Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 18 (13.8.1868)
- Date
- 1868-08-13
- Page
- Seite 198 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4890378-5433912-5433931--091-4890457- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
108 thätige« Zwecken vermacht: dem warschauer jüd. Hospital 1590 Rubel, den Schutzhäusern Nr. 1 und Nr. 2 je 700 Rubel, einer Synagoge 500 Rubel, der neuen Synagoge zu Krakau 600 R., zur Herstellung einer Mauer um den jüdischen Bcgrübnißplatz zu Prags (Warschau) 12000 R., dem Vereine o'viip 500 מלנ׳ש R., als Beisteuer zur Bestreitung der Gemeindrbedürfnisse in Praga 2600 R., der Gemeindekasse Warschaus 300 R., dem christlichen WaisenhauS 1000 R., dem protestantischen Hospital 650 R., zu verschiedenen andern Zweckm 35100 R., außerdem hat er noch rin Kapital von 25000 R. als ״Jakob-Stistung" auSgesetzt, dessen Zinsen an solche Kaufleute ohne Unterschied der Religion vcrthcilt werden sollen, die unvcrschuldcterweise ihr Vermögen verloren haben; auch sollen von diesen Zinsen einige Stipendien der studircnden Jugend gegeben werden. Lin Fragment isr, Geschichte?) Der Zufall ließ in meine Hände ein, in hebräischer Sprache verfasstes, vom Jahre (2":xv) 1612 (?)**) datirteS Manuskript kommen. Obwohl der Zufall vielleicht nicht das allgemeine Interesse erregen würde, so dürfte doch die damalige Vngc der Israeliten in vielen Staaten Europas am Beginn des 17. Jahrhunderts, besonders im Ellkassischcn einige Thcilnahmc erwecken. Man kann dieses Manuskript nicht lesen, ohne eine tiefe Verehrung gegen un« scre unglücklichen Brüder zu fühlen, die trotz der äußerst drückenden Vage, worin sic lebten, doch uucrschütterlich an ihrem heiligen (Glauben hingen. Der Verfasser dieses Manuskriptes heißt Ascher Sohn des Elieser Vevy, jetzt in Re ich Sh offen. ~ Lesen wir nun seine Biografie, die er selbst nicderschrirb, so berichtet er in de» ersten Seiten das, was er von seinen Eltern gehört habe, und zwar von seiner Geburt im Jahre 1599, von seiner Kindheit bis zur Bar Mizwa 2'xp 1612. Von diesem Jahre an schrieb er seine eigenen Erlebnisse, n.id jene der Umgebungen RcichShoffcnS bis zum Jahre (׳ט״צה) 16351 Er wnrdc in UlSheim, bei Hanovcr geboren, und seine Eltern verließe» nach seiner Geburt das Vaud, um sich in Eldurf (אדורף) bei Metz nicderznlassc». VerwandschaftSbande mit einer vornehmen Familie vcraulasstcn seinen Vater, welchcr bis jetzt in sehr kümmerlichen Verhältnissen lebte, nun aber in bessere Umstände kam, in Lothringen zu wohnen. Er änderte daher seinen Wohnort und ließ sich in Eich, einem Dorfe (Gemeinde Sarni 111c, I)cp. Moselle) nieder. Der jnnge Ascher besuchte die Thalmndschulc deS R. Joseph, S (׳wicgcrsohn deS berühmten Rabbi Jakob Halevi, aus Metz, von seinem kl. bis zum 13. Jahre. Im Monat Elnl 2 ״yr K’>12 verließ er das väterliche Haus um an der hohen Jcschiba (thalmudischc llnivcrsiiäi) Prags seine Kenn(- nissc zu erweitern und zu vervollkommnen. Mau sah damals in der Stadt, so erzählt der junge Ascher, ans den entferntesten Gegenden, anS Polen, Deutschland, Etkaß, Vothringcn etc. junge Leute zu Hunderten strömen, welche sich mit dem größten Eifer dem tiefen Studium des ThalmndS widmeten, sic scheuten keine Reiscgefahr — denn die S!rasse» waren dainalS nicht sicher, und hatten auch mit großer Roth und anderem Elende zu kämpfen. U»scr junge Ascher kam, nachdem er viele Entbchrun« gen, Trübsal und anderes Ungemach auf dem Wege zu erdu.ocn hatte, in der Mitte Marchcschwan glücklich in Prag an, lind stieg bei Rab>׳i Servil Pcrcz Hacohen, seinem Oheim mnttcrlichrrseitS, <!&. r a besuchte er den Schiur (LcyrkurS) de- Beth-Hamidrasch, damals unter der Leitung vom R. Wolf Daian und R. Lewel Peschta. Am Anfänge des Monates Ab 1613) ש*ענ) brach eine schreckliche Pest in Prag aus. Massenweise flohen die Ein« wohner, daher auch die zahlreichen Schüler der Lehrhäuser, und zerstreuten sich nach allen Richtungen. Die Atadt wurde beinahe leer. ״Auch ich erzählte er weiter," begab m:ch mit zehn meiner Mitschüler nach Frankfurt, um da daS Aufhören der Pest abzuwarten. Einige Zeit vor dem Paffahfefte l'xtp (1614) begab er sich zum zweitenmale, mit einem seiner Kameraden MoseS den Kafman Werth, nach Prag. Auf dem Wege wurde er von vier schwerbewaffneten Räubern, nicht weit von der Stadt, angefallen. Sie raubten un- Allewas wir besaßen, unsere Kleidungsstücke, unsere geringe Baarschaft, fährt unser Studiosus fort, so daß wir von Allem entblößt waren. Auf meinen Kameraden machte dieser Schrecken einen solchen Eindruck, daß er noch in demselben Jahre starb, und ich mußte un! mein Leben fristen zu können, mich mit dem Unterrichte in den AnfangSgründen während des ganzen Sommers befaffen.- Der Verfasser entwirft nun eine kurze Skizze von dem Aufstande der Städte WormS und Frankfurt gegen die Juden und ihrer einstweiligen Verbannung. Diese Geschickte ist zu bekannt, sagt er, um noch ein Weiteres davon zu sprechen. Nachdem er noch die Jeschiboth von Prag und Fürth bis in einem Alter von 19 Jahren besucht hatte, begab er sich nach Bissing, unweit Metz, wo seine Ellern wohnten, um seine Studien bei dem berühmten Rabbi Aschkenasi Oberrabbiner von Metz, zu vollenden. Nachdem er im Jahre (1619) als Lehrer in einer Landgemeinde, nahe bei dieser Stadt sungirte, begab er sich in derselben Eigenschaft im Winter (1620 (שיף in die kleine Stadt Dachstein im Elsaßischen. D a ch st e i 11, ein Marktfleck im Bezirke Molsheim (Niederrhcin), war im 14. Jahrhundert eine bedeutende Gemeinde, die einen Rabbiner hatte. Man sieht noch jetzt einen Grabstein auf dem isr. Begräbnisplatze in Nosenwillen von eincm Rabbiner von Dachstein. Die schrecklichen Niedcrmezzungen der beinahe ganzen Judenschaft von Elsaß im 14. Jahrhundert, wo am 14. Feber 1349 man in Straßburg allein 900 Juden verbrannte, erstreckte sich auch auf Molsheim und Dachstein. Einigen Familien, dem Schwerte und Scheiterhaufen entronnen, gelang eö in Dachstein eine im 15. und 16. Jahrhundert bedeutende Gemeinde zu gründen. Man konnte noch vor einigen Jahren in Dachstein mehrere, an den Thürpfosten einiger Häuser angebrachten Einschnitte zur Anbringung der Mcsusoth sehen, die in der Folge ver« schwunden sind. Seit 180 bis 190 Jahren bewohnen die Juden nicht mehr diesen Ort, indem sic sich allmählich in die benachbarten Gemeinden begaben. Am Mittwoch 25. Adar Schein 1620) ש״ף) verlobte ich mich als ich in ReickShoffcn war, mit M a l k a, einer Tochter des Gemeindevorstehers Elieser bar Mosche Lippmann ReichShoffer genannt, welcher sich verpflichtete, seiner Tochter 800 Gulden nebst dem Hause seines Vaters als vollkommencS Eigenthum, ferner Möbel und Kost zu geben. (Auf wie lange die Kost gegeben werden sollte, war nickt festgesetzt.) Die Hochzeit wurde auf Mitwock, nach dem Wochenfcste bestimmt. Ich begab mick neuerdings im Sommer 1620 יע״ף nach Metz zu meinem alten Herrn. Am Dienstag am 23. TamuS rr״atr»kam ich nach Walk, bei Psaffenhoffcn; man hatte mich schändlich bei meinem Schwiegervater vcrläumdet, so daß er im Begriffe war. dieses Vrrhältniß anfzulösen; allein der Allgüt igc verhinderte es. In Metz blieb ich, und hier ereignete sich folgendes: Am Dienstag des3.blarekeackwan שש״ב kam ein Sekretär des Herzogs von Loihringcn in der Dämmerung und verlangte den Gemeindevorsteher -zu sprechen, er wurde in das HauS des R. Salomon ParneS geführt, wo er angab, daß die Ursache seines Besuches wäre die jüdische Gemeinde zu Frankfurt am Main von einer gegen sie eingeleiteten Verschwörung zu retten. Am Dienstag de-selben Monatkam ein sehr vornehmer Herr, in Bcglei«