Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 14 (11.6.1868)
- Date
- 1868-06-11
- Page
- Seite 152 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I - 52 - Das Gesetz vom 81. Mai. Die lSnunr!,m«r„, wrlchc nach Crrlafi btf .Staat»- nnmbfltfrtr» vorn 21. Dezember IH07 über die allgemeinen Rechte brr Staatsbürger" uub »ach brni i» beiden Häusern bc» Rrichsrnlhs stattgefundenen erljabriirti mtb erhebenden Kampfe fur rilifliöfr Ärcit)ril br» ViOrr.:lm oll-*r Moiifrifioitcn fltlKiil, lumbc» nicht wenig durch bcn Prssiniis»»,- jnicr Iierabgrstiinn», welche rnlmrba vorsätzlich rinc MiSstiminnng zu »ährt» streben, oder jener, dir durch manche bittere Ent tausch»»« gewitzigt alle» nnb jedes bezwcijeln, was nicht burch Lstirf nnb Siegel erhärtet uub buich bas Eingelrbtsrin ge gen »Kraftioti gesichert ist. Uub wrr in O eslu reich kan» wohl von sich sagen, basi er in, letzteren Sinn, während bcr lebten 2<» Jahre in Österreich nie nnb niemals schwarz «eschen habe? Tic aber, N'cn» schon lan« r,»'artete, hoch immer bau«c Rachricht non de», Tode, de» tapfersten Borkämpsrrs für irli«iiUt Aicilnil «alt sclbst nieten der Milchigeren al» ein twftn, böse» S men. Mn, Gott und seinem Gesalbten, nnserci» erhabciirn Kaiser und Herrn sei Dank, bah bic gehrten iklefnrchtnnge» sich nicht bewahr Heitel haben, und bas; bei» Manne, den einst alle i« Oesterreich, ob er auch nicht zn rhiln Stamme gehört; srenbi« zn ihren Heide» zählen werbe», die Siegesbotschaft «leich dein «riechischen Helden Epaniinondas mit in» Jenseits hinüber nehme» konnte. Wahrlich, kein Priester, kein Bolkerebncr vermochte Mühl selb eine erhabenere (^rabrrbc zn halten, kein Dichter sein Vob in einen schaueren Päan nerkiinbc», nie es burch bic bei seine:» iobe eben staltgehabte Bcrkünbigung brr sanc tionirrtrn besetze von 25. Mai 1H(IH «cschchen ist. Gleichen auch diese «besetze nilht dem Ideale, da» bcr Berrwiglc hoch- Awcra «esclncht in bcr Ml>ilf! Bci mrinrm Vcbfi, schwäre ich, das Kind bcr Nnwke wirb sich »ach schnwbbcn nnb wirb ei» (Kalrch sei»! Wcilc, schrcitenb, bleibt er oar jedem Vaden stehen nnb ruft bic vniib ansstreckcnb : ..Schenken Sie Etwa» einem Armen!" Auch in bem Hansc, answclchem bcr Mann mit dem .»naben heraus, kam. stecken Kranen. Dicnstbotcn die .Näpfe zusamnien. Nmvkc ist eine arme Fra» nnb lebt van, Rähcn.: Fn WesckiästSangclegcnhcitc» kannte also bcr (deistliche nicht zn ihr «rkammen fein. Was ma« cr alsa bei ihr zn tlnm liaben? Seit einen. Fahre war er schan ."> » mal bei ihr! (Sine Nachbarin hat zur Miidtc «erabc ein (Si sehr näihi«. sic sucht die Schlüssel, findet sic aber incht. (So irt daher natürlich, bas, sie zu Ruwke sich ein (Sr ansborgen «el,l. Sic nimmt bas (Si i,„b will schan «che», plötzlich itcht sie an bcr Jbüre stille, beim cs fällt ihr «ewiß soeben rin z» sra«c» : Hunde,« Fohr solle» Sic lebe», Rnwkc lebe»! Wob bat der (»cisllichc bei Ahne» z» thun? (Sr ,n bcr Vchrer meine» Sohnes. Das ifl ab.r wirklich schön, basi so eitf Profeflor sich so viel ab«ibl mit einem jüdischen M'inb. Aber wenn ich nicht irre, sehe ich diesen Professor schon seit einem Jahre l» ihr Haus kommen. (Srtnncrn Sie i'idi noch, ich habe ihn bau,als zun» erstenmal «eschen, alb Sie da» Dellämpchen a»«czünbet haben, z»„„ Andenken an Ah. re» Mann. <*,'» I,abc ihn seli«. Aber hb denke, cs ist «erabc heute ein Fabr. den» da haben Sie doch heute wieder das Fabrzcitläinpcbcn an«ezünbet. »ich» wahr? Damals «in« Ihr Knäblei» »och i„ die (»cincinbeschnlc. damals war doch wohl, bcr Profestor noch nicht sei« Lehrer.' Der Professor iit mein r'anbsmann. nur find a»S einem Dorfe, und da iviirdc er «erabc vor einen, Fahre hieher versetzt. Während Rnwkc so sprach, setzte fie ihre Arbeit fieisii« fort, worauf die Rachbari», nachdem sie nicht- Verdächtiges »ns den Worten oder Mienen der Ruwke Iierausforschci, konnte, fich mit den, geborgten Li entfernte. Aber wer hat daS »och je «eliört, basi rin Nichtjude »nd noch dazu ein (Geistlicher. fich so freundlich beniiumt Anden gegenüber? So dachte die Rachlmrin nachträglich und Viele Andere mit ihr. denn fl war nicht zu längnen. die ganze Sache erschien als etwas ganz außergewöhnliches. i herzig «.hegt; so wollen wir doch gern gestehen, bafi sie mehr! alb dieses J>eal den gegebenen Berhaltnissen in Oesterreich entsprechen, dafi sic zur Btrmeidnng tief cinschneisender Dis» . ferenzei, und jener allzu raschen Uebcr«ä»«c «celgneter sind, welü c eben so wenig im politischen und religiösen als im physische» Vfben sich als heilbringend zn erweisen pflegen. > Freudig constatieren wir, bas; der Jude gegenwärtig in jede», Vande Oesterreichalle Rechte nnb alle Pflichten eine- Staatsbürgeran-zniiben im Stande ist, bas; b;m feurigen | Streben eines 'fnbrii sich uni fein B iterland nerbiciit zu > machen und die Frucht nnb den Ruhm solchen B.r)i:nste-! zu ernten, in Oesterreich keine Schranke gesetzt ist. Eine eben so edle Errungenschaft ist es, das; die jüdische Schule nicht mehr unter Bormnndschrft der Geistlichkeit einer anderen Eonfrssion steht; und wenn »vir auch gerne zngestehrn, bas; die katholischen Priester bei Verwaltung eines ihnen übertra« enrn Schulamtes sich «egen jüdische W.-mciubcn unb ihre Lehrer in den meiste» Fällen sehr human und vornr thcilSloS erwiesen haben; so lvar doch-das Prinzip dieser Bevormundung eine moralische 2ast, ein staat, bürgerli cher Makel. Bon bcn am 25. Mai erlassenen werden Ue Bcrhällnisse brr Jndew und de- FndenllMws »m wenigsten ^ro^^c^^^hcgese^z^^^^iih^,. ^.'t doch »ach jüd. tonsessioliellcm (besetze das Eingehen i» die Ehe nichts al>bic Rbschlirsrnng eines Nechtsveitrage-, w>c hochh.'ilig auch die Psl'chtcn brr Ehe in» Jndenthnnic gelten »nd mit wie schweren Strafen, selbst mit Todesstrafe nach jüdischen Elesetze auch die Ber. lctznng jener Pflichten verpönt sin). Das; Ehen zwiick):n Ehristen und Jude» nicht gestaltet sind p »sie die beim?ln-tritte ans einer .ReligioiiSgenoss.-nschast varge schricbenen Formalitäten, sind ^lcschrnnlnngcn, wclchc die Juden nicht mehr a l S b i c Bekenner anderer Religio Rnwke war eine schöne Fron, aber so sankt und züchtig, daß bcr böse 2c„,»»»b an ihrciu «ntcn Utnsc cbcnsowcni« hätte eine Spur znrintlasscn s»»»cn, als ein Hauch an bcr Scheibe eines rc>. »c» Spiegels. Rnwkc ifi eine schöne Fron, wenn fich auch keine 2o.ten um ihr Haupt ringeln; fie trägt cine schwarze Haube, wclchc ihre» «anzc» Haar sch n, lick vcrbcckt. Tic scheint »och j»»g zn fei», wenn sie die Drcisii« auch schon überschritte» hat, man könnte sie fast blühend ncnncn. eine ruhige Heiterkeit so z» sage», zieht fich über ihr Antlitz, obzwar fie von, frühen Morgen bis zu», späte» Abend arbeite» »insi, um sich »nd i>„ Söhnche» z» crhaitc». Ähre gesunde Ratnr nnb ihr t^ottvrrtraue» bilden ihre Vcrschöncriingoiiiittcl. Tie denkt über de» heutige» Besuch »ach. den fie seit einen, Fahre schon niehrcrcmal empfangen, und immer tiefer bringt sie in ihre Bergangcnhcit, bis ihr geistig-- Auge an den erste» Fahren der Kindheit haften bleibt. Sie war banialo ein kleines, trotzendes Mädchen. und spielte fröhlich vor den, Hanse ihrer lSltcr», in bei» Dörflei». Fhr Häuschen stand an, (Sude des Dorfes nnb wer aus dem nahcgelegene» Marktstecke» in s Dorf kam, »insitc an bemselben vorüberschreite;,. Auch der kleine Franz der Sohn des DorfnotarS ging daselbst vorbei, so oft er ans bcr Schule, ins Dorf nach Hanfe kam, den» er nmsitc täglich indie Schule des Marktfleckens hinnbcrwander». Da» kleine Mägdlein „'artete da»» allabendlich auf ihn an, Dorfendc und bic zwei .(linder spielten bann initeinanber. Sogar an den strengsten Wlntcrtagen wartete fie des kleinen Ttubeiite», und schon von ferne begrüßte sie ihn mit Schnceballen, die sie ihm entgegenwarf. A» einem schönen Wintcrtage war cs aber so schrecklich kalt, wie seit Menschengedenken nicht. Dennoch kam der kleine Franz aus bcr Schule >vic gewöhnlich, und chic kleine Ruwke ging ihm entgegen aufS Feld, .dm»!» baß fie ihn von Ferne sah, da flogen schon die SchneedaUen zu seiner Begrüßung und es jubelte die kleine Freundin, aber umsonst! Franz lief nicht so schnell entgegen wie' sonst, sondern schritt nur langsmn vorwärts, mit dem von Külte bläulichen (Aeflchtchen. ür öffnete den Mund, als wollte er ihr etwas sagen, aber Ruwke Hütte kein Sterbenswöttchen von ihm, fie sah nur, baß er umfiel und bewegungslos im Schnee liegen blieb. Ruwke dachte, daß Franz mit ihr scherze und eilte auch