Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 21 (24.9.1868)
- Date
- 1868-09-24
- Page
- Seite 227 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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227 daß da» Eontingent der Sträflinge auf 3V gestiegen, während es im Borfahre 24 betrug. vr. Piibram unbedingt gegen AuSspeisung der Soldaten an den NeujahrStagcn. Nachdem sich keiner zum Worte meldet, wird zur Abstimmung geschritten. Es erfolgt eine Stimmengleichheit und Vorsitzender gibt den Ausschlag, indem er für den Antrag der Armencommiflion stimmt. Er ist somit angenommen. Hierauf bringt der Vorsitzende nachträglich zur Kenntnis noch, daß die Errichtung einer Syuagoge für Jom Kipur auch Heuer sehr zweckmäßig wäre, zumal der Zuspruch in beiden Vorjahren 'ein zahlreicher war, und die übrigen nicht so sehr überfüllt werde», und stellt den Antrag, den Vorsitzenden zu ermächtigen, die Ausgaben hicfür au» der LultuSkasia zu begleichen, welcher Antrag einstimmig anzenom men wird. Den :i. Punkt, Rechnungsbcrichl de» Herrn Fischet kann we! gen Abwesenheit des Berichterstatters nicht zur Erledigung gelangen.! Schluß der Sitzung nach 12 Uhr. *** Der Borstand des Vereins für geregelten Gottesdienst , hat in den letzten Tagen des MonatS August durch Jnse- : rate in den Zeitungen bekannt gegeben, daß Sitze in dem! Tempel zu den Feiertagen zu verpachten sind, nnd die An- , Meldung längstens bis zum 1. September zu erfolgen habe ]_! wobei bemerkcnSwcrth ist, daß die Bekanntmachung sonst nichts! Anderes enthielt. Wie enttäuscht waren jedoch die sich ani meldenden Parthcien, daß man sic zum Kaufe von Aktien, zur Leistung von bedeutenden Spenden-zwingen wollte, und sie lieber erfolglos fortgehen ließ, als sich an den Wortlaut der Inserate zu halten. Sitzgeldcr nahm der Vorstand nicht gleich in Empfang und gab vor, noch vor den Feiertagen die Quittung und Anweisnummer in's Haus zu schicken und so geschah cs, daß mehrere Partheicn weder die eine noch die andere erhielten, was offenbar den Anschein hat, als wollte der Vorstand jenen, bei denen die Erträgnisse im Jahre lucrativer vorauszusetzen sind, den Vorzug geben. Wie der Vorstand bei solchen Unfug und solcher GeschäftSmacherei noch die Stirne hat, den Gottesdienst einen ״geregelten" zu nennen, kann nicht einlcuchten und man wird praktisch genug zu erfahren, wie man durch Pressionen und Zwangsmaßregel Gotteshäuser errichtet. ' » I *** Um den Lehrern an israelitischen Schulen die Wahl! eines böhmischen Lesebuches zu erleichtern, empfehlen wir den- > selben, das sich bereits als sehr gut bewährte ״maleho! ctenär“, welches in seinem Inhalte jeden confcssioncllen j Charakter vermeidet, und durch seine Leichtfasslichkeit den ■ Schülern die Lektüre angenehm macht. Der Verfasser derscl- > bcn ist Herr Vinc6nz Biba, Gymnasialprofcssor und der \ Verleger Herr S. W. Pascheles in Prag.! *** Cs kömmt Alles auf Glück an. Wir werden, so be- | richtet der ״Hebrew Leader“ vom 28. August d. I., von der Nachricht überrascht, daß die Rivingtonst. Synagoge den Rabbiner und Prediger der Ncusynagogc in Prag, Br. Sonneschein als Prediger angcstcllt hat und daß derselbe schon am 10. Scpt. mit der Borussia hier eintrcffcn wird. Noch am letzten Sabbath ließ man dort den gut empfohlenen Br. Fein aus Wien eine Probepredigt halten. Derselbe soll sehr gut und schön gesprochen, und die Geincindc würde sehr gerne mit ihm unterhandelt haben, wenn nicht am 2!>. d. M. die briefliche Anzeige ans Prag hier angelangt, daß Br. Sonneschein schon am 20. d. M. von Hamburg mit dem Dam׳ pfcr Borussia nach hier abfährt. V5 Die Kritik des Mainzer ״Israelit" über den in Prag vollendeten neuen Tempel ist gerade nicht sehr günstig; sie lautet: Derselbe ist ganz unansehnlich ausgefallen und macht gar keinen vorthcilhaftcn Eindruck; eine officicllc Einwcihnng wird kaum stattfindcu, da der Vorstand über den verunglück ten Bau sehr miSgcstimmt ist. ' *** Prof. Br. Kämpf ist vom Jahre 186'.» angefangen mit einem Profeflurgehaltc von 840 fl. ö. W. angestellt. *** Curiosum. Verflossenen Sabbat wurden in der Neusynagoge zwei Mitglieder, von denen das eine ein zum Judenthumc übertretencr, das andere ein zum Iudenthume zurückgetretcner Katholik ist, von einem Vorstandsmitglicde mit den Funktionen der Hagbah und Gelilah beehrt. %* Wieder einmal hat Herr Br. A. Stein Prediger der Meiselsynagoge an den beiden Neujahrstagen Predigten geliefert, die nicht so sehr -auf das Gcmüth als auf die LachmuSkeln gewirkt haben. Wir hoffen bei dem geehrten Leser entschuldigt zu sein, wenn wir den ganzen Inhalt dieser langatmigen Reden nicht widcrgeben, und so wollen wir uns nur darauf beschränken, den Extrakt Hera»Szuziehen den wir in gedrängter Kürze zusammcnfasscn. 1. Abraham unser Stammvater war der erste Gastwirth 2. Abraham unser Stammvater hatte kein Gebetbuch, wir brauckicn auch keines; ein Jeder kann nach seiner Weise beten. 6. Die Schauspielfünft wirkt so wie eine Predigt, und zum Schlüsse was dem Ganzen die Krone anfsctzt wird 4. dem Dichter Gotthold Ephraim Lcssing ein זכר צדק לבדיה »achgcrufcn. —Würde der unvergessliche Wohlthätcr Mordcchai Meiscl sich aus seinem Grabe erheben und sehen, was aus seiner von ihm erbauten als Gemeingut vererbten Synagoge geworden, er würde gewiß den Vorstand verdammen, der einem solchen Prediger gestattet, von der Kanzel der geheiligten Stätte zu sprechen und nicht allsoglcich dessen Demission beschließt. *** spenden. Dem ncnerbauten isr. Tempel haben Herr Josef Singer einen prachtvollen Vorhang (סרזכת') und Herr S.. Ronsburgcr eine schöne Tischdecke (7!o7v) gespendet. Der Vorhang ist mit Goldstickereien reichlich verziert nnd mit Edelsteinen besetzt, so bgjj. dessen Werth auf 2000 Gulden geschätzt wird; ebenso geschmackvoll ist die Decke. Beide Drnamente stammen ans dem Atelier der Frau Sarah Kuh gcb. Plohn. *** Ein gewisser RabbinatSkandidat Felscnvurg, den wir nicht zu kennen, die Ehre und auch kein Verlangen darnach haben, hat sich erfrecht, die Acußerung zu kolportircn, daß wir für eine bewusste Rcccnsion bezahlt wurden. Gewohnt, uns um solches Geschmeiß nicht zu kümmern, crklären wir jenen Felscnbnrg insolangc für einen unverschämten Lügner, als er n cht den Beweis liefert, daß wir nnS je bestechen ließen. Auswärtiges. Pest. Der ungarisch israelitische ״Verein der G l a ub e n S w ä cht er" hat an die Obcrgcspänc ein Rundschreiben gerichtet, in welchem die Behauptung aufgc«- stellt wird, daß cs in Ungarn zweierlei Juden gebe, O rt h o d o x c und N c o l o g c n, nnd demzufolge die Bitte ge stellt ist, daß bei Konstituirnng der Wahlausschüsse der or thodox.jüdischen Konfession eine besondere Vertretung gewahrt werde. Es ist dieses Rundschreiben eine Wiederholung dessen, was ein Mitglied der Konfcrcnzminorität in der ersten Sitzung der vom Kultusminister cinbcrufcncn israelitischen Ver trauenSmänncr bereits ausgesprochen, und was damals von Sr. Execllcnz sofort dahin beantwortet wurde, daß die ,Regicrung den Kongreß ans Grundlage des 1»67cr Emanzipa tionsgcsetzcs cinbrrnfe, dieses Gesetz aber weder Orthodoxe noch Neologen, sondern bloß Israeliten kenne, daher auch die Regierung nur eine einzige israelitische Konfession anerkennen dürfe. Triest. Auszeichnung. Herr Br. Formiggini wurde von seiner Majestät, dem Kaiser von Oesterreich zum Ritter des Franz - Josef - Ordens ernannt. Paris. Zu Rittern der Ehrenlegion wurden bei Gelegcnhcit des NationalfcstcS am 1.'». August ernannt: Herr Oberrabbincr Aron von Straßbnrg, Herr Louis Benloew, Professor an der Facultat zn Dijon nnd Herr Gcrmain Halphen, Kaufmann zu Paris. Colmar. Herr Bloch, Lehrer zu Eolmar, wurde zum Officier der Akademie ernannt. (Univ. JSr.) Grodno. Wie dem ״Hamagid" geschrieben wird, wurde da hier der Grundstein zu einem Hospitale gelegt, welche» mehr denn :10,000 Rubel kosten soll, und zu welcher Summe der Staat 18.000 Rubel gibt. Lalldia. Der Rabbiner Haim Mose» erhielt vom Sultan den Medschidje Orden 3. Klasie.