Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 20 (10.9.1868)
- Date
- 1868-09-10
- Page
- Seite 211 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Halbjähriges 8boa« acmcat für Prag nab feie Proviaz iaNafive Aaftellaag ias Haas aber Postversradaag ü. W.. . Ist.40 kr. für'S Aa-laad 1 Tblr. Die Nedaktioa aad Ah. »iaistratiaa Nitttrgaffe Nro. 408 — 1 w»hi» alle Briefe a. Gelbfradaagra »a richtra stab. 3'it„ü)tßtaa>art"tr< (djtint zweimal iai Jaferatt werden dil- WMJUU für OK Vkv ^UUtmi/UUU>. Monate u.z.jrbeaL. ligft berechnet. Erpeditio» für den gesammten Bnchhandr! 9-knr Seiner in Leipzig Perlagsbuchhandlung. und i. Tonnerftag Gegenwart. Grgan für die Interessen des Iudenthums. Rro. 80. Prag 10. September 1868. 1. Iahrg. Inhalt: Leitartikel: Uebcrtritte und Rücktritte zum Iudemhum. — Prüfet und wählet das Beste. — Das Berhältniß der positivcn Relgionzur Philosophie, -» Lorrespondenzen: SkalSko, Amschelbrrg. Roeow, New '.York. Lokales. — Auswärtiges. Wohlthatigkeitsakte. — Nelrologir. Nachtrag: Zur Ethymologie des Wortes '"'2. Feuilleton. — Inserate — llebertritte und Rücktritte zum Sudenthum. Wir haben in einem Artikel in Nr. 1* d. B. auf Gefahren aufmerksam gemacht, welche für Juden und Juden thum trotz der unendlich großen und ' erhabenen Wohlthatcn der interconfefsionellen Gesetze aus letzteren selbst hervorgehen; wir haben Momente hervorgehobcn, durch welche das wahrhafte religiöse Leben in Oesterreich überhaupt und bei den österreichischen Juden insbesondere geschädigct war. Möge man uns nicht der absichtlichen Schwarzseherei zeihen, wenn' wir heute in einem Momente, das unter allen, die wir neuerzeit erlebt haben, die schönste und erhabenste Erscheinung für uns bietet, wieder eine Gefahr, und zwar eine sehr bedeutende, erschauen. Seitdem die politischen, in den Mantel des Glaubensstreites gehüllten Kämpfe des .iOjährigen Krieges die entferntest wohnenden Böller Europas mit einander mehr in Berührung und Bekanntschaft gebracht, seitdem die verschiedenen Glaubensbekenntnisse, ohne Rücksicht dczrauf, daß sie von jedem Menschen anders verstanden werden, in stereotype Formeln gebracht und deren äußere Bekenner in Matrikel«« und Register von einander geschieden wurden, seitdem die Menschen rinsehcn gelernt, das Schwert sei zur Austragung metaphyfischer Probleme noch weniger geeignet als der Gelchr len gelehrteste Vernunft, seitdem sind die llcbcrtrittc von einer Eonfcssion zur andern mehr Folge der Spekulation auf materiellen Borthcil als der filosofischen und religiösen Spc kulation gewesen. Und unterdiesem Umstande mußte die Juden h ei t, wir sagen absichtlich nicht: „das I u d e n t h »rin," die größten Verluste erleiden. Durch seinen Glauben und das öffentliche Bekcnntniß desselben manifestirte sich der Jude zugleich als Sohn eines fremden Stammes, und er war demnach sowohl von Seite der Rationalität als von Seite der Religion die nicht überall stark genug zur Liebe, immer aber zum Hasse mächtig genug ist. doppelt angefeindet und durch die Gesetze fast aller enropäischeii Staaten in seinen Rechten beschränkt und beengt. .Keine andere, als die zähe Ratur der Israeliten hätte diese Menge von Kämpfen und Leiden, Bedrückungen und Zurücksetzungen, Berhöhnungen und Verfolgungen ertragen und überwunden. Die moralische Kraft aber, die speziell ein Eigcnthum des jüd. Volkes ist, war nicht immer auch Eigenthum sämmtlicher Individuen, und es gab schwache Naturen, welche den irdischen Vortheil des RcichthumS der Macht und des Ansehens höher schätzten als das stille Selbstbewußtsein, einer tief gedrückten Minorität und zugleich der Sitte und dem Glauben der Väter treu geblieben zu sein, lind diese Sicke, dieser Glauben unserer Väter; sie besitzen eine große Anziehungskraft^ und der Eindruck, den sic aus die Gcmü ther machen, scheint ein unauslöschlicher zu sein, wie die vielen' seit so kurzer Zeit vorkommcnden Rücktritte von Apostaten des jüd. Glaubens wie die zu der Zahl der Austritte jetzt unverhältnißmäßig größere Zahl der Eintritte genügend bclvciscn. Und doch hat das Judcnthnm keine Congregati- 01,68 pro Propaganda fiele (Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens», leine mit Kapitalien und sonstigen Güler» reich dotirte Bibel und MissionSgcscllschafteu. der Eintritt ins Jubenthul», wenn er auch nicht mehr mit gesetzlicher Zurück setzgnq mit Druck und Vergewaltigung verknüpft ist, gelvährl doch keine Aussicht ans leichtere Erringung von Vermögen, Macht und Ansehen!! „Aber «vo bleibt den» die Gefahr, von der eben gesprochen wurde?" werden die Leser fragen. Run, die Gefachbesteht einzig uud allein darin, daß durch all zu häufige und all zu leicht gemachte Uebcrtritte zum jüdischen Glauben Ele mente «u die Judeuheit und das Jndenthum eingeschleppt werden können, die denselben früher-beinahe ganz fremd wa ren, und die geeignet sein tonnten, die Reinheit des jübi scheu Familienlebens zu stören lind dessen Klarheit zu trüben. Feuilleton. Zum neuen Jahr. Uralte Sitte aus der Väter Tagen heischt, daß zu». Aufang jedes neue» Jahr — man fromme Wünsche mag entgegentragen — und ob das alte überreich auch war. Ja, überreich! wir wagten nicht zu hoffen, — was unser Mund heut kündet jubrlvoll; — So mancher sieht den Himmel wieder offen, — dem auS tiefwundrn Herzen Reue quoll; — er eilt zirrück in seiner Brüder Aethkit^ — die er um Ähre oder Bottheil ließ. — ereilt, _L__ d.-n heil ge», alten Bund zu ne neu mit feinem Wott. der nie* »»als ihn verstieß. Nicht D u l d u » g ist S mehr, was wir heischeu dürfen, - kein Dämmerlicht der Freiheit, dem» fie tagt; jinb nahet wer, auö unserer D.uelle zu schlntte», die Labung wird durch Zwang ihm nicht versagt. Fa, überreich ist uns da» Jahr gewesen, noch können wir die Früchte all nicht lesen I - lind dennoch 'tbrnnend sicht da» Äug zurück auf manch be> grab »es. manch verlorenes Glück. „Wie herrlich isi s. wenn Brüder einig wolmen!" Dich preisend, Israel I galt einst . der Spruch l ckin anderer; „Dienst du, weil Gr zu lohnen weiß, nur deinen Gott, trägst du der Knechtschaft Fluch." ---- Doch Leute, wie hat viele» sich geändert; — selbst manchem, der dem r»ttt»dienst geweiht — zahlt man den Gang vollwichtig und ge-