Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 2 (1868)
- Issue
- 11 (13.3.1868)
- Date
- 1868-03-13
- Page
- Seite 45 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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®trimer Wochenschrift für Jüdische Lugelegeuhetten. 45 ausgedehnt al« leicht zu bearbeiten, Anlangead die erwachsenen jüdischen Convertiten (Männer und Weiber) so verhalte sich Mi« ljtair zu Civil ungefähr, wie 7 zu 2, indem jene» 77 und diese« L3 Procent zum Gesammtconvertitenthüm stelle. — Dir Geschichte der Asseneth. ■־" (Fortsetzung zu 6. 41.) AIS mm Affeneth ging zu küssen den Joseph, streckte er seine rechte Hand au» und sprach: ״ES ziemt sich nicht für einen gotteSfürchtigen Mann, der da preist mit seinem Munde den leben« digen Gott und ißt da» gesegnete Btod des Lebens und trinkt den gesegneten Kelch der Unsterblichkeit und sich salbt mit dem gesegneten Oel der Unvergänglichkeit, ein fremdes Weib zu küssen, welches preist mit ihrem Munde die tobten und stummen Götzen« bilder und ißt von ihrem Tische das Brod der Erstickung und trinkt von ihrer Spende (Trankopfer) den Kelch der Nachstellung vnd sich salbt mit dem Oel des Verderbens. Sondern der gotteSfnrchtige Mann wird küssen seine Mutter und seine Schwester von derselben Mutter und seine schwesterliche Gattin in seinem Hause, welchepreisen mit ihrem Munde den lebendigen Gott. Ebenso ziemt eS auch ferner dem gotteSfürchtigen Weibe nicht, zu küssen einen fremde» Mann, dieweil dies ein Gräuel ist vor dem Herrn. Kapitel 7. Und als Asseneth alle Worte von Joseph vernommen, war sie sehr betrübt und wehllagte laut. Und sie blickte starr hin auf Joseph, und mit weit geöffneten Augen und sie füllten sich mit Thränen. Und da Joseph sie weinen sah, jammerte eS ihn ihr??' sehr, dieweil er sanftmüthig und mitleidsvoll war und den Herrn fürchtete. Darum legte er seine rechte Hand auf ihr Haupt und sprach zu ihr: ״Herr, Gott meines Vaters Israel, du höchster und mächtiger Gott, der du Allem Leben giebst und Alles von der Dunkelheit in das Licht gerufen hast und von der Verirrung zur Wahrheit, und von dem Tode zum Leben, segne du auch diese Jungfrau und gieb ihr daö Leben und erneuere sie durch deinen heiligen Geist, und sie esse das Brod des Lebens und trinke den Kelch deiner Segnung, und zähle sie zu deinem Volke, das du erwählt, bevor Alles geworden, und sie gehe ein in deine Ruhe, die du bereitet deinen Auserwählten, und sie lebe in deinem ewigen Lebe» bis in Ewigkeit/' Und eS freuete sich Asseneth sehr ob der Segnung Joseph'S. Und nachdem sie ihn gegrüßt, stieg sic hinauf in ihren Söller und fiel auf ihr Bett in Ohnmacht; denn sie hatte Freude und Trauer und viele Furcht und fortwährenden Schweiß, als sic vernommen diese Worte von Joseph, und wie er redete zu ihr im Namen GotteS, des Höchsten. Sodann weinte sic laut und bitterlich, und sie wandte sich ab von ihren Göttern, die sie verehrte, und von den Götzen, denen sie zürnte. Und sie blieb so, bis eü Abend ward. Joseph aber aß und trank und befahl seinen Dienern die Pferde an seinen Wagen zu spannen um zu rundreisen da« ganze Land. Und Potiphar sprach zu Jo« seph: ״CS übernachte mein Herr heute hier, und ziehe (Morgen) früh deine Straße weiter", und Joseph sprach: ״Nein, ich werde heute abreisen, dieweil dies der Tag ist, an welchem Gott umfing zu schaffen seine Gebilde, und nach acht Tagen kehre ich zu euch zurück, und übernachte hier. Kapitel 8. Und als Joseph hinau-gegangen aus dem Hause, begaben sich auch Potiphar und seine ganze Verwandtschaft fort auf ihr Erbgut, und Asseneth blieb allein zurück mit den siekCn Mädchen und sie weinte bi» die Sonne unterging. Weder Brod aß sie, noch trank sie Wasser, sondern al» Alle schliefen, war sie allein wach, weinte und schlug häufig mit der Hand ihre Brust. Dar» nach stand Affeneth auf von ihrem Lager und stieg hinab die Stufen der Treppe des ObergrmachS; und als sie kam an die Thüre und die Thürhüterin schlafend fand mit ihren Kindern, nahm sie eilig von der Thüre die Decke de» Vorhänge» und füllte sie mit Asche. Und sie brachte sie in da« Obergemach. Und "sie legte sie auf die Erde, verschloß sodann also sicher die Thüre, schob nach der Seite die eiserne Riegel vor und seufzte sehr unter vielen lauten Weinen. Als das Mädchen, welches Affeneth vor allen übrige» liebte, ihr.Seufzen hörte, eilte sie und kam an die Thüre, nachdem sie die anderen Mädchen geweckt und fand sie vcrschloffen. Und als sic hörte das Seufzen und Weinen der Affeneth. Kapitel 9. Und am achte» Tage in der Morgendämmerung als die Hähne kreheten und die Hunde belleten, da schauete Affeneth aus dem Fenster, welches gegen Morgen sah, gewahrte, und siehe, der Morgenstern, und neben ihm war der Himmel aufgelhan und ein großes Licht erschien. Und als Affeneth das sah, fiel sie auf ihr Angesicht zur Erde, und siehe ein Mann stieg vom Himmel und stand über dem Haupte der Affeneth, und rief sie beim Na« men; sie aber hat au» Furcht nicht geantwortet. Und er rief sie zum zweite Male Affeneth, Affeneth! sie antwortete: ״Lieh?, hier bin ich, Herr, wer bist du? sag'» mir an." Er sprach: ״Ich bin der Fürst des Hauses GotteS und der Fürst der Heerschaaren des Herrn. Erhebe dich und stehe auf deinen Füßen und ich will zu dir reden." Kapitel 10. Und Affeneth richtete ihr Haupt auf, und siehe der Mann war in Allem dem Joseph ähnlich, mit Rock, Krone und könig» lichem Scepter, aber sein Angesicht war wie der Blitz, seine Augen wie Sonnenstrahlen und die Kopfhaare wie Feuerflammcn. Und als Asseneth (dies) sah, fiel sie von Furcht erschreckt auf ihr Au» gesicht, der Engel aber stärkte sie, hob sie auf und sprach: ״Leg' ab das schwarze Gewand, womit du bekleidet bist und den Gürtel deiner Trauer und den Sack von deinen Lenden, und schüttele ab die Asche von deinem Haupte, und wasche dein Antlitz und deine Hände mit lebendigem Wasser und schmücke dich mit deinem Ge« schmeide, daß ich mit dir rede. Als sie sich eilend» geschmückt, kehrte sie zurück zum Engel. Der Engel sprach zu ihr: ״Ent» blöße dein Haupt von dem Florschleicr, denn du bist eine Jung» frau. Sei stark und freudig, Jungfrau Affeneth, denn dein Namen ist in dem Buche der Lebenden verzeichnet, und wird in Ewigkcit nicht gelöscht werde». Siehe vom heutigen Tage an bist du erneuert und lebendig gemacht worden, und du wirst da» Brod der Segnung effen und den Trank der Unvergänglichkeit trinken, und wirst gesalbt werden mit dem heiligen Oel. Siehe, ich habe dich heute dem Joseph zur Braut gegeben, und dein Name soll fortan nicht mehr Asseneth heißen, sondern Viel «Zuflucht. Denn die Reue erflehete für dich den Allerhöchste»; sie ist eine Tochter des Allerhöchsten, eine fröhliche, stet» lacheude und züchtige Jungfrau. Al» aber Asseneth den Enget nach seinem Namen befragte, erwiderte er: ״Mein Name ist mit dem Finger GotteS in dem Buche de» Allerhöchste» verzeichnet״ und Alle», wa» in diesem Buche geschrieben ist unerforschlich, und e» gebührt keinen sterb» lichen Menschen e« zu hören oder zu verstehen."