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Die Gegenwart · 1868-10-08 · 22 (8.10.1868) · p. Seite 236

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
22 (8.10.1868)
Date
1868-10-08
Page
Seite 236 (sequence 4)
Language
German
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236 Systeme immer nur in einem beschränkten kreise und in einer bestimmten Zeit Anerkennung erhielten, so sei eben die Aufgabe de- PhilofophircnS den innern Zusammenhang alles Wissens zu mache». Ein Verfahren, das Denken zum Wissen zu erheben, d. h. seine Korrespondenz mit einem ihm entsprechenden Sein, und seinen Zusammenhang mit dem früher« jedem einzelnen Denken nachzuweisen, sei das Wesen der Dialektik, der ersten DiSciplin der Philosophie. Demnach, ist. die Dialektik eben nur die Theorie dcS Verfahrens, wodurch man zum realen Wissen gelange, keineswegs aber die Construktion des realen Wissens selbst. (Dialektik S. 6 45) Von ihr'als von der Stellung der Entstehung und Bildung alles Wissens unterscheidet nun Schleiermacher die beiden Grundwissenschaften der Philosophie, die Physik und Ethik, welche das Wissen selbst enthalten. Der obigen Begriffsbestimmung des Wissens, daß es nämlich die Correspondenz mit einem Sein bedinge, sucht er nun nachzuweisen, daß in jedem Wissen die intcllectuclle Thätigkeit der Vernunft und die sinnliche Thätigkeit des Leibes die beiden nothwendigen Faktoren sein müssen. Die Thätigkeit des LeibcS sei nun eine Thätigkeit dcS Seins, die der Vernunft eine Thätigkeit des Denkens. Alles Wissen entstehe also nur durch Vermittelung von Sein und Denken, organischer und vcrünftiger Thätigkeit, also nur von Idealem und Realem. Auch das Ideale sei mithin nur eine Einheit von Idealem und Realem mit größerem Urbergewicht dcö Idealen, das Rca^e sei dieselbe Einheit nur mit llrberwicgnng dcS Realen. Daraus folgt der Inhalt der zwei möglichen Wissenschaften, der Ethik, welche die Natur der Vernunft und der Physik, welche daS Vernünftige in der Natur darznstcllcn habe. (Dialektik S. 41—02) Da nun jedes Wissen als Produkt der intellcctuellen und organischen Thätigkeit, mit dem Sein übcreinstimmen muß, so muß diese Eorrcspondcnz mit dem Sein sowohl bei den Akten der Vcrnuiiftihätigkcit als bei denen organischer Functionen vorhanden sein. Da nun weiter die Vcrnunftthätigkcit im Idealen, die organische hingegen im ReaKn sich bewegt, so muß dieser Gegensatz zivischen Idealem und Realem eben nur immanent sein, anderseits aber auf.das Eine Sein als ans rin TransccndcntalcS znrückführen. Dieses TranSccndentale sei eben die Idee dcS Seins als absoluter Einheit des Idealen und Ncelcn. (Dialektik S. 74.) Diese Auffassung des Absoluten bei Schleiermachcr unterscheidet sich also wesentlich von der absoluten Indifferenz Schellings dadurch, daß diese absolute Einheit jenseits dieser Welt dcS Gegensatzes liegt, wahrend unser Wissen die beiden Formen dcS Seins, Ideales und Reales immanent sind. Das Absolute als Tralisc.iideutalcS behauptet Schlrirrmall er könne nicht Gegenstand unseres ErkenncnS und Wissens sein, weil eS eben jede Gegensätzlichkeit ansschließt, für daS Wissen sei daher das Absolute rin nnvollzichbarcr Gedanke, nur der unfassbare Grund unseres Denkens nnd Wissens. (Dialektik C. i>0 — 144) Was aber tut Wissen und Wollen nicht begründet ist, dessen Grund findet Schlciermacher im Gefühle. (Fortsetzung folgt.) ver Sabbath in New-HorK. In New L)ork haben die Vertreter von 23 Synagogrugrmeindrn einen Aufruf an sämmtliche dort wohnende Israeliten erlassen, aus dem wir nur folgende Stelle hcraushebrn: Fürwahr, Brüder'. ihr wißt nicht, was ihr thut, ihr wißt nicht, welchen Schatz ihr prrisgcbet. Indem ihr den Eabbath dem Mammon opfert, bringet ihr euch nm die höchste dem Jude» in seinem Erdenivallen erreichbare Glückseligkeit. Unsere begeisterten Propheten: Jcsajah, Ieremiah, Hesekiel, Nrhcinias u. A. ermahnten Israel in ihren feurigsten Reden, den Sabbath zu beobachten, weil sie cinsa« Heu, daß destrn Entweihung zuzulaffen gleichbedeutend sei dem Oeffnen einer Hauptarterie an unserem religionS-genossenschaftlichen Körper und so kehr des Letzteren Bestand gefährdend, wie die Nichtachtung keines anderen Gebotes eS hätte thun können. Nie zuvor hat unserer Religion so große Gefahr gedroht, wie jetzt, da das Band, welches unsere Väter unter allen von außen her auf sie einstürmenden Unwettern zusammcnhielt, gelockert ist und gänzlich unS entfallen zu müssen scheint; da der Tag. der unS in Freud und in Leid im Got« teShausc zusammenführen sollte zu gemeinschaftlicher Anbetung des Einigeinzkgen und zur Unterweisung in den Lehren unserer Religion, — da der Sabath, welcher daS unterscheidende Merkmal deS IudenthumS ist, wie jeder andere Wochentag verlebt wird. WaS frommt eS unS, daß wir zahlreiche Gemeinden bilden? WaS nützen unS prunkende Tempel, was vortrcflliche Chöre, waS beredte Prediger, wenn wir am Sabbath lieber im Geschäft einen neuen Kunden erhaschen oder einen alten cultiviren, als im Gotteshausc eine neue Idee erfassen oder für eilte alte auf'S Neue unS erwärmen? Können wir uns für die Anforderungen dcö IudenthumS an uns, seine Bekenner, durch bloße Geldspenden abfindcn? Oder füllten etu>a jene Prachttempel und Prunkausstqttungen nur g l ä n z e» de Särge sein für unsere Religion, welche w i r als veraltet, überlebt und bedeutungslos wenigstens anständig bestattet wisss e n wollen? Sollten jene stattlichen Synagogen nur Monumente sein, der Nachwelt zu sagen, daß eö eine Zeit gab, da Juden vieles Geld spendeten für kostbare und herrliche Baudenkmale und einen Stolz darin suchten, sich in dieser Beziehung nicht von andern Relig'onSgenosscnschaften übertrcffen zu lassen? Brüder! Soll die Fackel der Aufklärung, welche allen Nationen znzuführen, unsere Väter als ihre Mission erkannten und die sie drßhalb sorgfältigst vor Allem in ihren Bctstuben und ärmlichen Synagogen nährten und pflegten, jetzt in unseren goldstrotzcndcn Tempeln erlöschen? Was wollt ihr: das Indenthnm und seine Lehren erhalten und verbreiten — oder: mit fashionablen Kirchen rivalisiren!? Israeliten! Beantwortet euch diese Frage gewiflenhaftk Erwäget wohl, überleget reiflich! und ihr werde t znrückkehren zu euerer Mutterrcligion, werdet die unausbleib - lichcn Folgen des VerharrcnS in eurer Sorglosigkeit nicht auf euch nehmen, sondern uns helfen : de nt Sabbath seine Würde, seinc Hci ligung wieder zu erobern nnd dadurch jede jüdische Heimath wieder zu einem Paradiese, jeden jüdischen Hecrd zu einem epa linpa zu machen. Schließlich wollen wir einmal die praktische Seite, die Ausführbarkeit dieses bedeutungsvollen Unternehmens, ins Auge fasten und sehen, ob denn wirklich das Opfer, welches wir dafür zu bringen haben, so gar groß ist, daß eö unö zu schwer werden könnte, oder ob nicht vielmehr, was wir hinzugeben haben, sehr, sehr wenig im Vergleiche mit dem unendlichen Segen, den wir für unS selbst und unsere Angehörigen herbeiftthren. Der Sonnabend ist im Allgemeinen, besonders aber für den Großhandel, kein sehr geschäftSrcicher Tag; so d iß für den größeren Thcil der hiesigen Geschäftswelt durch ein wenig Mehrarbeit am Freitage für den Sonnabend gar Nichts zu thun übrig zu bleiben brauchte. Dazu kommt, daß unsere GlanbcnSgenosscn sich in der Geschäftswelt einer solchen Bedeutung. eines solchen Einflußes erfreuen, daß ihr vereinter Beschluß, am Sonnabend ihre Geschäftslokalc zu schließen, das Allgemeingcschäft an diesem Tage auf ein noch geringeres Maaß beschränken dürfte. Und in wenigen Manaten, nachdem eS erst bekannt geworden, daß die Inden sich alles GeschüftSbetkicbes am Sonnabend enthalten, dürften alle Geschäftserlcdigungen zwischen Montag nnd Freitag erfolgen. Schließt ferner unser jüdische Nachbar sein Geschäft am Sonnabend gleich uns, so wird Keiner von uns benachtheiligt sein. Denn der christliche Kunde wird me^r V.r« trauen in unsere Rechtschaffenheit und Zuverlästigkeit setzen

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