Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 18 (13.8.1868)
- Date
- 1868-08-13
- Page
- Seite 197 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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-197— %* Am 9. d. M. hat, Herr Moritz Wallerstein auf -Empfehlung deS H. Obercantor PereleS einem vortheilhaften .Engagement einer deutschen Gemeinde in London folgend, Prag verlassen, um dort als Cantor zu fungiren. %* Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Adolf R a b e r hielt am 25. Juli und 1. August im Tempel der Borstadt Smichov der Geburtsstätte desselben zwei Gastpredigtcn, die wir, was Geist, Sprache, talmudisches Wissen, und Vortragsweise betrifft, als meisterhafte bezeichnen können. Wir müssen bedauern, daß grade solche Geister in den bescheidensten Winkeln deS Landes nicht die erwärmenden Sonnenstrahlcn des Glückes genießen und oft oberflächliche Kanzelredner in der Hauptstadt existiren. ES wäre dem mit besonders gewinnendem und dabei -imponirendem Exterieur begabten Rabbiner, der durch viele Jahre der Gemeinde in Veruze (Slavonien) mit wahrer Hingebung und Opferwilligkeit gedient; jedoch durch Fackilienverhältniffe sein langjährige« Domicil zu verlaffen genöthigt war, zu gönnen, daß er auf eine große Gemeinde auflreffe, die ihn mit Stolz den ihrigen wird nennen können. *** DaS hochwürdigc Fürst erzbischöfliche Consistorium hat dem Herrn Samuel Pollak, Lehrer an der isr. Hauptchule in Tachau wegen seiner ersprießlichen Leistungen im Lehrfache durch das Haidauer Vikariat ein anerkennendes BclobungSdekret ertheilt. *** ES ist schon oft und namentlich in letzterer Zeit vorgekommen, daß Parteien zum Behufe der Vollziehung deö TrauungöakteS sich an Sr. Ehrwürden H. Rabbiner Freund um die Trauungsdelegation persönlich gewendet haben. Da wir es schon an und für sich verständlich finden, daß der Rabbiner dem zum Trauen nicht befugten Prediger dclegirt, nicht aber der Partei, die getraut werden soll, so müssen wir es als einen Taktfehler nahezu als eine Beleidigung gegen den Rabbiner und gegen die Partheien be zeichnen, daß sich die, welchen delegirt werden, soll, den ersten Rabbiner nicht für würdig halten, selbst vorzusprechen oder schriftlich anzusuchen und die Partheien zu ihrem Lakai machen. Ja freilich dann^ erfordert eine Ehre die andere! *#* Am 12. September d. I. findet die Einweihung des neuen israelitische»« Tempels statt. *** Montag den 17. August. 8 Uhr Morgens findet auf dem israel. Gottesacker zu Wolschan die übliche Dcrascha statt. Mit Abhaltung derselben hat der Vorstand der Beerdigungöbrüderschaft den Krcisrabbiner Herrn Haller betraut. Auswärtiges. JnLiffa bei Brandeis fand verflossene Woche eine jüdische Hochzeit in feierlichster Weise statt. Sr.Ehrw. Hr. Rab. Bondi aus Brandeis hielt eine böhmische Trauredc, »vährcnd er den Segen ablvechselnd in hebräischer und böhmischer Sprache crtheilte. Nach Beendigung dieser erhebenden Feierlichkeit, deren Schluß mit Pöllerschüssen bekannt gegeben »vurde, brachte das Volk den böhmischen Israeliten ein „Släva“ aus, und der Rabbiner wurde unter „diaräar"rufen anf den Armen getragen. Wien. Am 20. Juli Vormittags 10 Uhr starb auf ihrem Landsitze zu Hietzing, die durch die Gründung einer Kinderbewahranstalt in Jerusalem in den weitesten Kreisen bekannte Frau Elise Herz, geborene Edle von Lämmel. Dieselbe hinterlässt ein bedeutendes Vermögen, das sie dem Vernehmen nach zumeist zu Legaten und wohlthätigen Stiftungen testamentarisch bestimmt hat. Pesth. Auauthentischer Quelle erfahren wir, daß das Wahlstatut zur Einberufung deS jüdischen Landeskongresses Sr. Lxellenz dem Herrn Kultusminister bereits zur Sanktion unterbreitet ist, und wurde das aktive und passive Einberufung wurde auf den 3. November anberaumt und wird die Eröffnung der Sitzung ack>12. erwähnten Monatstattfinden. Mit der Üeberwachung der Wahlen werden die Obergespäne in ihren resp. Komitaten betraut werden. Der Veröffentlichung der Wahlstatuten wird nächster Tage entgegensehen. (Mz. ZS.) Paris. Das Eonsistorium hat zum Obcrradbiner Herrn Zadok Kahn, den Direktor der Talmud Thora, den letzten und jüngsten der Kandidaten, bestimmt. Herr Kahn ist ein Mann von Talent, Theolog, Schriftsteller und ein guter Prediger und cs wäre zu »vünschen, daß inan in ihm einen neuen Rabbi Elcazar den Azaria fände. Paris. Zwei Jsraclitcu von Pari» haben sich neulich duellirt, einer wurde verwundet. Uuwillkührlich muß man hier die Worte Moses ausrufen: Ruchloser! waruin schlägst du deinen Bruder. Paris. Herr Doktor Markus See, Chirurg de» Spitals in Paris, wurde zum Chef der anatomischen Arbeiten bei der medizinischen Fakultät ernannt. Paris. Herr Hein Benjamin, Kapitän im 2. Genieregimcnte, wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, London. Sir Moses Montefiorc hat trotz seine» hohen Alters die Präsidentschaft de» Board of Dcputies wieder angenommen. London. DaS Unterhaus votirte eine Bill um die Zulassung aller Doktoren, »velchein Glauben sie auch angehören, zu den Lehrkanzeln an den Universitäten von Oxford und Cambridge. *>■*- Moskau. Herr Samuel Palikaiv lässt hier eine Syna goge auf eigene Kosten erbauen, die Auslagen belaufen sich auf 100000 Rubeln. Warschau. Herr MargulieS, ein Warschauer Bürger jüdischer Confession, promcnirte mit seiner Ehehälfte im „Sächsischen Garten" zu Warscha»», und zivar in neuen Beinkleidern. Plötzlich sieht er sich einem Manne gegenüber, der ihn in russischer Sprache ungestüm anfährt und die Beinkleider de» Margulies al» ihm cutivcndel reklamirt. Vergebens gab der arme Mann Namen und Adrcffc seines Schneiders an; er ititb feine Ehehälfte wurden vor Gericht geschleppt. Hier »vurde ein Protokoll aufgenommcn, und da der Kläger, »vie eS sich bei Gericht herauSstelltc, ein russischer geheimer Polizist »var, so »vurde die streitige Angelegenheit dahin erledigt, daß Margulies in» GerichtSsaalc angesichts seiner Ehehälfte, die neuen Hosen anszichcu und ohne Beinkleider von der Promenade heiinkchren mußte. Wilna. Die Juden erlitten durch den Tod des jüdischen J»»del Apatow einen empfindlichen Verlust »veil er .‘100 armen Familien jeden Tag, ohne Unterschied der Religion daS Brod zuin halben Preise gab. lieber 20.000 Menschen gaben ihm das Geleite. New-Hork. In den »vestlichen Distrietcn der Vereinigten Staaten ist großer Mangel an Mo he lim. So musste ein Kind ans dortiger Gegend über tausend engl. Meilen »veit gebracht lverdcn, damit c» beschnitten »vcrdcn konnte. (Iew. Mess.) Kunst und Literatur. — Der französische Rabbiner Michel Weil hat soeben den 3. Band seine» großen Werke». »Da» Judenthum, seine Dogmen und seine Mission" veröffentlicht. Wohtthätigkeitöaktc und Stiftungen. — Bor Kurzem starb in Dresden der Banquier Jakob Platow im Alter von 68 Jahren. Der Verstorbene wurde nach Warschau gebracht, um,iu stiner Vaterstadt begraben zu werden.