Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 16 (16.7.1868)
- Date
- 1868-07-16
- Page
- Seite 177 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Kinder und Jünglinge in diesen Instituten in einer AthmoSphäre leben, wo Alles die Prinzipien und die Praxis einer anderen Religion einathmet. Ich werde nächstens über die Hindernisse, cheist durch Indifferenz erzeugt, zu sprechen kommen, welchen hin in diesem obigen Falle begegnet wird. “ / Locales. *** Se. Durchlaucht Herr Fürst Montenuovv Landeskommandirender von Böhmen hat dem Professor der Stenografie Herrn Simon Blcicr in einem ehrenden Schreiben den Dank für den unentgeldlichen Unterricht in der Stenografie, den er einer großen Anzahl hier garnisonirender k. k. Offiziere angedeihen ließ, ausgesprochen. Bei dieser Gei... | legcnheit können wir nicht unerwähnt lassen,daß^sich Herr' } Bleier große Verdienste um die Verbreitung der Stenografie i Bleier große in Böhmen und Mähren erworben hat. i \* Die Repräsentanz der böhm. Landesjudenschaft hat ß Se. Excellcn; dem Herrn Reichskanzler Freiherrn von Beust > durch eine Deputation eine kalligraphisch ausgestattete Ad- - resse überreicht, in welcher sie ihm den Dank für seine di- , plomalische erfolgreiche Intervention in den traurigen Angelegenheiten unserer Glaubensgenossen in Rumänien ausspricht. Wir erkennen daS taktvolle Benehmen der LandeSrepräsentanz an, nur hätten wir gewünscht, daß die Adresse besser stilisirt, vor2lllcm von jedem Schwulst und fast an das Unästetische grenzenden Ausdrücken frei geblieben wäre. Wir glauben, cs hätte sich noch Jemand gefunden, der in einfacher stilgerechter und gemüthvoller Weise die Concipirnng auSgeführt hätte. Wir lassen hier einige Kraftausdrücke der Adresse folgen: „durch fanatische, an schmutzigem Eigennutze großgczogenc Intoleranz — die grinsende Fratze der Barbarei erfüllte Europa mit Abscheu und Entrüstung — in erster Reihe schlugen E. E. mit schonungslosen wohlgczielten Streichen das Ungetüm zu Boden, das geglaubt hat, ungestraft sich vermessen zu dürfen, unter gleißnerischer MaSkc der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts das Schandmahl, der aus dem Boden crassester Unbildung und entsittlichender i Arbeitsscheu entspringenden Judenverfolgung aufzudrückcn."— *** Herr M. PercleS Mitchef siner BettfedernrcinigungSanftalt hat anlässlich der ConfirmationSfcier seines Sohnes sechs armen Schülern an der Josephstädtcr Haupt- und Untcrrralschule und sechs armen Schülern an der Talmud-Thora Schule schöne complette Anzüge gespendet. Ein solcher Wohlthätigkeitöakt verdient die allgemeine Anerkennung. *** Viele der Besucher der Altneu - Synagoge führen uns Beschwerde, wegen Nichtreinlichhaltung derselben von Seite jener, die mit der Instandhaltung dieses AlterthumS betraut sind. Der fingerdicke Staub auf den Sitzen und Bcthtischcn, so wie die ungepntzten Lampen tragen zur Verschönerung dieser anticken heiligen Stätte ebenso wenig bei, als sic das Alterthum noch altcrthümlichcr machen. Im Gegcntheile führt Unrcinlichkcit und Verwahrlosung zum Moder und Zerfall und hält die Andächtigen vom Besuche der Synagoge zurück. Auswärtiges. « — Ungarn. Der erste ungarische Jude, der in einer Komitatskongregation einen Antrag stellte, und denselben in einer glänzenden Rede motivirte, ist der Honorär-Notär deS Jnuer-Szolnokcr KomitatS Leo Tauber. Sein Anttag bezog sich auf die Reorganisation de« Schulwesens.! Er schilderte die traurigen Folgen der bestehenden Schulvorifchriften, durch welche die wahre religiöse und sittliche Erzielung der Kinder gänzlich verfehlt wurde. Ein mehrere Minuten andauerndes Eljcnrnfcn folgte der Hauptstclle seiner Rede welche lautet: .,Wir Juden," sagte er. halten mit Opferwilligkcit an unserem Glauben fest. Wir verlangen jedoch, daß unsere Nationalität nicht die „jüdische," sondern die ungarische" sei. Die ungarische im edelsten und vollsten Sinne des Wortes." Eiseustadt. Ein in der That der Nachahmung werthe« Beispiel religiöser Toleranz bietet die Bürgerschaft der hiesigen Stadt, wo vor einigen Monaten rin gemeinsamer Kirchhof für die protestantische, katholische and jüdische Bevölkernng eröffnet worden ist. Berlin. Der Kaufmann M. Levi, der hier gestorben ist hat dem HoSspitalc der Stadt Kopenhagen lo^ooo dänische Thaler vermacht. iHamagU'.) Amsterdam. Herr I. A. Jessnruin wurde zum Konsul des norddeutschen Bundes in Eurra^aa ernannt. zN. Wcckbl.) Paris. Die „All. isr^__uud dcr-Oderrabbincr von Frank-" reich haben einen Aufruf zur Unterstützung der nothleidcndcn Israeliten im Orient besonders in Marokko ergehen lassen. Belgrad 20. Juni. Heute wurde unter allgemeiner Theilnähme in der hiesigen Synagoge ein solenner Gottesdienst für den seligen Fürsten Michael abgchultcn. <Jsr.> Jerusalem. Die zwei Söhne des hiesigen PascboS besuchen die von der „All. Jsr." cröfsnctc Schule, um an dem Unterrichte in den profanen Wissenschaften, welche in derselben nebst dem entsprechenden Thorauntcrrichl gelehrt werden, Theil zu nehmen. «Libanon) Kunst und Literatur. — Bibliotheken und Schriftsteller. Es dürften den geehrten Lesern Ihres Blattes Mitthcilnngcn über manche Werke die sich in den italienische» Bibliotheken vorfinde», nnd he brätschen Inhalts oder deren Verfasser Israeliten sind, nicht unangenehm sein, und cs dürsten in der Folge mehrere derartigen Angaben auch aus englischen und französischen Bibliotheken, so wie die Ankündigungen der neuesten Erscheinungen in dieser Richtung hier nicht am Unrechten Orte sein. Es erscheint auch gegenwärtig ein Journal über die Bibliotheken Italiens, unter der Leitung des Kugenio Hianchi. Es sind bereits mehrere Nummern, woraus man entnehmen kann, welche Schätze die italienischen Bibliotheke» besitzen, erschienen. Wir theilen hier mehrere Werke, die ihrer Seltenheit wegen einige Beachtung verdienen mit. Die Bibliothek Laudi zu l’iacenza hat eine Hiblia Ilcbraica in H. Brixen 141*4 — eine seltene Ausgabe für die Kritik und ihrer vielen Varianten wegen vom großen Nutzen dann als Dikduk von K. Mosis Kimki in -1 Ortonae uu 11 Caroli regis Siciliae sui 1eine beriihmte und seltene Ausgabe, welche Veranlassung zu vielen Jrrthümern einiger Bibliotheken, die im l.'i. Jahrhundert darüber derichtet haben, gegeben hat. In der Riccardiann »oh Florenz gibt e« eine Bibel, geschrieben von .Tcchiel des H. Isac Membramccischen Codex, in Folio im l.r. Jahrhundert, dann ein sehr altes Buch von Esther, und andere. In der Marciano von Venedig ist die sehr alte nnd seltene Ausgabe der hebräischen Bibel von Konaino, vom Jahre 14RH ganz in Pergament gebunden. In der Bibliothek zu Cremona bewahrt man ein Werk zwar nicht hebräischen Inhalts, allein deswegen bemerkenswert, weil es sich auf einen Israeliten bezieht. ES ist betitelt: „Isaac de Clementi» — de definitionibus — differentia inter descriptionem definitionem.“ — In den Manuskripten der Bodlciana des brittifchen Museum«, der kaiserlichen Bibliothek in Pari«, in anderen von Cambridge Trüffel, Zitaten von Balasio Galla», liest man diesen Beisatz: „Glo8ulae seu Commentaria in prognostica Hippocratiset super Isaac Universales et super iraticum Isaac