Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 1 (28.11.1868)
- Date
- 1868-11-28
- Page
- Seite 2 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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2 «er de- Fortschrittes weht, hat es von seinem wirklichen Werthe nichts eingebüßt; denn das Judenthum wurde nur von den unlautern Schlacken gereinigt; es wurde ein geläuterte- Judcnthum. Es ist dicß eine Metamorphose, die man mit Zeitgeist bezeichnet! Allein übte diese Umstaltung, dieser Zeitgeist auf das jüdische Gemeindeleben wohlthätig ein? Nein! vielmehr störend. Der schroffste JndifferentiSmuS stellte sich ein/ um die einst so fest da gestandene Phalanx zu zerschmettern und seinen nichtjüdischcu Brüdern nur daS Schattenbild der einstigen Eintracht, des ehemals so gepriesenen ZusammenhaltenS zu zcigem Der sogenannte Zeitgeist rief den starren Materialismus hervor, der den Juden jedem Sinn für Gemeiudcwohl, für Selbstverbrüderung und für politische Anschauung entzog. Und die Folge davon, ward, daß ein Ehaos in den jüdischen Gemeinden entstanden, das zu entwirren eine wahre SisiphuSarbeit wäre, daß die Unebenheiten in derselben von unberufener Seite benützt und zu anderen Zwecke» auSgcbeutct wurden, daß Elemente aufgetaucht sind, die unter den jüdischen Brüdern und zwischen ihnen und ihren nicht jüdischen Brüdern Zwietracht säctcn und alles andere eher verfolgten als die wahren Interessen der Gemeinde, Um nun diese Zustände auf den Urzustand der Jntercssenpülitik zurückzuführcn, in daS Geleise der alten Eintracht zu bringen, sei die Aufgabe deS Juden nicht den OrthodoxiomuS gegen die Aufgeklärtheit oder umgekehrt in den Kampf zu führen, sondern, ohne daß er den Gesichtspunkt seiner edlen Mission, die Achtung dem Judcnthunic zu erhalten, aus dem Auge verliere, daS Banner der reinsten Gesittung, der Wissenschaft, und Harmonie, hoch zu halten. Der Jude wusste durch seine Intelligenz, durch die Wissenschaft, durch rastloses Streben auf dem Felde der Industrie, durch die Eulturentwickelung sich eine Stellung im Staate zu erobern, die ihn auch aneifern wird diese in ehrenhafter Weise zu behaupten um so gekräftigt Preismrdaillrn aber um allen Preis Medaillen wahrscheinlich aus mnsikalischer Eomposition, auf denen jeder, der sie erhalten, auf 25» angewiesen wurde. sJDfit einem Mahle kommt einem königlichen Musikdirektor der unharmonische Einfall zu behaupten, daß die .- Tätigkeit eine« jüdischen Cantors nicht zu den bevorzugten * Stellungen auf Erden gehöre; daß je bedeutender die Kraft ist, die man in den Dienst der Gemeinde stellt, desto weniger die Errungenschaften auf diesem Gebiete sind. Der Herr Direktor hat dieses Mahl nicht den rechten Ton getroffen und wenn er glaubte dem Jubilar eine Schmeichelei zu sagen, so hat er eine Saite zu hoch gegriffen und eine doppelte Seite" berührt — die der Eantorcn, und die der Gemeinden. Wenn man einen Sulzcr nnd seinen „Schirr Zion" betrachtet, so wird es klar, daß man sich auch als Eantor unsterblich machen kann nnd, daß die Errungenschaften dieses Meisters des Gesanges bedeutend wurden durch seine Bedeutung. Hätte der königl. Mnsikdircstor die etwas kühne Behauptung ausgestellt «Jeder Ehase» sei ein Narr" so Hütte wenigstens dieser Scherz Stoff zum Aachen geboten und man hätte gesagt: Der Berliner Musikdirektor spricht ganzest. Glauben Sie, nur ein Ehascn hat das Monopol ein Narr zu sein? Ei bewahre! Jeder kann es sein und wer cS nicht ist, der macht sich aus einem Andern einen Narren. In früherer Zeit hielten die Könige ihren Hofnarren, die ihnen die Wahrheit sagten; heute heißt jeder, der ihm die Wahrheit sagt, einen Narren nnd so will man von dem Narren nichts wissen. Will man ihn jedoch nur lesen, >o erscheint zu diesem Zwecke in Pest ein humoristisch sathrischcs Blatt unter dem Namen «Harscht Narr" bei dem man billig zum Narren kommt §der zum Narren wird." Wir versprechen'jedoch keine Närrrn zu.sein, lim unser Blatt in Credit bei den Lesern zu bringen, weil überhaupt die Gegenwart sich auf Credit gründet, lind sollte es keinen Credit genießen, so tröstet wir unS damit, daß Rothschild auch keinen Credit genießt, waS wir hier in folgender Erzählung darthun wollen. nach Außen auch gekräftigt nach innen zu wirken und sich fortschreitend zu entwickeln. Wir hmgeaen wolle« bemüht sei« die politische« Fragen, so weit sie den Inden berühren, z« behandeln ,die HilfStruppeu in Bewegung ju sehen, nm jede« ungerechte» Flankenangriff von welcher Seite er immer komme;«- rückzuschlagen; jeden Federstrich der dem Juden Schmach u«d Hohm schreibt, verfolgen uud bereit sein den Fehdehandschuh de« zu werfen: der sich anmaßt den Inden oder daS Jude«- thnm zu schmäyeiz; wie wir hingegen dahin wirken wollen, daß das gute Einvernehmen zwischen dem Inden uud seinen nichtjüdischen Brüdern hergestellt und gekräftigt werde. Lin Hauptaugeuaerk soll von und darauf gerichtet werde«, daß die Interessen der jüdischen Gemeinden von ihren Vertretungen gewahrt werden, daS der Erzichnng nnd dem Unterrichte der Jugend, dem Heile der Leidenden, dem Rechte der Armen Restuung getragen werde, um so Einigung und Einheit zu erzielen, die zwei Juwelen in der Krone deS IndenthnmS bilde«. ' Die Juden und das Concordat. . . . . .l Unserem Programme gemäß haben wir alle jene Erscheinungen des speziellen und politischen Lebens in den Bereich unserer Besprechung zu ziehen, die unmittelbar oder auch nur mittelbar daS jüdische Jntereffe betreffen oder geeignet sind, die Theilnahme der Israeliten in höherem Grade anzuregen. Die obgenannte Angelegenheit, welche eben jetzt in Oesterreich die öffentliche Meinung und die liedhafteste Agitation zu zwei mächtigen, einander entgegengesetzten Strömungen aufgeregt haben, und von deren Entscheidung nach der Meinung vieler das künftige Wohl oder Wehe Oesterreichs und feinen Bewohnern abhängt, ist keineswegs eine solche. Rothschild hat keinen Credit. Der Baron Rothschild in Paris gericth bei einem Spaziergänge in eine jener ihm unbekannten Strassen die« in ihm ein unheimliches Gefühl erregte, »peil er fürchtete sich völlig verirrt zu haben. Da siel ihm ein Trödlerladen auf, er näherte sich demselben und siehe da, er erblickt einen antiken Barometer der schön baar aller Vergoldung aus der Zeit Ludwig dss Seckszehnten herrührte. Der Baron ein Kenner von derlei antiken Gegenständen frug um den Preis der ihm von der Trödlerin mit 10 FrcS. angcboten wurde. R. greift in die Tasche um zu bezahlen — doch was ist? er hat seine Börse zu Hause vergessen. Nicht aus der Fassung gebracht, bemerkte R. der Trödlerin: «schicken Sic ihn nur zu mir, ich bin Baron Rothschild man wird ihnen das Geld in meinem Hotel einhändigen. Ich kcnneleinen Baron R. antwortete die Trödlerin. Der Baron ganz verblüfft, daß es doch Jemanden gebe, der seinen Namen nicht kenne, rief auf einen zufällig vorbcigehcnden Dienstmann und frug ihn lächelnd: „Weißt du was von dem Baron Rothschild?" — «Eine seltsame Frage, daS ist ja unser Geldkönig" war die.Antwort. „Weil Madame hier ihm so eben einen Credit von 10 FrcS. versagt hat, meinte Rothschild auf die Trödlerin zeigend. „Ist daS wirklich wahr" Madame DucloS? rief der Dienstmann erstaunt. „Ja sehen Sie Monsieur Pierre" man kann doch nicht alle Welt kennen, erwiederte die Trödlerin ganz verlegen. „Sic kenne ich und Ihnen borge ick auch." Bei diesen Worten unterbrach der Baron die Frau durch ein herzliches Gelächter. „Nun gut Monsieur Pierrö" sagte er noch immer lachend, „wenn Sie denn für mich garantiren wollen, so gehen Sie einmal vor allen Dingen mir einen Wagen zu holen und dann tragen Sie diesen Barometer in meine Wohnung." Gesagt, gethan! und eS ist selbstverständlich, daß der Dienstmann für daS übernommene Risics von dem Könige des Geldes reichlich belohnt wurde.