Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 1 (28.11.1868)
- Date
- 1868-11-28
- Page
- Seite 5 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4890378-5433912-5433918--022-4890393- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
nicht verklungen ist. Der Name dessen, der bis heute noch nicht ersetzt ist, ist — wir brauchten ihn gar nicht zu bezeichnen — MoseS I. Landau. Wir haben hier nicht die Absicht dem Manne einen Nachruf zu widmen, dem die prager Gemeinde die Existenz eines RapoportS in derselben, die Ehre und daS Ansehen, zu dem sie durch einen solchen Mann, den heute daS Iudenthum betrauert, gelangte, zu verdanken hatte, wir wollen nur in Veröffentlichung eines Briefes des einstigen Vorstehers der prager Gemeinde an R. die grade an der Zeit ist, zeigen, was Landau auch in dieser Richtung der Gemeinde gewesen ist, wenn eS sich um die Wahl eines geistlichen Oberhauptes handelte,'wie^-daS Verhältniß zwischen sich und der Gemeinde durch ’ friedlu Vermittlung auszugleichen wusste und eine bewunderungs-> würdige Energie entwickelte. Der Brief übersetzt auS dem hebräischen Original datirt aus dem Jahre 1840 (im Monat Tischri 5600) lautet: „ES ist bereits eine geraume Zeit, seitdem ich hochge- „ehrter Herr und Freund! Ihnen nicht geschrieben habe; „ich enthielt mich. Ihnen, was den Rabbinerposten in mei- „ner Gemeinde betrifft meine Gedanken zu erschließen, und „meinen Rath zu ertheilen, weil es zu meinen Grundsätzen „zählt: „Besser man bekundet sein Wirken durch Thalcn als „durch eitle Worte." Der Allmächtige machte meinen Arm „stark, um desto besser Ihnen zu nützen, was gewiß zu meinem „und Ihrem Wunsche gehört. Nun da der Fall eingetrcten „ist, daß Ihre 'Gegner von der gerechten Sache besiegt keine „Beachtung mehr finden und sie jetzt zu Ihren Verehrern „zählen, da hochgeehrter Herr tragen Sie Bedenken und „beschleicht Sie ein gewisses Mistrauen? wie ich Ihrem „Briefe vom 12. d. M. entnehme, der an die Gemeinde- „Vorsteher gerichtet war und die Worte enthielt: „WaS die „übrigen Angelegenheiten betrifft, über die noch Rücksprache „zu nehmen ist, habe ich an einige geehrte Mitglieder gc- „schrieben, indem ich den Wunsch äußerte, sie mögen sich mit „den Gemeindevorstehern berathen u. ihr Gcsammtrath soll mich „leiten." Desgleichen fand ich in allen Briefen, die Sie an Herrn vr. Sachs und Herrn Simon Aufch richteten, eine düstere Stimmung vorherrschend, die eine bange Besorgniß verrieth — darum erachte ich es für meine Pflicht Ihnen S* lgendeS mitzntheilen: Sie beziehen eine freie Wohnung» mein College Herr Wolf FleckcleS Bruder des berühmten Herrn Rabbiners Eleasar. FleckeleS seligen Andenkens bemüht sich Ihnen dieselbe sehr elegant herzurichten und ich denke, daß die Hahl der Zimmer nicht geringer sein wird, als die von Ihnen jetzt bewohnten, überhaupt, daß Sie eine eomforte Wohnung antreffen werden. Was Ihren Herrn Schwiegersohn und seine werthe Frau betrifft, werde ich sorgen, daß sie hier unbehelligt wohnen, während Ihrer gewünschten Zeit von 3 Jahren an ihren väterlichen Tisch wie bisher speisen und Sie inSgesammt unter dem Schutze meiner Freundschaft sich befinden werden. Was Ihre Besoldung die sich auf 600fl. belauft, betrifft, so wird dieselbe Ihnen vom Kreisamte auf die Dauer eines Jahres zugcsichcrt, wobei Sie mir glauben können, daß ich so viel Einfluß bei dieser Behörde besitze, Ihnen den Gehalt für die Zukunft -zu sichern, so bald Sie nur einige Monate in unserer Mitte sein werden; denn immer steht es Ihnen frei Ihren Wunsch auszusprechen. — Und was soll ich noch Jhrentwillcn veranlassen? — Jetzt hochverehrter Herr! beschwöre ich Sie bei Ihrem Theuersten mir unumwunden die Aeußerung abzugeben, ob nicht Ihre Bewerbung um diese Stelle ein bloßer Kunstgriff war, um Frieden in Ihrer Umgebung zu stiften, um dem Zwiste Ihrer Gegner in Tarnopol ein Ende zu machen, was stets der Wunsch Ihrer Verehrer war, die in Ihnen den großen Gelehrten erkannten. Jetzt also" da die Angelegenheit hier geordnet ist, dürften Ihre Geglur-mit Ihnen den Frieden geschloffen haben und ich erkläre Ihnen, daß wenn Sie in der Erreichung de« Friedens das gewün fchte Ziel erreicht zu haben glauben, so sei eS fern von mir Sie zu überreden, geschweige zudringlich zu sein. Ich fühlte mich für meine Mühe belohnt, daß ich das Resultat vorhergcsehm hätte. Jeder' weitere B riefwechsel in dieser Angelegenheit wäre dann überflüssig nn) cS bliebe mir somit nichts anderes übrig als der Landesregierung die Abänderung Ihres Entschlusses bekannt zu geben, damit der Eonkurs erneuert werde. Allein sollte ich mich etwaiger Täuschung hingebcn und Sie dennoch die neue Bahn zu betreten entschlossen sein, so tre tcn Sie dieselbe gestärkt an. und thcjlen Sie uns Ihren Entschluß mit; denn die Reisespesen liegen bei mir bereit. In diesen Zeilen liegt der Erguß meines Herzens so wie cS stets meine Weise ist. — V Amschelberg, 24. November (O. K.) Vor Allem geehrter Herr Redakteur wünsche ich Ihnen Glück zu Ihrem neugcgründcten Blatte, denn da Israel jenem alten Hcidcngottc gleich, der mit zwei Gesichtern nur vor- und rückwärts schauen konnte, bisher der Gegenwart ganz entbehrte, so können wir cS Ihnen nur Dank wissen, wenn Sic bestrebt sind der Judcnhcit eine „Gegenwart, zu schaffen. Hiermit hätten wir einen Ansatz zu einem Aufsätze; doch Sie verlangen populäre, jedermann, verständliche Aufsätze. — Woher nehmen und nicht . . lügen! Soll ich Ihnen berichten, wie hier bereits der Ecche mit den,' Deutschen, der Christ mit dem Juden fratcrnisirt und Hand in Hand geht? öder soll ich rcferiren, wie hier und anderswo 'jüdisches Wissen und jüdische Wiffenschaft gehegt und gepflegt wird, daiyit die mächtigen und fühlbaren Lücken im Juden - thume durch den Tod unserer Munk'S und Rapoporl'S, einst würdig auSgcfüllt werden!! Oder brauch ich Ihnen etwa courSzcttelartig zu sagen, wie flau cs fortwährend auf dem jüdischem Büchermarkt hcrgcht? Oder wünschen Sie eine Ab Handlung über den Scheintod — der LandcSrcpräsmtanz? Wollen Sie Gedichte an den Mond, oder Debatten ob und wie dem Kinde bcigebracht werden soll, wie die Töchter Lot'S denselben nach Art der >lnclam6 du Harry zu einem vertraulichsten tötea-tötu bezaubern? Sic sehen geehrter Herr, daß es der orientalischen und zwar recht brdmicndcn Fragen noch genug giebt, wenn cS auch nur einen ÖdipuS oder Alexander gäbe, der sie auf die eine, oder andere Art zu lösen verstünde! Wenn die Kunst, der Journalistik übrigens darin bcbesteht, viel zu schreiben'und doch nur wenig oder nichts zu sagen, so haben Sic an mir Ihren Mann gefunden; denn soviel Worte ich auch jetzt machte, so habe ich doch nichts gesagt und wenn nichts eben populär genug ist, so habe ich gleichzeitig Ihren Wunsch erfüllt.. Nehmen Sic diese Zeilen als Einleitung zu anderweitigen Arbeiten, mit welchen ich von Zeit zu Zeit Sic und Ihre Leser hcimzusucheu gedenke, wenn die Zukunft sich eben zur heitern „Gegenwart" gestalten sollte. Wir schließen dicßmal mit dem aufrichtigen Wunsche: Ihre Leser mögen zahlreich wie der Sand am'Meere und Ihre Abonnenten und Mitarbeiter wie die Sterne am Himmel sein. Brünn 25. September. Die Zusendung Ihres Prospektes hat mich in der That überrascht und hat eS mich schon längst befremdet, daß in Prag noch nicht ein jüdisches Organ gegründet werde, das der Tendenz entspräche, welche die Interessen einer so großen jüdischen Bevölkerung wie sic in Prag ist, erheischen. Doch besser spät als nie und ich wünsche Ihnen den besten Erfolg. Ich habe Ihre Freunde, die Sic sich hier während Ihrer mehrjährigen Anwesenheit erworben von Ihrem journalistischen Unternehmen in Kenntniß gesetzt, und sic theilen mit uns das Interesse, das ich für die gute Sache hege. Was ich Ihnen berichten will, dürfte Ihnen schon aus den Journalen bekannt sein. — Die Lehrerversammlungen nämlich, mit tj)* i