Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 16 (16.7.1868)
- Date
- 1868-07-16
- Page
- Seite 174 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
- Tacitus 1× ep/1025676
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174 n«n: Morgens vor der Synagoge von 4—6 hatten wir bei ihm einen זיעור םוסקים?; dann von 8—10 lernten wirמסכת גיטין; von 10—12 lasen wir zusammen Sophokles, Homer, ThucydideS, TacituS und Hora;; von 2 — 4 Uhr Nachmittags hatten wir einen שער; von 8—10 Abends wiederum סוסקים; am Sabbath gingen wir zu היעכמה, und lernten dann von 8—12'/,, also den ganzen Vormittag מסכת שכת und an den Winter-Freitagabenden lernten wir מסכת שבועות. Damit war aber die Thätigkeit des geliebten Lehrers noch nicht erschöpft, denn während der Herausgeber dieser Blätter damals das Gymnasium schon absolvirt hatte, waren noch andere junge Leute dort, welche erst für die höheren Classcn des Gymnasiums von Herrn vr. H. vorbereitet wurden. Im Jahre 1851 wurde Herr vr. H. nach Eisenstadt als Rabbiner berufen. Hier gründete er sofort die in Rede stehende Rabbinerschule, der er den! größten Theil seiner Kraft weiht und nicht unbedeutende materielle Opfer bringt. Herr vr. H. bezieht für die 10 oder 12 Stunden, die er täglich im Thalmud, in den EodiceS. in der Mathematikim Latcinischen x. unterrichtet, »ich allein keinen Pfennig Honorar, sondern viele arme Studirende erhalten von ihm Gcldunterstützung- und täglich essen nicht wenige dieser Unbemittelten an seinem Tische. Daß das Alles nur möglich ist dadurch, daß seine edle Gattin שתי in wahrhaft antiker Tugend und Einfachheit eine zweite Abigail ihm zur Seite steht, bedarf wohl nicht erst der Versicherung. Diese edle Frau, einem der vornehmsten und wohlhabendsten Häuser entsprössen, vcrzichtet gern auf die Annehmlichkeiten großstädtischen Lebens, wohnt zufrieden in der Eisenstädter Iudcngasse und fühlt sich beglückt durch daS glänzende und erfolgreiche Wirken ihres Galten." — ES lautet ferner: DaS großartige Wirken des Herrn Rabbiner Vr. Hildesheimer ist in der Thal epochemachend in der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Seine unermüdliche und unerschöpfliche Thätigkeit, sein unendlich reiches Wissen in der jüdischen Literatur, in den klassischen und modernen Sprachen, in den mathematischen und philosophischcn Wissenschasten — das Alles ist noch gering zu achten gegen die engclglciche Reinheit seines EharaktcrS, ge« gen die wunderbare Begeisterung, die ihn für Juden und Judcnthum beseelt, gegen die Energie, mit der er stets bcreit ist, Alles, Alles der heiligen Sache zu weihen, deren Vertretung das Princip seines Lebens ist. Jeder, der da weiß, daß das echte, ernste Thorästudium die Grundlage, das Fundament ist. auf welchem das^gesammle jüdische Leben sich aufcrbaut, wird die gesegnete Thätigkcit des Herrn vr. H. zu würdigen wissen. Welch' eine erhabene Ausgabe, 100 Jünglinge mit dem Geiste des JudenthumS zu ׳durchdringen, sie ju_ Thalmide Ehachamim hcranznbilden, sie zu wissenschaftlichen Studien derart zu führen, daß diese zur segensreichen Folie der Thorakenntniß werden! Und jeder dieser Jünger trägt den Geist des Lehrers weiter, eröffnet neue Erkcnntnißqucllcn in dürrem Lande und tränkt mit dem Wasser des Lebens lechzendes Gcfild. Seit ncncster Zeit hat sich die ehemals so traurige Lage des schonen Ungarlapdcs zu einer hoffnungsreichen gestalcet; auch die zahlreichen Ungarn jüdischen Glaubens gehen einer, neuen, noch nich' absehbaren Entwickelung entgegen; wir erwarten, daß in dieser Herr Rabbiner vr. Hildesheimer eine hervorragende Stellung einnehmc» wird, eine Stcllnng, wie sic solchem Manne geziemt, den wir im Vorstehenden zu schildern versucht haben." Alto eine selche dem Zudentbume zur Ehre gereichenden Äorliphäe, dik zu besipcn Prag stolz sein könnte, erkühnte sich rin gewisser durch E-kamotage zur grlangtrr rabbinischer Liliputaner Namen« Koh» mit Invcklivcn zu begeisern! Tie klauSsvnagoge kann stolz darauf sein. (D. Red.) Aussprüche moderner Autoritäten über Jude« und Iydenthum. -v — I (Fortsetzung und Schluß.) j Wie Schiller so hat auch Göthe*) es angemessen ge- 1 funden, das jüdische^Bolk durch eine Vergleichung zu beur-! theilen, allein es besorgte der immer möglichst objektive Göthe hier einmal subjektiv zu werden, lässt er seine Verglei-! chung aus der Feder eines gutmüthigen simplen Dorfpastors j fließen, indem er schreibt: ^daö jüdische Volk seh ich für! einen wilden, unfruchtbaren Stamm an, der in einem Kreis von wilden, unfruchtbaren Bäumen stand; auf den pflanzte! der ewige Gärtner daö edle Reis. daß es, I darauf bekleidend, des Stammes Natur veredelte und von ן dannen Pfropfreiser zur Befruchtung aller übrigen Bäume! geholt würden." , JcdeSfallS hat diese Comparation nicht das Verletzende 1 und. Beleidigende der Schillcrischen; das, was uns darin un-; richtig erscheint, wollen wieder gutmüthig christlichen Selbst- Zufriedenheit des ״Landgcistlichen in Schwaben" zu guthal- . tan Praktische Folgen der Beurtheilungen sowol Schillers; als GötheS über die Juden sind heutzutage weder zu erhof- I fen noch zu besorgen; denn fürs erste sind wir fest überzeugt,! beide große Männer würden, wäre zu ihrer Zeit diese Frage ׳ an der Tagesordnung gewesen, für unbedingte Freiheit und; Gleichstellung der Juden mit allen andern StaatSangehöri- I gen gestimmt haben andererseits ist die Frage der politischen i Stellung der Judeu nicht nur zur Genüge, ja zum Uebcr«! fluß vcntilirt, sondern längst abgethan. Wo die volle Smancipation noch nicht zur Thatsache geworden, da steht ihr nicht! das Vorurtheil sondern materielle Scheelsucht, Eigennutz, . kirchlicher oder nationaler Hochmuth und Ucbermuth gegen-! über. Es ist uns also jetzt nur darum zu thun, das Selbst-! gefühl der Juden, besonders der jüngeren Generation, theils! zu wecken, neu zu beleben, theils von schädlichem Einflüße l zu bewahren. Zn diesem Zwecke erlauben auch uns (8i pur-! vos licet componere inagnis!) im Weiteren eine Berglei-! chung zu gebrauchen. i Wir wissen nicht, ob es nnter den Gärtnern allgem-'i-! ncr Brauch ist, aus einer Menge unfruchtbarer Stäm ne den ersten besten hercuSznrcißcn und als Wildling für Auläge edler Pflanzung zu benützen; wir glauben vielmehr, der Gärtner müsse wohl auch auf die ursprüngliche Natur und die Empfänglichkeit des zu veredelnden Stammes Rücksicht nehmen; aber freilich, Goethe, der ein ebenso großer Chemiker zu sein glaubte, qlS er in Wirklichkeit ein großer Dichtcr war, und der mit den Worten Faust'ö: ,.So Hab ich nun Filosophie, Juristerei und Medizin Und leider auch Theologie studirt." — wahrscheinlich sich selbst kennzcichncte, mußte das viel besser verstehen. Auch, glauben wir nicht, daß ein ganz unfruchtbarer Wildling jener Stamm sein konnte, 'der mit Grundsätzen, wie: ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst?" Den Fremdling sollst du nicht bedrücken!" ״Auch dem Armen sollst du keinen Vorzug geben in seinem Rechtsstreite!" tief im Boden strenger Moralität wurzelte, und als dessen Blttthcn unS noch heute die Psalmen, das hohe Lied, die Sprüche Salomo's'dic Reden Jcsaia und Jercmia u. s. w. entgegen duften, welche (nicht ״sit venia verbo!“ sondern nach Ullrich Hutten'-: ״Ich hab'S gewagt!) in der gcsammt.n klassischen Literatur an Werth.nid!' ihres Gleichen finden. Doch zu unserer Vergleichung! Es ist nichts selteneres, daß eine Fruchtgattung, die in irgend einem Lande degenericrt, dadurch wieder verbessert wird, daß man aus der Ferne unverdorbenen, kerngesunden Samen hcrbciholt. Als die Moral der damals bekannten civilisirten Welt, durch den *) Zwo wichtige bisher unerörtertt biblische zi:.,gen, zum erstenmal gmndlich beanlwortet von einem Landzristlichen in' Schwaben."