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Die Gegenwart · 1868-12-23 · 17 (23.12.1868) · p. Seite 186

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
17 (23.12.1868)
Date
1868-12-23
Page
Seite 186 (sequence 6)
Language
German
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186 au» der Mauer de« Judentumnehmen. Wie schmerzlich ist rfür jene, welche zusehni müssen, wie Alledem Verfalle zucilt, dar- Ehor hat leinen Ornat, der Obcrcantor erbärmlich besoldet, kurz Alles gehl aus Rand und Band. Das ist eine erquickliche Situation? und ich muh offen gestehen, daß sich ein Gerechter in unserer Mitte befindet, der un« noch Trost in unserer zerrütteten l'age verleiht, es ist der ehrwürdige Thalmudis». Herr Juda Löw Porg.S, der eine Zierde unserer Gemeinde ist, aber leider ein solche- Gebühren mit anschcu, mit fühlen muß. Es ist daher wünschenwerth, daß die neue LultuSvcrlretung dieselbe Bahn betrete, wie die frühere, die Alle« aufgeboten hat. um den socialen und religiösen Anforderungen Genüge zu leisten. Locales. %* Schling der Prager Kultus Gemeinde-Repräsen tanz am 12. Juli 1868. Beginn '/.II Uhr Vormittags. Anwesend dir Herren: Georzs'Feigl/vr. Gitschin, Lüden, V. A. Oser«, v. Poriheim, Raudnitz, Singer, Vr. TrdeSco. M. A. Wahle, vr. Wiener. Es waren sonach abwesend die Herren:S.K. Frankl, G. Fischt, G. Schitz, Ignatz Schütz, A. Schwab, I)r. Pribrain, P>-os. vr. Wessely, Zappert. Nachdem dir Protokolle vom Ul. Mai und vom 3. Juli d. I. verlese» und genehmigt wmdrn, wird vom Vorsitzenden zur »enntniß gebracht, daß der Verwaltung des Aimcnwriens über ihr Ansuchen weitere Uw ft. unsgesolgt wurden. Hiir.ns wild zur Tagesordnung geschrillt». Da» Grinch des Sladirathes, die Hvpothek.voi» Hause 186/1 aus die beiden Häuser :>7l/2 und 277/'» zu übertragen, wird über Antrag de» Herrn vr. Wiener, trotzdem der Werth der letzteren Hypothek dem der rrstere» nicht entspricht, doch bei dem Umstande, daß eine Stadlgemeindr wie die Prag» genug persönliche Sicherheit birlhet, genehmigt. Dieser Erledigung folgt der Bericht de» Herrn Vr. Wiener über den Enramar- »nd Deiailabichlnß der JtistnnqveeniögenS-Vcrwal- Inng im Jahre 1867. Au» dem Berichte geht hervor, daß im Lause de» Jobrrv 1867 theil» durch Ausscheidung an» dem Jndrnstlsiungasonde, theil» durch Errichtung neuer Slislunge», iirsbesondere aver durch die Ver größerung de« präg. Antheiles an dem Judensteuer-Überschusivermögeir um 103 683fl. 7'.» kr. angrwachsen n. gegenwärtig 612.742 st. 83/,„ beträgt. Referent, welcher die Rkednungsstlhcung lobt, jedoch »inen unzlgeu Posten von 3<K> fl. oi» irrthiimlich (?) einbezog-n, beanständet, beantragt btt Genrhmtgung der Rechnung. Da» Ersuch de» Herrn Löw Plowitz um Nemniirratio» sür leine Dirnstleistung in der Findelanstalt, wird mit Znwrisnng de» prSliminirten Betrage» erledigt; den beiden Amt« dienern und deni Hanemeister de» jüdischen RaihhauseS wird ans ihr Ansuchen die vorjährige Rcinnncralion bewilligt. Der nächste Punkt betrisst da» niliell, T..»chlad. blznguch desirn Herr Lieben einen Dring lichkellSamrag füllt, d>», zu>olge die Repräsentanz einen Kommissär mit der Leitung de» Qnellbades v»b mit der Besorgung der Beheizung und Brlcuchlung betrancil möge, der dieselbe i» natur» dem Badehäller auSjnsoigrn n»d die Rlpainuir eigenmächtig ba»dhaben kann, ohne jedoch den Betrag von 10 ft. zn überschreiten. Lieben n»lr, stützt da» Gesuch de» Hrirn Badchäiter» Frirdläudcl, indem er ans dessen traun gen Lebenevelbällnisst hinwcist »nd beaniragk, demselben eine jährliche Lubvenlirn von 100 ft. zn verleihen. Nach andauernder Debatte wird der Antrag de» vr. Wiener ans Eingehung in «ne Miethc mir Herrn tvric. ItiiiNi im Pnnzipe an«kaunt und Hcn Lieben er-ncht sich mit üemieibeil pe,>önl>ch in Veibindnng zu iepcn, »nd in der nächsten Sit zung Bericht zu erstatten. Hieran» «selgt der Bericht der Armencom misflo» über ihre neuesten Beschlüsse, über die Modalitäten ocr Frcm denbetheilung »nd üder die Kasiasührung. R es er en t lOsere) ist der Ansicht, daß dir Kassa von de» Beamten und die Bücher von einem Commisiionsmilgliede zn siihren seien, »nd fügt die Beinerknng hiezu, daß über Antrag de« Herrn Leopold Brandei« von der Eommission brschlosie« wurde, die Bltheilnng der Durchreisenden durch den Vorsitzenden vornehmen zu lasten, worauf sich Herr vr. TrdeSeo entschuldigt im Drange anderweitiger Geschäfte diesen Antrag nicht annehmen zu könne». Reftreiii bciont, daß man in der Kanzlei Sorge trage» solle, daß dir Alme» nicht in da« Haut eine« Kommissionemitglirdr« kommen. Wahle wlrderholt seinen schon einmal gestellten Antrag, dir Armen an der Gemeindekasta aurzuzahle», um sie, die ost leidend oder alt sind, beispielsweise nicht aus den Roßmarkt zu einem Eommissionömitgliede Si bemühen. Ich mutz sogen, spricht Redner: Wenn unsere Prager »ltu«-1kasta Manche» umsonst au« gibt, so trifft sie der Vorwurf in gerechter Weise, zumahl aber gegenüber den fremden Armen; denn iusolauge der Arme von Hau« zu Hau«, von Geschäft zu Geschäft bettelt, um die ohnehin belasteten Grwrindemitglisd.r noch mehr zu belasten nnd;n belästigen, finde ich r« nicht degreistlch, daß die Gemeinde sich verpflichten soll, 200 Bettler, deren Zahl im verhällniffe eine geringe ist l Der KommistionSantrag, den Arwm dir Beträge an der Kassa auSzulolgrn, wird angenommen. Uber drei Gesuche um ständige Bersorgung wird beschlossen, die Joachim Wien'sche Stiftung in« Leben treten zu lasten und zwar zweien nu Zimmer einzurichten, während der dritte dem Siechrnhause zu übergeben ist, zu welchem letzteren Zwecke da« Gesuch bneii« au da« städtikchr Eirchenhau» um Ausnahme desselben ergangen ist. Hierauf wird über einen weiteren Punkt der Tagesordnung, bezüglich de» Hauskaufe» zum Zwecke der Erweiterung de« Knabenwaisenhause», verhandelt, vr. Wiener (Referent) meint, daß sich in der Kommisiion, zwei Partheien gebildet hätten. Resrrent der Majorität sei er, der der Majorität H. Georg Feigl. Da» Kapital, welche« un« znr Verfügung steht, ist 34000 ff. 4'/, und #0000 st. 6"/u StaatSpap. Dieses soll zu dem Zwecke angrwendet werden, da« KnadenwaisrnhanS zu erweitern. Die Kommission hatte sich die Frage gestellt, ob es nicht zweckmäßiger wäre, da« Hau» Rro. 830 umzubaueu nnd dir Anzahl der Zöglinge auf 24 zu erweitern; diese Frage wurde vom Baumeister Herrn Kudlaörk verneint. E» wurde daher «in anderer Weg eingeschlagen. Neben diesem Hause befindet sich nämlich «in andere« Nro. 233 al« Vcrlastenschast de« Herrn Samuel Korrtz. Dasselbe ist aber gegenwärtig um den Preis von 17000 fl. zu haben. Auch da berirth die Kommission und rö stellte sich herau«, daß r« geeignet wäre zur Unterbringung eines Waisenhauses und zwar mit 26 Knabe». Au« den Anlagsschrinen ergibt sich, daß diese« Han« jährlichen Zin« 1325 st. adwerfe, und zwar mit 5"/. Absolut genommen, ist 6"/„ Verzinsung aus ein Hau« in der Josesstadt gering und e» soll wenigsten« T/0 adwerfen, wenn r« dem Lrrthe entsprechen soll. Ein Theil der Kommission glaubt, unter dies«. Umständen solle man da» Hau« nicht kaufen aus dem Grunde, weil man e« um 17000 fl. zu jeder Zeit bekommen kann. Die Kommission mußte sich noch eine Frage stellen, nämlich wie wird es fein, wenn diese« erweiterte Waisenhaus bestehen wird, werden dann die Einkünfte vollkommen genügen, um die Auslagen für 2t Kinder zu decken? Referent hat sich auf den Rech- »ungSabichlnß vom vorigen Jahre bezogen und folgende« Präliminar ausgestellt: Gehalte und Remunerationen 800 fl., Verpflegung 3000 st. Bekleidung noo fl. Beheizung und Beleuchlnng 300 st., religiöse Funk- «onrn >7 st. 20 kr., Handwerker 100 fl., Steuern und Stempel 200 Inventar und Bücher 150 fl., diversi 400 fl. also GesammtauSgaVeu: 0467 fl. 20 kr. hingegen betragen dir Einnahmen an Interesse» von Privatcapitaiicn >36 fl. 60 kr. an Interessen von StaatSpapierrn 1139 fl. 20 kr. Realitättticrtrag 700 N. systemisirte Beiträge 618 fl. 49 kr.. Legate 200 fl. , veränderliche Einnahmen 210 fl., verschiedene Einnahme» 6 fl. 71 k>. also Gesammteinnahme 3010 fl. 20 kr. ES ergibt sich daher rin Dkfikit voll 2456 fl. 30 kr. (Da» Präliminare pro 1869 betrug, wa« die GesammtauSgaben betrifft 3226 fl. 20 kr., wa« die Gesammtcinnahmen belrisst. 2686 fl. 41 kr., iomil ein Tkflcit voll 640 fl. 79 kr. Anm. d Red.) Die Interessen der ÄupituiKii znr Errichtung de« nrnen Waisenhauses betragen aber: von 20000 st. 6u/„ Tlp. 1160 fl. von 34000 fl. 4'/,% 102t st. im Ganzen ergeben sich an Interessen der Kapitalien 2184 fl. Im Interesse der Gemeinde wäre e« um statt mit 6% rin Kapital auszunehmen, dasselbe zn veräußern, und in diesem Falle wäre die Rechnung folgende: Kansschilling 17000 fl., Umbau 1800 fl., Requisiten und Einrichtung 1500 fl., UebertragungSgebühr 741 fl. Lumina 21044 fl, zu diesem ist daS baare Geld von 5929 fl. vorhanden, demnach sind noch erforderlich: I6l1b st. Die Majorität der Kommission ha> beschlossen, vorläufig vom Kaufe abznsebrn und man glanbl in 3 oder 4 Jahren, wenn nicht um einen billigen Preis, jedenfalls um denselben da« Hans anznkanfen. Auch vermehren sich während dieser Zeit die Interessen und der Baärfond wird ei» größerer, v. Portheim stellt einen Vertagungsantrag Feigl (Berichterstatter der Minorität) bemerkt, daß sich eine größere Anzahl von Waisenknaben znr Aufnahme gemeldet haben und trägt auf eine Erweiterung des Waisenhauses an, die die Aufnahme von 18 Kin der» ermöglicht, vr. Raudnitz plaidirt dafür, daß mit dem Kaufe zu warten wäre um daS Erträgnis der Staats»', zu vermehren und um da» etwa« Großartige« zu schassen, vr. Gitich in ist gegen die Erbau ung de» Waisenhauses in der Josesstadt, indem er ans die jetzigen Zustände in de,seiden hinwrist. Nachdem die beschlußfähige Anzahl von 12 Mitgliedern nicht vo,handrn ist, kann r« zu keinem Beschlüße kommen. Schluß der Sitzung um '/.I Uhr. V Die öffentliche Prüfung an der pragcr Josefstädkcr Hanpt- und Untcrrealschnlc findet am .3. 4. und 5. August statt. V Projektirttr Synagogenban. Wer sich die Leidcy-geschichte der Juden in Egcr in Erinnerung bringt, welchen Verfolgungen fir in vergangenen Zeiten au-gesetzt waren, wie Mold und Plünderung denselben den Platz geräumt haben, der wird mit von Freude überströmenden Gefühlen vernehmen, daß in Eger jener Stadt, wo noch vor mehreren Jahren kein Jude sich niederlaffen durste, auf fast vom jüdischen Blute gedüngten Boden ein Gotte-- und Schulhau« errichtet werden sollen als ein Denkmal de« Frieden«- al» eine Triumphforte, geschmückt mit den fortschrittlichen Ideen der Völker. Zur Ausführung solcher erhabenen Werke, die eine Stätte der Andacht und eine Pflanzstätte der Ingend werden sollen, gehören vor Allem materielle Mittel,

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