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Die Gegenwart · 1868-08-27 · 19 (27.8.1868) · p. Seite 204

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
19 (27.8.1868)
Date
1868-08-27
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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204 der Synagoge zugewendet, für deren Restaurirung im modernen Geschmack seit Kurzem Geldopfergaben vpn mehreren hundert Gulden bereitpisamistmgeflosse», so daß mit Sicherheit zu erwarten steht, daß der beschlossene Synagogen Umbau schon nächstes Jahr in Angriff genommen werden wird. Wenn bisher unser Kantor — der nebenbei gesagt in dieser Eigenschaft alleiniger Funktionär, also kein Oberkantor ist — ohne Ornatbekleidung den Gottesdienst verrichtet, so ist das ein schreiendes Unrecht bloß in den Augen des Referenten, uns hingegen gewährt der Spruch „Das Kleid macht nicht den Mann" volle Beruhigung. In gleicher Weise gereicht eö uns zur Befriedigung, lonstatiren zu können, daß die Besoldung des Kantors hier der eines in Anitstra'cht fungirenden durchaus nicht nachstcht, und ist es unzweifelhaft, daß nächst dem Rabbiner der Kantor unser bcftdotirtcr Gcmcindcbeamtc ist. Auch der treuen Pflichterfüllung dcS seinem Berufe lebendem Kommunalbeamtcn wird bei uns, wie rechtens und billig die verdiente Anerkennung zu Theil. So genießt unser seit 4 Jahren in Ruhestand versetzte, alte Kantor eine Pension jährlicher 2(X>f{. nebst Raturalwohnurig, und haben wir in Bälde für den Fall cintrctcndcr Dienstunfähigkcit unserer Kommunalbedicnstctcn die Gründung einer Bcrsorgnngsanstalt zu erwarten, für deren Jnslcbcntrctcn der nöthige Fond zum größten Thcile bereits vorhanden ist so wie daö Asyl, zu welchem unser ehrwürdiges Geincindcmitglicd, Herr Juda Vöb Borges sein HauS bestimmt hat. ES ergibt sich auS dem Gesagten zur Genüge, daß die Zustände unserer Gemeinde nichts weniger als traurig und verwahrlost sind, und könnte ich in der Aufzählung solcher lichtvollen Daten noch fortfahren, wenn der Raum Ihres Blattes und die Geduld seiner Leser cs gestattete. Iahoda Locales. V Sitzung der Prager EnltuS Gemeinde^Repräsentanz am 23. August 180K. Beginn y,ll Uhr Vormittags. Anwesend dir Herren: Lieden, V. A. OserS, vr. Pribrain, vr. Rand nitz, G. Schitz, A. Schwab, vr. Tedesto, vr. Wiener, M. A. Wahle. E» waren sonach abwesend die Herren Frankl, G. Fischl, Georg Feigl, vr. Gilschin, v. Pouheil», Ignatz Schütz, Smgcr, Wessely, Zappert. Nach Verlesung des Sitznngsprotokolle« vom 12. Juni und nach vom Vorsitzenden gemachter Milthcilnng, daß Herr Hellmann anlässlich eine« traurigen FainilicncrcignisscS 1600 fl. gespendet, wovon 300 fU an Arme, die übrige Summe zur Vertheilung an Wohlthätigkeit« und HumanitütSanstaltrn bcstinimt wurde, daß ferner von den Erben de« H. v. Lämel 200 fl. zur Vertheilung an israelitischen Armen votirl wurden, wird zur TageSordnnng geschritten und Herr Schwab al« Referent trägt seinen Berich« über Rechnung der Beerdigungsbrüderschast pro 1367 vor. Nach einer länger» Rede weist Referent auf einige, Schrift fehler hin, die sich im Ausweise eingelchlichen (so z. B. statt Uberschuß 2169 fl. stand im Ausweise 1269 fl. übergeht sodann zur Besprechung der Art »nd Weise der Vertheilung de« Ueberfchnssc« im Betrage von 2169 fl. in Form eine« Perceninal Nachlaflc« und schließt mit dem Anträge den tz 46 der Statuten schon auf da« Jahr 66 anzuwendcn, um au« Opportunitat«grnnden im Vereine mit dem Jahre 67 und 68 einen Perrentnalnachlaß der Taxen;» erzielen. vr. Wiener stellt den Antrag einer gemischten Lommisiionbestehend au« 3 Mitgliedern der Repräsentanz und ebenso viel Mitgliedern der Beerdizungsbrüdrrsch. zusammen zu berufen, welche dies« Angelegenheit zu brrathen haben, um die gefaßten Beschlüsse beiden Parteien vorzulegen. vr. Raudnitz und Schitz gegen den Antrag de« vr. Wiener. Osrr« drückt sein Bedauern au«, wenn r« zu acuten Konflikten führen sollte, dem Vorstände ist von kompetenter Seite mitgrlheilt worden, daß die Stenern pro 67 nach den Einnahmen berechnet wurden. vr. Raudnitz ist nicht der Anschauung, daß man warten muffe, bi« e« der Beerdigungsbrüderschast gefällig sein wird, nach §. 46 der Statuten zu handeln, sondern er glaubt, daß e« angezeigt wäre, da verschiedene Hinderniffe in den Weg treten, eine gemischte Aommiffion nirderzusktzen. um dir Vertheilung di'ser Urberschüffe zu bewerkstelligen. Darum schließt er sich vr. Wiener an. Wa« Hru. Osrr« anbrlangt, fährt Redner fort, bin ich überrascht, daß man bereit« bi« zum Stand- »unkte der Drohung «»gelangt (heitere Stimmung) und Konflikte acut »««ichuet. E« ficht fo au«, wie wenn der Vorgang in einem anderem S»Äh«U« Präg« zum Rüster geuommrn worden wäre. Ich weiß nicht wie wir dazu kommen, daß diejenigen Mitglieder der Repräsentanz, die zufälligerweise Mitglieder der Beerdigungsbrüderschast find, sich hier gar nicht al« Repräientanzmitglieder sondern al« Mitglieder der Beerdigungs- Brüderschaft ansehen, und auf da« Jatereffe der'Gemeinde keine' Rücksicht nehmen. Was die erwähnte Competenz betrifft, kann ich kein Gewicht darauf legen, da ich sie nicht kenne und ich glaube nicht zu irren, wenn ich sage, daß die Genehmigung der Statuten die Perfektion de« BcrtrageS nach sich zieht. Ofer« entschuldigt sich im Namen des Vorstände« und betont, daß die Überschüsse erst vom Jahre 62 an begonnen, wo durch den Verkauf von Familiengrüfien daö Kapital anzewachsen ist. Vorsitzender macht darauf aufmerksam, daß um zu einem gedeihlichen Ende zu gelangen, e.nr gemischte Kommission eingesetzt werden müsse, weil nur ans diesem Wege die Ansichten sich läutern, und die Ansichten die dem größeren Theite der Mitglieder der Repräsentanz eigen sinh, wohl auch beiin Vorstände der Bce-digungSbrüderschaft vorherrschend sein werden. Schwad behauptet, daß dar Wesen seine« Antrages darin liegt, daß die Beerdigungsdrüderichafl sich prinzipiell dafür aussprichr, den 8 46 der Statuten schon aus . die Mehreinnahmen des Jahres 1866 in Anwendung zu bringen, diese zur Grundlage bei der Normirung der statutenmäßig vorgeschriebencn Taxen in Folge zur Geltung kommen werden und bittet zugleich um Abstimmung diese« Antrages. Vorsitzender dringt nach erfolgtem Schluß der Debatte den Antrag des vr. Wiener, der ein Vertagender zu sein scheint, zur Abstimmung. Derselbe wird einstimmig angenommen. E« wird sogleich zur Wahl geschritten und werde» die Herren Schwab mit 8, vr» Wiener mit 6 und G. Schitz auch mit 6 Stimmen in die Äommiffion gewählt. Schwab fährt in seinem Referate fort und ersucht vorerst die Rechnung wie in den Vorjahren einer befferen Sorgfalt zuzuwendrn, indem weder die Farm noch die Genauigkeit entspricht, Wahle cntichuldigt dies mit den Worten, daß diese Rechnung die Bilanz ist und die genauen Daten in den Büchern, die in der Verein«- stube auslicgen, eingcsehen werden können. Vr. Wiener stimmt mit Herrn Schwab überein, deffen Antrag auch angenommen wird. Ein weiterer Antrag des Herrn Schwab lautet: Der löbl. Vorstand der BeerdignngSbrüderschaft sei darum anzugehen, warum die Einnahme» des Jahres 1867 vom Verein '31S und nicht Vorkommen. Nachdem aber die üinnahmen statutenmäßig vorgeschrieben und nicht cingrgangen sind, so sei der Vorstand aufzufordern, da« Einheben der Taxen vornchluen zu lasten. vr. Wiener glaubt, daß beiden Rechnungen berücksichtigt werde» muß, ob eine Summe Geldes ein Ausstand ist oder nicht. Ist sie ein Auöstand, dann muß sic in die Rechnung auch als solcher eingetragen werden. (Angenommen) Schwab erwähnt ferner, daß es ihm auffallend sei, daß die Rubrik „öffentliche Spenden" unbesetzt sei und die Erben de« Herrn Ritter von Lämel 1000 fl. zur Bestreitung der Exhumirungskosten übergeben, von welchem Gelbe die Summe von 508 fl. 82 kr. Erübrigte und zur Eriveiternng der Straßen in Wolscha» angelegt wurden. Diese Summe soll in die obgenanntc Rubrik gestellt werdend (Angenommen), Hierauf stellt Schwab noch einen Antrag bezüglich derÜberschreitung der norinirtcn Summe von 600 fl. daß die Repräsentanz bei Ueberschrcituiig desselben befragt werden solle, und schließt Referent uibeiifl er meint, daß cs im Interesse der Beerdigungsbrüderschast liegt, den Statuten gehörige Folge z» leisten. Nachdem das vorliegende Statut der ÄlauSsynagoze einem Referenten als Berichterstattung übergebe» wird, und die'Berichte über Hosspital nnd Aemeiiinstitiit wegen Abwesenheit des Berichterstatter« nicht zur Verhandlung kommen, wird die Sitzung um %1 Uhr geschloffen. *** Auszeichnung. Se. Maj. der Kaiser verlieh den Orden der eisernen Krone dritter Klasse dem hiesigen Banquier und Fabriksbcsitzer Josef Lippmann; das goldene Bcrdicnstkreu; mit der Krone: dem hiesigen Fabriksbesitzer Samuel Fischl. - V Donnerstag den 20. d. M. ist der gelehrte Rabbi S i m o n L as ch nach einem länger« Leiden in der Villa ans Lelle vue bei Prag verschieden. Das Leichenbegängniß fand am 23. d. M. 3 Uhr R. M. in Prag unter überaus großer Thcilnahme der israelitischen Bevölkerung statt. Simon Lasch geboren im September 1796 in Prag — machte seine Talmudstudien unter gedrückten Erwerbs- und Nahrungsverhältnissen seiner Eltern bei verschiedenen Rabbinern als: Zalel RonSburg, Jakob Günzburg, Marcus Schlesinger — heirathete im 24. Lebensjahre die biedere Gattin Lea gcb. Rosenberg, setzte selbst in der Ehe in Nahrungssorgen seine Studien fort; mit 24 Jahren sagte er schon Chilukim vor den tüchtigsten Talmudgelehrten, stand auch von früher Jugend bis ins Aller mit den größten Talmudgelehrten Rabbinern Spitz, KauderS, Deutschmann, BernayS, HildeSheim in Eorrespondenz. — Seit dem Jahre 1830 hielt er in Synagogen und bei feierlichen Anlässen Kanzelreden, auch die dem ersten Rabbiner in Prag zukom«

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