Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 1 (28.11.1868)
- Date
- 1868-11-28
- Page
- Seite 6 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ren Fragen, die zur Bnathung kamen, ob eine Ausgabe des Pentateuch mit Auslassung der für das Kind ungeeigneten Stellen verauslültet werden könne, ob die Anzahl der Lehrstunden in der jüd. Volksschule auf die Zahl 82 (18 für den hcbräischczi und 14-für den deutschen Unterricht fest zu setzen ist, und ob ferner rin Proseminar mit dem Sitze in Brünn errichtet werden soll, u. s. w., sind vorüber und hie und da wiedcrklingcn noch in meinen Cfjrctt, die in schroff-. sten Gegensätzen gehaltenen hitzigen Debatten, die dem jüdischen Lchrcrtagc das t^cprägc eines zum Sprichworte gewordenen vvlnischcn Landtages gab. Ich will mich Weberin eine Kritik der Redner, noch über deren Ansicl'tc» cinlasscn, allein ich kann meine Bemerkung nicht unterdrücken, das; in einer so großen jüdischen Gemeinde wie sic in Prag ist, ferner bei den zahlreichen Landgemeinden in Böhmen noch keine Lchrcrversammlung angeregt und zu Stande gebracht wurde. Ich will nicht hoffen, daß in Ihrer Gemeinde gelehrte Elemente vorhanden sind, die eine sdlchc Schöpfung hindern und cs wäre au der Zeit, daß Sic der guten Sache ein Wort sprechen. < Jassy, 20. September. Die Znständc in' Rumänien sind noch immer so unerquicklich, daß wir unsere Glaubensgenossen in Qcstcrreich, sei cs in Eis-, oder Translcitanicn ihrer Stellung lvegcn beneiden. Es herrscht satlisch unter den Bauern die größte Entsittlichung und die lctzlen Plündrruiigs Vorfälle in einigen Dörfer» liefern biezn den schlagendsten Beweis. Tic Existenz der hiesigen Inden ist unter Fürst Earl weit trauriger als »liier Eusa und trotz der edlen Mission MontcfiorcS und Errmicux ist Alles beim Alten geblieben. . Locales, +** Mit der Resignation des Herrn Pr. Rosenauer als Lehrer der Realgrgenständc an der Talmud-Thoraschule wird diese Stelle erledigt. Sollte die Resignation aufrecht erhallen bleiben, so möge dir Eultns Gemeinde Repräsentanz bei Bt'ctzu»g des rrlcdigle» Postens zuerst die Prager berücksichtigen, die bei jeder Gelegenheit in den Hintergrund gedrängt »erden, um die Proteltionskinder ans laicht zu fördern. .4*.* 3'cerbig» » gs brüdersch a ft. Der Borstand derselbe» hat vor einiger Zeit Statuten, die ihrer Abfassung nach originell genannt zu werde» verdienen, heraus gegeben, ohne sic den Mitgliedern derselben znkonimen zu lassen. Ebenso rnlbehrt dieser Verein noch iinnier eines Ausweises oder weiß der Vorstand nicht, daß jedes Mitglied der Brüderschaft als auch der Gemeinde selbst zu wissen berechtigt ist,, was mit dem Bermögc» des Bcrrincs geschieht, an dem doch jedes Gemcindemilglied partizipirt. +** Berflossene». Sanislag hielt Herr I>>. Kolm in der Klausiynagoge eine längere Ansprache an den Eonsirmanden W. in welcher er in eben so sinnreicher als ergreifender Weise die Tlwra allegorisch darzustrllcn wußte, anknnpsend an eine Erzählung aus der heil. Schrift wie der Fremdling Eleaiar matt und müde nach einer Reise Erholung sucht und durstet,' in schüchterner Weise Rebekka die grade eine Heerde tränkt, ui» eine» Sinnt desergnickendc» Wassers biilct, welchen Wunsch sic ihm in der freundlichsten und mildesten Weise gewährt.' Der Rednervergleicht nun den Pu, ini/aali mit dein Fremdling Eleasar, die Thora nril dem se.nsien lieblichen Bläschen Rebekta und die Gemeinde die nach der Wahrheit der Thora tauftet, mit der durstenden Heerde — ist eine solche Ansvrache, die Moral und An ciseiiing zur Religion enlbält, sehr lobenswerth, allein der .Kanzcliedner bedeute, das; in einer so großen ungclicitzten Synagoge, in welcher das Quecksilber des Thermometers auf dem Gefrierpunkt steht die Anforderung eine etwa« unbillige ist, daß die Besucher der Synagoge durch eine langt EonfirmationSrede bald darauf durch eine noch längere Kanzelrede, verhalten sein sollen bis 12 Uhr dem Gottesdienste beizuwohnen. Der Herr Prediger möge die sanitären Rücksichten auch ins Auge ziehen und bedenken selbst wsnn die Reden noch so viel Wärme auSströmen, sie nicht ^intensiv genug sind, den Körper zu erwärmen. *** Zurjüdischen Gemeindebibliothek. D(e ' \ Herren Senders & Brandeis Buchdruckcreibesitzer in Prag haben beschlossen von jedem in ihrem Verlage zu erscheinenden hebräischen oder auf jüdische Interessen Bezug habende Bücher zwei Exemplare der jüdischen Gemeindebiblioliothek zu spenden. ES verdiene diese Anregung bei allen jüdischen Verlegern und Autoren Beachtung. Der Verein zur Unterstützung für unbemittelte Gewcrbsleute, hat den 17. v. M. eine Generalversammlung zum Bchufe einer ncncn Ausschußwahl ab gehalten, ohne daß zu derselben alle Mitglieder des Vereines eine Einladung erhielten. Ist dann eine solche Wahl legal? Auswärtiges. Wotitz. Der hiesige allgemein geachtete Lokalrabiner . Herr M. Schiffmann, wurde von der k. k. Statth. zum berauner Krcisrabincr ernannt. — Wie würdig er "für diese Stelle befunden wurde, erhellt daraus, daß das Gutachten sämmtlichcr in diesem Kreise befindlichen Gemeinden, die von den k. k. Behörden cinvcrnommen wurden, einstimmig zu Gunsten des Genannten ausfiel, daher ihm unter den 8 Eompetcnten, dieser Posten verliehen wurde. Tabor. Der hiesige Localrabbincr Herr Gutmann Kleinpercr wurde vorder k. k. Statthalterci zum KreiSrabbincr ernannt. Budwcis. Herr vr. Wunder Seelsorger daselbst wurde von der f; k. Statthalterci zum KreiSrabbincr ernannt. Pest. Sr. Majestät geruhten die Frau Elisabeth Goldberger und ihre gesetzlichen Nachkommen in Anerkennung der Verdienste, die sich die Familie um die vaterländische Industrie erworben hat, in den ungarischen-Adelstand mit dem Prädikate „budai* zu erheben. Preßbnrg. Die konzcssionirte Handelsschule des Herrn I. Roicnzweig wird von Inden und Ehristen besucht. An der hiesigen städtischen Realschule würden schon vor einigen Jahren jüdische Lehrer angestrllt. (Man-möge dieses Verfahren auch in Böhmen zu würdigen wissen. Anm. d. Red.) Bre-lau. Einer Gerechtsame der Zunft, datirend aus dem 14. Jahrhundert gemäß, waren die Juden von den Börscnvcrsammlungen ausgeschlossen und hatten mithin weder ein Recht das neue im Jahre 1824 erbaute Börscngebäude zu betreten, noch dasselbe zu benützen. Mit der Bedeutung der Stadt als Handelsplatz wuchs auch der Zuzug israelitischer Familien und die Verhältnisse änderten sich derart, daß die Majorität der bedeutenden Firmen heute in jüdischen Händen ruht. Dieser Umstand nöthigte die Eorporation zu der Erwägung, ob sie den fcstgehaltenen konfessionellen Standpunkt aufgcbcn oder aus den publicistischen Eharaktcr als einzige Repräsentanten der commcrzicUcn Interessen der Stadt Verzicht leisten wollen. Rach langen Debatten einigte sich die Eorporation dahin, sich mit dem Titel „Verein christlicher Kanfleute" in« Privatleben zurückzuzichcn und hatte nur noch die Aufgabe, ihr ziemlich bedeutendes Vermögen durch einen Rechtsfrcund zu verwalten. Diese Verhältnisse mußten selbstverständlich Mißhelligkciten unter den beiden Eonfcssionrn Hervorrufen. Die Juden erklärten fortan die Versammlungen in dem der christlick.cn Eorporation zugehörigen Gebäudc'nicht ferner besuchen zu wollen, und kamen von da an im Eaffe Restaurant einem Privatlokalc zusammen. Die Räumlichkeiten des Gebäudes-, seit der eingctrctcncn Spaltung den Börscnzwcckcn nicht mehr entsprechend, wurden