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Die Gegenwart · 1868-06-25 · 15 (25.6.1868) · p. Seite 163

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
15 (25.6.1868)
Date
1868-06-25
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 r * »• > vorwärts ftrcbcn und an ein Rückwärts nicht denken. So wie überreife Früchte von der Höhe des Baumes zu Boden fallen, so ist eö oft mit den überreifen Männern einer Körperschaft; ihre Systeme erhalten sich nicht mehr auf der Höhe der Zeit, sie müssen durch kräftige Elemente ersetzt werden. So weit wir die bisherigen und zwar wichtigsten Principien des zu kreirenden GcmcindestatutS verfolgt haben, so erweisen sic sich als höchst unzweckmäßig und illiberal; der alte verrottete ZopswahlmoduS soll denen gemäß derselbe bleiben, die Autonomie der Synagogen angetastet, ein weiterer Ausschuß nur geschaffen werden um der bloß-n Form zu genügen, ohne an die Controlle zu denken, die überall nothwcndig ist, wo eS sich um die Verwaltung von Gcmeindevermögcn handelt! Aber eine Eontrolle ist auch erforderlich, damit mit Remun.-Erthcil. kein MiSbranch geschehe, über außerordentliche und diverse Ausgaben, die nie der Ocffentlichkeit gegenüber specificirt sind, Rechenschaft abgelegt werde, daß man nicht Posten in's Budget hincinstellc, nachdem dieses abgeschlossen ist, Lehrer nicht mit Gehalterhöhung belohne, welche verdienen von Organen entfernt zu werden. Eine Eoutrollc kann aber nur bestehen, wenn dem weiteren Ausschüße das Recht zugcstandcn wird, auch in die Administration einen Einblick zu machen. Bei gewissen wichtigen Angelegenheiten stehet beiden io corpore daS BerathungS- und BeschlicßungSrccht zu; hierin ergibt sich auch das einzige Mittel jedem Rekurse an eine hohe Behörde, die man oft nahezu behelligt, aus dem Wege zu gehen und die eigenen Angelegenheiten im eigenen Lager zu ordnen und zu schlichten. Bekanntlich haben im Aufträge deS hohen Ministeriums für CultuS und Unterricht die k. k. Statthaltcreicn von den isr. Landes- und CultuSgcmeindevertrctungen der Reichsmctropole und Provinzhauptstädte diesseits der Leitha und einigen Fachmännern bezüglich der Errichtung einer höher» theologischen Lehranstalt Gutachten abverlangt. Unter den verschiedenen Anfragepunkten findet sich auch der, welcher den Standort zur Errichtung des Rabbinatsinftitutes berrifit. Dabei ist nicht unerwähnt zu lassen, daß daS Ministerium beschlossen hat, daS Institut in einer Universitätsstadt anzulegen, um den betreffenden Hörern Gelegenheit zu bieten, Gegenstände, welche an dem Institute nicht vorgetragen werden können, an der Universität zu hören. Die böhmische israelitische Landesrepräsentanz, die Prägerbrünner- und wieder isr. CultuSgenieindc- Vertretungen haben sich sämmtlich dahin ausgesprochen, Prag zum Standorte deS Seminars zu bestimmen. Nur die Stimme eines einzigen zwar sehr unbedeutenden Mannes erhebt sich in dem wiener lazzenhofer Blatte, der sich in auffallender Weise über das Gutachten der wiener Fachmänner grämt, und in seinem Grame unverschämte Thräncn vergießt, die zum Glücke das unschuldige Druckpapier aufsaugt, um gar nicht beachtet zu werden. In seiner crassen Ignoranz muß der jüdisch deutsche Kosmopolit die Zeitungen melden lassen, daß „Wien eine ebenso vortreffliche Universität, weit mehr Bibliotheken, mehrere besondere jüdische Büchersammlungen und rbenso große (?) Talmudheroen als Prag besitzt und, daß waö den alten Rnf anbelangt, dieser von Altersschwäche bedeutend heiser geworden und schon seit Jahren nicht mehr vernehmlich genug schallt." Da diese letzteren selbst erdachten Lügenberichte dem an sonderbaren Fiktionen reichen journalistischen Ungetüme nicht genügen, nimmt er zur Denuntion seine Zuflucht, indem er „fast alle Präger Studirenden, die jemals verurtheilt waren, sich in Prag Brot und Unterkunft durch Un Eine wiener Stimme über bas prager Zukunstsseminar. lerri feit, Ä Je in« ■ lichkcit ja fast Lieblosigkeit der prager Bevölkerung den Fremden gegenüber Klage führen läfftdie prager Iu denschaft lässt er streng genommen nur in einem erweiterten Ghetto wohnen und schließlich warnt er vor „der Gefahr, der die Rabbinerschule in Prag leicht auSgesetzt ist, in den Ratio na litätenschwindrl mit hineingcrissen zu werden und wenn es. fährt er fort, einmal einigen Eiferern für'die Wenzels krön : gelungen ist, das Institut zu czechisiren, wie das transleithanischc Institut sicherlich magyarisirt werden wird — dann Adicn Reichsrabbinerschulc Würden wir annchinc», daß der ebenso boshafte als groteske Springer aus der Eircüsgasse einer psychiatrischen Heilanstalt in Döbling entsprungen, so könnte uns doch Niemand was anhaben. da doch jeder Unbefangene dieses aus dem Wege Reden eher einem Geisteskranken zumuthen dürfte, als einem Manne, bei dem vom phrcnologischen Standpunkte aus das Gehiru im normalen Zustande sich befindet. ES liegt jedoch in unserem Berufe mit einer armen Scriblerseele Er - barmen zu haben und, ihren ParoxiSmuS in einer von einer Art Lchrcrstellcnsucht am ZukunstSscminar angesäuselten Aufregung suchend, der armen Seele unser Beileid auszudrürfciü Glaubt sich der Pragcrfrcst'ende Possenreißer durch da« Moment, den Sitz der Rabbinerschulc nach Prag zu verlegen, geschädigt, oder kann er noch immer nicht verschmerzen, daß er als wiener israelitischer Bertrctungssüchtigrr bei der letzten Wahl total dnrchgefallcn ist, — rin Hinweis auf dessen Popularität, — so wolle er einen EntschädigungSpro ccß anstrcngcn. keineswegs aber eine ganze Bevölkerung verdächtigen, an deren Brüsten er sich genährt und der er das Wenige zu verdanken hat, womit er in den Augen der Welt so groß thut. \ Solche. Wurstelpratcriadcn, die das saubere Blatt zum Beste,» gibt, finden vielleicht ihr» Anerkennung am Salzgric« bei jener Gattung von Leuten, die auf öffentlicher Strasse naturhistorische.Studi.7» .machen; die prager. specicll jüdische Bevölkerung, die mehr als eine solche Natter an ihrem Busen genährt, verachtet die Kritik eine« derartigen Individuums ebenso, als sic die Verhimmlung der von ihm je nach Opportunität zum schnöden Werkzeuge gebrauchten Männer zurückwcist. Mag aber dieser wissenschaftlichen Größe, die der Mathematiker mit X bezeichnet, die prager talmudische Statistik fremd sein, so kann doch die wiener löbl. isr. Gemeindevertretung nicht dafür und sic hat nach ihrer Auffassung ehrlich und gerecht gehandelt. Würde sic und die Vertretungen der Schwcstergemeindcn Wiens nicht im Sinne der Präger Lultusrcpräscntanz gestimmt haben, eS hätte sich auch Niemand gegen diese Beschlüsse erhoben und man hätte in Ruhe der Entscheidung eines hohen Ministeriums entgegen ' gesehen, in eben derselbe» Ruhe wie wir, die sich wohl im Principe freuen, daß überhaupt ein derartige« Institut in« Leben gerufen wird, aber nicht im Entferntesten ein Interesse daran haben ob dasselbe in Prag seinen Sitz haben soll oder nicht, indem wir weder Gelüste nach einer Direktorober Lchrerstelle haben, noch überhaupt uns cn den geistigen Exercitien künftiger Augen Verdreher delektiren wollen. Wir zweifeln nicht im Geringsten an die Munificenz, Intelligenz, Lrntseeligkeit und Frcigicbigkcit der wiener Iudenschaft, wie wir auch nicht läugnrn, daß eS in jeder Gemeinde Individuen geben, die nicht zur Verherrlichung der selben beitragen, da« Rumoren jedoch eines Einzelnen gegen die einer von sich auf die Schultern einer ihm ferne stehenden Bevölkerung gewälzten Untugenden, die eine« egoistischen Zweckes willen als Epitheta gebraucht werden, verdient al- - lerdingS eine Züchtigung nach Art jener, wie sie noch heute in manchem Ehedav zur Anwendung kommt. Prag hat — wir läugnen eS nicht — noch manche Eigenlhümlichkeiten, die aber keineswegs mit einer Bildungsstätte zu thun haben, geschweige denn auf sie einen schlechten Einfluß jüben, daß aber die uralte jüdische Gemeinde in diesem von einem arroganten griesgrämigen ZeitungScharlatan verschrieenen Prag, J

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