Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1868-06-25 · 15 (25.6.1868) · p. Seite 162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
15 (25.6.1868)
Date
1868-06-25
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4890378-5433912-5433925--052-4890421
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

162 zu stellen glaubt. Trotz brr mahnenden Stimme eines Iurifttn, der auch CommissionSmitglied ist, die Compctenz des neuzuschaffcndrn Ausschusses zu erweitern, sie gleichsam als eine höhere Instanz zu betrachten, blieb der Beschluß, dessen Wirksamkeit nicht weiter auszndehncn, aufrecht, und so steht dem weiteren Ausschüße die Rolle in Aussicht, die gewöhnlich auf den wcltbedeutepdrn Brettern zur Vergrößerung der Staffage den Statisten zuerkannt wird. Die Schöpfung eine- Ausschusses, nicht ein Werk der Repräsent., sondern die Entstellung einer schon in dem Statutentwurse vom I. 1850 entworfenen aber auch verworfenen Idee, kann nun als der Erfolg einer vieljährigcn Richtlcistung angesehen werden, der er förmlich zum Analagon wird. In jener Zeit, in welcher dem damals hochgeachteten Vorsteher das £>tft aus den Händen gewunden wurde, ward in dem Entwürfe einer CnltuSgemcinde- Ordnung (li. Wirkungskreis des Ausschußes §. 36 bis §. 50) ein großer Wirkungskreis zugcsprochen. Der Ausschuß sollte der Repräsentanz nicht coordinirt, sondcrn gewisse» Massen präordinirt »vcrden. Er sollte berufen — w erden, die Gemeinde, in der Ausübung ihrer Rechte und Pstichtcn zu vertreten, alle Geincindeangelegeiiheiten in Berathttiig zu ziehen, darüber bindende Beschlüsse;» fassen, und sie vollziehen zu lassen, kurz die Interessen der Gemeinde allseitig »vahrzunrhmen; er hätte über Gehalte, Pensionen der Rabbiner und aller von ihn» anzustellenden Individuen x. zu bestimmen, Remunerationen zu bewilligen, über zeitliche oder gänzliche Enihcbnng voin Dienste der Beamten und Gelneindcdicncr zu entscheiden; er hätte die Oberaufsicht über die AmtSvcrtvaltnng der Repr. und über die Geschäftsführung der Grnicindebeamtrn, er hätte über Beschwerden zu entscheiden, die gegen den Vorstand erhoben »verdcn, er hätte für die vorthcilhaftcste Vcrlvendung und sicherste Unterbringung des GemeindeverlnögenS zu sorgen, daS Recht den Stand des GeiucindevcrinögcnS, die belegten Rechnnngen über Einnahmen und Ausgaben, die jährlichen Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben der Gcmciiidcaiistaltcn, ihre Ialiresrrchmmgcn und ihren VcrmügcnSstand zu prüfen, die Gemeinde- und Handkassa zu skontrircn, sich bei der Uinlagc des GemrindebcitrageS zu bcthciligen. überRcclamationcn gegen Anlagen der RkpartirungScoilimission u.s.w.zu entscheiden. So kanten in Kürze die Punkte, »vclche die Wirksamkeit des Ausschußes in dem Statutentlvurfe v. 1.1850 betrafen. cst I)ei non jiotest, osse milos impcratoris“ (wer ein Soldat Gottes ist, ko»» kein Soldat des Kaisers sei») Kaiser Iosrs bekämpfte mit Rackidruck diese» Saß; obgleich die Reihe zu sprechei» noch nicht an ihn gekoimnen, er zeigte sich voll Ungeduld; Jene, die ihn genauer kannten, wie Kannih ahnten, daß er etwas .im Schilde führe. Kaunitz sprach sich weder für noch gegen ans, »nid meinte blos, inan möge -das Experiment wagen und Versuchsweise ein halbes lausend Inden als ,Freiwillige anwerbe», er für seine Person vermöge sich einen jüdische» Soldaten mir schwer vorzustelleii.. „Gemach I gemach! Exellenz," fiel Somienfels im gereizten lone ei», meine Wiege stand im finstern Nikolsbnrgcr Ghetto, bin darum mit Verlaub Eurer Durchlaucht doch kein schlechter 2oldat gewesen." Pater Wolf beeilte sich dem Kanzler zu Hilfe zu kommen und spracht ..Dasheil. Sakrament der laufe wirkt Wunder an jenem, dem es gespendet nuirde, delet infaniiani, verwischt die Schmach„Die Moslems," fiel der Kaiser ein, „sind nicht getauft nvd haben uns so manche barte Nuß zu knacken gegeben, nicht wahr, lieber Radziwill, Sic wissen davon z» erzählen, denn eS war ein Ianitschare, dem Sie die Narbe im Gesichte verdanken. Die Herren mit dem Evangelio sollten in militaribus vorsichtiger ihre Worte abwägcn." „Meine Herren!" sagte der Kaiser, „wie wär S denn, wenn wir die Stimme der Juden, die eS doch angebt, anbören niöchtcn in dieser gciviß wichtigen Frage, die Stinune wäre allerdings keine »iiaßgebende. sonder» nur eine konsultative. Ich habe dci» Bankier Nathan ESkeles zu mir beschieden, er weiß nicht,, »in waS eS sich handelt, darauf gebe ich ihnen mein kaiserliche» Wort, mit Ihrer Einwilligung wollen wir den alten Man», dessen Rath in finanziellen Dinar» wir so oft schätzten, anhören. ES liegt sonach der Beweis des quoderat demonstrandum auf der Hand, daß die gegenwärtige Repr. vpn der einzelne Mitglieder den Mund voll Freiheit haben, anstatt 18 Jahre vorcbenso viel Jahre rückgeschritten sind. Anders »var eS auch nicht zu erwarten; denn in solange diese Herren den cnrulischen Sib in» jüdischen Rathhause höher schätzen als die Interessen der Gemeinde. derenwegen sie gewählt sind, in solange sic ganz andere Zwecke in» Aug' haben, insolange sind sie auch nicht als die EultuSvertretimg einer mehr als 15000 Seelen zählenden jüdischen Gemeinde a nznschei». Glauben sie sich nicht kräftig genug, um bei einem liberalen Gemeindestatute fortzubcstehen, so haben sie sich unmöglich gemacht. Lässt sich voraltssetzen, daß die Repräsentanz ihre Existenz im Allgemeinen nicht von ihren Ehrenstellen im jüd. Rathhause abhängig gemacht, so ist es ebenso naiv als bewnnderungSwürdig, daß sie nicht nach dein Willen der Gemeinde handle. Der König ist todt, es lebe der König so würde eS bei dem Abtrcten der gegenwärtigen Repräsentanz lauten und sie hätte kein anderes Bewnsstsein als ihrer Gemeinde ein Statut'zur ewigen Erinnerung zurückgelassen zu haben, dessen papiernen Reste eine neue Vertretung dein" Scheiterhaufen überliefern »nüßte. Bevor somit an die speciellc Tcxtirung der Prinzipien des GemcindestatnteS geschritten werde, berufe sie Männer aus jenen Schichten der Geineinde zusammen, die sich dnrch eine gesunde Anschauung, durch praktische Erfahrung anszeichnen und deren Urthcil ein maßgebendes »verdcn muß; sie nehme sich die »vicner jüdische Gemeindevertretung, der Männer wie Kuranda, Neustadt, Kompcrt n. s. w. zur Zierde gereichen, zum Borbilde, dnrchblättcre ihr Statut und sie wird finden, »vie freisinnig vor Allem der WahlmodnS ansgearbeitet ist, »vie er keinen Unterschied zwischen dem aristokratischen Financier und dem schlichten GelverbSmanne macht, sic wird sich überzeugen »vie praktisch der StcucrcensnS durchgcftthrt ist. So lange der Kastengeist herrscht, so lange abhängige bezahlte Gemeindefnnktionärc oder gehorsame Diener neben ihren Vorgesetzten in der Repräsentanz sitzen, kann von einer »'echten Vertretung der Gelneindeintcressen keine Rede sein. Bloße Kopfschnttler können einer Gemeinde nicht helft»» und selbst jene Männer der Repr. denen eine ihrem Alter entsprechende große Steife der Erfahrung nnd subjektiver Anschauuitg zugestanden wird, bedürfen junger Kräfte an ihrer Seite, die nur nach „DaS Votum eines Einzclilcn," fiel Pater Wolf ein. „Sie haben Recht, Hochwürden, ich habe es in» Vorhinein bedacht. Rüben Mcnasscs, ein Preßbnrgcr Koscher-Gänsehändler und Pinchas Stcinitz, wohlbestallter Schächter von Proßnitz bilden die IriaS deren Ansichten in militaribus wir kennen lernen wollen. Legen Sie den Männern diese Fragen vor, wir wollen ihre Antivorten anhören." Nathan Eskcles, ein 80jährigcr GrciS mit lange,« Silbcrbart, eine »vürdige, iinponircnde, ehrlvürdige Erscheinung, trat in den Ko»»- fercnzsaal, sein schneeweißes Haupt bedeckte ein schivarzcS Sainmtkäppchen, das er beim Eintritte lüftete, doch-aufbehieit, als er mit< weihevoller Stimme die Hände segcnspendcnd ausbreitete, indem er °jj sprach: „Gelobt seist Du Gott, Herr der Welt, der Du dem Stcrblichcn hast mitgcthcilt von den» Glanze Deiner Majestät."' | Der Kaiser hatte sich erhoben, sein Haupt geneigt und obzwar L er die hebräischen Worte nicht ihren» Inhalte nach vcrstai»den hatte, »var er doch tief ergriffen von den» »veihcvollen Momente. Rüben MenasseS war ein kleiner buckliger Mann mit ver- ,! schnüptem Gesichte, der l»)puS eines alltäglichen Handcljuden; Pinchas Stcinitz »var ein Schriftgclehrter, Talnindist und Orthodox, ein pcrsonificirtcr Hungerleider, den» das Elend aus dem Gesichte sprach. Den Räthen der Krone wollte es scheinen, als habe sich Se. / Majestät einen Scherz erlaubt. (Liebhard, 6uriosa debraiea. 6 Tom. VI p. 314.) , Doch Josef II. blieb ernst. Nathan Eskcles wurde "eingeladen einen Sitz einzunehinen äin grünen Tische. » (Schluß folgt.) »

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.