbedingungen gekauft worden; aber die edle Dame hat sich streng Vorbehalten, daß es nur zu dem angegebenen Zweck verwendet werden darf; sonst ist der Vertrag Null und Nichtig. (185.) Belgrad. Die serbische Regierung hat sich recht energisch in der Affaire deisr. Kindes Salomonowitz bewiesen. Sie beeilte sich bei der rumänischen Regierung Meschulam und das Kind als serbische Unterthanen zu rellamiren. Die diesbezügliche Depesche lautet: ,An den Minister de- Innern. Urbereinstimmend mit den Berichten der Polizei, welche Ihnen telrgraphisch mitgetheilt und auf die Rellamationen der Eltern des Kindes, hat der hiesige Minister eine Note an die Agentschaft gerichtet, in welcher versichert wird, daß das Töchterchen das Kind deö Jsak ist und nur wenige griechische Worte spricht, weil seine Amme eine Griechin war. Ich bin beauftragt die Regierung zu bitten, Meschulam mit dem Kinde frei zu geben und ihn ungehindert abreisen zu lassen." Die Personen, welche diesen Vorfall benutzen wollten, um Unruhen zu erregen, wurden vor das Gericht gestellt, ebenso der Prokurator, welcher eigenmächtig die Verlängerung der Gefangenhaltung veranlaßt hat. (Isr. Roman».) Abyffinieu. Die Falloschas. Der ״Univers Israelite“ theilt Folgendes aus dem "Libanon, hierüber mit: ,Herr Josef Halevy, welcher nach Abyssinien geschickt wurde, um dort die religiöse, moralische und soziale Stellung der unter dem Namen FalloschoS vorkommenden Juden, kennen zu lernen, ist bereits von einem jungen Falloscho begleitet, wieder in Paris angekommen. Hoffentlich wird das Comite der ״Alliance universelle“ die näheren Resultate mittheilen; indesten folgen hier einige Berichte: Nach einer ziemlich glaubenSwürdigen Behauptung stammen die FalloschoS von den Juden her, welche Alexandrien während des zweiten Tempels bewohnten. Wie jene beobachten sie unter der Leitung der Priester, die zugleich die Gebethe für die Gemeinde verrichten, die Opfergesetze. Noch vor wenig Jahren übten sie das Gesetz der rothen Kuh 4) שרה אדומה. B. M. 19) aus. Sie befolgen streng die Gesetze in Betreff der Reinheit und Unreinheitטימאה וטהרה, sowie auch ganz genau die Satzungen der Thora, besitzen eben so wie wir die Profcten und Hagiographen; nur daß sie das Buch Esther unter die Apokryphen zählen. Sic kennen nicht die hebräische Sprache und ihre Quadratschrift. Ihre Sepher Thora und die anderen heiligen Bücher sind auf Häuten von reinen Thieren in äthiopischer Sprache geschrieben, aus der Septuaginta übersetzt. Ihre Priester haben nun 'das schriftliche Gesetz zu interpretiren, auch das mündliche; doch haben sie keine Thephilin, dessen Geboth sie bildlich erklären, auch tragen sie keine Zizith, weil sie keinen blauen Faden פתיל תכלת haben, wovon die heilige Schrift spricht: Sie feiern den Tag der Zerstörung Jerusalems am 17. Ab und nicht am 9 , sich stützend auf das Buch der Könige (25. 8.) und Jeremias (72. 12.) Das Schewuothfeft begehen sie am 12. Sivan anstatt am 6. Sie feiern weder Purim noch Chanuka. Mit den Christen und Heiden leben sie im besten Einverständniste, doch dürfen diese nicht ihre Wohnungen betreten; sie selbst besuchen auch die׳Häuser der andern Einwohner des Landes wegen der religiösen Vorschriften der Reinheit und Unreinheit nicht, und wohnen deshalb an den Nscrn der Flüsse. Sie betreiben den Ackerbau und andere ediere Handwerke. Vorzüglich sind sie in der Architektur und andere Handarbeiten. Den Handel üben sie nicht au-, weil sie nicht mit jedem in Verbindung treten, um dessen Wohnung zu besuchen. Vom Lüchertische. Real-En cycl o p ä d ie für׳ Bibel und Talmud 3. Band (von Jacob bi- Opfer) von 'Or. I. Hamburger LandcSrabbincr in Strelitz. Ladenpreis 1 Thaler.*) lieber den wiffenschastlichcn Werth und die Wichtigkeit dieses vortrefflichen Werkes zu referiren, wäre von unserer Seite ein literarisches Lalto mortale, daö auSzuführen, wir umsoweniger berechtigt sind, als die dein 2. und 3. Bande dieses Werkes beigedruckten Gutachten eines Munk und Renan, die Kritik jedes Aftcrgclehrtenvon selbst annulliren. Man muß eben wieder die Rangstufe dieser beiden Gelehrten erreicht haben, um es zu wagen, ihrem Urtheile noch da« seinige anzureihen. Wir enthalten uns demnach unserer eigencn Kritik und glauben es besser und gerechter zu benrtheilen, wenn wir einige Stellen aus den Gutachten vorge» nannter europäischer Gelehrten cxccrpircn. M u n k sagt unter Anderem in seinem Gutachten: ״Es ist eine Arbeit, wofür mehrere Mitarbeiter nicht zu viel wären und da Sie dieselbe allein unternommen haben, beweisen Sic einen großen Much. Die verschiedenen Gegenstände sind mit großer Sorgfalt dehandelt und die Angabe der Quellen setzt den gelehrten Leser in den Stand, sich selbst von der Genauigkeit der angeführten Fakten zu überzeugen. Wenn Sic das Werl, so wie Sic eS begonnen, zu Ende führen, so wird cS ein wahre« Denkmal sein, das dem Judenthume Ehre machen wird. So bald das Werk vollendet sein wird, werde ich eS gerne der Akademie vorlegen, wenn Sie mir zu diesem Zwecke ein Exemplar senden wollen." Renan äußert sich folgender Maaßen: ״Ihre Arbeit wird, sobald sic die Vollendung er׳ reicht hat, sehr nützlich sein und der Bibliothek Aller ihren Platz finden, die sich mit jüdischer und christlicher Geschichte beschäftigen. Was ihren Hauptwerth ausmacht, da» ist da« Näherbringrn talmndischcr Texte, welche- bis dahin theil« nicht so bequem, thcils auch nicht so vollständig geschehen. Unsere Akademie hat gerade in der jüngsten Zeit Arbeiten über geschichtliche und geographifclic Angaben hcrvorgernfen, die man aus dem Talmud ziehen kann. Wir hoffen, daß audieser Anregung einige gute׳- Arbeiten hcrvorgchcn werden. Ihre Eucyclopädic wird die Ehre haben, ihnen voraus gegangen zu sein und wird dadurch nur Werth gewinnen könneu. ES wird mir viel Vergnügen machen, der Akademie ein so werthvollcs Werk zu überreichen." Hirtenbrief dkS Oberrabbiiifrä von Bordeanr. mitgethcilt von G. t'ewit. "(Fortsetzung und Schluß.) War aber so die Lage der Israeliten in dem Angen» blicke, wo ihre Nationalität znsanimenstnrzte? ES war so geringe, daß gerade in diesem Augenblicke sich die geistige Seite unserer Lehre im größten Glanze zeigte, hat Israel jemalS einen bessern Beweis seiner «Fügsamkeit als in dieser traurigen Epoche seiner Geschichte geliefert? Schien es nicht *) Herr David I. Podirbrad in Prag N. C. 24» — V, der in irnin-gchasilichr״ B nel,ung zum Verfasser ftcht, nimmt Anmeldungen auf d>c>cwcrtgoolle Werk an. Um cs auch den minder Bemittrlj ten zugänglich zu machen, wird im Interesse der Wissenschaft der Preis drufeldea «ulsprechend, heradgesetzt.

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