Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 19 (27.8.1868)
- Date
- 1868-08-27
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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206 nung und Strafe der Kinder enthält und in leichtfaßlicher, gewandter Weise dargestcllt, den Eltern zum Leitfaden bei der Erziehung ihrer Kinder dienen dürfte. Die Schule, die Heuer das 14. Jahr ihres Bestehens zählte, erfreut sich auf Grund der i.i derselben geboteneu Leistungen einer lebhaften Frequenz und finden sich unter den Schülern sogar: Polen, Türken, Wallachen, Russen, Ungarn, und Mährer. Das Resultat der Jahresprüfung war ein überaus günstiges. %* Störung de- Gottesdienste-. Samstag den 17. d. M. ereignete cs sich in der Klaussynagoge daß Hr. I. Kohn — wir wissen nicht, ob er Prediger, Rabbiner oder was Andere.- ist -— zum Zwecke zweier Aufbietungen während des Gottesdienstedie Synagogendicncr beorderte, die transportable Kanzel herbcizuho'.cn, um sie au ihrem gewöhnlichen Platze zu bekestigen; wobei er seine Autorität dadurch geltend zu machen suchte, daß er alsoglcich die Synagoge zu verlas sc» drohte, wenn seinem. Ufas nicht Folge geleistet werde. Die Synagogendiener konnten sich nicht anders helfen und so trugen sic den hölzcri'cn Olymp ans die Stufen, die zur heiligen Lade fuhren, von dem aus der Synagogrnkanzlcr, dakeine P.rdigt stattfand, die bewußten beiden Braut paare ausgebotcn hat. Hierauf stieg er in dem Bewußtsein ciiico Großmoguls herab; der Borstand so wie die Besucher der Synagoge hingegen entrüstet über das Benehmen eines. Menschen, der das Wort Gottes verkünde» soll, beobachteten in Berücksichlignng der heiligen Stätte so viel Takt, sich einer den Sabbath entweihenden und den Gottesdienst ftö rcndcn Anordnung zu fügen, und ihre Entrüstung über das maaßlosc Brnchmen eines rabbinischen Jünglings mit nach Hause zu nehmen. Derselbe Jüngling, der noch am Sab buth zuvor, gegen die Finsterlinge einen Kreuzzug predigte, die Woche zuvor ve n Haus zu Haus herumlies, und bei denselben Finsterlingen für eine Partei auS dem Grunde agitirte, um feine gelockerte Stellung zu festigen, oder wie man zu deutsch sagt, wenn cs sich um Ablauf des EontractcS handelt, die Erneuerung desselben dnrchzusetzcn, derselbe Jüngling der am 10. d. iVt. vor der neuen Borstaudswahl auf offener Straße seinen Synagogenmitgliedern eine Kandidatenliste aufdrängcn wollte, deistlbc schwarz geleckte Jüngling wird selbst zugcbcn, daß rin iolelnr Rabbiner, nicht einmal nach Pankraz taugt, geschweige nach Prag. Falls dieser Jünglitsg auch einmal nach Ameuka gehen sollte, wünschen wir ihm schon heute glückliche Reise und geben ihm die LcbcnSrcgcl mit, daß ein Rabbiner und Prediger das Wort GottcS zu verkünden, keineswegs am Sabbath in einer Synagoge während des Gottesdienstes Hausknechtsdienste zu verlangen hat. Amerika, ich lobe es mir, es ist ein freies Land, da dürfte sich vielleicht der Prediger selbst um Sabbath die Kanzel zur heiligen Bundcslabc schleppen. Auswärtiges. Iungblilizlttti. Sr. Majestät der Kaiser hat dem hiesigen praktischen Arzte I)r Moritz Ncnstadtl daS goldene Verdienst» kreuz mit der Krone verliehen. Pielitz. Dem Tuchfnbrilaiiten Ignatz Baum wurde von Sr. Majestät dem Kuiscr das Ritterkreuz deö Franz-Josef» Ordens verliehen. Wien. Sr. Majestät der Kaiser hat dem Obcrkantor der israelitischen Kultu>geincindc in Wien Salomo». Sulzcr das Ritterkreuz des Franz-Jos.f OrdenS verliehen. Pest. Der Urbrrtritt von der katholischen Religion zur jüdischen wird immer häufiger, ebenso wie die Verheiratung solcher Konvertirten in den Bcthäuscrn zu Pest. Bor Kurzen« erst hatten wir einen solchen Fall zu verzeichnen und neuerdings ist ein ähnlicher mit Variation zu registriren. Ein Herr Müller, als Jude geboren, ließ sich später taufen und bekannte sich seit de» letzten fünfundzwauzig Jahren zum katholischen Glauben. Bor einigen Wochen trat er nun wieder zum Judenthum über und ließ sich am verflossenen Sonntag in Nrupcst mit einem Judenmädchen trauen. Hamburg. Ten 15. d. M. feierte hier der 86jährige jüdische Handelsmann Philipp Andre, und die 88jährige Charlotte Andre, gebornc Salomon ihre goldene Hochzeit. Das greise Jubelpaar hat während seines ganzen Lebens mir mit Sorgen, Kummer und Roth zu kämpfen gehabt und auch am Abend seines Lebens hat sich das Schicksal nicht günstiger für die alten Leute gewendet. Der Mann ist arbeitSnnfähig, die Frau fast bliud, und so führt häufig der Hunger dort sein grausiges Regiment. Da ist nun sehr wohlthucnd wahrzunchmcn, wie die Hamburger Tagcspresse im wahren Sinne des Wortes ihre Nächstenliebe bcthätigt, indem sie ihre christlichen Leser auffordert, ohne Rücksicht auf — das religiöse Bekenntnis und aus wahrer Menschenliebe durch milde Gaben den alten Leuten die seltene Feier zu cinein würdigen Jubelfeste zu schaffen. (Idi.) Stockholm. (Schweden) Der König von Schweden hat dem Herrn Rubinsohn in Upsala eine Subvention von “HXMJ Thalcrn gewährt, damit er seine astronomischen Beobachtungen vollenden kann. Paris. Die französische Regierung hat den Herrn M. Neubauer ltnrfi Spanien zu dem Zwecke geschickt, um alte Manuskripte oder hebräische Werke anfzufinden. England. (Ein NadamSky - Fall) Wenn eS bisher mitunter vorgckomnir», sagt die „Anglo - Amerika. Eorrespondenz," daß in England junge Mädchen vom el-. «erlichen Hanse fortgelockt, erst nach langem Suchen und Forschen in irgend einer geistlichen Anstalt, Kloster oder Er» zichnngShauS aufgefu 'den wurden, und zwar als Konvertiten zur römisch-katholischen Kirche, so ist ein neuer Fall geeignet, Aufsehen zu machen, wo ein baptistischcr Geistlicher und dessen Gattin eine Tochter jüdischer Eltern zu sich gelockt und sic versteckt gehalten, um sie zur Ehristin erziehen zu lassen. Vergeblich hat sich der Vater an daS Herz des Ehepaars gewendet, vergebens an die Gerichte. Ihm und dem Richter gegenüber beharren Jene bei der Acußcrung: „Wir schwören, daß wir nicht wissen, wo daS Mädchen sich jetzt befindet, leugnen aber nicht, daß wir eS erfahren könnten, wo sie verweilt, falls wir uns deshalb bemühten." Der Richter hat diese Handlungsweise mit Entrüstung getadelt, aber der Umstand, daß die Versteckte über 18 Jahre alt sei, mithin nach englischem Gesetz frei über sich diSponiren kann, mache eS ihm unmöglich, durch Ausfertigung eines „writ of Habeas corpus“ daS würdige Paar von Proselytenmachern zur Vorführung der Gesuchten in den Gcrichtssaal zu zwingen. ES fehle am Beweise, daß daS Mädchen gegen ihren Willen ihren Eltern vorcnthalten werde, obwohl ein vorgclegteS Schreiben von ihrer Hand, in welchem sic ihren Eltern den Übertritt zur christlichen Religion anzeige und die Rückkehr in daS elterliche Haus ablehne, alle Spuren eines unfreiwilligen Aktes, unter Diktat vollzogen, an sich trage. Der einzige Weg sei, daß Jemand der Vermißten irgend eine kleine Geldsumme vermache, dann würde sie unter die „Mündel des Lord-Ehanccllor" gehören, und dieser ihre Vorführung durchsetzen können. So steht die Sache bis zn dieser Stunde. Die verzweifelten Eltern haben sich an die Ocffcntlichkeit, an die Presse, um Beistand gewendet, um ihr Kind wieder zu erlangen. Rom. Nach der neuesten Volkszählung stellt sich die Bevölkerung Roms auf 217.378 Seelen mithin um 30.000 mehr als im Jahre 1858 heraus. Darunter sind 2394 Israeliten nnd 2208 Israelitinnen. Algier. Der hiesige Arzt I)r. Miguereö erhielt den Rittcrordcn der Ehrenlegion als Anerkennung für geleistete Dienste während der Epidemie in den Jahren 1867 u. 1868. Clewrland. (Amerika) Am 4. Juli wurde hier ein jüdische- Waisenhaus cingewciht, das mehr als 60.000 Dollar kosten soll.