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Die Gegenwart · 1868-08-13 · 18 (13.8.1868) · p. Seite 194

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
18 (13.8.1868)
Date
1868-08-13
Page
Seite 194 (sequence 4)
Language
German
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194 schlechtgekeiteten Theater nennen konnte. .Hat maa doch sonst keinen Oneg Sabbath," heißt e-, als das Bischen Gesang in Tempel; und nachdem die Jude» nicht mehr bei einander wohnen, kennt man die Vorgänge in der Kehillah zu wenig, um für sein schweres Geld der Kultussteuer außer der Predigt n„ch irgend Stoff znm amusirenden Klatsch zu habenJ" Wozu sollte und soll aber auch der religiöse, d. h. der heb« räische Unterricht; jene Unmittelbarkeit de« VerhältniffeS zwischen Mensch und Gott, die der Jude stets so hoch hielt und welche dem Neophiten als besonderes Charakteristikum deS JudenthumS bekannt gemacht werde» muß, mit welcher der liebenswürdige Kompert manche Unzukömmlichkeit in den alten Synagogen entschuldigt, sic ist unserer heutigen Jugend ziemlich abhanden gekommen. Unsere Jugend hat in denmodernen Tempeln sich de« SclbstbetcnS entwöhnt, zufrieden, wenn sie eine Forcemelodie dem Kantor und Chore nachtrillern, dem Prediger einen Witz nacherzählen kann. Sie Überlässt Beten und religiöses Wissen denjenigen welche dafür angestellt und bezahlt werden, und parodirt so die alten Israeliten znr Zeit Samuels; sic begibt sich um anderen Völkern zu gleichen, ihrer religiösen Selbstständigkeit wie jene einst sich ihrer bürgerlichen Selbstständigkeit begeben haben. Daß solche Vorgänge das religiöse Bewusstsein und Gefühl zu stärken nicht im Stande waren, ist wohl begreiflich; begreiflich aber in Folge dessen ist auch die sonst in der Geschichte ganz unerhörte Erscheinung, daß das Judenthum sich in dem Augenblicke gefährlichen Schwankungen unterworfen zeigt, wo dasselbe von dem Zwange der Bevormundung befreit wird, daß demselben Schisma und Zerfall in dem Augenblicke wie anderen EonfessionSgenosscnschaften drohen. In Ungarn spitzt sich der Streit zwischen Orthodoxie und Nichtorthodoxie (Reform kann das Vorhandene kaum genannt werden) immer mehr zu, und man wird von Glück sagen können, wenn kein Scktcnthum daraus entsteht, die in Wien vorgekvmmcne Forderung der Ausnahme in den Verband des JudenthumS nach verweigerter Beschneidung ist mehr als abnorm, und hier in Prag tritt nur darum kein Zwiespalt zu Tage, weil dazu doch einige Ereiferung gehört, und weil da keine Unordnung verspürt werden kann, wo seit lange schon eine Ordnung kaum wirklich vorhanden ist. Und noch sitzen uns die neuen StaatSgrnnd und confessionetten Gesetze wie ein neues Kleid, daS bei aller Be qnemlichkeit die es zu bieten geeignet ist, durch Ungewohntheit genirt; doch darf man nicht zweifeln, daß nach Hebers Windung der ersten Scheu sich die thatcnfchwangcrc Erregtheit, die unserer Zeit eigen ist, auch auf jüdisch religiösem Gebiete niit voller Kraft wird geltend machen. Nachdem der j Zwang für das Religiöse aufgehört, wird auch der Wider- \ Wille ober die Gleichgiltigkeit gegen das Religiöse, ° das mit seiner ewigeü Kraft und Herrlichkeit unverwüstlich bleibt, aufhören, einzelne bevorzugte (Geister werden sich immer und immer wieder finden, die durch beredtes Wort und muthigc That Viele begeistern und mit sich fortreißcn werden, und selbst die dcstrnctive Tendenz der Zeit macht uns nicht bange. Gibt cs doch des unschönen und unnützen Schuttes, der in alter, neuer und neuester Zeit angehänft wurde, genug weg zuräumen, gibt es doch der ohne Sinn und Schick angcfügtcn Schnörkelcicn genug zu entfernen, bis daö prachtvolle Gebäude der Religion in seiner einfachen und reinen Majestät sich wieder der Bewunderung deS Anschaucndcn bieten kann. Und von der Bewunderung zur- Erwärmung, von der Erwärmung zur innigen, anhaltenden Glut sind die Ucbcrgängc nicht weit und unvermittelt. Pflicht aber ist es der Israeliten unserer Zeit, ihren Kindern eine gründlichere religiöse Bildung angedcihen zu lassen, damit die hohle Phrase nicht deren Gemüther beherrschen könne, damit nicht jeder Schwärmer, oder der als solcher thut, durch Maulheldcnthum sie Zielen entgegen führe, die weit, weit ab von der Mission des JudenthumS, von den unschätzbaren Erbe unserer Väter führen. Pflicht der Gemeinden selbst aber ist eS. sich derart zu constituiren, und .ihre Institute derart zu begründen, daß tu denselben selbst verschiedene Ueberzeugungen, wenn sie nur ehrlich und dem Judenthume nicht gerade zuwider sind, sich auSsprechm und faktisch kundgeben können. Ist nur dafür gesorgt, daß nicht durch allzuhartes Auseinanderplatzen der Parteien Brüche durch all zu strenge Scheidung unheilbare Riffe entstehen; so wird auf dem Wege der Friedlichkeit die Einigung wieder gefunden werden, und Israel wird bleiben, was es zu seinem Ruhme von jeher gewesen. Ein Volk. . . I. Aabbi Michael Sachs. Das Urtheil des Prof. vr. Lazarus über M. Sachs, (Vorwort zu „Stimmen u. s. w.") hat in allen Lagern Israels Bestemden und Mißfallen erregt. Dem Herausgeber scheint es räthsclhaft, daß der so edle und gründlich gelehrte Sachs sich so abweisend gegen die Reform- Bestrebungen im Judenthum verhalten habe, und will daS Räthsel damit lösen, daß er dem verklärten Freunde „p o etische Täuschungen" aufbürdet. Geiger (Zeischr. f. Wisscnsch. u. s. w. 1868 S. 63 ff.), weist diese Lösung mit Entrüstung zurück und sieht in Sachs nur den Rachdichter (Romantiker,) der ans Beschränktheit in Gewesenes und Verwestes, in Rohes und Starres sich versenkt, um eS als mnstcrgiltig zu erwecken oder zu erhalten. Der Reecnsent in der Frankel'schen Monatschr. (1868 S. 196) spricht sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß der Herausgeber gerade den Eingang dieses Buches sich gewählt, um ein so zweideutiges Lob, das dem härtesten Tadel glcichkommt, dein Werke anzuheften, das seiner liebenden Sorgfalt anvertraut war, da all' die glänzenden Verbrämungen die Flecken nur schlecht verhüllen, die er an dem Bilde des entrückten Freundes anfzuweisen sich bceifcrt. Auch der Eorr. in Lehmanns ..Israelit" (1868 S. 532) rügt die Sinneswandlung uns daö jetzige Gebühren des Prof. "L... mit scharfen Worten. Wir wollen unS hier nur eine kurze (nicht zu unterschätzend ') Bemerkung erlauben. Vor Allem hat der große Psycholo , in dessen-Ressort unstreitig die „Denklehrc" gehört, einen nicht geringen logischen Fehler gemacht. Zuerst sagt er, Sachs habe Alles „im Nebel" gesehen und „für viele Dinge kein Berstündniß" gehabt; dann aber kommt,.die Behauptung, „S." sei nur aus Opposition ein Anhänger der gesctzeStreuen Juden gewesen! WaS aber die aufgeworfene Frage selbst betrifft, so ist uns Sachs (eben so wie „S. D. Luzzatto und „S. L. Rapoport" u. dgl. A.) nie ein Räthsel gewesen. Denn gerade das, was dem Prof. „L." unbegreiflich schien, nämlich, daß ein Mann, heimisch im Geiste des claffischen AltcrthumS, auf der Höhe humanistischer Bildung der Zeit, vertraut mit der Entwickelung der Philosophie, — so abschließend sich verhalten konnte gegen die Reforinbestrebungen der Gegenwart in Bezug auf daS jüdische Leben; gerade dieser scheinbare Gegensatz, der vom Herausgeber durch die „poetische Natur.^entschuldigt und von Geiger als Schwäche bezeichnet und verdammt wird, beweist zur Genüge, daß Sachs cs verstanden, die unbefangene, ernste und besonnene Forschung zu pflegen, die tendenziöse Kritik aber, — die Halbwisserei und die Oberflächlichkeit von sich und seinem Wirkungskreise fern zu halten. Das 4! e g i r e n ist leicht, aber es hat keine Berechtigung; der wühlende Zweifel führt zur Zerklüftung oder zur Stagnation des Geistes. Die BcqucmlichkeitSlheorie der modernen Wühler und Stürmer gab stets Veranlaffung zur Denkfaulheit und Unkenntniß, während Männer wie Sach S, Luzzatto, Rapoport, Zunz, Steinschneider durch unpartheiische und besonnene Kritik die GeisteSthätigkeit erweckt und erhalten. Diese Wahrheit verdient allenthalben erkannt und beherzigt zu werden. Bergl. noch unsere Bemerkungen (Rro. 1, 8, 10 nnd 12) zu Rapoport 'S Brief

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