Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 19 (27.8.1868)
- Date
- 1868-08-27
- Page
- Seite 207 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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207 Kunst und Literatur. — Herr Aron Luzzato veröffentlicht eine neue Ausgabe seines ebräischen Wörterbuches mit einem Anhänge vom Chaldäifchen vhsh D'DL* ssnb in 20 Heften. Jeden Monat erscheint ein Heft. DaS erste Heft erscheint schon im Monate August und kostet 50 Centesimi. — Theater. Wir glauben unS die Kritik der Vorstellung der am 19. d. M. an der hiesigen Bühne aufgcführtcn Oper „die Jüdin" von Halewy um so weniger vorenthalten zu können, als uns ein dreifaches Interesse dazu veranlaßt; denn erstlich liegt wie der Titel deS Stückes zeigt, demselben ein rein jüdischer Stoff zu Grunde, zweitens ist der Compositeur ein Jude und endlich drittens gehört der Darsteller des Elcasar Herr Sontheim königlich wür tembergischer Hofopcrnsänger dem Judenthume an. Der gefeierte Sänger brachte, was Gesang und Spiel betrifft, diese, eine seiner -Glanzrollen zur vollsten Geltung. In seinem Eleasar lebt daö leidenschaftliche Prinzip, die echte dramatische Kunst. Der kräftige Tenor, dessen klangvoller Farbenschmelz sich in den verschiedenartigsten Modulationen zur riesigen Masse ansammelt, wirkt auf den Zuhörer wie eine schmetternde Posaune, der die reitzendsten Melodien entlockt werden. Sein zartes Mezzavoce, seine rythmischen Abstufungen tragen nicht wenig zur Vollendung seiner Künstlerschaft bei. Er singt nicht nur den Elcasar, er fühlt ihn, mit angebor« ner Empfindung. Sontheim ist eine der ersten Größen am Horizonte der Kunst, die auch von der durch sein Spiel begeisterten Zuhörerschaft anerkannt und gebührend gewürdigt wird. —r — Verhältnisse j„ Ungarn zur Aufgabe macht. Um den Einfluß der Reformer, die dem wahren Judenthume den Lebensnerv zu unterbinden drohen» abzuschwächen, unterzieht er mit großem Fleißc und gründlicher Sachkenntnis;, die von der Majorität der in Pest vcrsaminelten Confcrenz dem KultuSmiuister unterbreiteten Wahl-, Gemeinde und Schnl-Statutr einer Beurthcilung, und weist anf das unrichtige Verhältnis deS Wahlmodus hin. Er zergliedert jeden einzelnen Paragraph, so daß er von dem unerfahrensten aufgcfaßt und verstanden werden kann. Diese Broschüre dient gleichfalls zur Aufmunterung jener Orthodoxen, die ihre- Hände rnhig in dem Schoße liegen und die Dinge gehen taffen, wie sie eben gehen, während das andere Vager eine seltene Rührigkeit bekundet. Durch dieses Schriftstück wird einem großen Theile der ungarischen Jndenhrit der Standpunkt erst llar gemacht und die Bedeutung des Eongrcsscs zu Gcmüthe geführt. Die Sprache ist so gehalten, daß sie von jedem leicht verstanden tverdc» kann, und der gefeierte Hildesheimer hat wieder einmal gezeigt, wie rastlos er auf dem Felde des Gemeinnützigen zur Ehre Gottes und zur Ehre des Judenthumes arbeitet. Netrrologie. Rabbi Simon Lasch, gestorben am 2. Elul 5ü2s, im 72. Lebensjahre. Wohlthiitigkeitsafte und Stiftungen. Die Erben nach dem verstorbenen Banquicr Ritter von Lämel haben am 19. d. M. als an dessen Todestage, dem Hrn. Bürgermeister vr. Klaubt^ 500 fl7 zur Vcrtheilung an OrtSarme übergeben, wovon 200 fl. für Katholiken 200 fl. für Israeliten und 100 fl. für Protestanten bestilnmt sind.— Hr. Rath. Hellmann präg. Kaufmann hat anläßlich des Ablebens seiner Frau Gemahlin 800 fl. in National-AnlchcnS-Obligationen, dann den Baarbctrag .von 200 fl. ö. W. dem .Herrn Bürgermeister I)r. Klaudy mit der Bestinnnung cingchändigt, damit die crstcre Stimme an die einer Spende bedürftigsten WohlthütigkcitSinstitute, der letztere Betrag an präg. Arme vertheilt werde. Uxberdicß hat Hr. Rath. Hcllmann der isr. CultuSgcmciude-Rcpräscntanz den Betrag von 1600 fl. zu dem Zwecke übermittelt, ihn den verschiedenen isr. Wohl thätigkeitSnstalten und Vereinen in Posten zu 300, 200 rmd 50 Gulden zuzuführen. Bei dieser Gelegenheit nehmen wir gern Akt davon, daß die israelitischen Wohlthäter, sei cs auS waö immer für einem Grunde, bei Widmung ihrer Spende» keinen Unterschied in der Confession machen, wir würden eS aber auch gerne sehen, wenn Nichtisraeliten dieser humanen Gleichberechtigung folgen würden. Vom Sücherlische Zum Congress e. Beurthcilung der drei von der Majorität der in Pest versammelten Conferenz dem CultuSminister unterbreiteten Statute, von vr. I. Hildesheimer, Rabbiner in Eisenstadt. In vorliegender Broschüre sucht der Verfasser darzuthun, wie bei der Wahl zu der bald in Pest tagenden Eon- Kaum sind zehn Monde verstrichen, 'als das geistliche Oberhaupt der pragcr isr. Gcincindc durch den nnersorschlichen Rathschluß abbernfcn wurde und sie hat neuerdings einen Verlust zu beklagen, der nicht nur empfindlich, -sondern in vielfacher Beziehung unersetzlich zu nennen ist. Rabbi Simon Lasch, so heißt der Mann, der am 20. August das Auge für immer schloß, das ilncrmüdlich in den heiligen Büchern forschte, unersättlich sich ander heil. Lehre weidete. Ja für imiiur schloß er das Auge, um nicht mehr die Lücken zu sehen, die das Jndenthnm anfznweisen hat, um in seiner Glorie nicht mehr gesehen zu werden. Wie der ermüdete Wanderer nach zurückgclcgtcm Wege, an dem Bache rastet, um anSznruhen von den Mühen und Plagen einer Pilgerfahrt, so schloß der greise Rabbi seine Lcbensfahrt nach rastlosem Fleißc, mit dem er dem Studium deS Talmuds, der heiligen Lehre oblag, um auSznrichcn von den Mühen, denen der ermattete Geist erlag. Was soll man, was kann man über Rabbi Simon Lasch schrcivcn? Kann man die Vorzüge seines Geistes genug schildern? kann man die Vorzüge seines Herzens genügend begreifen? kann man 'seinen Lebenswandel getreu schildern? ohne sich zu antworten: ES fehlt nnS eben der Geist, das Herz, die Rabbi Simon Lasch besessen, dazu. — Er war es, dessen Scharfsinn von der gründlichen Kenntniß der Wissenschaft begrenzt war, er war es, der einen immensen Schatz des mannigfachsten Wissens aufzuweisen hatte, er war es, dessen Geist sich anf den Fittigcn deS Erhabenen in höhere Regionen geschwungen. Und wie erst sein Gemüth, sein Gefühl, wie zerfloß es in Wehmuth k wie entströmte es der lautern Quelle seine- Herzens! Sein Gefühl war es, das ihm den Weg zu dem Tode bahnte; seine innige Liebe zu seiner Schwiegertochter, die erst vor Kurzem in da- Thal der Tode-schaltrn binabstieg, der er in erschütternden Worten, alwollten sie sein nahes Ende verkünden, den Ausdruck verlieh, wurde zum letzten Seufzer der seiner Brust entwichen. Rabbi Simon Lasch war nicht einer von den Dutzendrabbtnen, die die Wissenschaft zum He-