Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 19 (27.8.1868)
- Date
- 1868-08-27
- Page
- Seite 205 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4890378-5433912-5433933--099-4890464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
205 inenden bei der Kabronim-Chewra. — Er hatte eine große ישיבה, einen zahlreichen Schnlerkreis. — In seinem 30. Jahre trat er als Nachfolger des 1. Rabbiners R. Eleasar FleckclcS die Israel Simon Frankl'sche Stiftung an, vom Jahre 1839 bis 1853 gab er das Werl שש רמרכת auf die 0 Theile der;משנו unter den Titeln: 1.;מעין הישועה .4 חסן רב .3 דבר בעתי .2 דרך אמונו 5. לב לדעת .6 חכמת אדם die besonders in Ungarn und Polen stark verbreitet sind. *** Am 18. August versammelte sich die Josefstädter Schuljugend unter Aufsicht der Lehrer und des Direktors der Schule in dem festlich decorirtcn Prüfungssaale zur Feier des Allerhöchsten GeburtsfestcS Sr. Majestät des Kaisers. Nach Absingung eines MorgenlicdeS und einer auf das Fest Bezug habenden Ansprache an die Schuljugend von Seite des Herrn Direktors' Utitz wurde ein patriotisches Lied vorgctragcn und unmittelbar nachher die Vcrtheilung an Geld, Kleidungsstücken, 23 Paar Schuhen, Hemden, Strümpfen, Taschcntnchcl im Gesammtbctrage von 241 fl. 88 kr. in Gegenwart des SchulinspMorS und Stadtrathes Herrn Adolf Schwaab, Herrn Thuma Stellvertreters des städtisch. Polizeirathes, des Stadtverordneten D. Zappert und anderer Gäste vorgcnommen. Den Schluß der Feierlichkeit bildete das Gehet für das Heil Sr. Majestät des Kaisers und deS gan zcn durchlauchtigsten Kaiserhauses und die Absingung der Volkshymne. *** Bei der am 16. d. M. im isr. Nachhause startgefundenen Generalversammlung zur Wahl eines Vorstandes in der Uaussynagogc sind 47 Mitglieder erschienen. Gewählt wurden die Herren: Simon Hock (zugleich als Cassier), Salom. Weltsch, Leopold Kühe, Wolf Lasch, Jakob Goldberger,.M. R. Wahle und Ignatz Fischl, zu Ersatzmännern die Herrn: Marc. Rosenbaum, Josef Gröger, und Marcus Aron. Die nächstmeisten Stimmen hatten die Herrcn: Friedmann Leipen (10), I. H. BrandriS (15), und Louis Popper (9). *** Verflossene Woche fand in dem Mädchen-Lehrinstitute der Frau Pauline Sommer geborne Dormitzcr die Jahresprüfung statt und wir können registrircn, daß dieselbe unsere Erwartung weit übertroffen hat. Die weiblichen Zöglinge lernen die einzelnen Gegenstände nicht mechanisch, sondern nach System, die Vorsteherin der Anstalt eine praktische erfahrene Erzieherin verbindet mit ihrer großen Umsicht einen liebevollen Umgang mit den Schülerinnen, ohne die Strenge, so sie am Platze gehört, aus dem' Auge zu verlieren. Leider läßt sich die Welt vom Schwindel irre führen, von Möbelgarnituren' und Himmelbetten verblenden, ohne die Methode, die in einer Anstalt zum Leitfaden dient, zu würdigen. Wir können Frau Sommer auf daö Wärmste empfehlen, weil sie vor Allem die Herzen bildet, die Lehrkräfte überschaut und den LuxuS in einer Anstalt mehr für ein Verderben erklärt, als zu einer eonäitio 8ine qua non eines Lehrinstitutes nzacht. *** Le miserable. Derselbe Schüler der Talmud Thora-Schule, der seiner Zeit in׳ einer öffentlichen Sitzung vom Prof. vr. Wessely wegen einer Beschwerdeführung ein miserables Subjekt genannt wurde, und die bewußte Schule lieber verließ, als sich seiner Ueberzeugung zu verschließen, hat vom Herrn S. Heller Lehrer an der Talmud- Thora-Schule ein Zenqniß erhalten, in welchem er den Fleiß des betreffenden Schülers einen außerordentlichen nennt. Letzlerer verläßt dieser Tage Prag, um anderswo die Studien fortzusetzen; jedenfalls hat die T. T.. Schule für sein ״Fort, kommen" gesorgt und Herr Heller bewiesen, daß er trotz ״obmännischem" Ausspruche gerecht zu sein versteht. V* Zwischen den Vorstandsmitgliedern des Knaben- Waisenhauses find Differenzen eingetreten, die, wie wir vernehmen, die Resignation des Hrn. K. Lieben zur Folge hatten. %* Am 24. und 25. d. M. haben die Prüfungen an der öffentlichen Hauptschule des Herrn I. Frey stattgefunden und sind zur vollsten Zufriedenheit der Gäste au-gefallen, denn die schlagfertigen Antwort«, sei es in Deutsch oder Hebräisch, gaben die besten Beweise, daß eS sich hier nicht um eine bloße Dreffur, sondern um einen methodischen Untcrricht handelt. Besonders verdient die Gewandhcik und Klarheit beim llebersetzcn der Bibel und der damit vcrbundenen Grammatik, welche Gegenstände von Hrn. I. Spitz gelehrt, hervorgehoben zu werden. *** Nachdem der Artikel ״Auch ein Institut" der frü» Heren Erzieherin der Waisenmädchenanstalt Frau Marie Bur ger von mehreren Seiten imputirt wurde, so erklären wir zur Wahrung ihres moralischen Interesses, und zur Steuer der Wahrheit, daß Frau Marie Burger weder die Einschalmng deS Artikels mittelbar oder unmittelbar veranlaßt hat, noch an demselben participirt. *** Rücktritt zum Iudruthnme. Wir haben folgenden Rücktritt eines vor fünf Jahren in den Schooß der katholi schen Kirche übrrgegangcnen Inden, als den ersten Fäll in Prag zu verzeichnen: Karl (sitzt Josef) Kanturck aus Smichov 29 Jahre alt, wurde tut Jahre 1862, z״ welcher Zeit er als Unteroffizier im 2. Jägerbataillon in Wien lag, daselbst in der StcfanSkirche getauft. Nach einem Urlaube, den er im Jahre 1864 erhielt, rückte er im Jahre 1865 wieder zu seinem Rcgimciitc ein. machte im Jahre 1866 den Feldzug rnit und wurde im Jahre 1867 zum Linien Jnfanterie Regimente Herzog zu Nassau transfcrirt, wo er nach 5monatlichcm Dienste beurlaubt wurde. Hierauf ließ er sich in die prager städtische Eommunalwache cinrcihen, in der er 15'״׳ Monate gedient. Kur; nach dem Verlassen seines al ten 'Glaubens faßte er den Entschluß nach znrückgelegter Dienstzeit, ins Ausland zu gehen, um wieder znin Indenthume übcrzutrctcn. Die weise.Institution der Wahrung der Glaubensfreiheit in Oesterreich erleichterte ihm sein Vorhaben und so wendete er sich anfangs dieses Monates an den Vorsitzenden der CultuSgeincinde-Repräsentanz. der ihn an den Magistrat wies. Der Magistratsrath Hr. Maier nahm mit Herrn Kanturck Protokoll auf, verlangte von ihm Tauf- und BcschneidungSzcugniö ab, »nd erledigte am 13. August 8ud Nro. .5864«; dessen Anzeige. Die Erledigung lautet: Die Anzeige des Herrn Karl Kanturck Eivilwachmanncö u. Reservemannes des k. k. 28. Infanterie-Regiments in Nro 204—V., daß derselbe aus der katholischen Kirche auSzutreten, und zu seinem früheren Glauben, dem mosaischen, znrückzukehrcn beabsichtigt, wird unter Einem dem Pfarramte beim heiligen Geist übermittelt. Hievon geschieht die Verständigung Vom Prager Magistrate. Den 13. August 1868. Im Aufträge des Bürgermeisters 2. Skiivan. Mit diesem Certifikatc begab sich Herr Kanturck zu Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Freund, der ihn nochmals befragte, ob er den Rücktritt nicht bloß formell, sondern aus Ueberzeugung anstrebe und ihn wieder in das Judenthum wieder anfnahm, nachdem er ihm die heilige Lehre und die religiösen Satzungen ans Her; legte. Den Sabbath darauf, das ist am 15. August wurde er ohne alles Ecremoniel als sechster (ששי) zur Thora vorgcrusen. An diesem Vorfälle knüpft sich folgender Eharakterzug. Die AuSerwählte seines Herzens brach vor dem Ucbcrtritte ihres heiß Geliebten daS Verhältnis ab und nahm cS nach seinem Rücktritte ins Indenthum wieder auf, so daß am 30. d. M. das Liebesvaar zum Altar geführt wird. BemerkcnSwerth ist noch, daß der Vater des Rückgetretenen Jacob Graf, (der Name differirt, wegen des damals schwer zu erlangenden HeiratskoncensrS) der einige 30 Jahre dem Christenthume angehürte, noch vor Erscheinen deS interconfeffionellen Gesetzes in Oesterreich, in Breslau, wo er jetzt lebt, zurückgrtreten ist. %* Es liegt uns da- Programm und der Jahresbericht der öffentlichen Haupt- und Unterrealschule und der damit verbundenen kaufmännischen Lehr-Anstalt des Herrn S. Singer vor. Demselben ist eine Arbeit des Direktors vorangeschickt, die pädagogische Winke über Lob »nd Tadel, Beloh-