Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 17 (23.12.1868)
- Date
- 1868-12-23
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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183 und deren Rabbiner und sonstigen Religion-weiser aufzuforder«, daß sie bizur Aushebung der nach Eonfessionen ge sonderten Matrikenführung die Führung der jüd. Matriken stren ge üb erwachen. Die Führung dieser Register ist bei den Juden OesterreschS nicht überall religiös wiffcnschaftlich gebildeten Männern anverlraut; und leicht könnten, sei eS durch Unwissenheit oder Gefälligkeit einzelner Matrikensichrer oder .für Geld und gute Worte" in das Judenthum zu dessen Nachtheile Elemente eingeschmuggelt werden, die später als zu dem Bunde Israels nicht gehörig, müssten auSgewiesen werden und die mit den Israeliten nichts anderes als nur die zufällige Abstammung gemein haben. I. Das Ärmemvesen. Nach dem der lydische König Krösus die unermeßlichsten Schätze und Reichthümer angehäuft hatte, glaubte er der Sterblichen Glücklichster zu sein, da rief ihm der weise atheniensische Gesetzgeber Solon zu: Man möge da- Ende des Lebens abwartcn, bevor man solches rühme. Als Krösus vom Perscrkonig CyruS zum Scheiterhaufen verurtheilt, diesen besteigen sollte, da fielen ihm die Worte jenes weisen Athenerein und schmerzbewegt rief er dreimal dessen Namen aus, in der Erinnerung, daß jener weise Ausspruch an ihm in Erfüllung gegangen ist. Würden manche von irdischen Glücksgütern gesegnete Menschen, die an ihrer Schatzkammer den eigenen Wächter abgeben und einen idealen^ Gedanken gar nicht austauchen lassen, sondern an die Fortdauer ihres irdi schcn Bestandes denken, sich zu Gemüthc führen, wie vergänglich alles Materielle ist, so würden sie bald begreifen lernen, wie drückend dir Last ist, unter der der Arme, diese düstere Schattirung de» menschlichen Lebens, seufzt, sie würden cö sich zur heiligsten Aufgabe, ihreohnehin dem leisesten Vernichtung-Hauche auSgesrtzten Leben» machen, dem Dürftigen im vollste» Maaße gerecht zu werden. Sowie die Außerachtlassung dieser die Nächstenliebe scharf begrenzenden Pflicht in speziellen Fällen aufzuweisen ist, so finden wir sie in ganzen Gemeinden leider zu oft gekennzeichnet. Ein tristes Bttspiel liegt-unL rücht sern«^-wenn wir-«-- jüdische Armenwesen in Prag betrachten. ich» unter der rücksichtslosesten Vormundschaft stchr, und reinl zum Bettelwesen herabgewürdigt wurde. Mit dem gebrochenen Auge eines Sterbenden muß man auf dasselbe blicken, wie verwaist es und Männern anvcrtraul ist, die den Armen Rechnung zu tragen, bisher nicht verstanden haben, noch auch Miene machen an eine Verbesserung der traurigen Stellung ihrer armen Mitbrüder zu schreiten. Die Elemente, aus denen die Armenkommission zusammengesetzt ist, ließen auch nichts Anderes erwarten, als eine Verkümmerung und Verkrüppelung de» Armenwesens, das in seinen finstern Contnren die Leistungen der jüdischen Gemeindevertretung in prägnantester Weise mar kirt, welche der Gemeinde in Allen» unh. Jedem den Lebensnerv unterbindet, der die Bedingung des Sein und Nichtsein bildet. Welcher Aufgabe sich jene Männer zu unterziehen haben, die das Schicksal der an dem Hungcrtuche nagende ', mit den Bedürfnissen de- Lebens ringenden, in Händen haben, wird wohl Jeder begreiflich finden, der das Herz am rechten Flecke hat, aber auch begreiflich finden, daß Männer, die die Verhältnisse ihrer Glaubensgenossen, am allerwenigsten ihrer armen nicht kennen, in eine Armenkommission zu wählen ein kompletter Unsinn ist. Und leider finden sich in derselben -- wir wollen sie nicht bezeichnen — auch solche, die nur nach jeder andern als nach jüdischer Fagon leben und die Berhältniffe der Armen grade so kennen, wie ein Seefahrer einen noch nicht entdeckten Welttheil; efinden fich Männer in ihr, die mit der Lokalkenntniß groß thun, während sie dieselbe gar nicht besitzen, und die Protektion zur Richtschnur ihrer ehrlichen Anschauung machen, e» finden fich Männer in ihr, die «sich geniren injene Viertel zu kommen, wo die meisten Armen wohnen, wir «eiueu nicht Armmkommission besteht zum größten Thrile au- Männern die kein eigenes Familienleben bilden, bei denen begreiflicher- Weise die Lage armer Familienväter keine solche Auflassung zuläßt, wie bei jenen, welche durch eigene Anschauung mitfühlen und mir empfinden. Die Eonsequenzcn solcher Prämissen sind, daß die Diogencsse der Kommission Arme suchen und Bettler finden, und die wahrhaft verschämten Armen Noth leiden, während die Gemcindemitgliedcr ihre Steuern sortzahlen. Das Motiv also liegt in der unrichtigen Anschauung der Eommiflionsnntglieder und in dem Schwerpunkte, den sie in der Repräsentanz finden, welche immer und immer anS bureaukratische. mit Gehalten und Remunerationen verbundene System denkt, »nd die Interessen der Gemeinde aus dem Gesichtskreise verliert. Das Präliminare aus den blutigen Steuergcldern der Gemeinde zusammengeschwitzl. klärt über so viele unnütze Ausgaben auf, die nicht einmal auf dem Gebiete des Armenwesens eine Entschädigung finden und, wenn die Gemeinde verlangt, daß mit ihrem Gelbe nicht so freigiebig gcwirthschastct werde, so ist sic im selben Rechte, wenn sie verlangt, daß das Armcnwesen besser gepflegt werde. Das Eontingent der prager verschämten Armen ist lein so enormes, das der Prager einheimischen Bettler ein äußerst geringes, io daß sich die größte Anzahl der sogenannten ProsessionSbettler aus den Fremden vom Lande rckrutircn und in diesem Falle die ein heimischen zurückgesetzl werden. Bei dem Umstande, daß die fremden in» jüdischen Gemeindebause eine Spende erhalten, die oft zum Einsätze beim Kartenspiele nicht hinreicht, und dieselben Gefahr lanfcn nach ihrem landläufigem Ausdrucke wieder einen „Prager" zu verlieren, wird da» Gemeinde Mitglred, namentlich der Mittelmann in seiner Behausung und in seinem Geschäfte in zudringlichster Weise behelligt und oft mit Jnveklivtn gröbster Art überschüttet. Wir unserseits sind keineswegs dagegen, die Armen welcher Eonfcsiion, welchen Heimathlandcs immer, Almosen in anständigster Weise zu reichen, denn wer mit vollen Händen gibt, hat den Sc gen GottcS zu erwarten» wer fleißig säet, wird reichlich ernten; allein wir thcilen den Wunsch der Gcmeindemitglieder, daß System in die Verwaltung de» Armcnwesengebracht, demverschälMeit Armen, ohne sic zu verletzen, anständige Gaben verabreicht werden, während den srcmdcn Armen vom Lande gegenüber die Alternative zu beobachten ist. entweder sie dem indiductlen WohlthätigkcitSsinnc zu überlassr», oder sic dann an der Eultuskassa zu berücksichtigen, »venn die Repräsentanz der böhm. Landesjudrnschast durch Abfindung ei »er Jahreösumme gewissermaßen cin?n Ersatz für jenen Ab gang bietet, den die prager Gemeinde zu büßen hat. Vor Allem muß in der Bethcilung ein richtige» Maaß getroffen, die Grenzen müssen zwischen verschämte Arme und solche, die eS handwerksmäßig betreiben, strenge geschieden, Männer über das Armenwescn gesetzt werden, die Herz «nd Gemülh haben und sich nicht den Anschein geben, als wollten sie sännntlichc Arme an ihr Her; schließen und als gehe die Gabe den Weg aus ihrem Portefeuille. Dann wird da» richtige Bcrhältniß gctroflen, dem Herzen der Armen Linderung und ihrer Lage Erleichterung bereitet werden. In eine detaillirle Organisation de- Armenwesens wol len wir uns heute nicht ergehen, und wir beschränken unvorläufig bloß auf die Mittheilung, daß seit dem vorigen Jahre ein von einem Anonymus eingereichier Organisation-plan in Bezug auf Armen- und Steuerwesen in dem Archive der Eultus-Gemeinderepräsentauz liegt, dem sie bi» allher noch keine Beachtung geschenkt hat. Er lautet: Löbliche Lultusgemeinde-Repräsentanz in Prag Nachdem es Wunsch der löbl. Repräsentanz ist, das Armen- und Steuerwesen als den Bedürsntffen der Zeit, und der Individualität angemessen zu organistren, so hat sich Anonymus bemogen ge-