Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 21 (24.9.1868)
- Date
- 1868-09-24
- Page
- Seite 224 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4890378-5433912-5433937--120-4890483- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
224 machen und die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf sich zu lenken suchte, damit diese in dem frechen Benehmen dm Ausdruck de« Mißfallens erblicken sollen. Es ist wohl wahr, daß da« Beifallklatschen oder daS Beklatschen oder das Aachen einer unintelligentcn^Maffe, die au« einer Eomposition von Frömmlern besteht, keine Compctenz hat, aber immerhin ist daS Gebühren solcher Menschen, die nur durch da« Eindringen in eine achtbare Familie zu einem geringfügigen Gegenstände wurden, geeignet, die ganze Situation zu kennzeichnen. Bei der guten Stim mung, die unter den meisten Neu-Synagoge-Mitgliedern für I)r. Rabcr herrscht, bei dem überaus günstigen Urtheile. das von den Damen der betreffenden Synagoge über die Reden Räber« abgegeben wird, ist man bemüht pur ordre de Mufti oder besser gesagt, der guten Tanten, der Onkel und Geschwisterkinder alle Geschosse der Bosheit gegen Rabcr abzuschießen, die UeberzcngungStreue guter Freunde in falsche Urtheile zu verwandeln, und da diese Geschosse ihre Wirkung verfehlen, wird eine pur toree Jagd aus die,deutsche Sprache gemacht und selbst die Kommata, die man nicht sehen und nicht hören kann, ausnotirt, um den gelehrten Räber nur au« dem Wege zu raumen. Mit wahrer Bestialität wirst man sich aus das moralische Ich eines Mannes und urthcilt ihn wie einen Schuljungen ab, von dem der größte Prediger unserer Zeit Herr vr. Jcllinek in seinem ihmjvom IO Juni 1X08 ausgestellten Zeugnisse.ausdrücklich betont, ihn „als einen Mann kennen gelernt zu haben. welcher mit sehr rüh men S w erth cn talm u d i s ch r a b b i n i s ch c n Wissen homiletische G ewandhcit verbindet und überhaupt vo n einem sittlichen Ernste durchdrungen ist, und mit allen seinen Kräften zur Ehre seines Glaubens und zum Heile seiner Glaubensbrüder zu wirken. Wer sind die Männer, die die Worte eines großen Mannes tilgen strafen, wer sind die Männer, die die Aussprüche eines Rüben Baruch, eines Moses Kunitz, eiucS Moscheh Sofcr als ein Schaumgcbilde hinstellcn, weil cs ihre Bosheit verlangt, wer sind diese Männer, die mit dem Dolche in der Hand gegen die Ehre eines Manncö gerichtet, ihre eigene Ucbcrzeugung dämpfen und sich narkotisircn, wer sind diese Männer^ die ihrem-Süudenbekenntniß bitrd) Donnerschlägc auf die Brust Ausdruck verleihen, während sic in den kO Bußctagen, wo sie vor dem höchsten Richter stehen, sich erkühnen, einem Talmid Chacham so vor den Kopf zu schlagen, wer sind diese honetten Männer, die einen durch und diirch wissenschaftlich gebildeten und gelehrten Rabbiner und Prediger, der Familienvater ist, verdrängen. beleidigen und moralisch vernichten wollen, um einem tonlosen, schwachen Gebilde, das noch nicht zum Vorbildc, zur beuchte dienen kann, auf die Beine zu helfen, einem Gebilde, das vielleicht, wenn Vr. Rabcr in Prag cxistircn sollte, ihn fußfällig bitten würde, ihm die Pforten des Unterrichtes zu eröffnen? Ehrenvorsteher ohne votmn sind cs, die jedes Gebetbuch für zu wenig voluminös halten, und Alles gcthan zn haben denken, wenn sic ihren Geiz überwinden und für einige Gulden sich die Achtung erkaufen. Und wahrlich, wenn der einst so beliebt gewesene Hübsch, der noch immer im Andenken der Ncusynagogc lebt, sich rühmen kann, ein Schüler Rabcr« zu sein, so können wir cs noch bei manchen Andern auch erlebe». Es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, daß mit der Protektion ein klnfng geschieht, an dem Vater, Tochter, Giessen, und Bnbcn arbeiten, während jüdische« Wissen und Wissenschaft nicht beachtet, und am Ende gar als ein Fehler angercchnet wird, während bei einem jüdischen Prediger, der die heilige Vcljrc erfaßt haben soll, jüdische« Wissen, Wahrheit, Herz, Bcgcisternng nicht in die Waag- Schale fallen, und nur DcklamationSkunst den Ansschlag geben soll. So macht man sich selbst zum betrogenen Betrüger, wühlt in seinem eigenen Fleische nnd Blute herum, und untergräbt das Judenthum, das man flachen Köpfen überlässt, die-nur mit Sprachkunstgeweben das Urtheil verstricken, und ttikulationrn das Auge verblenden. Es darf sonach nicht wundern, wenn Mancher, der nicht im Stande ist, ein Wort zu sprechen, und zu verstehen, der über die AnfängSgründe der deutschen Sprachlehre nicht hinaus ist, über einür-kanzelgeübten Prediger ein Urtheil fällt oder wenn tal« mndische Schuljungen, die Prag als einen Maststall ansehen und nichts Anderes thun, als dem Müßiggänge huldigen und sich zu den elendsten Werkzeugen gebrauchen lassen, um entweder, wo es erforderlich ist, als Klakeurs, oder als Raisoneur« ihre Dienst» zu leisten. Mit einer solchen Emeute verbindet sich die Scheinintelligen;, die in Glacehandschuhen sich manifestirt und eine daran« entstandene liaison hat nur den Zweck eine Jntriguc durchzuführcn, auch wenn e« gilt die Ehre, die Existenz eines Menschen zu untergraben. Uiid damit glauben diese gclddürstigen Moralisten ihre Pflicht gethan zu haben, wenn sic Häuser für sich bauen, einem Andern keine Hütte gönnen, damit meinen sie ihr Gewissen beruhigt, ihrem Gotte gedient zn haben, wenn sie nur in die Synagoge eilen, um da die ScgenSfrüchte vom Himmel schütteln' zu wollen, während sie einen gelehrten mit immensen Wissen begabten, ehrwürdige» Mann gleich einer Schlange auf die Ferse verfolgen, um ihm durch eine giftgeschwängcrte Wunde den Garaus zu niachen. Wir haben kein Interesse daran, ob Herr vr. Raber in der Neusynagoge ausgenommen wird, oder nicht, ob der Vorstand einen Schauspieler acccptiren will, der vielleicht eingcleierte Reden zum Besten gibt, ohne jüdisches Wissen zu besitzen und die GotteSlchre erfasst zu haben; uns ist aber daran gelegen, daß keine Jungen die Kanzel besteigen, die e« wagen, Mora l zu predigen und selbst noch Moral bedürfen. In diesem Sinne rechnen mir auf die Rücksicht des Vorstandes der Neusynagoge, der mit dem Vertrauen ihrer Mitglieder wohl beehrt wurde, aber keineswegs dieselben dcSavouiren darf und das sind wir überzeugt, daß die Besucher der Neusynagoge die ihr große Opfer bringen, nie und nimmer eS gestatten werden, einen jungen Dilletanten daS Wort Gottes verkünden zu lassen. Sollte aber, was wir von der Besonnenheit de« Vorstandes nicht voraussetzen, wie cS gerüchtweise verlautet, zu den nächsten Feiertagen, dieser Jüngling wieder sprechen, so werden wir nicht ermangeln einige Lebensbilder, jener Männer zu liefern, die sich einen solchen uiMtigen Scherz erlauben. WaS schließlich Herrn Rabbiner vr. Naher betrifft, erlauben wir nnS nur darauf hinzuweisen, daß Herr Baron SottowiL Fcldmarschall Lieutnant, BanuS von Kroatien und Slavonicn in einem Handschreiben an ihn, dessen cif-! rigcö nnd erfolgreiches Wirken in seiner Gemeinde zu würdigen ' wusste nnd ihm den Antrag stellte, dasselbe zur a llerh ö ch- I st c n Kenntnis zu bringen, daS den Beweis herstellt, in weli chcm seltenen Ansehen der ehrwürdige Rabbiner außerhalb; der Grenzen seines Vaterlandes steht, während in demselben— j keine Soktovice— sich alle erdenkliche Mühe nehmen, dem biei dcrn Charakter nahe zu treten. Wir hoffen, daß die Mitglieder der Ncusynagogc von ihrem Rechte des nihil de nobis sine nobis nichts abgeben. sich von den Agitatoren und wie sonst diese Professionistcn die in Moral, arbeiten, heißen mögen, bestimmen lassen werden, indem wir glauben, daß de« Volke« Stimme Gottes Stimme ist. Die Juden in Rumänien und H. Franz Schuselka. In einer der letzten Nummern von Schnselka's Reform finden wir in einem Leitartikel folgenden PassnS: „Die Regierung von Ruinänicn durch ein sehr selbstbewußtes Me- - morandum gegen alle Vorwürfe zu vcrtheidigen gesucht. Sie ist gegen die Juden nicht au« religiösen, sondern aus nationalen, sozialen Gründen. Die Juden scheinen, wie mit Ausnahme Ungarns überall, so auch in Rumäyie» als Vertreter \ de« DeutschthumS auftreten zu wollen und die rumänische,• ' Regierung hat für )cutschthnm keine Sympathie-