Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1868-08-27 · 19 (27.8.1868) · p. Seite 201

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
19 (27.8.1868)
Date
1868-08-27
Page
Seite 201 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4890378-5433912-5433933--095-4890460
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Halbjährige- Aboa- «ratnt für Prag und die Provinz inklusive Anstellung ins Haus oder Postverseadung ö. W.. . Ist--Ist kr. sür's Ausland IThlr. Die Redaktion und Administration Ritter« gaste Rro. 408 — l wodin olle Briefe u. Geldsendungen zu richten sind. Tie „Gegenwart" erscheint zweimal im Inserate werden dilww ^iiww||wi #uviu«vuhu>. Monate n.z.jedcn2. ligft berechnet. Expedition für den gesammten Buchhandel 95k,n Seiner in Leipzig Berlagdbiichhandlnug. und l. Tonurrftag Gegenwart. Hrgan für die Znteressen des Zudenthums. Nro. 19. Prag 27. August 1868. 1. Iahrg. _r- Inhalt: Leitartikel: Das Prager Ifraeliten-Spnal. /Xli majorem rabbiuorum gloriam. Correspondenz: Hermanmcstec. LocalrS. — Auswärtiges. Kunst und Literatur. — Wohlthätigkritsalte. Vom Büchertischr:— Nelrologie. Nachtrag: Ein Fragment israelitischer Geschichte. Feuilleton. — Inserate — Das prager Israeliten-Spitat. Unter den Humanitären Anstalten im Allgemeinen, nimmt ohnstreitig ein Spital den ersten Rang ein, und ist cS nicht nöthig diese Behauptung erst zu begründen, wenn man berücksichtigt, daß es jene Stätte ist, in welcher der Mensch sein TheuersteS, — die Gesundheit zurückcrhaltcn soll. Als ein solches humanitäres Institut verdient jedenfalls das prager Ifraelitrn-Spital eine besondere Beachtung, die sich unserem unbefangenen Auge umsoweniger entzieht, als wir Gelegenheit hatten, die Spitäler in Paris, Wien, Pest, Brünn und das allgemeine Krankenhaus in Prag zu besichtigen, um mit jener, dem Verhältnisse entsprechenden Rücksicht, über das Jsraelitcn-Spital zu urthrilcn. Wir hatten aber auch Gelegenheit die innern als äußern Räumlichkeiten desselben in Augenschein zu nehmen, Kranke zu besuchen, um uns von denselben über die BchandlungSweise von Seite des Sani- Feuilleton. Eine alte Synagoge. DaS hochragende Gebäude, welches am Holznurkt zu Amsterdam weit über die benachbartcil Häuser hinblickcud die Aufmerk, samkcit des Frcniden erregt, ist die Synagoge der pwtugiesischen Juden. Aber inchr noch als durch seine architektonische B'dcutung, ist dies Gotteshaus durch die Verhältnisse, unter denen es crrihtet wurde, merkwürdig. Es wurde erbaut und eingcweiht iy den Jahrer 1670 — 75 einer Zeit, da man sich noch in keinem Staate der Welt zur Idee der religiösen Toleranz aufgeschwungcn hatte. Mästend die Juden anderswo entweder gar nicht geduldet wurden, oder als eine auSgestoßene Kaste in abgesonderten Gasten wohnten und ih:en Gottesdienst nur in unscheinbaren, versteckt liegenden Lokalen cbhalten durfte,», wurde ihnen in den Niederlanden ungehinderte Bevegung in Handel und Verkehr und stete Rcltgionsübung gestattet, freilich hatten die Niederländer unter Spanien- Oberherrschaft die Geißel de- ReligionSfanatismus allzuschwer empfunden und ihre Freiheit vom Joche Philipps II. und seiner Henker mit zu großem Opfer erkauft, um das Recht der steten Rcligionsübung bei Andem zu misachten. Bar doch das Land, aus welchem die Abkömmling'. Js. tütspcrsonalcS, über die Küche u. s. w. insormircu zu laffen und wir können nnd müssen mit Recht sagen, daß wir sicht«! lich erfreut, dasselbe in dieser Rücksicht mit vollster Befricj digung verlassen haben. Eine bis in's Minutiöseste gehende! Reinlichkeit in de» Gängen, Krankenzimmern überrascht eben I so sehr, als die Reinlichhaltung der Kraute», die sowohl einer guten ärztlichen Therapie als der Pflege im Allgemeinen cxponirt sind. > Haben wir nun die Lichtseiten dieser Stätte der Leidenden in'S Auge gefasst und sie der 9stffciitlichkcit zur Kenntniß gebracht, so müssen wir ex officio auch die Ucbelstünde hervorsuchcn, auf sie anfmcrksam machen, um auf Beseitigung derselben hinzuwirken. Bevor wir jedoch dieselben entfalten, ist cs vor Allem nothweudig, in übersichtlicher, wohl etwas flüchtiger Weise nach rückwärts zu blicke::, um desto besser nach vorwärts zu kommen. Rach dem Absterbcn d^ Herrn Mod. Dr. Kerpal, des als Wundarzt rcnommirtcn H.^ Humpolctz und nach dem Austritte dessen Sohnes ans der SvitalSpraxiS, trat die Krankenanstalt in eine neue Phase. Es wurde eine Spitalskommission ernannt. Zur selben Icit crbolh sich ein erfahrener praktischer Arzt ans HumanitätS« rücksichtcn, dem Spitale gratis zu dienen und seine Opserwitligkeit mit keiner Bequemlichkeit zu verbinden, mit einem Worte seinen Dienst so zu behandeln als wäre mit demselben ein Honorar verknüpft. Die Eommission wahrscheinlich befürchtend, daß die Suprematie nur eine Schcinsnprematie und der leider bei den Israeliten so gern gchandhabte Imperativ abgeschwächt werden tonnte, machte von dem humanen Anerbieten keinen Gebrauch, und cö wurden zwei gra- Scheitcrhaufcn, welche in de» Riederlaiidci, gewüthet hatte». AuS Spanicn und Portugal flüchtete» die Bekenner des JudcnthumS in das Land, das den Tyrannen ihrer Hciniath gcdcinüthigt hatte. Nachdem im Jahre 1580 Portugal von Philipp II. annectirt worden, verfuhr dieser gegen die Aniiänger dcS Mofaismus mit derselben grausamen Strenge, wie in seinen Erblandcn. Längst schon hatte kein Jude mehr gewagt, sich öffentlich zur Religio» Heiner Bätcr z» bekennen; aber die GlaubenSdcSpotic Pi>ilipps 11. beruhigte sich nicht bei dem bloßen Verbot, sic spürte durch die Helscrshelfrr der Inquisition die verborgcndstcn Schlupfwinkel auf, in denen jü> difchc RcligionSgcbräuche geübt wurden und überlieferte dir Entdeckten ohne Unterschied des Alters und des Geschlechtes zu Hunderten dem Scheiterhaufen. Unter solchen Umständen scheuten die Juden der iberischen Halbinsel keine Gefahr, um zu entkommen und in irgend einem Winkel der -Erde Freiheit und Duldung zu suchen. Ein beherzte« portugiesische« Weib, Mayor Rodriguez, schickte sich mit ihrem Gatten, GaSpar Lopez Homeni, ihren Söhnen Manucl und Antonio Lopez Prreira, und ihren Töchtern, Maria Nunes und Justa Lopez Pereira, im Jahre 1500 zur Auswanderung an. DaS Gcschwisterpaar Manuel und die durch Schönheit ausgrzeichnete Maria, schifften sich mit ihrem Oheim Miguel Lopez und einem Freunde der Familie, Jakob Tirado, ein. Unterwegs wurden sie von einem mgltschen Schiffe, das Jagd auf die spanischportugiesische Flagge machte, gekappert und als Gefangene nach London geführt. Dir Schönheit Martens bezauberte den Lapttäa

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.