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Die Gegenwart · 1868-05-28 · 13 (28.5.1868) · p. Seite 139

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
13 (28.5.1868)
Date
1868-05-28
Page
Seite 139 (sequence 1)
Language
German
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Halbjährige- Abountmtnt für Prag and die Provinz inklusive Anstellung iuS Haus oder Poswerseuduug ö. W.. . 1 fl. 40 fi. siir'S Ausland IThlr. Inserate verde» billigst berechnet. Die Gegenwart. Redaktion und Al» «iuistratiou Ritter« gaffe Rro. 408 — 1 wohin alle Briefe ». Geldsendungen z» richten sind. Die „Gegenwart" er- Hrgan für die Interessen des Iudenthnms. .M°«" 2. Expedition für den gefammten Buchhandel Oökar Seiner in Leipzig Verlagsbuchhandlung. »nd 4. Donnerstag Nro. 13. Prag SS. Mai 1868. 1. Iahrg. Inhalt: Leitartikel: Tie Bendigung^brüderschaft. — «chibbolelh und Sibbo» leth. — Fortsetzung zur Fortsetzung.»— Der Pilpul. — Ein Erfolg. — Bericht b«- "■ "sion über den Jahresausweis der Beer« digungMüd- Locales. — Auswärtiges/ — Kunst und Literatur- Feuilletog. Nachtrag Lebe» und Wirken de» Rabbi I. Hirsch Aschkenasi. — Inserate Die Leerdigungsbrüderschast. Nirgendwo ist das jüdische BereinSlebcn so in der Blüthe als in der Präger CultuSgemeinde nnd keine Gemeinde kann sich rühmen in. humanitärer Beziehung Großartigeres und Bielfältiges geleistet zu haben als eben die alte, ehrwürdige jüdische Gemeinde der Metropole deS Königreiches Böhmen. Unter diesen, dem Herzen der. Wohlthäter entsprungenen, durch den Edelsinn der Menschen geschaffenen, von so Vielen unterstützten Vereinen ragt wie eine tausendjährige hohe Erder hervor jener Verein, der sich die Präger israelitisch e Beerdig ungsbrüderschaft nennt, und sich zur Aufgabe macht, den Hingeschiedenen Israeliten den letzten Liebesdienst zu weihen. Dieser Verein verfolgt sonach den heiligstes und edelsten Zweck, er vereinigt mit den Tobten, er söhnt auS'mit ihnen nnd ruft jedem Lebenden ein meinento mori zu. Wir glauben sonach nicht zu fehlen, wenn wir vor Allem dieser Brüderschaft ein besonderes Augenmerk schenken, wozu nnS einerseits die Pietät vor ihrem mehr als 300 jährigen Be. stände veranlasst, anderseits, ihre hohe Bedeutung erkennend, die Mängel und Gebrechen uns mahnen, dieselbe eines ernsten Wortes zu würdigen. ES ist heute um so eher an der Zeit darauf einzugehen, als am 31. dieses Monates, dem Fenilltton. Dir homiletischen W.isierkünstler. i ES war an ein«' heiteren Nachmittage, die Sonne warf durch ihre "strahlenden Sendboten ihr. blendendes Licht aus f^und ihre verursachende Wärme gab dem Tage das echte Ge E Drage eines Wonnemonates. Majestätisch schlängelt sich der I Wilbcrwcllige Moldaustrom, der wie ein gewaltiger Arm das I Doldcnc Prag in zwei Hemisphären thcilt, um silberlockig sich! »in das Flußbett zu verlieren. Immer schöner wird der Tag, I »der die Herrlichkeit der Natur verkündet; er treibt Männer l »und Frauen, Greise und Kinder inS Freie und die sengenden »Strahlen der Sonne geißeln mit ihrer intensiven Wärme den »Rücken geplagter Wesen, die um sich ihr zu entledigen, das Heil »in den Wassertiefcn der Moldau suchen um für Momente » der Oberfläche entrückt zu sein. Syrenenartig ruft diese heiß I I gesottenen Altagsmenschen das Rauschen diesevon der Sonne " —■ ■- ersten Sonntage nach dem Wochcnfeste die übliche Wahl deS neu zu crest-enden Vorstandes stattfindet. Dieser Tag wäre für die Brüderschaft von großer Bedeutung, wenn sie ihm nicht durch eine mit dem alten Zopfe verflochtene Institution, die ein Paragraph der Statuten geschaffen, entzogen würde. Derselbe beschränkt das Wahlrecht insofcrne, als er den dem Vereine angehörigen Altmänncrn (Sekenim) daS aktive als passive Wahlrecht einräumt, während die übrigen Vereinsmitglieder, seien sie inkorporirt oder nicht inkorporirt von der Wahl ausgeschlossen sind. Unter solchen Verhältnissen ist der Verein keine Brüderschaft, seine Mitglieder stehen zu einander in keinem brüderlichen Verhältnisse und die Fraternität hebt sich von selbst auf, wenn man in Erwägung zieht, daß daS Recht, das dem kleinsten Theile eines großen Vereines zugcstandcn, dem größer« Theile total entzogen wird, und es muß sonach daS Majorisiren der Minorität als reine Absurdität angesehen werden. Jeder Verein, er strebe was immer für einen Zweck an, bietet den Mitgliedern-selbst bei nicht in Anspruchnahme etwaiger Nutznießung einen gewissen Vortheil und angenommen, dieser wäre nicht vorhanden, so participiren die Mitglieder wenigstens auf das das Zartgefühl berührende Moment und zwar auf das Wählen und Gewähltwcrden in den Vorstand oder Ausschuß, die jenen Theil der Sache auSmachcn, welchen man mit Ehrenamt zu bezeichnen pflegt. Also jeder Verein gewährt einen materiellen oder geistigen und einen moralischen Nutzen. Der heilige Verein (Chewra Kadischa) strebt einen gewissen Zweck an, der baar jede» profanen Elementes, bestimmt ist, den letzten Akkord an der Saite deS menschlichen Gefühles anzuschlagcn und ans eben dem Grunde muß sein Prestige mehr gewahrt werden als bei jedem andern. In Anbetracht dessen nun, daß jeder Israelit schon vom Tage der Geburt diesem Vereine angehörcn, vom Ir». 'Lebensjahre angefangen in das Contingent jener gereiht gefärbten wässrigen ZischgoldcS, das so getreu die Vergänglichkeit alles Irdischen kennzeichnet. ES strömt alles hin zn der Schwimmschule, in der die olympischen Spiele mit Ruder ilnd Kiel vor sich gehen und Wasserkünstlcr ihre gymnastischen Spiele treiben, Hände und Füße in Bewegung setzen, um sich auf der Oberfläche des listigen Elementes zn halten, daö oftmals mit seinem gierigen Rachen das erbarmungslos verschlingt, was lebensmüde geworden den irdischen Plagen zu entfliehen sucht. Unser Auge geblendet von der Spiegelfläche, in der der asurne Himmel sich widergibt, schweift umher, um das Wogen und Treiben der vernunftbegabten zweifüßigen Plätscherer zu beobachten, die da muthwillig ihre Purzelbäume schlagen, als hätte das Wasser die sichersten Anhaltspunkte. — — — , DaS Wasser rauscht, das Wasser schwoll, Ein Fischer saß daran Sah nach dem Angel ruhevoll Kühl bis an'S Herz hinan,

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