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Die Gegenwart · 1868-11-28 · 1 (28.11.1868) · p. Seite 1

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
1 (28.11.1868)
Date
1868-11-28
Page
Seite 1 (sequence 9)
Language
German
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I I Halbjähriges Abo»- acaeit für Prag unk die Provinz inNufive Zustellung ins Haus oder Postverseuduug ii. W.. . -fl.40 kr. sitr's Ausland IThlr. Inserate werden billigst berechnet. Die Gegenwatt. Hrgan für die Interessen des Iudenthums. Nedaktio» und Rd- »iuistrotiou Rttttrgasie Rro. 408—1, wohin alle Briefe ». Geldsendungen zu richte» siud. Die„(Stgr»wart" erscheint zweimal im Monate u.z. jede»2. und 4. Donnerstag. Uro. 1. Prag 28. November 1867. 1. Iahrg. PJp“ Die zweite Rümmer wird nurnach Eutrichtnng der AbonnemeutSgkbühr zugcschickt. Inhalt: Leitartikel: Unser Programm — Die Juden und da» Concordat — Eine Adresse. — Ein Brief Landau'» an Rapoport. Korrespondenzen: Amschrlderg, — Brünn. — Jassy. Loeales. — Auswärtiges. Kunst und Literatur. — Wohlthätigleitsalte. RMologie. — Bon» BLchertische. Feuilleton. Unser Programm. Bevor wir dasselbe entwerfen, müssen wir zuerst dm Juden in seiner Stellung gegenüber dem Gesammtjudenthume, in seiner Stellung zu seiner .Gemeinde und in der gegen seine nichtjüdischen Mitbrüder betrachten, wir müffen eine Vergleichung anstellen zwischen seiner. Vergangenheit und seiner Gegenwart und an dieser Vergleichung wollen wir unser Programm anknüpfen, da« einzuhalten unser absolutesteS Bestreben sein soll. In dem vorigen Jahrhunderte und selbst noch in den ersten Dezennien de« gegenwärtigen Jahrhunderts, war das Judenthum, das stet« unerschütterlich und fest geblieben, von dem mittelalterlichen Odem angehaucht und die Atmossphäre der bi« an verderblichen Fa-- natiSmuS grenzenden Orthodoxie hatte Miasmen in sich ausgenommen, die auf die Achtung, welche der Jude den andern Nationen abgcwinnen sollte, einen schädlichen Einfluß Feuilleton. Raum und Zrit. — Neuzeit und Gegenwart. — Homiletischer Wettkampf. — GeburtSscheinmxe. — Ein Ritter vom Grabe. — LüjShrigr Jubelfeier. — Prei«mrdaille. — Musikdirektor und Cantor. — Harsch! Narr. — Rothschild hat keinen Credit. Nach den Gesetzen der Natur befindet sich der Mensch in der Zeit und im Raume, folglich auch im Zeiträume; eS bildet sonach die Zeit sowie das Geld eine Haupttolle im menschlichen Leben, woher das Sprichwort rührt time8 i« monney. Wir kennen eine Neuzeit, in welcher gewöhnlich prager Gemeindesachen nach der Zeit auSgettagen werden, bei deren Schilderung man sich oft die alte Zeit zurückrufen möchte. Neuzeit ist fast analog der Gegenwart und da wir es hier mit der Gegenwart zu thun haben, so haben -wir eS auch gleichzeitig mit der jüngsten Zeit zu thuN, iu welcher der homiletische Wettkampf zu verzeichnen ist und eine Synagoge bewiesen hat, daß sie bei sonstiger Kälte einen Danziger vertragen kann. Der große Gelehrte, dem dieser oratorische Wettstreit gegolten hat, ist tobt; sein Andenken lebt fort und man muß trachten, daß bald ein solcher, der ihm gleiche, geboren werde.?oet» nrmcitur; ebenso ist e« mit dem wahren Gelehrten. Also Wiedergeburt eine« solchen Manneist des Judenthum» übte. Allein dieses damals noch unter der Wucht der. größten Intoleranz seufzende, unter den Geißelhieben wahnverblendrten BorurtheilS stöhnende Judcnthum hatte doch ein Asyl; eS war der Geist der —Religion, ein Geist,, der sie belebte, ermuthigte dnd wie ein Wetterstrahl ihren düstern Horizont erleuchtete. Der Jude hatte ttotz Verfolgung, ttotz Anfeindung die moralische Kraft behalten; er wusste sich seine Sttllung, die ihm im Staate stiefmütterlich zugewiesen ward, durch sein patriarchalisches Leben, durch den Frieden im Innern, in seiner Gemeinde, zu ersetzen. Und dieser Friede, diese« enge unzerttennbarc Zusammenhalten mit seinen Brüdern, seinen Glaubensgenossen, bildete die festeste Phalanx gegen mittelalterliche Angriffe, selbst wenn sie au» den höchsten Kreisen stammten, einen gut gestählten Panzer gegen die Durfgeschoffe de« Judenhasses. Zu jener Zeit war die Achtung unter den Juden nicht von den . BermögenSvrrhältniffen abhängig, kein Unterschied fand statt zwischen bescheidene Armuth und sich aufblähendrn Reichthum. Wollen wir nun die Gegenwart mit der Vergangenheit vergleichen, so dürste erstere mit letzterer eine Vergleichung nicht so leicht auShalten. HaS heutige Judenthum, wir wollen e« modern nennen', |ift wohl dasselbe geblieben und wird eS bleiben auch wenn es hie und da von der schmutzigen Tinte mittelalterlichen BorurtheilS besudelt wird. Es hat bereits die glühendsten Feuerproben überstanden und es ist bewiesen, daß VaS Judenthum, auch wenn eS nicht gestützt würde, sich selbst hält. Der Moder, in dem dieses ura'te Gebäude sich chüllte, wurde von dem reinen Zephyr der Toleranz und AufgeNärtheit gereinigt und, seitdem auf demselben das Ban- Wunsch. Um diesem zu begegnen, wurde schon in einer der letzten Sitzungtt, der CultuSvcrtretung über eine GeburtSscheintaxe, die inS Leben zu rufen wäre,.diskutirt und bestaubte FaScikel von 1842 Hervorgcsucht, die wiederum die ohnehin zu hoch kultuSbesteuerte Gemeinde in Unkosten zu versetzen, zu den Akten geworfen wurden. Taxe und Geld sind sonach gleichbedeutend und doch zahlt man nicht gerne Taxe und hat lieber da» Geld, da« man oft gerne au« der Erde scharren möchte. Und die e« haben, denen genügt eS nicht, sie müffen noch den Besitzer desselben in seiner ewigen Ruhe stören, weil sic e« nicht zugeben wollen, daß der erste jüdische Ritter in den Gräbern der Gemeinde schlummne, die ihn mehr als ein halbes Jahrhundert den ihrigen nannte. Demnach ist das Wirken im Leben, sei e« in einem Amte doch dem Ruhen im Tode vorzuziehcn. Durchtrillert man einen 25jährigen Amtsabschnitt, so eröffnet sich die AuSsichtauf ein Jubiläum, das glanzvoll erscheint, je nachdem man eS in Scene setzt. Hat man diesen Tag erreicht, so ist der Himmel voll von Telegrammen, grschriebenm und metallnen Aufsätzen, Erzählungen ohne Namen, Toaste, und unter fröhlichem Gesang und flamme nder Rede erhält der Jubilar einen Taktirstab als Erinnerung an guten Takt und einen Lorbeerttanz zum Zeichen, daß man sich so viel erworben, um auf seinen' Lorbeeren ruhen zu könne». Der Jubilar fühlt sich dann neu geboren und da« Lomltt ' Virtbellt all« Andenken ru dessen Wideraebutt. "***

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