Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 22 (8.10.1868)
- Date
- 1868-10-08
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4890378-5433912-5433939--134-4890496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
237 und dann um so lieber an solchen Tagen mit uns zu thun haben, an denen dieses sich mit unseren ReligionS-Verordoungen vertrügt. Und unsere jüdischen Kunden werden sich schämen, einem Iehudi zuzumuthen, daß erinn Sonnabende, ihrem gemein« schaftlichen Sabbath, ihmaufwartel Ja, gewiß! nur ein unbeträchtliches Opfer wird von unS verlangt, nur ejn klein wenig jener religiösen Begeisterung, nur ein Funken jenes moralischen Feuereifers, welche unsere Vorfahren befähigten, ohne Zaudern und Bedenken ihre Schätze und selbst ihr Leben für ihre Religion dazubringe». Doch müssen wir Alle, wie ein Mann, zusammenstehen in dem Entschlüsse, uns loszumachen von dem er« starrenden Moraste des Indifferentismus. Dieses muß unverzüglich geschehen, wenn wir nicht zu spät kommen wollen! Es kann geschehen! Sagen wir uns denn, eingedenk unserer glorreichen Vergangenheit und der von unseren Vätern gezeigten Mannhaftigkeit: es soll gescheh e n! Und mit Gottes Hilfe, welche die Juden, wenn dieselben in entscheidenden Momenten für die gute Sache und Ihn eintraten, noch nie im Stiche gelassen hat: es wird geschehen! Und die Welt wird erfahren, daß die amcri« konischen Juden noch lebenskräftige Zweige^sind vom alten Edelstamme, daß sie eine Weile schlummern, aber nimmer so tief schlafen konnten, um den Ruf ״zur Fahnezu überhören. Dieser Ruf, Brüder! ergeht jetzt an Euch. Er wird denen unter ench, welche zu hiesigen Synagogengen,cindcu gehören noch näher gebracht werden in der dircctcn Frage: הלנו את־ אם לצרנו willst du zu uns stehen oder nicht? Ihr werdet euer« mit Spannung eures Bescheides^ harrenden Glanbensbrüdern Antwort darauf zu geben haben, ob ihr ihnen beistehen wollt bei dem Wiedcrban des erhabene» TempelS des JudenthumS, dessen Haupttragpscilcr: den Sabbat, tief auf festem Grunde zu errichten. Denket daran, daß, wer das geringe Opfer verweigert, welches von ihm verlangt wird, Paria wird, wo er Peer sein könnte. Denket daran, daß jeder Einzelne durch sein Beispiel auch auf Andere einwirkt und seine Verantwortlichkeit mit seinem Einflüße wächst. Denke Jeder daran, daß er nicht allein steht! Ein Polyp mit vielen Tausenden von Fängen in urdcnkiiche Zeiten zurückreichcnd, schließt seine Arme um dich, Iehudi! und hält dich mit eisernem Griffe an deine NeligionSgenos« senschaft. So geht dein Wohl mit dem ihrigen, deine Ehre mit der ihrigen untrennbar zusammen. — Macht die Welt die jüdische Gesammthcit verantwortlich für den einzelnen Juden: so hat diese das Recht: von lir zu verlangen, daß du ihre Wohlfahrt und ihre Ehre zu deiner machst. Und diese letzteren erheischen,—soll das Judenthum nicht kommenden Generationen verloren gehen, —: daß der S a b b a t h s ch l c u n i g st t זו feine Rechte w i c der eingesetzt, daß i I) 11t feine Heiligung wieder erobert werde! Jetzt gilt cs dafür e i n z n t r e t e n, jetzt oder nie! Das E x c c u t i 0111 5) י ע i t e, die nachstehenden Synagogen-Ge mcindcn der Stadt New-Aork: (Folgen die Namen derselben.) Koschetitz (bei Ecchtitz.) (0.- X.) ES ist eine sehr erfreuliche Erscheinung der Jetztzeit, daß d׳e Zahl der neu in's Leben tretende» religiösen Ver« bindungen und Körperschaften in Israel in steter Zunahme begriffen ist. Bon Jahr zu Jahr laufen Berichte ein über das Entstehen und Gedeihen neuer Gemeinden, von Jahr zu Jahr werden neue Go teshänser und Schulen errichtet, die sich einegut gcregclien Gottesdienstes und eines crsprirßli« chen JuaenduntcrrichteS erfreuen. Aber je freudiger dieser tzortschritt auf dem Gebietende- JudenthumS zu begrüßen ist, destomehr ist »'s zu beklagen, daß in unserer alterthümlichen Gemeinde von Tag zu Tag traurigere Symptome der Auflösnng und des Verfalles sich bemerkbar machen. Das Band welches die Glieder unserer Gemeinde einst so fest zusammenhielt, ist jetzt ganz locker und haltlos geworden, und da- Getriebe dieser alten Maschine wird gegenwärtig nur noch mit Kunst und M ü h e erhalten und droht auseinander zu gehen. — Der Tod, dieser unerbittliche Menschenfeind, hat unS unserer Führer und Leiter beraubt und auch die Frei« zügigkcit bat das Ihrige dazu beigctragcn, um unsere Reihen zu lichten. — Die Stützen unseres Gemcindewesens sind also zu Grabe gegangen und mit ihnen anch all' die auSgezeich« neten Tugenden, mit denen unsere Gemeinde ihren. Schwe« stcrgcmeindkn als Muster und Vorbild diente. — Auf dem Gebiete der ״Thora,- oder besser, des JugeydunterrichteS, sicht cs leider so öde und wüst aus, wie auf den egyptischen Gefilden zur Zeit der siebenjährigen Unfruchtbarkeit.*) Eben so traurig sieht es mit der ״Aboda- (Gottesdienst) aus; denn es trägt kaum noch Jemand die schönen Worte auf dem Herzen: ״קעריר-י?א?ץ״= יי בית ניד Die meisten der wenigen Mitglieder, die unsere Gemeinde jetzt zählt, sind nicht reich, aber sehr arin an guten Willen, und wenn energische Hilfe nicht bald hcrbcigcschasst wird, muß bei den gegenwärtigen Verhältnissen die völlige Auflösung unstreitig erfolgen.— Darum מי ל9לים und wer das weitere Gedeihen jüdisch religiösen Gefühles in unserer Gemeinde gefördert sehen will, gebe Rath und That. — Die materiellen, wie die geistigen Verhältnisse unserer Gemeinde bedürfen einer Radikalkur und namentlich harrt die Schule einer Erlösung aus ihrem bisherigen Zustaude, der wahrlich nicht überall seines Gleichen findet. — Man wird die Nebel an der rechten Stelle suchen, und sie mit der Wurzel ausrcißen müssen. — Dazu sind aber Gemeindelei« tcr nöthig, die nicht persönliches Interesse im Auge und die Worte auf den Lippen haben: ״Mag cs sein, wer cs will und wie es will, mir gilt cs gleich," sondern mit Energie für die löbl. «.!.che Hm) anlcgen. Wenn unsere Gemeinde an Männern der Intelligenz und des Fortschrittes auch keineu Uebcrfluß hat. so ist umsomehr zu bedauern, daß die wenigen, die wir noch besitzen, zu indifferent sind, um d a S zu leisten, was im Interesse der heil. Sache mit Recht von ihnen gefordert werden darf. — Ihnen liegt wohl die ״g n te, alte Zeit" im Herzen rmd auf der Zunge, sie sehe» aber nicht ein, daß diese gute alte Zeit zu Grabe gehen musste, weil ihr das Leben entzogen wurde. — Wie gesagt, eS fehlt nur ein energisch ׳s Einschreiten, gehoben und getragen von Intelligenz, verstärkt durch Association. Der intelligentere Theil muß den weniger intelligenten zu sich hinaufzuziehen trachten; denn nnr mit vereinten Kräften muß und kan» für das Nolhwcndige gewirkt werden, nicht aber wenn die Gcmeindeglicdcr in unwirksame Atome zerfallen, die kei« nen lebensfähigen Körper bilden. — Wie könntcn aber unsere materiellen Gemeindevcrhältnisse gehoben werden? Die naheliegenden, sogenannten Winkelgemeinden (z. B. Ba« bitz) müssen ans Ansuchen amtlich aufgelöst und sammt den vielen in den «:»liegenden Dörfern domicilircnden Js« raciitcn (wie in B.wenitz, Wiklantitz u. a. m.) in nnserm Gemeindcverband anfgenomincn und zu Eultusbeiträgen da« hin verhalten werden. Ist nnr vor allem der Wille da,— und der ist dcS^WerkeS Seele, sagt PistorinS — dann werden auch die Mittel zum großen Zwecke leicht herbeigeschafft werden, 11:1b unsere Gemeinde wirk neu verjüngt wie der Phönix aus Asche hervorgcheu. — J. B. .ra. *j Seit ntirft.'r Zeit ist der I rzend.rnterricht gänzlich ausgrlüst» Ans gegl itiidete» U-i.,t)e» sind die in äste» jknider dem Lehcrr endogen Worden uns dieser ist n111111r.br genöihig, durch AuSvesserir von Thorarolleu seine üristenz herdeijiijchasfen. —