Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 17 (23.12.1868)
- Date
- 1868-12-23
- Page
- Seite 187 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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187 meinde unmöglich au-reicht. Auf Anregung deum gemeinnützige- Wirken vielverdienten Herrn S. I. S ch w a r z hat sich ein Eomite. bestehend auihm und den Herren Salomon Goldschmidt, M. Simon Rosenbacher, vr. Ludwig Tede-co, und Prof. vr. Wolfgang Weffely, gebildet,-dazugleich be reit ist, mildthätige Spenden entgegenzunehmen. Mögen die hochherzigen Männer in Israel ihre hilfreiche Hand bieten, die sie nie zurückziehen, wenn esich um eine so heilige Zache handelt! V Herr Direktor S. Siuger hat von der hohen k. k. Statchalterei die Conceffion zur Errichtung einer kaufmännischen Schule erhalten. V Die Statuten des neu zu kreirenden ifr. Lehrervertim\ wurden, da mehrere Punkte, welche da- Vereinsgesetz fordert, fehlten, von der hohen k. k. Statthalterei zurückge-, wiesen. Doch ist die Ergänzung an ihnen bereitvorgenommen worden und die neuerdings eingereichten Statuten harren ihrer Erledigung entgegen. \* Der in New?)ork erscheinende „üebrev veader" bringt folgende für die Prager Israeliten nicht unintereffante Novität, nämlich: »Auf Vorschlag de- Rabbiners vr. Hübsch hat die Gemeinde (Ahawat;h Chesed) in der am letzten Sonntag, stattgcfundenen General-Versammlung die Xichtseier der zweite» Festtage und den drei jäh r i ge n Vor lesung -- cykluS so wie die Einführung eineneuen Gebetbuches beschlossen." — In Europa Frömmler, und Heuchler, Augenverdreher — Orthodoxen spielende Propheten und Seher— Kaum gehen sie über Europa« Schranken — bekommen sie reformistische religionswidrige Gedanken. V »Worte deö Frieden-" so nennt sich eine vor Kurzem erschienene, vom H. MI. 8tud. Ignatz Friedlieber verfasste Broschüre, in deutscher und hebräischer Sprache die gegen den »offenen Brief" des H. N. Liebermann in Ritsche gerichtet ist. Dieselbe wird mit einem Briefe an den Vater de- Verfasserein Mitglied der nach Pest berufenen Notablenversammlung, eröffnet. *** SchuselkaS »Reform" vom 16. Juli schreibt: Die gesetzliche Kirchenfrciheit hat auch in der israelitischen Genirinde bereitzu einem Konflickt geführt. Zwei Väter wollen uju neugebornen Söhnlein in die jüdische Gemeinde ausgenommen sehen, aber an denselben die Beschneidung nicht vornehmen lassen. Der geistliche Matrikenführer verweigert nun die Aufnahme der Ilnbeschnittencn, und zwar nach unserm Urtheil mit vollem Rechte. Wer in eine religiöse Genossenschaft ausgenommen werden will, muß nothwendlgerweisc sich den Statuten derselben unterwerfen, wie dieß ja auch bei jedem profanen Vereine der Fall ist. Nun ist aber die Beschneidung schon seit Abraham daunterscheidende Hauptstatut der jüdischen Gemeinschaft. So lange dieselbe aber nicht von der Gemeinschaft selber abgeschafft wird, kann man unmöglich Einzelnen gestatten, sich darüber hinan-zusetzen und doch Juden bleiben zu wollen. Die Appelation an die weltliche Behörde wird unser- Erachtens nichtnützen, denn wenn es auch wahr ist, daß der freie Staat keinen Bürger zur Ausübung einer religiösen Zeremonie zwingen kann, so hat er doch ebensowenig da- Recht, eine religiöse Genoffenschaft zu zwingen, Jemanden aufzunehmen, der sich den Gesetzen der Genossenschaft nicht unterwerfen will. Wir erinnern unhierbei an einem ähnlichen in Hamburg vorgekommcnen Fall. Als dort Range die deutschkatholische Gemeinde gründete, kamen einige Juden zu ihm, welche in die Gemeinde eintrcten wollten, wenn man ihnen die Zeremonie der Taufe erließe. Sic gedachten so in bequemer Weise Ehristcn zu werden. Die Gemeinde hat sie abgewiesen. Auswärtiges. Wie». Am 11. d. M. fand hier der erste Rücktritt eines getauften Juden statt, der im Jahre 1835 zum Ehristenthume überzutreten gezwungen war. Derselbe erklärte, daß er während dieser Zeit keinen Abend vor dem Schlafengehen da- Schema Jisrael zu sagen verabsäumte. Der Akt de» Rücktrittfand im Tempel der innern Stadt statt und Hr. vr. Jellinek sprach, nachdem er den Rücktrctenden nochmals um die freiwillige Widcrkehr in'- Jndenthum befragte und dcffen aufrichtige Reue vernahm, einen darauf bezüglichen mi «ckvdsraed worauf die ganze Gemeinde »Amen" erwiederte. Wir». Zwei Väter sich auf die Staat-grundgcsetze berufend, suchten beim hiesigen Prediger vr. Jellinek um Dispens der Beschneidung ihrer neugebornen Knäblein an; dem einen der Bittsteller wurde wegen erwiesener Kränklichkeit de- Kindedie Unterlaffung de- Beslmeidnng-acteeingeräumt, dem andern hingegen die Aufrechthaltnnq desselben bedeute». Wie» Bon verläßlicher Seite wird der »Morgenpost" der nachstehende Fall mitgetheilt: Eine junge, hübsche Friscurin Frl. W., hat seit Jahr und Tag das Herz tinedreißigjährigen Galanteriewaarenhändler- W. PiSzko au- Nikolsburg in Mähren gewonnen. Da der Liebhaber brav und hübsch war, schenkte ihm die Haarkünstlerin ihre volle Gegenliebe, und nichtstand dem ehlichen Bunde des liebenswürdigen Paareentgegm als die Verschiedenheit de» GlaubenS. PiSko war Katholik, sein Mädchen eine Jüdin — und, waS das Schlimmste: eine glaubenseifrige, treue Jüdin, welche dem Bekenntniß »ihrer Väter" um keinen Preis entsagen mochte. Da faßte denn der Bräutigam den schweren Entschluß, in den »Schooß des anserwählten B.'lkes einzukchren." Bekanntlich wird die Durchführung eines sol chen Entschlusses von Seite des jüdischen Ritus einem Manne etwaschwer gemacht. Unser Galanteriewaarenhändler aber schreckte vor keinem Hinderniß nicht zurück, nahm bum hiesigen Prediger Dr. Jellinek seit Monaten Unterricht in der jüdischen Religion, verrichtete täglich 3 Mal davorschriftsmäßige hebräische Gebet und unterzog sich endlich vorgestern, nachdem er vor dem genannten Prediger, und mehreren Mitgliedern deiSrael. Kultu-vorstandcnochmalseinen festen Entschluß, zum Judeuthume überzugeheu nfltiri hatte, unter den Händen des Dr. Preisach auch der allen männlichen Bekennern dcS alten Testaments aufcrlcgten Operation. (Frdbl.) Wik». Da- Leichenbegüngniß der unglücklichen Frau Emilie H jrschl er, welche letzten Mittwoch durch einen au» der Stift-kaserne gefallenen Schuß getödtet wurde, hat gestern Nachmittags 3 Uhr unter lebhafter Bctheiligung der Bevölkerung stattgefunden. Die Offiziere in eorpure. sowie eine zahlreiche Mannschaft des Regimentes Reischach, welchem der Mann, der den verhängnißvollen Schuß gethan, angehört, gaben der Leiche da» letzte Geleite, Prediger Jellinek hielt auf dem Friedhöfe eine ergreifende Rede. Wie uns von .den nächsten Angehörigen der Dahingeschiedenen mitgetheilt wird, hat da- OffizierkorpS de- Regiment- Reischach Alle» aufgeboten, um dem zurückgebliebenen unglücklichen Gatten daschmerzliche LoS, das ihn getroffen, wenigstenmateriell zu lindern. Da» genannte EorpS hat nicht nur die Bestrei tnng der Leichenkostcn und die Aufstellung eines Grabsteine» übernommen, sondern sich auch anheischig gemacht, für die Erziehung und die Zukunft der beiden verwaisten Kinder zu sorgen. Vorgestern war auch ein Adjutant auder kaiserli chen KabinetSkanzlei in der Wohnung de- Herrn Hirschler, um im Aufträge Sr. Majestät die Verhältnisse der ihrer Mutter beraubten Familie zu erkundigen. . Pest. Die Wahlen zum israelitischen Eoizreß sind auf den 3. Noveinder anberaumt, den Kongreß selbst aber wird der Minister am 12. November persönlich in Pest eröffnen. Papa 15. Juli. Bon dort wird dem »Wdr." geschrieben: Im Lafe Goldschmidt spielten zwei Israeliten Billard und gaben auf die Frage eine» Kürassicrlieutnant-: Wie lange sie noch spielen würden? zur Antwort, daß nach drei Partien da- Billard zu seiner Verfügung stehen würde. Alsie demungeachtet noch zu einer weiteren Partie sich anschickten, sprang der Herr Lieutenant in höchster Wulh auf. riß de« eiae« der Spieler den Queue auder Hand und rief: