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Die Gegenwart · 1868-09-24 · 21 (24.9.1868) · p. Seite 225

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
21 (24.9.1868)
Date
1868-09-24
Page
Seite 225 (sequence 5)
Language
German
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ES ist doch wahrhaftig sonderbar mit der menschlichen Natur, daß sie, wenn in der Liebe banqnerott geworden, gewöhnlich im Haffe noch immer im Aktiven ist. Die im höchsten Grade exaltierte Liebe zu Deutschland und dem Deutschthum, die Herr Schuselka in seinem Buche „Oesterreichische Bor- und Rückschritte," Hamburg, bei Hoffmann u. Campe 1847 zu den sonderbarsten Zumuthungen an die Slaven Oesterreichs begeisterte, die Ucberzeugung von der Höhe und dem Werthe deutscher Cultur, Erziehung und Abstammung, welche Herr Schuselka bis zu einer lächerlichen Polemik für die deutsche Ursprünglichkeit der Endsilbe „ka" an seinem Namen veranlasste, der an Hochmuth grenzende Stolz, mit welchem derselbe das Emporkommen der Magyaren für unmöglich, das neukechische Streben für .Widersinn" erklärte, hat anderen Ueberzeugungen Platz gemacht, die Folgerungen geschichtlicher Facta sind bei ihm neuerer Zeit in ihr eigenes Gegentheil umgeschlagen. Aber wir haben von unserem Standpunkte aus nicht Ursache, mit ihm über solches zu rechten, es steht ihm wie jedem anderen Journalisten frei, soweit er eS mit der eigenen Ehre und dem Vortheil ve» träglich findet, den Mantel nach dem Winde zu drehen oder jene Artikel zu Markte zu tragen, für welche am leichtesten Absatz zu hoffen ist. Aber die Juden taffe uns H. Schuselka ungeschoren! Er kümmere sich nicht darum, wie er es vor einiger Zeit gethan, ob die jüdischen Journalisten, d. h. solche, die nicht etwa für Juden und Judenthum schreibm, sondern nur jüdischer Abstammung sind und ihm auf dem Markte der Zeitungslitcratur glückliche Concurrenz machen, Papstthum und Ulttamontanismus, denen seine historischen Abhandlungen eben auch nicht zu gute kommen, in mehr oder minder glimpflichem Tone besprechen, er bedenke wohl, daß die obenangcführten Wörter Die Juden scheinen wie überall so auch in Rumänien als Vertreter des Deutschthums auftreten zu wollen, einer gehäffigen Demonstration so ähnlich sind, wie ein Ei dem anderen. Offen gestehen wir es zu, daß überall und selbst auch in Ungarn, die Bildung der besseren Klaffen unter den Juden Europas eine spezifisch deutsche ist, daß daS deutsche Volk nicht wenige Juden zur seinen besten Literaten, anerkanntesten Künstlern und beliebtesten Dichtern zählt, daß der jüdische Stamm dafür, daß Deutschland ihm einen großen Regenerator, einen friedlich wirkenden, erst in später Zeit wegen seiner intensiven Erfolge allgemein anzuerkennenden Reformator in Mendelssohn erzogen hat, sich gegen Deutschland und Deutschthum durch Liebe, Pflege des deutschen Geistes und durch Anhänglichkeit dankbar erweist. Diese Liebe aber, diese Anhänglichkeit gilt allein den Deutschen als einem Kulturvolle, nicht aber als politischer Individualität und^ als Partei nn europäischen Bölkerkonzcrte. Die politische Einheit und Größe Deutschlands ist" den meisten Juden höchst gleichgiltig, ja das von der politischen Einheit fast unzertrennliche Abgegränztsein dürfte dem denkenden Juden mehr als ein Hindernis der kulturhistorischen Mission deS deutschen Volkes erscheinen, sowie der denkend^ Jude ganz wohl erkennt, daß die Mission deS JudenthumS nicht anders als durch die Zerstreuung des jüdischen Volkes in allen Ecken und Enden der Erde und durch Bereinigung mit anderen Völkern zn erfüllen gewesen. Und darum ist trotz vorwiegend deutscher Bildung der Jude in Frankreich Franzose so gut als einer, in England Engländer, und Neuitalicn bedauert eö nicht, daß unter den Schülern und Jüngern seines großen Eavour auch Juden Rollen gespielt haben. Gewiß sind also auch in Rumänien die Juden höchstens in ihrer Bildung Deutsche, und daß sie sodann den wmig gebildeten Volkshaufcn in Rumänien überragen, darf ihnen gewiß eben so wenig mit Recht zum Vorwurfe gemacht werden als die Rumänen ihren erwählten. Fürsten seine deutsche Abstammung zum Vorwurfe machen' dürfen. willkührliche Affekte, die aber keinen Menschen, kein Volk, am wenigsten eine Regierung rechtfertigen, wenn diese Mord und Todschlag, Raub, Plünderung und Entweihung von Grabstätten unterstützt, oder auch nur gewähre« läfft, und Herrn Schufelka'S einstige Humanität zeigt sich sehr adgeblafft, wenn sie zum Echo solcher Rechtfertigung wird. Diejenigen aber, welche etwa auf die Worte SuchselkaS schwörend glauben, der Jude könne wegen seiner vorwiegend deutschen Bildung als Feind und Gegner anderer 'Rationalitäten und ihrer Bestrebungen zur Selbsterhaltung angesehen werden, geben wir zu bedenken, daß die Geschichte der Juden und deS JudenthumS feit deren Entstehen bis heute nicht» als die Geschichte eines steten Kampfe» um Selbsterhaltung gewesen, und daß eS der menschlichen Vernunft zuwider ist, Bestrebungen anderer hindern oder bccinträchtigeu zu wollen, die mit den eigenen auf das Nächste verwandt sind. . ... l. Das Verhaltniß der positiven Religion zur Philosophie nach BchleiermacherS und -krerbats Prinzipien, im Gegensätze zu den absolut - rationalistischen Systemen. Eine philosophische Untersuchung von vr. Albert Naber, Rabbiner und Prediger. (Fortsetzung.) Schelling hat bekanntlich eine Abhandlung mit dem Titel .Philosophie und Religion geschrieben. Nachdem er schon früher Ideen zu einer Philosophie der Natur 1. S. 4—80— die Bestimmung der Philosophie aussprach, welche sei, die Trennung zwischen Objekt und Subjekt, zwischen Idealem und Realem aufzuhebcu, definiert er diese als das absolute Wissen und bezeichnet den absoluten Erkenntnißakt als intellektuelle Anschauung, durch sie wird dem Menschen die Erkenntniß des Unendlichen im Endlichen, deS Ewigen im Vergänglichen, die Erkenntniß der Ideen der Dinge zu Thcil. Durch obige Abhandlung ward Schilling der Begründer jener Richtung, welche Religion, Recht und Sittlichkeit in Philosophie aufzuhebcu suchte. Nach der Natur deS Absoluten fällt Religion entweder mit der Philosophie in Ein? zusammen, oder steht tief unter ihr in der Sphäre deS gemeinen, nun auf die sinnlichen Dinge gerichteten Verstandeswissens. Schelling behauptet, ursprünglich sei die Religion mit der Philosofie, abgesondert von dem Volksglauben, gleich einem heiligen Feuer in Mistcricn bewahrt worden, daß aber später die Religion mit Fremdartigen, nur dem Volksglanb en Angehörigem verunreinigt, mit dem Realen vermengt wurde; so habe dann die Religion die Ideen der Vernunft als bloße LcrstandcSbegriffe behandelt. Allein die Lehre von dein Absoluten, dem Verhältniß der Dinge zu Gott sei eigentlich Inhalt der Philosophie. Unmöglich kann der (Staube, oder irgend eine andere Potenz etwas Vollkommeneres bieten, als jenes „absolute Erkennen, da das Wesen der Philo sosie eben darin bestehe, in auschancndcr Erkenntniß das zn besitzen, was die Nichtphilosophic im Glauben zu ergreifen meint. Jeder noch in der Endlichkeit Befangene, meint Schelling, ist von Natur getrieben, ein Absolutes zu suchen, aber, indem er es für die Reflexion fixiren will, verschwindet e» ihm. Nun im Augenblicke des Streites, >vo die subjektive Thätigkeir sich mit dem Absoluten in Harmonie sktzt, Str der Seele als Offenbarung, als Erleuchtung erscheint, tritt die Religion ein. Sie ist daher bloß eine vorübergehende Erscheinung Gottes in der Seele, da» Ringen und Suchen nach dem Absoluten; Philosophie hingegen die höhere Vollendung des Geistes. Schelling verlangt deßhalb die Wieder- Der Umstand, wenn er überhaupt wahr ist, daß die Juden sich als Träger des Deutschthums in Rumänien gerieren, mag wohl die geringe Sympathie, die daselbst für sie existiert, rechtfertigen, Sympathie wie Antipathie sind un

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