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Die Gegenwart · 1868-10-08 · 22 (8.10.1868) · p. Seite 238

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
22 (8.10.1868)
Date
1868-10-08
Page
Seite 238 (sequence 6)
Language
German
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238 Locales. V Her Vorsitzende der isr. CultuSrepräsentanz Herr vr. Ludwig Tcdesco wurde in den böhmischen Landesausschuß, zu seinem Stellvertreter Herr Jur. Dr. Friedrich Wiener gewühlt. ~ * * Die Direktion der Joscfstüdter Haupt« und Unterrealschule erhielt durch die hohe k. t. Statthaltern nachstehende- Dekret vom hohen k. k. Ministerium für (SiiUiu1 und Unterricht: .Bei der Weltausstellung tu Pariim Jahre 1867 wurden der Eollectiv-AuSstellung österreichischer Unterrichts- Gegenstände zwei goldene Medaillen, die eine für das k. k. Unterrichts-Ministerium Oesterreichs in Allgemeinen, die andere speziell für Realschulen zuerkannt." .Da die Haupt und Unterrcalschule durch Bctheiligung an der Ausstellung zu dem errungenen Erfolge beigctragcn hat, so gereicht cs mir zum besonderen Vergnügen, der Lehranstalt diese ehrenvolle Auszeichnung, deren sich das österreichische UntcrrichtSwescn von Seite der internationalen Jury zu erfreuen hatte, hirmit bekannt zu machen. Wien, den 1. Juli 1K6H. Der Minister für Eultus und llnterricht, H a s n e r. * * * * * * Auswärtiges. Grau. Hier hat am 14. v. M. eine Eonferenz der hervorragendsten israelilischeu Persönlichkeiten des Grancr 5!vmitatS slattgefunden, deren Gegenstand die Wahlen für den de vorstehenden israelitischen iioiigreß bildeten. Es verdient wohl -in erster Reche hervorgehobcn zn werden, daß diese Eonfcrenz in dem großen Bcratbnngssaale des Obcrgcspans und Primas-Stclwrrtrcters, Bischofs Grafen Forgach, abgrhalren ivui de. Graf Forgacli begrüßte die erschienenen Thcilnchmer — beiläufig 40 an der Zahl mit einer sehr herzlichen und wirkungsvollen Webe, jii welcher er mit sichtlicher nnd aufrichtiger Freude die Israeliten seine neuen Mitbürger nannte. Der Eindruck dieser vom Geiste wahrhafter Toleranz getragenen Rede war ein mächtiger und die Versammlung gab dies durch einheÄigc stürmische EljenS kund, mit welchen sic die Rede des Bischofs Forgach erwieberte. Nachdem rin Wahlcomite aus 7 Personen gewählt worden was, versammelte sich dasselbe Nachmittag-, diesmal unter dem Vorsitz des Herrn Oberstuhlrichters, pm die Wahl Unter den 160!» Slndircndcn an der hiesigen Universität im Schuljahre IH67- 6H befanden sich l 15, Israeliten. Der in N. ')). erscheinende Hebrew Leader widmet dem stetigen Herrn Rabbi Simon Lasch einen warmen Nachruf, indem er unter Anderem sagt: .Er hielt in verschiedenen Schulen, besonders in der Ncnschule, zu manchen Zeiten Dcrascha's in einem neuern Styl, nach Anleitung des Arama, Alba, Muskato etc. nnd zeigte dabei, daß er auch ein fühlendes Herz kür seine Mitmenschen hatte. In ihm verliert nicht nur Prag, sondern auch Böhmen einen seiner größten Thalmudislcn." - Auch der I' Univers Israelite gedenkt seiner. Am versiosscncn Versöhnungstage hielt Herr Rab. Dr. A. Rabcr in der Ncusynagogc seine dritte Gastprcdigt und errang nicht nur einen sehr anständigen Erfolg, sondern wußte auch durch die Vortragsweise des Maskir nescliamah Gebetes, als am Abende des Keila Gebetes die Stimmung der Andächtigen zu einer gehobenen zu machen. , V* Der hiesige Lcdcrgalantcricwaarc» Fabrikant Herr B. Schlenker erhielt bei der Prcisvcrthcilung in der Jndustrieälisstcllnng zn Linz die große silberne Medaille. des Präsidenten unter sich vorzunehmen. Auch der Oberstuhl- Richter e ab in seiner Begrüßungsrede der Freude über die zur That gewordene Gleichberechtigung Ausdruck. Lemberg. 30. September. (Judenfrage) Im Landtage kam es heut« zur Debatte über die Gleichberechtigung der Israeliten bei Ge» mrinderathS-Wahlen. Smolka referirt namens de» KonstitntionSauSschuße« über die Regierungsvorlage bezüglich der Aufhebung der Bestimmungen, durch welche die BetheÜigung der nichtchristlichen Gemeinde « Mitglieder in der Gemeinde-Vertretung beschränkt wurden. Referent erklärt, daß in Erwägung, als die erwähnte Regierungsvorlage nicht» andere» ist, alS eine strenge Durchführung des Gleichberechtigungs-Prinzips sowohl irr der Gemrinbrwahlordnung, in dem Gemcindestotüt der Stad» Krakau, daß diese Vorlage ferner daS Zahle» - VerhälMiß der christliche» und israelitischen Gemeinde-Mitglieder im Brodyer Gcmeinde-Ratbe beseitigt, in Anbettacht endlich, daß den Israeliten alle wichügsten Civil- und politischen Rechte bereitzuerkannt wurden, und daß daher eine fernere Absprechung dieser den Israeliten in der Gemeinde zusteheudr» Rechte eine Anomalie in der Gemeinde» Gesetzgebung unseres Lpndeih bildet, stimmt der EonstitutionS - Ausschuß der Regierung- Borlage-bkL Torofiewicz (gegen) meint, daß die Regierung« Vorlage noch nicht an der Zeit sei. Mit unsere» Israeliten ist eS eine sehr eigrnthüm» licke Sache. Diese» Element trachtet allmälia sogar in unserer Bevölkerung daS nationo.lt Gefühl auSzumerzen (Oho!), unter dem Dmck« dieses Element« S kann sich auch unsere Journalistik nicht erhalten, denn ans den Bücherlischen der Israeliten finden Sie, meine Herren, sehr selten ein polnisches Blatt. — Während in unserem Bruder lande Raub und Kommunismus fortwährend auf der Tagesordnung stehen — schweigt die Diplomatie, als wenn nichts vorginge; dagegen vermag ein Jnden-Kravall in der Moldau die ganze diplomatische Welt zu alarmircn, die Taufe einer Jüdin den Reichsratb drei Tage in Athem zu erhalten. Ich führe e» deshalb an. um den Einfluß des Judaismus nachzuweisen. Wenn in Wien, Prag, Berlin so laute Beschwerden über die Suprematie de» Judaismus geführt werden, um wie viel mehr müssen wir uns darüber beschweren, da bei unS die Israeliten den fünften Theil der Bevölkerung bilden, welche gewiß bei dem Umstande, als bei Israeliten da» ..Mehret Euch!" ein mit Fanatismus befolgtes Dogma ist, in rascher Pioporlion stcigen wird. Am niierttäalichstcn zeigt sich aber der Einfluß dcö JudaiSinu» bei Erfüllung der Mililä, Pflicht. Der Einfluß des JudaiSmu« versteht rS recht gut,'sich der Militärpflicht zu entziehen; dafür aber muß, meine Herren, unser Sandmann diese Freiheit, dcü Israeliten mit dem Blute seiner Söhne bezahlen. Ich werde zwar ihre Gleichberechtigung im Priuzipe anerkennen, doch die praktische Einführung alS nicht zeitgemäß betrachten. und beaniragc deshalb den Uebergang zur Tagesordnung über dir Regierungsvorlage. GniewoSz (für:) Vergesien Sie nicht, daß dieses Volk immer auö der GeseUschafl ausgeschlossen war, daß rS immer und überall — Polen ausgenommen — verfolgt war. Diese Verfolgungen hatte» auch zur Folge, daß es sich nur ans den Handel und daS Gcldlcihen beschränken mußte, da das letztere Geschäft sogar den Christen virboten und nur den Inden allein erlaubt winde. Die Gleichberechtigung kann mau ihnen schon nicht nehmen. Sie sehen ja, daß sie sogar im ReichSrathe scheu, hier bandelt es sich aber um die Beseitigung jener Hinderniste, welche die Jsraclilen von unserer Bevölkeruiig^tteniieii. Rogawski plaidirt für die Israeliten, welche im ehemaligen Polen nicht so schlecht sein mußten, da sie doch von unseren Könige» mit Freiheiten und Privilegien überhänst waren. Haller beantragt die Zurükkwcisnng der Vorlage an den Ausschuß, welchem Antrag« sich Terosicwicz ziigcscllt. Dubs (Israelit); Meine Herren, schenken Sie uns Vertrauen, nnd inan wird Ihne» mit Vertrauen antworten. Man sagt, wir sind Deutsche, nicht Polen; sind wir Schuld daran, und wie viele gibt e» nnter Ihne», meine Herren, die bester deutsch alü polnisch sprechen und schreiben? Wollen Sic denn, daß nuS die wiener Gesetze in Schutz »ebmen, während die einheimilchen uns verdammen? Es ist, meine Heere», rin falscher Grundsatz, wenn man daS angeborene Recht al« eine Prämie betrachtet. Man sagt im Princip, in der Theorie ist die Gleichberechtigung schön, in der. Praxis dagegen nicht — nun lasten Cie uns die Praxi« und wir schenke» Ihne» die Theorie. K rz e cz un o wi cz ist der Ansicht, daß gleiche Rechte auch zu gleiche» Verpflichtungen auffordcrn, zu solchen Beipflichtungen, welche nicht in Paragraphen, sonder» in den Herzen eingeschrieben sind. Diese» wollen die Israeliten nicht velsteben. _ ' Smolka. Wenn gegen de» Ausschußanttag die Herren (weist auf dir bäuerlichen Deputirten) aufgelretcn wären, so würde ich e« begreiflich finden; wenn aber Männer von Bildung, die von Freiheit so oft und so schön zu sprechen verstehen — wenn solche Männer gegen die Zuerkennung der angeborenen Rechte unserer Mitbrüder auflrelrn— dann ist e» in der That traurig um unsere Gesellschaft. Daß die Israeliten sich der Militärpflicht emziehen, da«, hui» wir ja auch gerne. (Heiterkeit. E« wird namenlliche Abstimmung beantragt und bei derselben der Antrag Haller« angenommen, somit die Vorlage dem AuSschußezur Behebung einiger Formfehler zurückgrwiesen. Berlin. Am 15. September fand die Grundstemlegunzu einer neuen Synagoge statt, welche die Herren Commis» sionS-Räthe Lehmann und Hoff, ferner die Herren Ban-

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