Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 20 (10.9.1868)
- Date
- 1868-09-10
- Page
- Seite 213 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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213 Grundsatz« auSgehen, der Knabe, das Mädchen dürfe israelitische Lehrinstitute nicht besuchen, weil sie befürchten, dieselben könnten religiös werden und die christliche Facon, worauf manche Mutter, mancher Vater stolz sind, ginge verloren? was nützen die jüdischen Mütter, wenn sie die zarten Kinder in öffentliche nichtjüdische Schulen schicken, in denen es schon vorgekommen, daß Katecheten erklärt haben:- Nichtchristen seien Ungläubige und gehören dann nur der alleinfeeligmachenden Religion an, wenn die Taufe au ihnen vollzogen wird? was nützt bei solchen Anschauungen eines nichtjüdischen Lehrers der häusliche religiöse Unterricht, da durch eine daraus entstandene Begriffsverwirrung mit der Zeit der Charakter an Ausdruck verliext> oder ganz und gar verschwindet? Würde aber der jüdische Familienvater das yvot%h of uvtov das „Erkenne dich selbst" beherzigen und bedenken, daß nur ein wahrhaft religiöses Gemüth die Basis eines rechtlichen, gottcsfürchtigen Lebens ist, daß das Entjüdischen grade in einer Zeit, in der der Baum der Freiheit blüht, zur Demoralisation beiträgt, und den vielleicht in der Brust deS zarten KindrS glimmenden Funken der Ethik erstickt, so würde er jedes mit Bornirthcit verknüpfte Borurtheil bekämpfen und dahin trachten, seinem Kinde eine religiöse Richtung zu verschaffen. Was die geistigen Mittel betrifft, so stehen namentlich in der Hauptstadt deren viele zu Gebote; wohl organisirte israelitische Knaben- und Mädchen- Hauptschulen, eine Zahl von Lehrinstituten, in denen die israelittschen Kinder gelehrt, belehrt und erzogen werden, und in dm Lehrkräftm kein confeffioncller Unterschied obwaltet. Mache man hier den Einwurf, daß es in der Hauptstadt Institute gibt, die durch Luxus, durch äußere Pracht, durch eine förmliche Verhätschlung, durch eine gewisse 'Noblesse, welche verblendet, dem Kinde mehr schaden als nützen, daß jene Institute eine ganze Lehrerliste nach Art der alten Recepte serviren, um von der Vielfältigkeit und Großartigkeit itx noch nicht erprobten Leistungen im Vorhinein zu überzeugen, so sei dieß eben Aufgabe der Eltern, wählerisch zu seinund mehr auf eine gute Methode, ein richtiges Erziehungssystem, als auf Damastvorhängc und Himmelbetten zu sehen, deren ReminiScenz in späten Jahren etwa, beim Eintritte miSlicher Verhältnisse eher einen düstern Eindruck als einen lindernden Trost verursachen und He traurige Lage unerträglich machen. Wenn man fragen sollte, woher eS komme, daß die Lehrkräfte jüdischer Lehrinstitute auch nichtjüdische An sich schließen, nachdem doch nichtjüdische Lehrinstitute keine jüdischen Lehrer aufwcisen, so müsse man einerseits den Grund hierin suchen, daß die Mode auch hier zur Geltung gebracht werden will, anderseits hierin, daß die Eltern der zarten Pflanzen befürchten, der Dialekt leide unter dem ausschließlichen Regimente jüdischer Lehrer. Wir schließen uns weder der einen noch der andern Anschauung an, und finden den Grund einzig und allein in dem Mangel an jüdischen Lehrern natürlich nur solchen, die in pädagogischer und instruktiver Beziehung nicht geeignet sind, in einem Institute eine große Anzahl von Zöglingen zu leiten, während sie als selbstständige Kraft weit besser ihren Platz ausfüllen. An diesem Uebelstande tragen aber leider die Jsraeliten-Gemeinden selbst, Schuld; denn während sie oft Institute gründen, die rein nur firlcfanzartigc GeldvcrschwendungSetablissements sind, während sic ihre ganze materielle und moralische Kraft da ran setzen, Rabbinerscminare zu schaffen, vergessen sic in ihrem übcrsprudelnden Eifer, an die Gründung von israelitisch. Lehrerbildungsanstalten, aus denm nicht Halbheiten, sondern solche Lehrkräfte entstehen könnten, denen man die Veredlung und Pflege der zarten Jugendpflanzcn anvertraücn kann, damit Erzieher, die richtigen Systemen huldigen, geschaffen werden, die als Pflanzer der Religion, des sittlichen Gefühls, der Moral, der Herzensbildung eine ganze Generation zu brauchbaren Bürgern heranziehen. Erst kommt der Knabe dann der Jüngling, erst das Mädchen dann d' Jyngstau; erst müssen Volkslehrer sein, dann Rabh' denn ohne die ersteren sind die letzteren nicht zu / Dann wird die Einbildungskraft jener jungen Leute schwinden, die da glauben, wenn sie nach zurückgrlegttr Normalklaffe, den PräparandenkurS hören und dann mit einem Zeugniffe in der Tasche, mit keinem Wissen im Köpft, in daS praktische Üeben treten, sich wagen das Theuerste der Eltern — die Kinder— unter ihren Fittigen zu nehmen, während ihnen der einfachste Begriff von Pädagogik, von System und Methode, das non eruditia sed erudiendis fremd ist; dann werden die Pflanzstätten der israelitische/ Jugend nicht nothwendig haben, nach fremden Elementen ihren, sorgsamen Arm auSzustreckcn. Demnach Mütter allein, schaffet uns nicht, schaffet auch Lehrer und eine solche Schöpfung eines Lehrerbildungsseminars, das längst schon Bedürfnis ist, ist eine unberechenbare Wichttgkcit. Die Eltern mögen den Volks- Lehrerstand hoch schätzen, ihn als die erste Stuft der Jakobsleiter erkennen, auf der der Mensch zu seinem'Ziele gelangt. Der Lehrer, ein geachtetes Mitglied♦to bürgerlichen Gesellschaft, die nur durch ihn entsteht, werde nicht als Sklave^ einer Laune angesehen, sondern als der Wächter der Klein ode der Menschen.' Das Verhaltnisi der positiven Religion zur P h i l o s o p,h i e nach TchleiermacherS und verbat- Prinzipien, im Gegensätze zu den absolut-rationalistischen Systemen. Eine philosophische Untersuchung von vr. Albert Räber, Rabbiner und Prediger. (Fortsetzung.) In dieser Untersuchung über das Wesen unseres Er kenncns und Wissens gelangt Kant zu dem Resultate: die Ideen des Raumes und der Zeit, die Idee der menschlichen Seele als einfacher unvergänglicher Substanz, die Idee Gottes als der obersten Bcdiirgung vor allen Seienden, wie überhaupt alle Dinge, wie sie in uns als Vorstellungen existircn, seien nicht die Dinge an sich, sondern bloße Formen unserer Subjektivität und die Vcrnunftideen seien bloß „tranSccndentalcr Schein." Damit zertrat Kant den Dogmatismus und Rationalismus, wie er in Wolfs Schule, in den Schottischen eomwe mon seose Philosofen dominirte, der sich vennaß dem historischen Glauben eine rationale Theologie entgegenzustellen. Allein die Frage, ob eine Anschauung des Uebersinnlichen cxiftire, welche die Kritik der reinen Per- — nunft negativ beantwortete, ließ Kant in der Kritik der prak- __ tischen Vernunft fallen, und indem er eine praktische Vernunft annimmt, feiert der Rationalismus wieder seine Auferstehung. Die Kritik der praktischen Vernunft geht ganz dogmatistisch bloß darauf aus, die Thatsachen des sittlichen Bewusstseins, die Forderungen des Gewissens ans ein Grundprincip d. h. auf ein formales Gesetz alles sittlichen ThunS zurückzuführen um daraus gewisse Postulatc der praktischen Vernunft zu deduciren, die uns nöthigcn an die Realität gewisser Vcrnunftideen zu glauben, d. h. subjektiv anzunchmen, obgleich wir sie objektiv nicht erkennen. Indem er also der praktischen Vernunft den Primat über alle andern Princi picn cinräumt negirt er das Princip jcdco positiven Glaubens, welches keineswegs die poftnlircndc Vernunft ist und spottet sogar über diesen, als über einen Frohn- und Lohnglauben (Religion in d. Gr. der bloßen Vernunft S. kill.) Kant hat sogar zur mythischen Deutung des EhristenthumS die Anregung gegeben. Strauß (das Leben Jef. l. S. 29) erwähnt Kants moralische Interpretation des EhristenthumS eine seine Kritik vorbereitende Arbeit. Rach Kant st-' die Philosofie über alle Offenbarung und die Re«' Religion ist ausgesprochen. Fichte erhob daß Pr''