Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 15 (25.6.1868)
- Date
- 1868-06-25
- Page
- Seite 161 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Hnlbjnhri,e« Ab,«, «raunt für Prag und die Provinz inklusive Zustellung ins Haus oder Postversendung ö. W.. - Ist-40 kr. für's Ausland 1 Tdlr. Inserate werden billigst berechnet. Nro. 15. - Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Iudenthums. Expedition für den gesäumten Buchhandel Odkar Seiner in Leipzig Berlagdbuchhandlnug. und l. ro»ue»ftag Redaktion und Ad «inistratian Ritttrgaste Rro. 408 — l »ohi« alle Briefe n. Geldsendungen zu richten sind. Die „Gegenwart" erscheint zweimal im Monate u.z. jede« 2. Prag 25. Juni 1868. 1. Iahrg. Inhalt: Leitartikel: Repräsentanz »nd Ausschuß. — Eine wiener Slimmeüber das p-ager ZukunslSseminär. — Aussprüche moderner Auiomälcn über Juden und Judenlhum. Correspondruz: Aus Ungarn. — Loralcs. — Auswärtiges. — Feuilleton.— Nachtrag : Rede deS Dirrktor« S. Singer bei der in Prag abgehaltencn Lchrcrvrrsummlung. — Leben und Wirken des Rabbi I. Hirsch Aschkenast. — Inserate — Seit längerer Zeit beschäftigt sich die prager CultuSrepräsentanz mit der Verhandlung der Prinzipien eilte« neuen Cultus-Gcmcindrstatutes, die noch immer nicht zum Abschlüsse gediehen ist, auch nicht erwarten läßt, daß die Gemeinde im heurigen Jahre mit dieser Bcschecrnng gesegnet wird. Der Standpunkt von dem eine solche Schöpfung ansgcht, ist kein schwer zu überwältigender, als daß er so sehr mit dem Verschlcppungssysteinc verbunden sein müße, allein diese Schöpfung, wenn sie uns nicht zur Bewunderung hinrcißt, so veranlaßt sie doch die Frage, mit welchem Rechte sechs Personen ein Statut entwerfen, von dem daS künftige Wohl und Wehe einer jüdischen Gemeinde abhängig gemacht, deren Interessen bewacht und gewahrt werden sollen, mit welchem Rechte ein solcher Entwurf von Personen, von denen in jedesmaliger Sitzung ein großer Theil durch seine Abwesenheit glänzt, aprobirt werden soll, oder nicht. Die Existenz eines Statutes oder einer Verordnung, die die bisherige Repräsentanz ermächtigt, durch ein Statut ihren Don ncrkeil zu schwingen oder ein mächtiges fait rrcompii zu Feuilleton. Aie ersten jüdischen Soldaten. , Hunnische Skizze. Kaiser Josef II. präsidirtc den: Ctaatsrathe: ei» Gegenstand von außerordentlicher Tragweite und tief einschneidender sozialer Bc- ^dcntung, sollte zur Entscheidung gelangen: jeder kaiserliche Unterthan, zu welchem Glaubensbekenntnisse er sich auch immerhin bekennen möge, sollte conscriptionsstichtig erscheinen, selbst die Juden keine Ausnahme von der Regel machen. Der Gedanke war groß und kühn, eines Kaiser Josef würdig, wer Rechte genießt, sollte auch entsprechende Pflichte» übernehmen und Josef wollte die vollen Menschenrechte den Juden vindiciren, di« Militärpflicht sollte keine Bürde, sondern eine Wohlthat für die Parias der Menschheit sein. Die humane Idee stieß auf einen fast kaum zu überwältigenden Widerstand, der Klerus, die Armee, die Bürger, und selbst die Juden machten ChoruS gegen den Monarchen, welcher aber nicht so leicht einen Gedanken fallen ließ, der in seiner Menschenfreundlichen Seele Wurzel geschlagen hatte. Armee und Klerus, Schwert und . . . -- schaffen, wird allgemein angezwcifelt und wenn auch eine hohe Behörde — ein Erlaß ist uns nicht zu Gesicht gekommen — an |if die Aufforderung ergehen ließ, ein Statut abzufaffcn, so that sie dieses gewiß nicht in der Absicht, dir Gemeinde möge bei Abfassung eine« so wichtigen Schrift«. stückcS dcsavouirt werden. Der Takt, die politische Klugheit, die aufrichtige Theiinahmc an den Interessen der Gemeinde, auS der sich die Repräsentanz so zu sagen selbst hcrauSgc wählt hat, hätten es geboten ja zur Pflicht gemacht comprtcnte Männer der Gemeinde der Berathnng deS Statutes zuzuzichcii, um so dem eigenen Gewissen lind dem Wunsche der Gcincinde gcMt ^t ivcrdcm Im midci u " Fälle.opfert" die Repräsentanz daS Gemcindewohl einem selbstsüchtigen Zwecke und glaubt durch illiberale Institutionen ihre Stellung zu festigen und zu kräftigen. Haben wir schon einmal des Eingriffes Erwähnung gethan, den sich die Repr. durch gewisse Prinzipien in die Rechte der Shnagoge erlaubt hat, so ist e6 heute unsere Pflicht auf das Berhältnisi der Repr. zu ihrer Gemeinde aufmerksam zu machen, bn* in Mn Sta tutenentwnrf ausgesprochen und von der Repr. in der letzten Sitzung iuaugurirt wurde. Diese das betreffende Verhültniß berührenden Prineipien wurde» in'den Rahme» einer scheinbar liberalen Fassung cingefügt und unter dem Vorwände einer unmöglichen Einberufung einer Generalversammlung in einer so großen Gemeinde wie der Prags, ein weiterer Ausschuß der Repr. zur Seite gestellt, welche die Ariere derselben zu bilden hat. Erwägt man nun die geringe Wirksamkeit , welche demselben zngedacht wird, gleichzeitig aber auch das Eommando der Repr. unter welchem der weitere Ausschuß einbernfcn werde» soll, so zeigt sich der ganze Vcrblendnnzzsapparat, mit. dem man die Veistnngen der ge gcnwärtigcn Repräsentanz so recht in's rosenfarbenste ^icht Kutte standen sich seit langem als feindliche Mächte gegenüber, doch heute weidete» Wolf und Schäflcin einträchtig auf einer Wiese, Graf Harrach und Pater Wolf. Nord- und Südpol saßen traulich, wie ein liebend Paar, neben einander, der Haudegen und der Betbruder. Selbst K a u n i tz und F e st c t i t 9 verließ ihr stolscher Glcichnmth, Kaunitz hallte sich in seinen Muff, während Festctits an den .lipfeln seines Rirscnschnurbartc» drehte, der General wie der Staatsmann waren gegen Pater Wolf ungewöhnlich freund, lich. Kaiser Josef errieth die Gedanken seiner Rathe mit Lcichtigfeit, er hatte dieselben sorgfältig vorher sondirt, er wußte, daß ec heute einen schweren Stand haben werkle, doch gab er nichts im Vorhinein für verloren. Pater Wolf sprach salbungsvoll von der Entchristlichnng der Armee, Graf Fcstetit» seknndirte lind sprach nebenbei von der gesährdeten Ehre des SoldatenstandeS, von den fremdartigen Elkmenten, die den Korpsgeist zersetzen und rin Schisma in der Armee herbciführcn könnten, Graf H a r r a ch hielt dir Juden für eine feige entartete Mcnschcnrarc,- die kriegsunfahig und ansteckend in Reih und Glied wirken würde, rr könnte sich einen jüdischen Soldaten ebenso wenig denken, als einen Augustinermönch der eine Kanone bedient. Der Stich galt dem Pater Wolf, der ihn lächelnd parirte, gleichsam entschuldigend beifügend: Qui inilea