Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 14 (11.6.1868)
- Date
- 1868-06-11
- Page
- Seite 151 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Hitlßjährige« Abo»« ,e«e»t für Prag und die Provinz iullvfive Anstellung inS HauS oder Postversenduug ». W. - . 1 fl- 40 ft. siir'S Ausland IThlr. Inserate werden billigst berechnet. Die Gegenwart. Grgan für die Interessen des Iudenthums. Expedition für den gesammteu Buchhandel Ldkar Seiner in Leipzig Verlagsbuchhandlung, und 4. Donnechag Redaktion nnd Atz «lntstration Rittergaffe Rro. 408 — 1 w»bi» alle Briefe n. Seldsendnagen z» richten find. Die „Gegenwart" erscheint zweimal i« Monate n.z.sede»2. Uro. 14. Prag 11. Juni 1868. 1. Iahrg. 9 n 1} Ä f t Leitartikel: Palockv. — Das Gesetz vom '^r>. Mai. — Till Brief vom l’rof. Ksdra l'ontrcmoli Cvnd an Hr. P. P. Journalistik. — Correspondrnzrn: Karlsbad. — Locales. Inserate — Aussvärtiges. — 5k»iost und Literatur. — RtuiUtton. - Palackh. 14. dieses Monates feiert das böhmische Volk das 70. Wiegenfest seines großen Geschichtsschreibers Pa lacky. Und zum böhmischen Volke zählen wir Israeliten Böhmens vielleicht selbst vor jenen, zu deren Stamme der gefeierte ÄrciS gehört, denn wie er selbst in seinem großen GcschichtSwerkc hcrvorhcbt, ist die Anwesenheit der Juden i» Böhmen schon im 10. christlichen Jahrhunderte durch Urkunden nachweislich, während ihre erste Einwanderung mehr noch als die aller andern BolkSstämme, die sich im lieblichen fruchtbaren Kcssclthalc deS Landes drängten und verdrängte», sich ins Ne bclgrau der Sage hüllt. Und in diesem mehr als ein Jahrtausend unS angchörcndcn Batcrlande, haben unsere Voreltern schöne und glückliche Tage verlebt. Tage der Ruhe und des Friedens und des ungestörten Erwerbes, der cs möglich machte, daß die Juden hier auch den höheren Interessen leben und dem speziell jüd. Wissen eine Pflanzt statte anlegen konnten, welche der Hauptstadt des Landes das schöne Epitheton einer „Mutter in Israel" ei «brachte. Wohl hat cS auch hierfür die Juden hin und wieder traurige sehr traurige Momente gegeben, wo DersolgungSsucht, Mord und Plünderung die Unseren bedrohten oder betrafen; aber thcils wärest diese Hebel wie durch die Kreuzfahrer auS dem AuSlandc herein geschleppt, thcilS trafen sie in einer Zeit, wo politische Parteiung und der in Vöhmrii fo oft vorgckommcnc religiöse Streit die untersten Schichten der Bevölkerung aufgeregt und i» Raserei verseht hatten. Und für solche Vorgänge hat Palacky in seiner Geschichte kein heuchlerisches, beschönigendes Wort; er schildert - und brandmarkt sie in ihrer ganzen Häßlichkeit, ja er tritt entschieden der viclvcrbrcitetcn Meinung entgegen, es sei ein Kü nig, der im böhm. Volke einen populären Rainen hat, ein besonderer Freund der Juden gewesen, und erweist genau wie dieser König bezüglich der Inden sich nicht über die allgemein in seiner Zeit herrschenden wenig löblichen Anschaunngcn erhoben habe. Diese historisch kritische Strenge hindert Palacky denn doch nicht, Vorwürfe, die anderswo unseren Stammes und G.aubenSgcnosscn mit Härte gemacht werden, in der gegen die Leidenden schonendstc Weise ab zn stiimpfen. fast zu vcr tuschen, nie aber denselben in gehässiger Weise vorznhaltcn, daß sic z. B. ein königliches Privilegium benützten, die landcs üblichen Zinsen von ihren Schuldnern doppelt ein zu heben, weil wie die sonderbare llrkundc erzählt, die Juden sonst nicht leben könnten, da sic ganz besonders hohe Abgaben an den König zu zahlen, daher das Volk für seinen König zu bedrücken, für letzteren die Kastanien aus dem Feuer zu holen hatten. ' » , Solche Freundlichkeit, die wir selbst bei klassischen Dichtern oft nicht immer antresfen, macht Palacky selbst dann unS wert und thruer wenn wir nicht zugleich constatircn könnten, daß er nnd alle die ihm als ihrem^Altmcister und _ Whrer mahe^ ftandk»^-A« den Reichstage» der- Jahrc l^48vd.l>l40steis zü Günsten 5er Inden gesprochen und gestimmt haben, und wenn wir nicht als angestammte Söhne Böhmens das vollste Recht hätten, dessen wissenschaftlichen Ehoriphäen den unfern zu nennen. Mögen also diese Zeilen als bescheidenes Blättchen mit in dem reichen Kranze der Fcftglüßc er- | scheinen, die von nah nnd fern dem edlen Jubelgreise zuzuko mmen bestimmt sind! Feuilleton. Die kleinen Studenten. (Rückerinnrrung an tine Judrngasse.) Die Leute in der „Gaffe" stecken ihre Köpfe zusammen und sehen bald flüsternd bald lautpcrorirend, manchznal sogar schreiend einem schlankgewachsenen Maime nach, der so eben au» dem Thorr eine» klrinen unscheinbaren Häuschen» am „Schloßberg" kommend ernst dahinschreitet. Tr ^trägt da» Kleid der Benedittiner und ist Gymnasial, lehrer. 3hm zur Seite läuft ein schwache» Sprößchen de» Gymnasium». Bald ist der Arme in schrecklicher Verwirrung, der großen! Ehre wegen, daß er mit dem Hr». Profcffor gehen kann, bald wieder flößt ihn» ein zutrauliches Wort des neben ihn» schreitenden Mannes Vertrauen ein; mit einem solchen wechselnden GeinüthSzu. stand nun läuft der ärmlich gekleidete, blaffe Knabe init seinen kurzen Füßchen neben den» Lehrer, denn würde er nicht laufen, tuic könnte er mit Jenen» gleichen Schritt halten? Was hat der hier zu suchen? — Ich habe ihn schon oft aus diese»»» Hause herauSkonnncn gesehen! — Sch t mal her! wie er mit einen» 3udeilkuaben geht l — Dieser Knabe ist bei Gott der Sohn der CchnriderSwitwe Ruwke! Mit solche»» Beinerkungen blickte eine Mrnschrngruppe den» ungleichen Paare nach. Meschugge 'Mosche, der eben anlangte und eine Weile dle Reden der Frauengruppr anhörte, ries hieraus in der Gaffe : — Tine