Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 20 (10.9.1868)
- Date
- 1868-09-10
- Page
- Seite 218 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4890378-5433912-5433935--113-4890477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1 218 »1ל• _ ttr ober jener Seite bereits geehelicht hat oder zu ehelichen beabsichtigt, anderen Bewerbern vorzuziehen. Endlich ist unter den Stiftnngsbewerbern, welche weder durch Verwand׳ schüft noch durch Schwägerschaft eine Bevorzugung anzusprechen haben, denjenigen aus dem Pilsner Kreise vor den auS der Stadt Prag Gebürtigen der Vorzug einzuräumen. Laut dem Wunsche der Stisterin soll der von ihr eingesetzte Verlassenschaftskurator die allerhöchste Genehmigung erwirken, daß diese Stiftung den Ramen-Mudolfinum führen dürfe. Nekrologie. I Simon ÄuranDa, I j]e|torb(11 am 1:1. ($1111 562«, I im 84. Lebensjahre. I ')koch sind die dreißig Tage der Trauer nicht dahin, die ihren schwarzen Flor über, das kaum bemooste Grab eineö großen Gelehrte» und unvergeßlichen Gemeindemitgliedes ausbreitel, und schon wieder hat die altehrwürdige Israeliten-Gemeinde Prags einen herben Verlust erlitten, der um so schmerzlicher zn empfinden ist, als er leicht befürchten läßt, daß die Edelsten der Gemeinde ans deren Mitte gerisseu wer den, um das Surrogat jener materiellen nur au die äußere Form des Indenthums festhaltenden Masse zurückzulassen. Mit dem Dahingeschiedenen, den wir oft Gelegenheit hatten, zu beobachten, ging eine kostbare Münze in der jüdisch reli giösen Numismatik verloren, die echt, vom gediegendsten Metalle, von rein ausgeprägtestem Eharakter war, ohne von Außen zu glänzen. Wer ihn kannte, den in früheren Iahren thaiigen Buchhändler, wie offen und redlich seine Handlungsweise war, wie er in den letzten Jahren seines Lebens die ganze freie Zeit nur der Gotteslehre und dem Studium des Talmuds widmete, wie er von dem. erste::,Dämmerlichte 'angefangen bis znr Stunde wo ihm der Schlaf sein ffior scherauge zudrückte, nur für und mit Gott lebte ohne die Pflichten, an die ihn sein Dasein mahnte, außer Acht zu lassen, wer den schon gebeugten Greis sah, im strengsten Winter ans glatter Eisesbahn oder durch des Schnees Silberfurchen mit seiner Portativ Laterne in die Synagoge eilen, wer überhaupt den Mann betrachtete, wie er seine bescheidene Wohnung zur Studirstnbe machte, der wird den Hintritt dieses Biedermannes beklagen und betrauern und die Anerkennung, die der Dahingeschiedene im Leben ob seines frommen, bescheidenen Lebenswandels, ob seines Wohlthäligkeitssinnes, seines gefälligen und freundlichen Benehmens genossen, auch nach dessen Leben zu würdigen wissen. Als tXanul.e,!Haupt glich der edle Heimgegangene einer funkelnden Krone, deren Glanzesstrahlen in das Herz seiner 8inder drangen, und in ihnen stets das Licht der Religion ver breiteten; als Familienvater verdient Simon Kuranda als ein Musterbild viele» jüdische» Vätern aufgestellt zu werden, den» in ihm vereinigte sich ei» ganzes Erziehungssystem, mittelst dessen erS inn für das Iudenthnm, unerschütterlichen Glauben au die Religion seiner Väter i» das Herz seiner minder zu pflanze», u!,.׳ deren Geinüth nir jüo!scl!es Wissen, für jüdisches Interrss.׳ empsänglich z» machen wußte. Der Verblichene ein Manu von feste» (Grundsätzen, von seltener Glau benstreue, der die lleberzeuguug gewonnen hatte, daß die mit Gold bestreuten Wege nicht immer die Pfade sind, die zum schwer erreichbaren Ziele einer hohen Stellung, zur Höhe des Geistes suhren, war sich seiner hohen Aufgabe bewußt, die er auch getreu erfüllte; wie er auch die Früchte seiner edlen Bestrebungen noch am Abende seines Lebens erglänzen sah, und sich durch deren Anblick gehoben, belohnt und in seinem hohen Alter gekräftigt fühlte. So mußte nicht nur er allein die Resultate seiner Er« - ziehungsmethode als einen Lohn erfahren, sondern das ganze Judenthum hat dem nun im Grabe schlummernden Greise seinen Dank zu zollen, daß durch die früheste Einwirkung desselben, die Tugenden eines Mannes erstanden sind, der fo oft als Vorkämpfer des Judenthumes in erster Schlachtlinie gestanden, und wacker gekämpft hat. So ist es denn Ignaz Kuranda, den das biedere, in Freuden ergraute nun mehr in Gott ruhende Gemeindemitglied als ein theueres Bermächtniß dein Judenthume, den Epigonen als eine wahre Leuchte, als das Musterbild eines wahren GlanbenShelden zurückgelassen hat. Es ist uns hier weniger darum zu thun, - diesem Manne einen Panegyricus zu singen, als vielmehr den Ehrenpreis in den Kranz der ewigen Erinnerung zu slechten, der den Grabeshügel Simon Kuranda's schmückt. Welche Achtung derselbe im Leben genossen, welche Verehrung dessen ältester Sohn der Stolz der Familie, eine Zierde des Judenthums genießt, hat die ungeheuere Theil- 'nähme der israelitischen Bevölkernngandem am 2, d. M. stattgehabten Leichenbegängnisse bewiesen, der einen traurigen. und zugleich erhebenden Eindruck machte. Der vom Trauer- Hause aus nach >em isr. Badhofe getragenen Bahre schritt der ReichSrathsabgeordnete Ignaz Kuranda ohne alles moderne nur mit dem üblichen rituellen Trauerzeichen (Keriah tefach) an der Rockklappe versehen, voran: ihm folgten die beiden andern Söhne des Verblichenen und die übrigen Leidtragenden. Im Badhofe angelangt, wo der Trauerzug stockte, hielt Herr Kreisrabbiner Haller an der Bahre eine ebenso geist als schwungvolle Trauerrede, nach deren Abschluß die Leiche von der Bahre in den vierspännigen Trauerwägen gehoben wurde. Der Trauerzug bewegte sich sodann in endlosen Reihen nach dem israelitischen Gottesacker fort, wo Herr M. Adler Religionslehrer an den Mittelschulen erschütternde, anfden frommen Lebenswandel des Dahingeschiedeneu Bezug habende Worte gesprochen hat. Hierauf wurde die Leiche in das Grab gesenkt, über das nun die Palme der ewigen Erinnerung weht. "ונמנו לברכ ‘ Br. Zur Ethymologie des Wortes בריק — von Markus Freu II d, Oberlehrer in Biala. Dieses Wort, welches im stato constr. pluralis iin Talmud zweimal (/ברבות י' אי; גטין נ״ו א) in den Midraschim aber häufiger vorkommt, erklärt רש׳יי an elfteren Stelle mit פריצים, au letzterer mit אנשים רקים ופחזים למלחמה. — Beide Interpretationen, die nur im Wortlaute nicht aber, wie manche meinen, in der Idee differieren, finden ihren Grund in der verschiedenen Erklärung, welche beide Wörter, aus denen es zusammengesetzt ist. znlassen, und welche רש״י in Einklang zu bringen silchte. — leer, wie (משלי י״ד די) bezeichnet einen Menschen, der aller Kultur und Sittlichkeit bar ist. etwa wie das talmudische אבות פ״ב ה׳) ביד). Dieses Wort suchte ,ישי in Einklang zu bringen mit der andern Bedeutung dieses Wortes, welches auch W ü st e bedeutet (איוב ל״ט די) und das mit nm desto größerem Rechte als das chaldüische ברא, welches Fttrstentlial für analog hält mit dem Griechischen ,>׳׳׳<!,lateinisch barbarus (Sieheקול בובים Seite 10) dem Hebräischen פרע — פרא entspricht und den im Freien lebende» Menschen bedeutet und פרע überdieß oftmals in der Bedeutung von פרין auzutreffen ist, z. B. פרץ מום־ — פרע מופר. Auch scheint רש" י mit dem Zusatze למלחמה an letzterer Stelle auf das פרא (Genesis 10, 12) anzuspielen, wo es heißt ירו בבל. Demnach wäre בר als ein Sohn der Wildnis zu erklären. Die Silbe ״ן lässt sich sowohl von יגה herleiten, welcheS im Hiphil unterdrücken bedeutet und nach GeseniuS shnonym ist mit עשק, woran wahrscheinlich Mussafa Aruch dachte, wenn er בריוני mit יוד אלמים עושקים interpretirt, wenn er nicht '•יי für das Hebräische W hält, welche Sylben