Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 13 (28.5.1868)
- Date
- 1868-05-28
- Page
- Seite 140 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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140 wndcii kan», dir es sich, zur Aufgabe macken, de» mit ve« bensgeiahr täiiipsenden Kiankeu tröftcnbc Worte zu verleihe», den letzten Momenten eines mit dem Tode ringfikden eine höhere religiöse Weihe zu geben, ohne lontagiöse Fälle oder Epidemien zu scheue», schließlich sich noch mit dem Leich» nähme selbst zu beschäftigen, allerdings Funktionen, die einen gewissen Liebesdienst in sich schließen, aber keineswegs zu den Annehmlichkeiten des Lebens gehöre», verdient grade ein solche- Mitglied den Anspruch ans die Ehrenrechte dcS Vereines. Die Ehrenrechte aber schließen vor Allem in sich die Rechte zu wählen und gewählt zu werde,». Es muß nahe zu bannt Hinge», daß ein Mann, der seit seiner (Geburt dem Vereine angehört, erst drei Jahre nach seiner Vcrheirathung incorporirtcS Mitglied wird, und dann erst 15 Jahre diene» muß, um Altmann d. h. .wahlfähig und wahlberechtigt zu werden. Durch ein solches Verfahren wird dem Liebesdienst beflissenen Mitglicdc die Mitgliedschaft grodezu verleidet und dadurch dem Vereine eher geschadet als genützt. In einer Zeit, wo der JndiferentismuS in jübifd) commnnalen Angelegenheiten en vogtte ist, erfordert cs die politische Klugheit durch Begünstigungen neue Mitglieder zu gewinnen, die apathisch Gewordenen durch Ehrenrechte zu befriedigen. Der §. 50 der Statuten der die Altmänner zu LooSziehern der 15 eigentlichen Wahlmänner, zwei Ersatzmänner und zwei Wahstommissären und drei RechnungSrevidcuten (aus den VereinSmitglicdcrn) bestimmt, kompromittnt den ganzen Wahlackt und zerrt ihn so zu sagen ins Lächerliche. Bei großen StaatSlotterien, bei denen cS sich um das Glück vieler Menschen handelt und die Eontrolle ihr strenges Auge wachen lässt, wird die Loosung. von der hundert Tausende Gulden abhängig gemacht werden, einem armen Waisenknaben unter Bewachung einer Eommission überlassen, während zu dem Wahläckte der Beerdigungsbrüderschaft sümmllichc dein Vereine angehörigc» Altmänner auf den bestimmten Tag vorgeladen werden. Zieht man nun in Erwäg»!!. ,!>> mir aus gereiften Männern und Greifen besteht, so lässt sich ein solcher Paragraph aus dem die Glöckchen der Narrenkappe klingeln, nicht genug verantworten. Wer einer solchen Wähl jemals beigewohnt, wird sich die Ileberzcugung verschafft haben, daß grade minder einflußreiche ja oft im strengsten Sinne öcb. Wortes abhängige Männer an der Wahlurne erscheine»/ denen das Sclbstbestimmnngsrecht sehr fremd zu sein scheint. Die Folgen einer solchen Wahl sind dann nnanSbleiblich, und die mit ihnen verbundenen Eouseguenzen führen zu feinem praktischen Resultate. Können wir uns eines »iipartheiischcn llrtheils nicht erwehren, mit dem wir behaupten müssen, daß die Clicwra Kadischa manches Ersprießliche nach Außen hin > geleistet, daS mehr dem Auge, weniger dem Herzen wohl thut, müssei, wir widcrum den Vorstand der Brüderschaft einer gewissen Machtlosigkeit zeihen, die mit ihrer sonst angestrebten Machthaberei im grellsten Widerspruche steht. Den Armen gegenüber hüllt sich der Vorstand in den vergilbten Blättern des hohen Rabbi Löw, den reichen gegenüber deckt er seine dem Zeitgeiste widerstrebenden Paragraphe mit Feigenblättern der Scham, er tritt mit einem Worte nie mit Entschiedenheit auf. Um solchen in einer Zeit, die das Abstreifen des alten Schlendrians zu ihrer Parole hat. noch immer zur Geltung gebrachten Modalitäten, die der damaligen Epoche in der die Population eine geringere, der Bildungsgrad ein niedriger, die Verhältnisse von denen der Gegenwart bedeutend verschieden waren, zu begegnen, bedarf de^. Verein einer gehörigen Rcstanrirung mit Beibehaltung gewisser alten Rechte, durch welche die heilige Glorie des Vereines, dessen Nimbus nicht verloren geht, er erfordert neue, gesunde, lebenSstische Organe im Vorstande, die auS dem Vereinekein Schaugepränge wachen, die.die Devise „Gleiches Recht für Alle" überall oben an, jedem egoistischen Principe voran und Alles hintan setzen nm den heiligen Eifer für die edle Sache zu wecken. Bor Allem sollen die Gebühren ermäßigt, wenn auch nach denCultn.' fteuerklassen normirt werden. So finden wir es grenzenlos un« verschänU, daß beispielsweise für den Gebrauch des Leichenwagens mit Decoration und Bespannung mit nur zwei Pferden von der 10. Klasse 60 fl. ö. W. zu entrichten, während für die Bespannung mit noch zwei Pferden 90 fl. zu leisten ist. Wahrlich um einen solchen Rösselsprung zu vertragen, gehört eine -gewaltige Roßnatur! Der heilige Verein ist nach unserer Anschauung eine perpetuelle Säugpumpe mit deren Hilfe rücksichtslos bis an den Grund des materiellen Bodens der trauernden Hinterbliebenen geschöpft wird, und eS ist gewissermaßen die Observation dem Gefühle widerstrebend, wie vom letzten Röcheln eines" Sterbenden angefangen bis nach Senkung des.Verstorbenen in ,die Gruft den Leidtragenden 'förmlich Schröpfköpfe allerlei Gebühren angelegt werden, die bisherigen Vorstände haben noch nichts zur Glorificirung des Chewra Kadischa- Vereines beigetragen, müsste denn sein durch jene, durch komplicirtcn Unsinn sich auszeichnenden Statuten vom Jahre 1867. Wir wollen uns hier in keine Kritik derselben cinlaffen, da ihr bewunderungswürdiger von den Verfassern selbst zugestandener Nonsens uns jeder weitern Belenchtimg enthebt. <. * Die Statuten bedürfen vor Allem einer' radikalen Modifikation, vor Allem der Aendcrung des Wahlmodus und llnd wie er sitzt und wie er lauscht Theilt sicli die Fluch empor, Aus dem bewegten Wasser . Rausch'» zwei Prediger hervor. Welch Änderbarer Anblick Rabbiner - in einer Schwimm schule Mim» machen zu sehen! Es bietet der in harlekinar tigem Kpflum gehüllte Seelsorger ein buntscheckiges Bild. Wäh rcnd -er eine den Parnaß, den dießmahl.die Trambuline vorstellt, besteigt, um wie ein Stein sich in die Tiefen hinab zulasscn und von da aus in tautschutartigen Bewegungen sich in die Höhe zu bringen, was für ih» sonst eine Unmöglichkeit ist, so doch sich wenigstens auf der Oberfläche zu erhalten sucht, steht der jüngere »"» Sonüen'chein geblendet am kastalischen Ouell, den dießinabl die Douche bedeutet, ä» ihm schöpfend, der ihm auch eine» Ungeheuern Wortschwall verleiht. Hat sich nun, jeder hinreichend gekühlt, um die Exercitieu zu beginnen, da besteigt der poeiiednftende homiletische Wasscrküiistler das Schwungbrett, um sich zu jenen Kory phäen hinauf zu schwingen, die durch Geist und Sprache hinzureificn wissen, siehe da! ei» Sprung! und wie DädaluS, dem die Flügel geschmolzen, stürzt er häudesalteud in die bläulichen Fluchen, die daS Symbol manch' wässeriger Rede sind. Den neidischen Blick heftet der steinige Kanzelheros, der mit seinem A m c n Berge zittern macht und an das sich Gctheilt- Thabcn des zinoberrothcn Meeres durch den Stab Moses nicht glaubt, an dem tanzenden Luft- und Wasserspringcr und folgt ihm-in einem salto mortale nach. Die Köpfe ragen andem Wasser hervor, in welchem weder Todtenköpfc noch Eisschollen schwimmen, die Geister sie schweben unter den Wässern und werden auch niemals gesehen; flugs, zappelt der jüngere mit den Gliedern, die so oft schon Tcrpsichoren Dienste geleistet und mit Grazie bewegt er die Arme, die dem älter» den Weg nach der kastalischen Douche zeigten. Wie auf Befehl klettert dieser die Sprossen an der Bariere hinan und läßt sei., sonst bekappteS Haupt von de» kristallenen Strahle» segne». Da die Erfahrung gutta cavat lapidem saepe cadendo eilt Tropfen Tarnt einen Stein höhlen, ihm plötzlich in den Sinn kommt, da entfleucht er ängstlich ob des Gehirnes besorgt, das ihm durch die Löcher des Kopfes entwischen könnte und fällt dem Arzte der Schwimmschule iu die Arme, der ihn von der Wasserpartie an die Schachpartie bringt, die mit einem homiletisch äskulapischen Schachzuge eröffnet und mit Schachmatt eines Bauer« geschlossen wird. Untröstlich ziehen die Wasserkünstler ab und treten durch den Jesuiten garten, für den sie so sehr schwärmen, ihre Heimreise an.-