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Die Gegenwart · 1868-09-10 · 20 (10.9.1868) · p. Seite 214

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
20 (10.9.1868)
Date
1868-09-10
Page
Seite 214 (sequence 4)
Language
German
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214 prakt. Philosoph» Kant-, da- Princip der Vernunftautonomie auch zum Prinzip der theoretischen Philosophie, indem er die Philosophie für WiffenschaftSlehrc erklärte. Da aber die Wissenschaft nur ein Produkt der subjektiven Thätigkeit unsere- Geisteist, und für da- Wissen gar kein reeles objektive- Sein existirt, so ist dadurch die Religion, die an dareelle Dasein Gotteglaubt, für eine bloße Illusion erklärt, und ist die logische Consequenz der Lehre von I ch und Nichtich in der ersten Phase seines Philosophieren-. Fichte setzte ebenfalls wie Kant der historischen Offenbarung eine durch Vernunft der positiven Religion die bloß Sache des Herzens ist, eine Vernunftrcligion entgegen, zu der jedermann durch Nachdenken gelangt, ohne sich rechts oder linkzu kümmern. (Kritik über Offenbarung S. 41 73.) Fichte kennt keinen Gott als einen außer und über dem Menschcnreich waltendes Wesen. Das Wiffen ist das göttliche Dasein selber, und da außer diesem Wissen nichtda ist, so ist außer Gott nichts da. Fichte hat zwar in der „Bestimmung de- Menschen auch einen Glauben cingeräumt. Hier nämlich zeigt er, daß mit dem Handeln, dadie Bestimmung des Menschen sei, nothwendig die Realität einer Außenwelt gesetzt sei. Allein auch diese verwandte sich in eine bloße Vorstellung; dann produzirt datheoretische Ich allen seinen Inhalt bloß aus stch, und beküht da- Bewusstsein nur auf die Selbstdiremtion dereinen Ichin ein Ich und ein Richtich, so ist ja auch da- Bewusstsein jener Bestimmung zum Handeln nur eine selbst gemachte Vorstellung. „Der Idealist kann nicht annehmen sagt Fichte (Bestimmung d. M. S. 192) daß er wirklich handle, ihm muß vielmehr das, waihm glseine Handlung erscheint, nun als ein trügliche- Bild, als eine bloße Vorstellung Vorkommen. Ob nun der Mensch dem unwiderleglichen Idealismus oder lieber der inneren Stimme, wonach sei»» Bestimmung im reelen Handeln besteht, folgen will, dahängt von seinem Willensentschlusse ab. Nicht das Wissen ist das Organ, womit der Mensch die Realität der Dinge erfasse, sondern'der Glaube b, h. die freiwillige Entscheidung, für die unserer Bestimmung gemäßen Ansicht, wodurch er das Missen, daauch bloße Täuschung sein könnte, zur Gewißheit erhebt. .Von diesem Glauben auS „bcbucirt dann Fichte die Uebcrzeugung von dem Dasein Gottes und unserer ilnstcrblichkeit. Diese praktische Wissenschaftslchrc steht der theoretischen eben so schroff gegenüber, wie KantS Kritik der praktischen nnd reinen Vernunft. Die Bestimmung des Menschen, worin die praktische Wissenschaft-- lehre, dasittliche Bewusstsein in Widerspruch gcräth mit der theoretischen, ist daher nur als UebcrgangSpunkt zu jener zweiten Phase der Fichteschcn Philosophie. In den dieser angehörigen Schriften (besonders im 'Nachlaß) führt Fichte den Beweis, daß danur sich selbst wissende Wissen, nachdem eS zum vollen Bewusstsein seiner selbst sich erhoben, sich selbst als Bild als Schema oder Erscheinung eiues absoluten realen Seins fassen müsse. Nun ist jeneab solutc Sein, das Fichte Gott nennt, offenbar keineswegs der Gott der Religion und des Glaubens; denn dieses ist ja sonst nichts als das absolute Sein, das dem Wissen al» seiner Erscheinung zu Grunde liege, von dem aber das Wissen sonst gar nichtweiß. Neben diesem Wissen, als der Erschci nung eines absoluten Seins, kann nicht mehr ein von ihm verschiedener Glaube Geltung haben, da das eine absolute doch nicht in zweifacher Form erscheinen kann, also ist der Stand der Religion ncgirt. (Fortsetzung folgt.) Skal-ko 4. September 1868. (0.- Ko.) Weder berufen noch befähigt in wichtigen Angelegenheiten mitzusprechen, wage ich es, vom speziell konfessionellen Standpunkte au-, auf eine in der Regierungsvorlage hinsichtlich der Ausführung des Schulgesetzes vorkommende Anordnung aufmerksam zu machen, wenn gleich in der Voraussetzung, vwn bester unterrichteter Seite hierüber belehrt zu werden. Weit entfernt das Gesetz im allgemeinen beurtheilen zu können, erlaube ich mir nur auf die Zusammen stellung de- BezirksfchulratheS hinzuweisen, von dem cS heißt: Der Bezirksschulrath besteht ...... d): AuS je einem Geistlichen jener GlaubenSgenoffenschaft deren Seelenzahl im Bezirke mehr als 2000 beträgt. Vergleicht man nun da- Vcrhältniß der israelit. Bevölkerung Böhmens, welche außer Prag auea. GO bis 70,000 Seelen besteht, zu den neuenichteten 86 politischen Bezirken, so entfallen auf einen Bezirk durchschnittlich 800 Seelen; demnach dürfte cs bei Organisirung der Bezirksschulräthc kaum Vorkommen, daß irgend ein Vertreter der isr. Schulen im Bezirksschulrathe Sitz und Stimme hätte; trotzdem die Israeliten Böh - mens eine mehr als verhältnißmäßigc Anzahl öffentlicher Schulen errichtet haben, die sic selbstverständlich nur dur ch die schwersten Opfer zu erhallen vermögen. Da jedoch die Mehrzahl solcher Schul-Gemeinden aus ea. 200 — 30 0 Seelen bestehen, so müssten nach der Regierungsvorlage 7 bis 10 Gemeinden in einem Bezirke vorhanden sein, um im Bezirksschulräthc einen Vertreter haben zu können. Wäre es daher nicht angezeigt in diesem Falle statt der Seele nzahl, die im Bezirke vorhandenen Schulen zu h e r ü cksi ch tigeu? — Es sei vor Allein Aufgabe jener böhmischen Landtagsabgeordneten. die sich unsere Glauben-genoffen nennen,*) dahinzuwirkcn, daß dieses Gesetz vom Schein-Liberalismus befreit werde, damit nicht die in Böhmen cxistirenden außerkatholischen**) Schule» durchwegkatholischen Bezirk s s ch n l r ä t h r n u n t e r g c o r d n e t werden!!! D. Kahu Amschelberg den 6. September 1868. (0.- K.) . Am 2. dieseward der hier seit 1804 als Communal- Arzt angestellt gewesene Abraham Pick, zur Erde bestattet. Um sein Segen und reichhaltiges Leben zu schildern, dürfte es bloß zu sagen genügen, daß derselbe alle Tugenden des gleichnamigen Patriarchen besaß. Denn er war ein streng gläubiger, wahrhaft frommer Jude; ein aufopfernder Menschenfreund in seinem Berufe als Arzt; ein guter, in Wort und Beispiel, religiöser Erzieher seiner Kinder, ein Mann von höchster Friedliche, freundlich und tolerant, ohne seiner Ueberzcngung das Mindeste zu vergeben; bescheiden und de - muthsvoll, mit einem Worte, ein Charakter in de- Wortes edelster Bedeutung! Daher auch die allgemeine Liebe und Achtung, deren er sich in allen Kreisen nnd Schichten der Bevölkerung durch eine so lange Reihe von Jahren ungeschwächt und nngeschmälert erfreute! An seinem Sarge hielt Herr Rabbiner Bak eine tiefergreifende Leichenrede, welche allen Zuhörern aus und zu dem Herzen gesprochen war. Die überaus freundliche und wohlthätige Baron Mladotäischc Familie, deren Ordinarius der Verblichene durch eine große Reihe von Jahren war. so wie andere christliche Honoratioren gaben dein selig Verblichenen da- Ehrengcleite bis auf den Friedhof. Die Gemeinde verlor in Selbem eine ihrer schönsten Zierden, denn wie cs vom Profetcn hieß sSi wy nnna uh rtnS DJ, also war derselbe bis zu den letzten Tagen seines Daseins rüstig an Körper und Geist, — so daß Jeder der ihn kannte sich mit dem heidnischen Redner auszurufen gedrängt fühlt hne5 vinnx v'itt»' me *poj nen — — Friede seiner Asche. *) Vermöge dem, wa« unsere fünf glaubenSgenossischen böhmischen Landtag-abgeordneten seit mehr al« sieben Jahren schon geleistet, können Sir auf den besten Erfolg rechnen, nur bitten wir Sir rin wmig zu warten. ' (Anm. b. Red.) **) Die protestantischen Schulen dürsten sich tn einem ähnlich» Verhältnisse '

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