Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 20 (10.9.1868)
- Date
- 1868-09-10
- Page
- Seite 217 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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217 1 hat die Regierung die Einberufung eineallgemeinen israelitischen konfessionellen Kongressefür nothwendig erachtet, welchen vorzubereiten eine Konferenz von israelitischen Vertrauensmännern am 23. Februar und den folgenden Tagen , zusammenberufen war." Die Deputirtenwahl findet in sämmtlichen Wahlbezirken Ungarn- und Siebenbürgenam 3. November d. I. statt. Der Eröffnung-termin deallgemeinen Kongresseist auf den 10. Dezember d. I. anberamnt. Wähler sind alle großjährigen, selbstständigen Israeliten männlichen Geschlecht-, die in irgend einer Gemeinde de- Landeals steuerzahlende Einwohner zuständig sind und außerdem im gegenwärtigen und verMgenen Jahre ein an den Lasten partizipirendeZ Mitglied einer israelitischen KultuSgemeinde waren, darunter auch die besoldeten Beamten einer Kultusgemeinde. Taglöhner sind vom Wahlrechte ausgeschlossen. Die Zahl der Devutirten beträgt 220. * Alexander Bellak, Glasermeister hat sich in einer Eingabe an das ungar. Kultusministerium gewendet, damit ihm erlaubt werde, zum Judenthum überzutreten, beziehungsweise zu diesem wieder zurückkehren zu dürfen. In seinem Bittgesuch bemerkt Bellak, daß er seinerzeit sich genöthigt sah, zum Christenthum überzutteten, weil er von.der Polizei „zu viel sekirt wurde," als ,Jude keinen Gewerbeschein erhalten konnte, endlich weil er hoffte, einen reichen Taufpathen zu erhalten, der ihm „aufhelfen" würde!!! Im Jahre 1854 wurde Bellak in der Pester Franziskanerkirche getauft. Er versichert in seiner Eingabe, daß er stets ein frommer Jude blieb und wünscht nun wieder zum Glauben seiner Väter.zurückzukehren. Das Kultusministerium hat die Eingabe an den Magistrat behufs Einhändigung an den Petenten mit dem Beifügen gesendet, daß diese Angelegenheit nicht rur Kompetenz de- Ministeriumgehöre. (Frdbl.) Lemberg. In Lemberg wurde eine Taubstummenanstalt für isr. Kinder eröffnet. Beträchtliche Summen wurden für diesen edlen Zweck gezeichnet. Brandenburg. Im Jahre 1867 sind in der Provinz Brandenburg 43 Juden zum Christenthume und 6 Christen zum Judenthume übertreten. Posen den 16. August. Hierher ist eine Ministerialver-, fügung gelangt, daß es den jüdischen Eltern, die ihre Kinder in daS Gymnasium oder die Realschule schicken, freisteht, sie vom Sabbathunterrichte ganz oder theilweise während des Gottesdienstes dispensiren zu lassen. — Als vor ungefähr 14 Tage ein neuer Direktor des hiesigen Fried. Wilh. Gymnasiums eingeführt wurde, hat derselbe in seiner Antrittsrede besonders hervorgehoben, daß von jetzt an in der Schule der Geist der Liebe walten soll ohne Unterschied des Glaubens. Er bettachte Reformirte, Katholiken, Js raeliten, da sie alle an einen Gott glauben, wie Brüder, die sich äußerlich nur durch ihre verschiedene Kleidertracht von einander unterscheiden. I8r. Bonn im August. Herr Professor und Oberbibliothckar vr. Jakob Bernays, Sohn de« sei. Chacham in Hamburg, sttengereligiöser Jude, erhielt bei Gelegenheit der Jubiläumsfeier der hiesigen Universität den rothen Adlerorden von Sr. Majestät dem Könige von Preußen. München. Professor Brentano wurde zum Direktor der Handelsakademie in München mit einem Jahresgchalt von 2.700 Gulden ernannt; er wurde gleichzeitig als ordentlicher Professor an der baierischen Polytechnik angestellt. Darmstadt (Israeliten im Staatsdienst) Die Antwort deS Ministerpräsidenten Dalwigk auf die Interpellation des Abgeordneten Edinger wegen der Zulassung der Israeliten zu den Staatsämtern lautet: „An den Präsidenten der zweiten Kammer der Stände des GroßherzogSthumS. Die mit dem gefälligen Schreiben von 19. Juni d. I. mir mitgetheilte Interpellation des H. Landtagsabgeordneten Edinger, die Verwendung der Juden im Staatsdienste betreffend, beehre ich mich dahin zu beantworten: Bei der Anstellung und Beförderung von Juden im Staatsdienste findet die Regierung keine prinzipiellen Bedenken, wie dieseschon daranhervorgeht, daß Juden im Staatsdienste stehen."(Corresp.) Amsterdam. Herr H. Wolff wurde zum stellvertretenden Secretär im Ministerium de- Innern ernannt. (Weekbl.) Pari-. Ein schrecklicher Brand, welcher in der Nacht auf den 9. August in der Strasse Laiot-^utoive auSgebrochcn ist, hat einer ganzen israelitischen Familie, bestehend auS fünf Mitgliedern, das Leben gekostet. Die armen Leutt wurden während deS Schlafes von den Flammen überrascht. Paris. Man rechnet, daß in Polen ein Israelit auf sieben Einwohner kommt; in Oesterreich l auf 33; in Rußland 1 auf 42; in Holland 1 auf 52; in der Türkei 1 auf 61; i n Deutschland 1 auf 105; in Belgien 1 auf 333; in Italien 1 auf 411; in Frankreich 1 auf 433; in England 1 aus 466; in Skandinavien 1 auf 467; in der Schweiz 1 auf 595. — (Un. isr.) London. In der „Times" berechnet ein Correspondent daß bis heute jede „bekehrte" Judenscelc, Alles in Allem veranschlagt, die enorme Summe von 10.000 Pfund Sterling d. i. 120.000 fl. koste! also bedeutend mehr also n st herausgerechnet wurde und schließt mit der wohlzutteffenden Frage: „Wird wohl der Schatzmeister der Miffionsgesellschaft auch die Namen und Adressen der bekehrten Juden mittheilen'? Er wird sich hüten!" Nottingham. Bis jetzt sind 6 Juden im Parlament: zwei Rothschild, zwei Goldsmid, Alderman SalomonS und Sergeant Simon. (Sergeant ist ein Titel, den die Regierung einigen Advokaten verleiht.) Moskau. Herr S. Palikaw von hier, von dem wir erst jüngst berichtet, daß er auf eigene Kosten eine Synagoge dahier erbauen läßt, hat vor seiner Abreise nach dem Bade eine Summe von 3000 Rubel zurückgclassen, die während seiner Abwesenheit unter den Armen vertheilt werden sollen. Da die Klagen seiner armen Glaubensgenossen ihm nicht im Bade zu Ohren kommen könnten, so sorgte dieser edle Mann nun zum Voraus für die theilweise Linderung ihres Elends. (Libanon.) Jerusalem. Professor vr. Pctermann, der bisherige Conful für d e norddeutschen Bundesstaaten in Jerusalem, wird nächstens wieder nach Berlin zurückkehren. An seine Stelle soll, wie man hört, der berühmte Reisende Gerhard RohlfS kommen. Jedenfalls wäre derselbe die geeigneteste Persönlichkeit zu diesem Posten, da er durch seine Reise in Asien und Afrika mit den Sprachen und Sitten der Völker im Orient bekannt ist. (Hamagid.) Wohlthätigkeitsakte und Stiftungen. Die in Wien am 25. Juli d. I. gestorbene Hauseigenthümerin, Frau Elise Herz, geborene Edle von Lämel, hat in ihren letztwilligen Anordnungen unter Anderem den Betrag von 40.000 fL im baaren Gelde zu meiner Stiftung bestimmt, welche die Unterstützung von unbescholtenen Gewcrböleuten bei dem Antritte eines selbstständigen ordnungmäßig erlernten Gewerbes zum Zwecke hat. Dieses Kapital soll auf eine Realität zum üblichen Zinsfuß angelegt und hypothekarisch sichcrgcstcllt werden. Die betreffenden Urkunden haben bei der Gemeindevertretung der Stadt Pilsen in Aufbttvahrung zu bleiben, welcher auch die Verwaltung die scs Stiftungsvermögens zusteht. Die Stadtgemeinde hat die jährlichen Interessen in vier gleichen Theilcn an die Stiftlinge zu verabfolgen. Zu diesem Stiftungsgenuß sind berufen „unbescholtene Gewerbsleute, welche immer einer Konfession aus dem Pilsner Kreise oder aus der Stadt Prag, welche ihr Gewerbe ordnungsmäßig erlernt haben, eine angemessene Verwendung als Gehilfen auSweiscn und den selbst - ständigen Betrieb ihres Gewerbes anzutteten beabsichtigen." In erster Linie sind die Verwandten der Verstorbenen und zwar von mütterlicher Seite mit dem Familiennamen DuscheneS und väterlicherseits mit dem Familiennamen Lämel, beide mit ganz gleichen Ansprüchen zu berückstchttgen. Unter dm Nichtverwaudtm ist jener, welcher einm Verwandten von