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Die Gegenwart · 1868-09-10 · 20 (10.9.1868) · p. Seite 212

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
20 (10.9.1868)
Date
1868-09-10
Page
Seite 212 (sequence 2)
Language
German
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212 E» könnte bei dem sonst nicht genug zu schätzenden Umstande, daß der Staat sich in dieser Beziehung jeder Bevormundung begeben hat, leicht geschehen, daß der konfessionelle Uebertritt und Rücktritt von einem Glaubensbekenntnisse zum andern, wenn demselben gar zu wenig Hindernisse im Wege lägen, als bequeme Brücke gebraucht würde, die man je nach Bedürfniß des Verkehrs und Bortheils herüber und hinüber passiren kann. „ Nicht etwa wollen wir, e« mögen besonder» erschwerende Zeremonien erfunden werden, die im Judenthume nicht begründet find; allein wir wünschen, daß die Rabbiner und sonstigen Persönlichkeiten, denen der Akt der Aufnahme obliegt, ohne Ansehen der Person und des Standes sich bei den Neophytcn die möglichste Ueberzeugung verschaffen, daß dessen Eintritt ins Iudenthum nicht für das letztere ein Verlust sei, daß, mit einem Worte gesagt, mit der Heiligkeit des Glaubensbekenntnisses kein frivoles Spiel getrieben werde. Das Iudenthum gewinnt bei dem Eintritte und Rücktritte nichts; denn: .Nicht wahrer wird die Wahrheit durch der Besucher Menge Und Gott nicht größer durch der Betenden Gedränge!" und was die I u d e n h e i t gewinnt, darf nicht auf Kosten des Iudenthumes erworben werden. Mit großer Befriedigung nehmen wir daher Akt davon, daß in Wien eine Person, welche sich zum Uebertritte zum Iudenthum meldete und bei der nicht die volle würdige Eignung erkannt wurde, zurückgewiesen worden ist. Die Einigung aller Religionen, die das Ideal und Endziel aller Kultur ist, darf nicht auf dem Wege der Zerstörung und Profanisirung alles Heiligen; sie muß und wird nach Gottes Willen auf dem Wege der allgemein werdenden Lrkenntniß des höchst Wahren und Unbezweifelbaren zu Stande kommen. . . . . l. prüfet und wählet das Leste. Während in Cassel ein Rabbinercongreß tagt, um den öffentlichen Gottesdienst zu reformiren und modernisiren, alte Traditionen aus ihren Angeln zu heben, während in den Ländern diesseits der Leitha über den Standort eines Rabbinerseminars gefttitten wird, während man die mannigfachsten Vereine, wie die Pilze aus dem Boden, entstehen sicht, die in ihrer Tendenz oftmals den schwarzen Punkt der humanitären Scheibe nicht treffen, ist man auf das Fundament des Menschen nicht bedacht, das in der Juqend, in der zartesten Kindheit seine Verkörperung findet. Sind sie rändert, — mit Gold nicht, der Tempel liegt zu weit. — stört ist die Eintracht aus Israels Mitten, — und nicht Erbabenem, Wicht'gen gilt der Streit; — um kleinlich Deutung, um Formen wird gestritten, — um hohlen Klang, um stlitterwerk und Kleid. — Doch halt I zu wünschen gilt eS. nicht zu greinen; — stestdoten sollen wir, nicht Klageweiber scheinen I strstboten nun, mit frcudgcm Wort — wollen wir eS euch verkünden, — was wir hier für Zeit und Ort — pastcnd euch zu wünschen finden., — Stets der Borstand obenan! — heischt die Sitte; nun wohlan: — der Gemeinde rasch voran — schreit' er, gilt c» ihrem Heile; — gilt« „den Säckel aufgcthan l — mehr Bedächtigkeit und Weile. — Für» GemeindercchtSstatut — gelte der Gemeinde Meinung; — diese nicht nach Geld und Gut — komm' nach Mehrheit zur Erscheinung I — Bei deS GroßrabbinerS Wahl — da- Wiffen da sei. wohl erwogen, — doch der Charakter allemal — besonders in Betracht gezogen; — ein Mann, der sein« Stelle ziert, — den Hirtrnstab mit Würde führt, — sei uns willkommen und mit Fug; — Gibt » der Rabbiner auch genug. — Und diesen, die wir haben hier, — aus vollem Herzen wünschen wir, — zum Tempel nicht den Gang zu sparen. — Dann 4 / eS doch, die dazu geschaffen, um den Keim eines religiösen Elementes in sich zu schließen, sind sie doch berufen, die goldene Saat der Religion in sich aufzunehmen, um einst die Früchte einer gesegneten Ernte zu bieten! Hört man so oft in farbenspielendeu Phrasen von der Höhe der Zeit, von dem Geiste der Zeit, von dem Fortschritte und der frischen Entwicklung de- Geistefaseln und mit Emphase au-rufen: .Seht unsere Jugend an, vergleichet sie mit der der Vergangenheit und ihr werdet jenen Unterschied finden, der unserer Jugend ein ganz andere- Gepräge verleiht," so finden wohl die in euphemistischer Weise ausgesprochenen Ansichten nur insoweit ihre Rechtfertigung, als in der gegenwärtigen Zeit die von den Eltern gebrachten Opfer, die sie für Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder bringen, in keinem Verhältnisse zu denen der Eltern früherer Zeit stehen, keineswegs aber darin, daß die Jugend eine andere, eine bessere geworden ist. Werfen wir einen Blick in die ins Grau des Alters sich verlierende Geschichte der Hebräer, blättern wir^ in den Clafsikern der Griechen, Römer und selbst jenen deS verflossenen Jahrhundert- und wir finden eine Musterkarte aufgerollt, die die Systeme der Erziehung und die gründliche Ausbildung der Kinder scharf kennzeichnet, wir sehen noch vor kaum einem Jahrhunderte Geister entstehen, die, um aus ihrer Phantasie, aus ihrem immensen Wissen, aus dem geläuterten Geschmack, der nur höhere Ideale zu schaffen wusste, zu schließen, vermuthen lassen, daß ihre Erziehung eine sorgfältige ihre Bildung eine Herz veredelnde gewesen sein muß. Und wie trefflich weiß der Dichter den um die Erziehung seiner Kinder, den um da- Verlorengehen der Relrgion fürchtenden griechischen Helden in den schwungvollen Worten zu charakterisiren: »Wer wird meine Kleinen lehren, Sperre werfen und die Götter ehren, wenn der finstere OrkuS mich verschlingt?" ES muß sonach der Borwurf schwinden, der unsere Alten trifft, daß sie die Erziehung der Jugend weniger im Auge hatten als ihre Epigonen. Die Jugend der Gegenwart ist wohl geweckter, reifer an jener Erfahrung, die ihr noch nicht zusteht, schwelgt förmlich im materiellen Ueberfluffe und sieht wie die Eltern Gut und Blut ohne jede systematisch' Einteilung verschwenden; allein an dieser Systemlosigkeir trägt nicht allein die materielle Zeit Schuld, sondern auclr das tiefeingewurzelte Borurtheil israelitischer Eltern, das jede rein jüdischreligiöse Empfindung nicht aufkommen und das erziehliche Moment untergraben hilft, wodurch die Jugend ihrem Glauben, der Gotteslehre, dem Gottesdienste entfremdet wird und im gereiften'Alter die Folgen empfinden muß, die der starre Materialismus im Kampfe mit der Glaub enslosigkeit herbeiführt. „Schafft uns Mütter, die die Kinder erziehen," sagte einst Napoleon I. zur Madame Campan. — WaS, müssen wir sagen, nützen die jüdischen Mütter, wenn sie von dem den sie de» MeerS Gefabrcn. — Ihr Herz sei voll Begeisterung, — ihr Wort von bohem, edlen Schwung, — Und sollen also fromm, bescheiden, nur sein, nicht haben zu beneiden. — ES werden ihre Lehr' der Bronnen — Der Lauterkeit, der hohen Wonnen, — dem gleich die lalmud-Thora-Schul. — nicht sein de» AthciSmuS Pfuhl, — und all die Lehren grofi und klein, — sie wirken friedlich im Verein — Israels Ehre zu bewahren, — und liegen sich selbst in den Haaren. — So manches noch zu wünschen bleibt, waS sich so leicht nicht niedcrschreibt, — weil ihr vielleicht es übel nehmt, — noch daß die Armuth mehr verschämt, — und wieder unverschämt und grob — Sei manch bestallter Synagogrndiener. — Und auch ihr Herm Mediziner — ihr zürnet uns doch nicht darob, — wenn wir es auSzusprcchcn wagen, — Daß Anne Leiden doppelt tragen, — wenn von der ihnen fern zumal — sie liegen in dem Hospital. — Drum nach qualerfüllter Rächt — sei Hilf und Tröstung früh gebracht. — Kurzum! wir wünschen alles Heil — sei Prag und Israel zu Theil, — und daß wir all uns steuen könnten. — Uns selbst zehntausend Abonnenten l

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