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Die Gegenwart · 1868-09-24 · 21 (24.9.1868) · p. Seite 229

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
21 (24.9.1868)
Date
1868-09-24
Page
Seite 229 (sequence 9)
Language
German
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k 229 Beilage zur „Gegenwart" Xro. 21. Der wahre Jude ist stolz auf seine geschichtliche ruhmreiche Vergangenheit und ist durchaus nicht gewillt in der neuen Zeit seine zivilisatorische Mission, die er in min und nttfo findet, aufzugeben. Ihr aber meine Herren Neologen oder Wissensfreunde wie Ihr Euch neuesten Datums zu nennen beliebt, habt das Judenthnm für welches euere Väter geblutet, gekämpft und gerungen, verkauft und verrathen! habt ein Attentat nach dem anderen gegen unsere ruhmreiche Geschichte verübt. Aus Euerem Hause habt Ihr die jüdische Sitte und mit ihr die jüdische Sittlichkeit ver bannt. Ihr habt nur ein mitleidiges Lächeln über die jüdischen strengen Begriffe der Sittlichkeit und Keuschheit, Bälle, sogenannte „Hausfreundewie in der „noblen" Welt, De niolirnng der Gitter der Frauengallcrien in den Synagogen sind bei Euch an der Tagesordnung; Eueren Frauen ist cs eine Schande sich des rituellen Frauenbandes zu bedienen. Das ideale Streben nach moralischer und g e i st i g e r B o l l k o m e n h e i t, welches bei dein Juden vorzüglich mit der strengen Sabbathfeier und dem allgemeinen Thorastudium zuiammenhängt, ist bei Euch in dem Streben nach mat c r i cl le m■ W u t c z n Grunde gegangen; Ihr Acltern habt das jüdische Gesetz vergessen, die jüngere Generation hat cs nie gelernt; den Sabbath haltet Ihr nicht heilig. Euere Berkaufölädcn und Werkstätten kennen keinen Tag der Ruhe, Euere Seelen keinen Tag der geistigen Feier. Ihr schämt Euch Eueres historischen IudcnthnmS, Eueres jüdischen Namens; Ihr schämt Euch Abraham Jsak und MoseS zu heißen, und nennt Euch jetzt Adolf, Isidor und Moritz, als ob die Namen der Patriarchen Euch eine Brandmarkung wären! Welche elende Selbsterniedrigung in den Augen jedes wahrhaft Gebildeten! — So sucht Ihr über all wohin nur die Hand Euerer Zerstörung dringen kann,, das fpecifisch Jüdischezu verdrängen und zu vernichten. Diese Euere Gesinnung giebt sich endlich auch im öffentlichen Kultus kund. Den jüdischen öffentlichen Gottesdienst, den einfachsten der nur irgend möglich — ein auf Pergament geschriebenes Gesetzbuch ist Alles, was wir außer den Gebet Mitteln des Privatgottesdicnstcs zum öffentlichen 'enöthigen, niit diesem Gesetzbuchc können wir eben so gut und feierlich unter sieicm Himmel als im herrlichsten Tempel unsere Andacht verrichten — habt Ihr verunstaltet; er war Euch zu jüdisch, darum habt Ihr ihn reformirt, das heißt, Ihr habt ihn nach subjektiven Ermessen, (jede Ge meindc nach ihrem Gutdünken,) mit Einrichtungen aus einem dem Juden ganz fremdartigen Kultus so herauSstaffirt, daß man alles Andere, nur nicht die natürliche Einfachheit des jüdischen Gottesdienstes in ihm finden kann. Zwar ha bcn sich viele der größten Gelehrten und Tonkunstkapacitäten gegen den Gebrauch Euerer Einrichtungen beim Gottesdienste ausgesprochen, daS Alte war aber zu „jüdisch," und „was wird dann der oder jener Richtjudc, wenn er unsere Synagoge besucht, sagen." war Euer einziges Argu ment und ob zweckmäßig,'ob im jüdischen Geiste und Gesetze begründet oder demselben grade zuwiderlausend alles Eins— der Jude wird verbrannt! — Jeder der noch einen Funken Gefühl fürs Judenthnm hat, mußte schaamroth werden, alö er unlängst von einem Prozesse in Preußen hörte, in welchem die evangelische Geistlichkeit ihren Ornat v o mR-gch b i n c r rcclantirtc! Euer Gottesdienst macht ^ichtnnr KstE den Juden sondern auch bei Nichtjnden swic ich unlängst M'st von einem gebildeten Christen hörte) den Eindruck, als otyiit der Synagoge eine katholische Messe zelebrirt würde. ( „Palästina nach seinen natürlichen und geschichtlichen Verhältnissen geschildert für Schule und Haus von A. S. Fischer, mit einer Karte des heiligen Landes." — Verlag von Hcrzfeld und Bauer Wien 1808. Der Herr Verfasser versteht es vollkommen durch seine herrlichen und lebhaften Schilderungen dieses Landes die Aufmerksamkeit des Lesers ungemein anzuregen und so zu spannen, daß derselbe mit größter Thcilnahme dessen Inhalt verfolgt und seine Wißbegierde befriedigt. Dieses Werk ver dient mit Recht besonders empfohlen zu werden und 'seine allgemeine Verbreitung eiste wünschenSweNhc. Es ist Schade, daß der Raum dieses Blattes nicht gestattet, in's Einzelne einzugehen, um dessen Werth noch mehr zn zeigen. Auch die Verlagshandlung hat durch eine gefällige äußere Ausstattung zur Empfehlung obgenannten Werkes bcigetragcn. G. L.. Hirtenbrief des Dberrabbinkrs von Bordkanr. mitgcthrill vo» l*. Vcroif. Der „l’niveis lsraelite“ welcher diesen Artikel bringt, - thcilr hievon das Wesentlichste mit: Nachdem der chrenwerthc Rabbiner die ausgestellten Mei nungen Betreff des Prinzips der Theokratie, die sich in den Lehren Moses vorfindrn soll, siegreich bekämpft hatte, spricht er. vom religiösen Formalismus, den gewisse Schriftsteller, Juden und andere dem Indemhumc vorwcrfeu. Er sagt hier über Folgendes: „Wir haben noch, meine Brüder in Hinsicht des Formalismus eine vorgefasste Meinung zu bekämpfen. Man dankt uns wohl wegen der Beharrlichkeit, die wir, treu den heiligen Familicnüberliefcrungen, ausgcübt haben, um jeden Versuch, die Reinheit des Monotheismus zu trüben, zu ver eitclu. Jene, die jetzt zum Monotheismus znrückkchrcn, freuen sich, ihn so gut erhalten, wiedcrzufinden. Man täuscht sich nicht mehr über diese seltene und bewunderungswürdige Festigkeit. Zwei wesentliche Punkte'sind es. welche die Schriftsteller. die sich mit unserer Lehre und Geschichte beschäftigen, iu dieser Hinsicht bezeichnen. Diese zwei Punkte betreffen einerseits den Geist der Einigleit. Brüderlichkeit und Solidarität, den Israel in den verschiedenen Epochen seines viel bewegten Lebens in ychanfzunchlttcn verstand; anderseits die glückliche Entwicklung, die das Profctcnthum der mouothci stischen Idee, die wir eben erwähnt, eiuzuprägen wusste. Man sagt zwar, haben denn diese Profetcn, die so viel für den Ruhm des jüdischen Volkes und zur Erhaltung ihrer Lehre gcthau haben, nicht immerfort ihrem Volke dessen übertriebene Anhänglichkeit an der Form, au dem Buchstaben des Gesetzes vorgcworfen V Diese Liebe zum Formalismus war nach ihrem Tode, für Israel verhängnisvoll, alö der römische Koloß kam. es unter den Männern Jerusalems zu zertrümmern." _ „Man täuscht sich sehr, meine Bruder, wenn mau glaubt, daß die Profetcn jemals die Verdammung des israelitischen Formalismus ausgesprochen hätten. ES scheint ein Parodo xon zu sein, und doch ist diese Behauptung wahr. Die Profctcn haben strenge Worte gegen die äußeren Gebräuche gr sprochcn; haben sic sie aber gegen diese selbst gerichtet, oder vielmehr gegen die Weise, wie sie die Juden handhabten?" Damals selbst, sagt einer unserer Autoren, damals selbst, als Israel im Laufe seiner G.-ichichtc, äußerlich seiner Religion treu blieb, inachie es sich der llumoralitüieu. kluge rechtigkcit etc. schuldig. Das ist c:, meine Brüder, was die Profeten verletzte. Sic waren unwillig, aufgebracht über eine solche Frömmigkeit; indem sie die Eigenschaften des Gottes Israel, der nicht zweifelhafter Moralität ist, wohl begriffen, verstanden sic auch, wie sehr unwürdig es sei, einen solchen Gott mit Lippen anzurufen, wenn das Herz ganz verderbt ist. In diesem Sinne muß man die heftigen Strasreden im etsten Kapitel IsajaS deuten, -,md nicht, wie man es thut, im Sinne einer kathegorischen Verdammung der äußeren Gebräuche

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