Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 17 (23.12.1868)
- Date
- 1868-12-23
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4890378-5433912-5433929--076-4890443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
zur Prüfung vvrzulegen, dir viclicicht die Annabine desselben;»r Folge haben konnte. а. Die (^emcindc wird nach den bestellenden ii Synagogen, denen die kleinen Petanstalten ihrer Situation oder Zahl ihrer Besucher nach zuzuziehen sind, in neun Lektionen gethcilt. d Jede Stinagogc oder Betanstalt wählt aus ihrer Mitte eine Vertretung, welche so wol die Gelder für das Armenwese» einkasiirt als die Vertheilung der Spenden an ihre Armen besorgt. Die Vertretung richtet sich nach der Zahl der inännlichcn und weibliche» Stinagogenbcsucher. c. Mitglied einer Synagogcngcineindc ist derjenige, welcher für den RcujahrSals Versöhnungstag einen Sitz bezahlt, oder vcrmöge seiner Stellung oder seiner Dürftigkeit einen solchen angewiesen erhält. Jedes männliche Synagogemnitglied, welches die t^roßjährigkcit bereits erreicht hat, besitzt für die Synagoge sowohl das activc als pasiioe Wahlrecht. б. Die von der Synagoge inclusive der ihr zugezogcnen Beta», stallen grn'ählte Arinenvcrtretung wählt aus ihrer Mitte je ein Mitglied, in die (Lentralarmeueommisiio». und ein Mitglied in die Strucrcvmmiffion, somit von den ü Synagogengemeinden N als in die Centralarmmverwaltung und in SteuerumlagScommifsivn gewählt erscheinen dürfen. e. Die löbl. Lultus-Ocin.-Nepr. wählt zur Zcntralarmen- und StcucrumIagS-Connnisiion ans ihrer Mitte je drei Mitglieder und je sechs Mitglieder aus der (Aesannntgemciiidc. um jedcin Stande oder jeder Clasicnvertretung gerecht zu werden. t. l5cntralvcrwalt»ng übernimmt sännntlichc Gelder und thcilt sie nach dem Verhältniffe der Synagogen-Scktioncn zu. ezecptionell jener Gelder, die der ausschlicsil. Verwaltung der Eentral-Commisiion zustcht. (Z. B. Spenden an Durchreisende etc) Demnach sindct auch eine Vertretung auS Mitgliedern statt, die das active und passive Wahlrecht zur .^ultusgemcinde anS dem Grunde nicht besitzen, da sic bloß zur CultnSaber nicht zur Anschlutzstcucr vorgeschriebcnc (Fremde) sind. Ist dies gewonnen, wird sich das Verhältniß der CultuSgemcittde zur Synagoge viel leichter finde» lasten, und der Cultusrepräscntanz inanche Erleichterung in der Verwaltung gewährt. Findet dieser Plan von Seite der löbl. Repr. Würdigung und wünscht sie detailirterc Aufklärung über einen oder den andern Punkt so ist derjenige, der den Entwurf gemacht, bereit, dieselbe zu ertheilen. Zweiter Lrief*) vom Prof. Etidra Ponlremoli Cond. an Herrn P. P. lieber P.! Ich theilte Dir ii, meinem letzten Briefe mit, daß die Religion jenes Band ist, welches uns mit Gott und mit den Menschen vereint, und ich versprach Dir über diesen Gegenstand zu schreiben. Ich bin bcrei.t, mein Versprechen zu lösen. Niemand wird leugnen, daß die Religion dem Menschen unerlässlich sei. Derselbe Voltaire, sagte, daß da, wo es keine gäbe, man eine ersinnen müsse. Zwar glaubte er, sie sei bloS dem Volke nöthig, das ist falsch. Der Mensch, welchem Stande er auch angehöre, in welchem Alter er auch stehe, wie auch seine Geistesentwicklung beschaffen sei, braucht eine Religion. Dn weißt wohl, daß das Leben nicht immer rosig gebettet Ist, daß, so wie da» Lächeln der Jugend nicht immer dauert, die IünglingSjahre nicht stets in voller Blüthe stehen, die naive Unschuld au» unserem Gemüthe schwindet, ebenso die glücklichen Tage dahin eilen, und daß oft der Weg, den wir zu wandeln haben, mit so vielen Beschwerden, Zurücksetzungen und trüber Stunden verbunden ist und oft da» Grab unserer besten, süßesten Neigungen wird. Bei gewissen Leiden, bei gewissen Qualen findet da» menschliche Herz keine Trostworte als heilsamen Balsam in Deinen Buse» zu gießen und bei grwiffen Verlusten fühlst Du dich einsam in der Welt manchesmal auch in Deinen theuerstcn Gefühlen verrathen, in den süßesten Hoffnungen getäuscht; Du würdest dann die ganze Menschheit verfluchen. Dich schämen ein Mensch zu sein, wenn Du nicht in Deinem Innern etwa» über Deine Gebrechlichkeit Höhere», die Seele, etwa»über die Welt Erhabenere» die Hoffnung auf Gott empfinden würdest. O, wenn,'Du wüßtest, wie viel Licht jene» Gefühl auf die Dich einhüllende Finsternis verbreitet; welche Linderung cs Dir in Deinen Widerwärtigkeiten verschafft, wie eS Dich aus jenem tiefen Abgrund emporhebt, worin Du Dich, wie angeschmicdet fühlst und wo kein Lichtstrahl Deinen dunklen Pfad beleuchtet! — Nur die Religion allein kann Dich aufrecht halten. Wohl wirst Dn sagen, daß Erziehung nnd die in Deiner Seele entstandenen, edlen Gesinnungen vermögen, den Menschen auf der schlüpfrigen Bahn der Leidenschaft anfzuhalten, aber auf lange Zeit können sic den natürlichen Hang des Menschen nicht hindern. Blo» ein einziges, gerechtes, unveränderliches, ewige» Gesetz kann gewissen Leidenschaften welche die Gesellschaft nicht streng verdammt, ein Ziel setzen, und zwar ist c» die Religion; denn sic ist c». welche dein Gewissen aufregt, da» Dir Vorwürfe macht, wenn Du seine Stimme nicht beachtest. Gewiß ist die Religion ein Band; aber wodurch? — Legt Dir die Gesellschaft nicht auch Verpflichtungen auf? Hast Du nicht jeden Augenblick tausende Fesseln, tanscnde Pflichten, die Dich in Bande schlagen, und wenn Du Dich vergehst, strenge vcrfahrcu. —Wenn man auf die eine Seite die Pflichten und die sozialen Obliegenheiten, und auf die andere Seite die religiösen stellte; so würden jene gewiß da» Ucbcrgcwicht haben, und wie würde die Wage stehen, die knarrend den heftigen Stoß gäbe? Und doch ist so d e Mode de» Jahrhunderts. Ehrfurchtsvoll neigen wir du» Haupt vor den sozialen Satzungen, mögen sie noch so langweilig, mühevoll nnd unbequem sein; den religiösen Vorschriften entziehen wir uns. Wir schaffen uns ein eigenes Gewissen, welches Allen gefällig zuerst entschuldigt, dann billig, nnd endlich sich dessen rühmt. Herrlicher Ruhm in der Thal! ES dürfte manchen geben, der sich schämt kein Kleid nach der neuesten Mode zu besitzen, und der sich beleidigt fühlen würde, daS zu glauben, was seine Mitbrüder glauben, und zu thun, was seine GlaubenSgcnoffen thun. Er hält mit dieser seiner Handlungsweise, welche Bescheidenheit — alle seine Glaubensgenoffcn alle seine Ahnen für einfältig. Er — in seiner Demuth dünkt sich über allen Andern erhaben, glaubt, daß in seinem Geiste ein solcher Vernunftstrahl leuchte, welcher die andern verdunkelt nnd besiegt. Es gibt daher viele Menschen, die verschiedene Meinungen über Religion haben, sie verachten, ihre Bekenner schmähen, sich hochmüthig von jeder Rcligiousgcnossenschaft absondern und von jeder Solidarität und jedcin Brnderbande lossagen. Ich werde diesen Punkt gar nicht berührt haben, wenn ich nicht befürchtete, daß auS der schlechten Wurzel eine giftige Pflanze, jener schreckliche Egoismus, der alle Bande der Familie nnd der Gesellschaft löst, entstände; denn wer sich von den Banden seiner Religion lossagt, gehört keiner Gesellschaft mehr an. — Er sagt wohl, er enthebe sich aller religiösen Ideen; er schreit wohl in alle Weltgegenden die bürgerliche Gleichheit hinein; diese besteht zwar vor dem Gesetze, allein eS schleicht stet» in der Gesellschaft irgend ein Borur« theil ein, da» nur dann verschwindet, bis irgend eine große moralische Umwälzung, mehr auf Wunderbaren als auf Menschlichen fußend, eintritt. ick berühre da einen falschen, aber