Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 19 (27.8.1868)
- Date
- 1868-08-27
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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202 duirte Doktoren angestcllt, von denen der Eine als Primarius, der andere auf zwei Jahre als Sekundararzt aufg?5 nommen wurden. Rach Ablauf zweier Jahre wurde wohl kein neuer Sekundär angestcllt; dagegen wünschten die beiden Aerztc den Kategorien im allgemeinen Krankeuhause gleichgestellt zu werden, was nebst einer entsprechenden Gehaltcrhöhung auch durchgesetzt wurde. Geht man nun von dem Standpunkte auö, daß der Primarius des allgemeinen Krankenhauses lfiO — 200 Betten unter seiner Behandlung har, der Sekundär hingegen nach einer Zeit von 4 oder 5 Jahren entlassen wird, so findet sich freilich, daß im Jsraelitcnspitalc bei einer Zahl von nur 40 Betten die individuelle Opportunität, die UtilitätSgründe des Institutes übcrwiegt. Nun selbst unter diesen Umständen wird cS begreiflich, > daß ein passendes Vcrhältniß gefunden werden muß, um die! vitalsten Interessen einer Humanitären Anstalt nicht zu schä-! digen. Allein wenn cS erwiesen ist, daß die Primarii der allgemeinen Krankenhäuser, durchschnittlich wissenschaftliche Koryphäen, die in ihrer disiingnirten Stellung über den gewöhn« lichen Alltagsarzt erhaben zu sein scheinen und auch sind, täglich an dem Krankenbette eine zweifache Visite machen, die des Morgens und des Abends stattfindct, so muß cS denn doch etwas lächerlich erscheinen, wenn im Israeliten- Spital die Hauptvisitc um 12 Uhr beginnt und um 1 Uhr schließt, grade in einer Zeit wo die Kranken lieber den Spciscträger sehen als den Arzt. ES mag wohl in der praktischen Anschauung dcS israelitischen Primarius liegen, daß er dielen unpassenden Zeitpunkt wählt, um mit seiner Pri vatpraxis in keine Eollision zn grrathen, aber immerhin reibt sich diese selbst gcschasfcnc Institution mit dem sogenannten SchilklichkeitSgefühlc in gewaltiger Weise. Aber ein noch größerer Uebclstand ist der, daß das Jsraelitenspital auf die Hauptvisitc und auf die Visite des Sekundär angewiesen ist, welche doch nur in zwei TagcSpcriodcn stattfiiidet, und daß der sogenannte Hausarzt oder Hauschirurg fehlt, der im Spjtalc wohnend die rasche Hilfe bicanhiclt. Da» 'i*crmilt:ii& der schönen Portugiesin zu dein Herzog, kam auch der Königin-Elisabeth zu Ohren, welche Maria zn sich koniinen ließ und sic mit Auszeichnung behandelte, sie nahm sic in ihren Wagen und fuhr mit ihr durch die Straßen der Hauptstadt, um den Bewohnern den Anblick dieser strahlenden Schönheit zu gewähre». Maria künnnertc sich -wenig um diese Ehrenbezeugungen, sie hatte kein Ohr für die ehrenvolle Anträge dcS Herzogs, für die inständigen Bitten der Majestät; sic flehetc um ihre Freiheit. Maria Rune» Percira verließ England und setzte mit ihren Berwandteil die Reise »ach Holland fort. Einige Jahre später kam auch j ihre Mutter mit den übrige» Geschwistern ihr nach; ihrem Beispiele > folgte bald eine nicht unbeträchtliche Anzahl spanischer und porlnj giesischer „Marancn," so nanntc man die Abkömmlinge des jüdischen Stammes, die äußerlich durch das StaatSgcsctz gezwungen,! den Gebräuchen des katholischen ChristcnthnmS sich anbrgucmtc». Die günstigen Nachrichten, die von den angesiedelten Maranen auf heimliche» Wegen nach Spanien und Portugal gelangte»; lockten! immer mehr zur Ansivanderung, und Amsterdam wurde der Samj melplatz der gebildetesten und reichsten unter den portugiesischen In-! den. Philipp II. erlcble cS noch — wie es in Grätz „Geschichte! der Juden" heißt daß die beiden Bolköstämmr, die er am blu>! tigsten gehaßt und verfolgt hatte, die Niederländer und die Juden, . die sich zum Berderbc» seiner Schöpfungen gewisiermaßcn die Hand J reichten, denn der Staat Holland hatte seinen Nutzen von den por- , tugiesischen Jude». E» war früher in seinen materiellen Bezichun.! gen zu keinem nachhaltigen Aufschwünge gelangt; blühender Han-; del und LuzuS waren nur im Süden, im eigentlichen Flandern I heimisch; die Abgeordneten der Nordstaaten dagegen pflegten zu den Bersammlungcn unter Wilhelm von Dramen ihr Schwarzbrot und ihren Käse mitznbringen. So waren denn die Kapitalien, welche dir Marancn allmählig nach Ainsterdam brachten, jehr will, kommen und kamen dem ganzen Lande zu statten. Erst dadurch . waren die Holländer im Stande, den Grund zu ihrer Größe zu > legen, indem fie den indischen Handel den mit Spanien in einer j » et, sobald dieselbe erfordert wird. Wer rettet, oder wer b?nn den Arzt finden, wenn er grade an einem der vielen Belu» stigungZorte in Prag sitzt oder einen Ausflug gemacht hat? Xuli'jis medicus Deus est und es kann Vorkommen, daß e'ne Krankhe.'t in rapider Schnelligkeit einem gefährlichen Zustande eutgege.ncilt, bei dem oft Minuten entscheiden; es kann sich in einer fß großen Stadt wie Prag bei einer so großen israelitischen Population ereignen, daß ein plötzlich Erkrankter von der Straße ins Spital gebracht werden'muß. Wer nimmt ihn auf, wer ist berechtigt ihn aufzunehmcn? In dem Ressort dcS OberwäeterS liegt ein solches pouvoir nicht: und der vielleicht sterbend Kranke muß wieder auf die Straffe geschafft werden. Der Hausarzt und wenn auch nur in der Person eines Dokroranden oder eines med. cand. der mit freier Wohnung im Spital und einer bescheidenen Zulage sich begnügen würde, ist eine conditio sine qua non cincS SpitaleS. Desgleichen reicht ein Wärter nicht hin, und wenn auch dieser seiner Pflicht nachkommt, so reichen immerhin seine Kräfte nicht aus, um Tag nnd Nacht seinen Dienst zu versehen. Äian sieht, daß zwischen den finanziellen Ausgaben und dem Pcrsoualzustand das unrichtigste Berhältniß stattfindet und man für crstcrc daS doppelte des lctztern haben könnte, wenn die Eommiffion cS verstände, die Calculation zu treffen. Eine höchst auffallende Erscheinung ist eS, daß die Eom- Mission bei der Aufnahme dcS Primarius nicht darauf gesehen, daß derselbe auch ein Operateur ist und man seiner «Zeit auf das Offert eines im Operationsfache geübten Med. Doktors keine Rücksicht genommen hat, so daß man heute darauf angewiesen ist. bei vorkommenden Fällen einen Specialisten holen zu lassen. Erwägt man nun, daß das israelitische Krankenhaus vom LandesanSschnff'e subvcntionirt als solches eine Landesanstalt ist, so muß auch der ModuS cjngehaltcn werden, dem eine solche unterworfen ist, und bei Beseitigung jener ranen haben ohne Zweifel die Gründung der großen überseeischen Gesellschaften und die Ausrüstung von Handelst,zpcditioncn erst ermöglicht; sie waren wie der portugiesische Rabbiner Mcnafsch ben Israel in seiner Zuschrift an den Protektor Cronuvcll hcrvorhob, bei diesen Unternchnningen vorivicgcnd bethciligt. Auch durch die Verbindungen, welche die portugiesischen Juden mit heimlichen GlaubcnSgcnossrn in den indischen Besitzungen der Portugiesen »ntcrhieltcn, wurden die Unternehmungen der Holländer befördert. So konnte Amsterdam bald die Juden, welche Reichthümer und Wcltkenntniß dahin verpflanzt hatten, nicht mehr entbehren. Die veralteten Voturthcile gegen si« schwanden daher im nähern Verkehr »lit^ihncn immer mehr; d.'nn die eingcwandcrtcn Juden verricthcn durch ihre gebildete Sprache, ihre Haltung nnd Manieren nicht, daß sie einem unterdrückten Volksstamm angchörtcn. Sic traten vielmehr durchweg alö Gelehrte »der Edcllcntc auf, und wurden mit einer gewissen Vorliebe behandelt. Bald wuchs ihre Zahl zn mchrcrn hundert Familien an, deren Nachkommen noch heute eine ansehnliche Gemeinde rcpriscntircn. Es vcrstand sich von selbst, daß diesen Einwanderern die Erlanbniß zw Erbauung von Gotteshäusern leicht gestattet wurden. So wurde nachdeni sie fast 80 Jahre lang in mehreren kleinen Synagogen ihren Gottesdienst verrichtet hatten, in Anbetracht der stets znnchmcndcn Mitglicdcrzahl, wie oben angegeben, in den Jahre» 1670 — 75 ein neues GottcShauS errichtet, dcflcn imposante Größe, »erblinden mit edel einfacher Bauart und reicher Ornamentik , damals von jüdischen und christlichen Zeitgcnoflen besungen wurde and das noch heute von fast jedem Besucher Amsterdams in Au^nschein genommen wird. In derselben Synagoge wird seitdem nach alt herkömmlichen Gebrauch täglich ein dreimaliger GotteSdietst abgehalten, der in seinen Melodien und namentlich durch die i» vielen Gebetstellen beibehaltene spanische Sprache an die bemerkaiSwerthe Vergangenheit dieser Gemeinde erinnert. — Obs. —