Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 14 (11.6.1868)
- Date
- 1868-06-11
- Page
- Seite 155 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I — 155 — stand besitzt, jenen schrecklichen AuSruf de« «pellean den ' chen. Dawürde zu unwahrscheinlich sein, weil ich glaube, Schuster auf Euch anwenden würde: der Schuhflicker beurdaß der Vernunft besitzt, sie auch vorau-setzen könne, theile nur die Schuhe! 1 Lässt nun die Philosophie die Offenbarung zu. welcher In Betreff der Religion machen wir eso wie pntder wirst du die Hand reichen? Jener die dich durch die Wege Medizin. Ueberzcuget Euch nur selbst, wenn Ihr einen kran km Freund habet, so werdet Ihr den Pulihm fühlen, bei ihm den Doktor spielen, Arzneien, Salben, Blutegel, und waweiß ich noch, verschreiben; und wir sind noch bescheiden desozialen Lebenführt. Dir Pflichten auferlegt und Rechte verleiht; Dich lehrt, wie jene- Leben, da- Dir Gott gegeben.' nicht bloß im Nachdenken und Psalmensingen vergehen soll, nicht im Haffe jener, die Dir im Glauben verschieden; nicht und lobenswert, wenn wir nicht kommen, den Arzt kritisiren in dumpfer Misantropie, nicht im ausschließlichen Egoi-mu-, L V_ft-!!.* rtfttr in QTWrf# H»r hhK . und ihm den Titel eine- Dummkopfes beilegen. Gott weiß, wafür Studien wir in der Heilkunst gemacht haben! — So ist eauch mit der Religion; man schneidet grade zu, wirft mit Sentenzen herum, macht große Worte, zuckt als Zeichen des Spotte« mit den Schultern; — Erbarmen mit dem, der da sagt: Ich glaube. Ich würde nur jene fragen: Warum glaubet Ihr nicht? — Ist eleichter, logischer, gerechter zu sagen: Ich glaube, als daß ich nicht glaube? Wenn Du nicht meinest, mir die Falschheit meines Glaubens zu zeigen, so beweise mir die Unmöglichkeit einer Offenbarung, zeige mir die Nichtigkeit meiner Religion. Wenn aber meine Religion, meine Offenbarung die Gemüther aufgerichtet hat; wenn sie den Sinn zum Gerechten geläutert; wenn sie mein Herz zu einer Hoffnung erhoben, die nicht -von hienieden ist; wenn sie Balsam in meine Wun« den geträufelt, und mich glauben macht, in Gott einen treuen, ewigen Freund zu besitzen, der mich aufrichtet, mir rathet und mich tröstet; wenn meine Religion alle Fasen der Barbarei der mein Volk um gegebenen Völkerschaften durchgemacht hat, ohne selbst barbarisch zu werden; wenn sie Blut und Trug verabscheuet; wenn sie, auch in den grausamsten Jahrhunderten die Gemüther ihrer Getreuen besänftiget; wenn sie alles da« gethan, und hat es auch gethan: so verdient meine Religion die Achtung aller Achtbaren, den Glauben ihrer Gläubigen. Du wirst zwar einwenden, daß auch die Ci v i lisa tio n große Wunder bewirkt hat. Bei diesem Punkte wollte ich dich fassen. Wo hast du eine etbtge Civilisation? — Die griechische hat sich verdunkelt; die römische verschwand in der schrecklichen Finsternis des Mittelalter-. Und wer sagt dir, daß nicht auch unsere Civilisation eines Tagein irgend einer schrecklichen Umwälzung sich verfinstern werde. Die so sehr gepriesene französische Civilisation ist auS der Guillotine entstanden, wer in jener Periode gelebt — ich kenne deren noch einige — zittert noch bei der Erinnerung jener schrecklichen Zeiten. Die so sehr gerühmte französische Civilisation blutete nach den obscönstcn Orgien, nach der eisernen Dienstbarkeit unter einem Ludwig XIV. u. XV.— Wenn du daher der Meinung bist, daß die Civilisation, nach der heutigen Sprechweise eine Wohlthatcn Spenderin sei, so irrest du dich; denn die Civilisation selbst ist nicht bic— er ste Ursache, sondern ein Produkt so vieler Coeffizienten, die alle zu einem Zwecke führen. Und dann glaubst du, daß die Tugenden der alten Civilisationcn wahre und wirkliche Tugenden wären? Sie erheben wohl die Schriftsteller jener Zeiten in den Himmel, bestehen aber nicht vor der scharfen Kritik der Philosophie. UnddiePhilosophie selbst, die heute zu Tage sosehr gerühmte, kann den Glauben nicht ersetzen. Dann ist die Philosofie keine Kost für Jedermann und sic zerfällt in eben so viele Schule» als es Denker giebt. Woran soll man sich halten? Vorausgesetzt, daß cS eine solche gebe, die Alle gleich auffassen. Jede wahre Philosophie heutigen Taggeht immer von einer voranSgesetzten Idee, der v o n G o t t au-: daher ist in der materiellen Welt eine ihrer Kundgebungen in der Schöpfung in der moralischen wieder die Offenbarung nothwendig. Ohne diese Basis ist keine wahre Philosofie möglich. Philosofie eine Offenbarung aber in Au-übcn Werke der Liebe und Menschenfreundliche keit? — Oder wirst Du sie jener reichen, welche auf andere Weise sich Anhänger verschaffte? — Ich glaube, daß deine Vernunft in der Wahl nicht lange schwanken wird. Du wirst vielleicht einwenden, daß die Zeit in ihrem Fluge einen Eindruck auf unseren Glauben machen werde. Auf unseren Glauben nicht, auf xinige äußere Zeremonien gewiß; sie wird sie mitnehmen, und diese von selbst fallen. — Ist eS etwas Gutes oder etwas Böse-? Nun aber zum Schluffe: Ich fürchte nur, daß mit dem Firnisse der Jahrhunderte nicht auch jene erblichen Tugenden schwinden, die unso ganz unserem wahrhaften Glauben zurück gäben, und uns das Lob unserer Gegner endlich erwirkten. Ich bemerke aber, daß ich mit meinem Briefe zu weit gegangen, und endige mit diesem Axiom, welcheeinen Anhang zu einem andern bildet: Ohne Religion hat der Mensch kein dauerhafte- Band weder mit Gott, noch mit dem Menschen. Lebe wohl. — Journalistik. In einer Corresponden; zwischen einer ungarischen Ehr würden nnd einem berüchtigten Bachnr, in dem bekannten Lazzenhofer Blatte, werden wir ohne allen Grundel mit Schmähungen überhäuft, die die Introduktion zu eines, schon in'S Lächerliche gehenden Contraverfc bilden. Ob diese Beschimpfungen für den Ehrwürdigen schmeichelhaft oder den Bachur ehrend sind, darauf cinzngehcn überlassen wir den beiden, wir wollen nur die Ingredienzien einer wissenschaftlichen Polemik herauSzichcn, um den Leser zu überzeugen, wie weit cS mit der Bildung einewiener jüdischen Zei tungSschmicrcrS gekommen ist, der sich als Direktor eines ErziehnngS- und Lehrinstitutcö geriet. Die Ingredienzien lauten: Die Ungezogenheiten der Gassenjungen aus der Prager „Gaffe" — das Gesumme dieser Schmeißfliegen und wilden Hummeln — das Geflatter der bezahlten Orthodoxie — un geschlachte Drahtpuppe, die sich Redaktion nennt — Zwitter stcllung zwischen „Schalet" und Weltliteratur — Brutalität — Nun wir glauben, die Leser haben genug. Was uns betrifft müssen wir nur erklären, daß uns dieser journalistische Heiman Lewi recht viel Spaß macht, je mehr er sich ärgert, daß wir uns „vom Pamphletismuü mästen." Es thut uns in der Seele wehe, wenn »Vir dem liebenswürdigen Herausgeber jenes klinischen Blattes Konkurrenz machen und sind jeder Zeit bereit ihm eine monatliche Unterstützung, in einigen Gulden bestehend, zukommen zu lassen; falls ihin vor Gram das Fett schwinden sollte, daö er sich seiner Zeit in Prag durch da« Schalet an den Plcttentischcn angesammelt, erbieten wir uns auch ihm die ärztliche Eonsultalion zu bezahlen. Solche undankbare Crcaturcn, die froh waren, »venu ihnen die prager wohlhabenden Halbwisser eine Brodkxnmme gereicht, damit jene nicht den Hungertod sterben, sollten doch init inehr *1 Die Notiz, der wir in Nr. 12 »Niere- Blatte» contra H.'rrn Oberradbiner.Fasset brachte», haben wir nicht producirt, sondern birfribr dem „Israelit" »ntnomme» und auch dir Q teile augtgrbtn. (Sin solch»« Recht steht, wie .£>. Faßt wissen wirb, jedem Journale zn und hatte er die Absicht den „Israelit" rin wahrscheinlich ih« unliebsame» Blatt zu ignorireir. s, hätte er au» der Streitig